Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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ihre Anerkennung zu erringen und so den Anfang vom Ende ihrer Krisis zu erleben. Dieser Tage ist dem neugewählten Komitee nach langen Pourparlers endlich die offizielle Anerkennung durch den Großrabbiner zugegangen, und zugleich ist die seit dem Mai vorigen Jahres unterbrochene Auszahlung des der Gemeinde auf Grund ihres Privilegs zukommenden Gabella-Anteils wieder aufgenommen worden. Mit diesem erfreulichen Anfang ist es nun freilich noch nicht alle erledigt. Jetzt erst wird es sich darum handeln» die seit Jahr und Tag schwebenden Fragen zu einer endgültigen Lösung zu bringen, Das sind: erstens die Ratifizierung des aschkenasischen Rabbiners durch den Chachambaschi, zweitens die Feststellung des Modus der Auszahlung der 1400 türkische Pfund betragenden Gabellarückstände an die Aschkenasimgemeinde, drittens eine Einigung über den Modus der Beteiligung der Aschkenasim an den Wahlen zum Mischlisch Umumi, die die Aschkenasim in eigener Kurie vornehmen wollen. Es steht zu hoffen, daß auch diese strittigen Fragen zur völligen Zufriedenheit beider Teile jetzt erledigt werden, da guter Wille zu brüderlichem Zusammenarbeiten auf beiden Seiten erkennbar ist. In dieser Woche schon soll die erste Sitzung auf dem Großrabbinate stattfinden. Was jetzt noch fehlt, um die Existenz und die Arbeit der Aschkenasim Konstantinopels zu einer wahrhaft segensreichen zu machen, das ist die Einigung in ihren eignen Reihen. Noch immer stehen sich ja die „Kultusgemeinde" und die „Österreicher" als feindliche Brüder gegenüber, und nur ihrem Zwiste war die Einmischung des Großrabbinates in ihre internen Angelegenheiten zuzuschreiben. Wenn die Zeichen nicht trügen, so deuten sie auch hier auf den Durchbruch der Tageshelle. Die nächsten Tage werden darüber mehr Klarheit bringen. Vom „Makkabi" In der Damensektion zu - Pera haben die Arbeiten bereits begonnen. Die Sektion zerfällt in zwei Abteilungen, die der altern Mädchen und der Frauen, und die der kleinern Mädchen. In der letztem haben sich bereits 46 Mitglieder eingetragen. In Hasköj machte der Polizeichef des Vororts, Irfan Bey, dem Makkabi einen Besuch in der Halle. Er richtete nach der Turnvorführung, die ihm außerordentlich gefiel, eine Ansprache an die Turner, worin er ihre Verdienste für die Sache der türkischen Freiheit hervorhob. In Balat kam es nach Beendigung eines Vortrages des Ingenieurs Santo Semo Bey über Mesopotamien zu einer höchst erfreulichen Annäherungszene zwischen dem dortigen „Makkabi" und dem „Club de la Jeunesse Israelite", die sich bisher kalt oder als Widersacher gegenübergestanden hatten. Die Präsidenten beider Organisationen tauschten Versöhnungsansprachen aus. Den Schluß dieser Demonstration bildete die Anstimmung der Hatikwah. Konflikt zwischen der Alliance und der Gemeinde Monastir Die jüdische Bevölkerung von Monastir hatte die Abberufung der Direktion der dortigen Allianceschulen verlangt, da sie keine Achtung bei den Schülern genossen. Die Pariser Leitung schlug jedoch dieses Ansinnen rundweg ab. Daraufhin verließen 150 Schüler die Schulen, um in die Mönchsschulen überzutreten. Die Monastirer Juden bemühen sich jetzt, die Schulen aus eignem zu erhalten und verlangen von der Gemeindeverwaltung völlige Lossagung von der Alliance und die Unterstellung der Schulen unter den Hilfsverein, die die jüdischen Kinder dem Missionswesen wieder entreißen soll. Palästina Die Juden von Pekiin Pekiin ist ein Dorf in Galiläa, in dem es eine uralte Niederlassung jüdischer Bauern gibt. Diese Kolonie stammt nach Ansicht mancher Gelehrten aus der Zeit des zweiten Tempels, jedenfalls aber besteht sie ununterbrochen seit vielen Jahrhunderten und ist demnach die älteste jüdische Gemeinde des heiligen Landes. Die jüdischen Bauern von Pekiin sprechen Arabisch und gleichen in ihrer primitiven Lebensweise den Fellachen ihrer Umgebung. Ihr Schullehrer und Schächter ist ein sephardischer Jude aus Tiberias, der sein Gehalt von Baron Edmund Rothschild in Paris bezieht, da die Juden von Pekiin seit vielen Jahren nicht mehr in der Lage sind, aus eignen Mitteln einen Kultusbeamten zu besolden. In frühern Zeiten gab es wohl einige wohlhabende Leute unter ihnen, doch sind auch diese durch die drückenden Steuerlasten und andere unglückliche Umstände im Laufe der Jahre verarmt und waren gezwungen, einen großen Teil ihres Bodens zu verkaufen. In den letzten Jahren hat sich die materielle Lage der Juden von Pekiin in dem Maße verschlimmert, daß viele von ihnen gezwungen waren, nach Amerika auszuwandern. Die übrigen haben sich an verschiedene jüdische Organisationen und Kolonisationsgesellschaften mit der Bitte gewandt, ihnen ein größeres Darlehen zu gewähren, das sie in den Stand setzen würde, ihre Äcker durch Zukauf neuen Bodens zu vergrößern. In einem längern Artikel, den Dr. J. Lurie (Jaffa) im Wilnaer „Haolam" veröffentlicht, fordert er alle Freunde der jüdischen Kolonisation Paläetinas eindringlich auf, den jüdischen Bauern von Pekiin unter die Arme zu greifen, um diese älteste jüdische Niederlassung Palästinas vor dem Untergang zu retten. Ein neues jüdisches Stadtviertel in Jerusalem^ In Jerusalem hat sich vor kurzem eine Gesellschaft gebildet, die ein neues jüdisches Stadtviertel nach dem Muster vonTel-Awiw in Jaffa erbauen will. Ein roher Schlosser Am 5. Januar ist in Haifa der jüdische, beim Bau des Technikums beschäftigte Kutscher Raphael Ab od von einem deutschen Schlosser Weberuß schwer verletzt worden. Der Kutscher hatte wegen der Bezahlung einer kleinen Reparatur einen Streit mit einem andern, in derselben Schlosserei beschäftigten Arbeiter. Der Deutsche kam dazu, wollte dem Streit durch Zurücknahme des reparierten Teils ein Ende machen und schlug, als der Jude sich dem widersetzte, diesen mit einem schweren Schraubenschlüssel auf den Schädel, daß er zusammenbrach. Weberuß wurde sofort vom Konsulat verhaftet. Der Verletzte schwebte mehrere Tage in höchster Lebensgefahr, befindet sich jedoch jetzt auf dem Wege der Genesung. Die rohe Tat rief in der Stadt große Erregung hervor. Bezeichnend ist, daß sofort nach der Tat aus den Kreisen der deutschen Kolonie falsche Berichte in europäische Zeitungen lanziert wurden, in denen die ganze Schuld auf den Juden geschoben wurde. Das gerichtliche Urteil steht noch aus. Palästinabestrebungen unter der jüdischen landwirtschaftlichen Jugend Amerikas Im Oktober 1908 gründeten zahlreiche Zöglinge der in den Vereinigten Staaten bestehenden jüdischen Ackerbauschulen einen Verein unter dem Namen „Ha-Ikkar Hazair be-Amerika" („Der junge Landwirt in Amerika"). Der Zweck dieses Vereins ist, einen Stab tüchtiger, gutgeschulter jüdischer Ackerbauer für die Niederlassung in Palästina heranzubilden. Die Mitglieder sollen sämtliche Zweige der Landwirtschaft in Amerika theoretisch und praktisch gründlich erlernen und sich nach einer Reihe von Jahren in Palästina ansiedeln. Der Verein ist auch bemüht, für seine Bestrebungen in weiteren Kreisen der jüdischen Jugend Amerikas Propaganda zu machen, er hat jedoch bisher das Hauptgewicht auf die Ausbildung seiner Mitglieder gelegt, die zurzeit in verschiedenen Farmen Kaliforniens und anderwärts als landwirtschaftliche Arbeiter tätig sind. Ein jedes Mitglied wählt sich irgend einen Zweig der Landwirtschaft als Spezialgebiet, das er neben den andern Arbeitsfächern vorzugsweise pflegt. So widmen sich einzelne Mitglieder in erster Linie der Geflügelzucht, andere der Viehzucht, dem Körnerbau, den Baumkulturen usw. Sobald jedes einzelne Mitglied einen Betrag von mindestens 1000 Dollar erworben haben wird, soll die gemeinsame Reise nach Palästina angetreten werden. Der Verein geht von der Voraussetzung aus, daß die nach Palästina einwandernden landwirtschaftlichen Arbeiter von vornherein ein ausreichendes Maß landwirtschaftlicher Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen müssen, und daß beim Vorhandensein eines derart vorgebildeten Menschenmaterials die bisher in Palästina beobachteten bedenklichen Erscheinungen der Auswanderung usw. verschwinden werden. Die großartigen Erfolge der jüdischen Ackerbauschulen in Nordamerika, die erst vor kurzem auf der Konferenz des Jüdischen Farmerbundes wieder öffentlich festgestellt worden sind, lehren uns, daß es durchaus nicht so schwierig ist, wie viele glauben, jüdische junge Leute zu tüchtigen Ackerbauern zu erziehen. Der Verein „Ha-Ikkar Hazair be-Amerika" hat in dieser Hinsicht selbst sehr günstige Erfahrungen gemacht und hält es im Interesse der jüdischen Palästinakolonisation für überaus wünschenswert, daß sich in Amerika wie in Europa gleichstrebende Jugendgruppen bilden. Der Sekretär des Vereins (Adresse: Mr. M. Levine, c/o. S. T. Haight Jr., Earlville, III.) ist zu Auskünften aller Art gern bereit-