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Die Welt · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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galt und jetzt plötzlich in der heftigsten Weise gegen die Einwanderer loszieht. „The Survey" heißt dieses Blatt, das auch einige Juden zu seinen Mitarbeitern zählt. Diese vielgelesene Zeitung fordert eine radikale Verschärfung der EinwanderungSr gesetze, da sonst Amerika „einen Verrat an sich selbst beginge". Der Artikel wird als ein Sieg der Einwanderungsfeinde betrachtet und ist in jüdischen Kreisen mit einem Gefühle des Unmuts aufgenommen worden. Noch ein Orden akzeptiert das Baseler Programm An die namhaften und im öffentlichen jüdischen Leben Amerikas allgemein anerkannten Orden „Ahawath Israel", „Order Bnei Ziona, „Verband der Galizianer und Bukowiner Juden" usw., die auf dem Boden des Baseler Programms stehen und neben Versicherung ihrer Mitglieder im Todesfalle auch jüdische Prinzipien verfechten, schloß sich dieser Tage der „Progressiv Order of the West" in St. Louis an. Türkei Ein Vortrag Dr. Jacobsohns in Saloniki Herr Dr. Viktor Jacobsohn, der Direktor der Anglo Levantine Banking Company in Konstantinopel, hat am 11. Februar im Nouveau- Club in Saloniki einen Vortrag über „Zionismus und Ottomanismus" gehalten. Die Veranstaltung war von mehr als 400 Personen, darunter viele Damen, dem Generalinspektor des öffentlichen Unterrichtswesens des Vilajets und zahlreichen türkischen Journalisten besucht. Nach der Begrüßungsansprache des Herrn Matalon ergriff Dr. Jacobsohn das Wort zu seinem Vortrag, in welchem er in vorzüglicher Diktion die Beziehungen zwischen dem Zionismus und dem ottomanischen Judentum sowie den Interessen des ottomariischen Staates klarlegte. Der Zionismus — so führte er unter oftmaliger Zustimmung des Auditoriums in großen Zügen aus — sei in jeder Hinsicht mit ottornanisch-patriotischer Gesinnung vereinbar. Jeder ottomanische Patriot müsse mit dem Zionismus einverstanden sein, dessen Bestrebungen einen großen Segen für die Türkei enthalten, weil sie die Einwanderung eines treuen, fleißigen und kulturell hochstehenden Elementes bezwecken, dessen Wert für die sich verjüngende Türkei jedem klar sein müsse. Der Vortrag übte auf die Zuhörerschaft eine ungemein Hefe Wirkung. Er hat auch zu der allgemein ausgesprochenen Überzeugung geführt, daß die nationale Auffassung des Judentums, deren Ausdruck der Zionismus ist, nirgends mit der staatsbürgerlichen Loyalität in Konflikt kommen kann. Man kann deshalb jetzt mit grofoer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Preßpolemiken gegen den Zionismus nunmehr ihr Ende gefunden haben. Brief aus Konstantinopel Von unserm Berichterstatter Ministerkrise Die Demission Talaat Bejs vom Ministerium des Innern hat weitere Erschütterungen innerhalb des Kabinetts nach sich gezogen. Es sind im Grunde genommen nur Erscheinungen, die längst zu erwarten, die nur aus Gründen der Taktik zurückgeschoben worden waren. Schon vor Beginn der laufenden Kammersession war von Veränderungen in der Regierung gesprochen worden, und so darf man sich denn nicht allzusehr verwundern, wenn sich jetzt auch das Schicksal des Unterrichtsministers Emrullah und des Arbeitsministers Haladschian erfüllt hat. An .Stelle Talaat Bejs hat. wie wir schon als Vermutung vorhergesagt, jedoch nur nach schwerem Zögern, Halil Bej, der bisherige Führer der parlamentarischen Unionspartei, das Portefeuille des Innern übernommen. Der öffentliche Unterricht dürfte dem bisherigen Mitredakteur des „Tanin" Ismail Hakki Bej Babanisade übertragen werden. Das Arbeitsministerium aber macht viele Sorge, da der Usus bisher daran festgehalten hatte, es in armenische Hände zu geben, und sich ein geeigneter Armenier gegenwärtig nicht recht finden läßt. Ob das Schicksal des von Emrullah der Kammer vorgelegten Unterrichtsgesetzes durch den Ministerwechsel irgendwelche Veränderung erfahren wird, ist noch nicht abzusehen. Zur Schaffung eines modernen türkischen Katasters Die Generaldirektion des türkischen Katasterwesens hat der Hohen Pforte einen detaillierten Bericht über die folgenden, von ihr ausgearbeiteten und weitergegebenen Gesetzesprojekte zugehen lassen: 1. Neues Immobiliengesetz, umfassend 245 Artikel, augenblicklich beim Großwesirat, ist nur durch Zufall der Verbrennung entgangen. 2. Neues Gesetz über das Schätzungswesen, das die Grundlage für den neuen Kataster abgeben soll. (60 Artikel wurden durch das Feuer im Archiv des Staatsrats vernichtet.) 3. Reglement zur Anwendung des Gesetzes über das Schätzungswesen, 113 Artikel. 4. Instruktionen über die Neueinschätzungen der Immobilien im Wilajet Kossowo, bereits in Anwendung; soll auch auf die Wilajets Monastir und Skutari in Albanien ausgedehnt werden. 5. Neues Gesetz über das Staatsgrundbuch, ausgearbeitet auf Grundlage der französischen und italienischen Systeme. 6. Reglement über die Anwendung dieses Gesetzes. 7. Gesetzesprojekt über die Verteilung der Staatsländereien Mesopotamiens an die arabischen Stämme; hat den Staatsrat passiert und liegt auf dem Großwesirat. 8. Gesetz über die Formalitäten bei der Grundstückerwerbung für fremdländische Schul- und Wohltätigkeitsanstalten, sowie ihre Privilegien. 9. Gesetzesprojekt über die Rechte des Staatsschatzes bei Banken auf Staatsländereien. 10. Instruktionen zur Sicherung des Privatbodenbesitzes und Erleichterung der Eintragungsformalitäten. 11. Gesetzesprojekt über die Verteilung von Staatsländereien an Eingeborene in afrikanisch Tripolis und über die Anlage von Olivenpflanzungen daselbst. 12. Gesetzesprojekt über Schaffung eines Auskunftsbureaus bei der Generaldirektion des Katasters. Die Einnahmen des Departements betrugen im abgelaufenen Jahre eine Viertelmillion Mark mehr als im Vorjahre. Von der Bagdadbahn Indes die Bagdadbahn den Gegenstand hitziger Preßpolemiken und internationaler diplomatischer Verhandlungen bildet, — auch zwischen der Türkei und Großbritannien sollen ja solche jetzt aufgenommen werden — wird still, aber emsig an ihrer Weiterführung gearbeitet. Es handelt sich um die Strecke Halef-Bagdad von 600 km Länge, deren Bau von beiden Endpunkten aus zugleich angegriffen werden und in sechs Jahren beendet werden soll. Dieser Tage fand eine Besprechung zwischen dem Großwesir, dem Finanz- und dem Arbeitsminister einerseits und dem Generaldirektor Hügnenin der Bagdadbahn statt, hierauf auch zwischen dem Großwesir und dem deutschen Botschafter. Über die Kilometergarantien soll ein Einvernehmen bereits erzielt sein. Die Bagdadbahn-Gesellschaft hofft, in einigen Monaten einen Teil der Strecke Eregli-Adana dem Verkehr übergehen zu können. Der Hafen von Haifa Das endgiltige Studienprojekt über den Bau des Hafens von Haifa soll in einem Jahre bereit sein, und wird eine Ausgabe von 2000 Pfund erfordern. Der Bau selbst soll zehn Millionen Franken kosten, die von den Konzessionären der Es-Salt-Minen vorgeschossen werden. Ebenso werden diese zweieinhalb Millionen Franken für den Bau der Bahnstrecke Amma-Es-Salt liefern. Die Aschkenasische Kultusgemeinde Was wir erhofft hatten, ist glücklicherweise endlich eingetreten. Das Großrabbinat hat eingesehen, daß die Aschkenasische Gemeinde im Rechte war und daß es im höchsten Interesse der ganzen Konstantinopeler Judenheit gelegen sei, endlich mit der Herstellung der Ruhe durch Erfüllung gerechter Volksfordcrungen zu beginnen. Diese Erkenntnis hat sich nicht leicht Bahn gebrochen. Es bedurfte dazu die Überwindung großer Widerstände im Schöße des Konsistoriums, der Zurückdrängung radikaler Einflüsse zugunsten friedlicher gestimmter. Wenn aber irgend wem das glückliche Ergebnis gutzubuchen ist, so ist es der wackere Präsident der Aschkenasischen Kultusgemeinde, unser Gesinnungsgenosse J. H. Reisner, der eine feste Hand und diplomatische Gewandtheit zugleich bewiesen hat. Seiner unermüdlichen Regsamkeit und seinem großen Talent zu überzeugen und zu gewinnen, ist es im wesentlichen zuzuschreiben, wenn es der Aschkenasimgemeinde gelungen ist, sich durchzusetzen,

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