Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316470--54309-3348090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIEE^I ELT 175 Mo. 8 Martin Lev igard- Frankfurt referierte dann über den „Zionismus, eine Lösung der Judenfrage", schilderte die Entstehung der zionisiischen Bewegung und feierte den Zionismus in begeisternden Worten als die weltumspannende Organisation, die den Gedanken der jüdischen Solidarität verwirkliche, den We-tjuden wieder stolz auf sein Judentum mache, während er den Ostjuden wirtschaftliche Erlösung durch die Kolonisation in Palästina bringe. Als dritter Redner sprach Herr L. Perlmutter-Frankfurt über „Em an zipation und Autoemanzipation", der an einem historischen Überblick über die verschiedenen Piiasen der Emanzipation nachwies, daß eine äußere Freiheit ohne innere Befreiung unmöglich sei, und darauf hinwies, daß die wahre Emanzipation erst dann sei, wenn, wie der Zionismus es lehre, das jüdische Volk sich selbst wieder achte. Stürmischer Beifall folgte den einzelnen Referaten. 13 neue Mitglieder wurden gewonnen. Zionistische Literatur wurde verkauft. Österreich Brüx. Die in der Generalversammlung des jüdischen Volksvereins „Zionu in Brüx arn 12. d. M. stattgefundenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Ausschuß: Heinrich Bermann, M. U. Dr. Leopold Kohn, Karl Kohn, Alexander Fischer, Arthur Kohn, Ernst Pick, Otto Kohn, Ernst Heller, Jakob Heller, Iguaz Taussig, Adolf Stadtler, Rudolf Heller. Revisionsauschuß: Eduard Kohner, Sig. Zalud. Schiedsgericht: Adolf Engländer, Alfred Mukden, Max Baum, Ludw. Reinhalt, Karl Fischer. Delegierte zum D. T.: Heinrich Bermann, M. U. Dr. Leopold Kohn, Otto Kohn. Ersatz: Karl Kohn, Moritz Flawatsch. Im Anschlüsse an die Generalversammlung wurde dem Publikum einiges aus der jungjüiischen Literatur zu Gehör gebracht. Besondere Erwähnung verdienen die in jeder Weise gediegenen Rezitationen der Frau Frieda Baudler, die stürmischen Beifall auslösten. Prag. Verbindung „Jordania". Chaigenwahlen: ing. cand. Kurt Urbach X, phil. cand. Josef Schlesinger XX,FX, techn. Robert Kleniperer XXX. Wien. Die Chargenwahlen der akademischen Verbindung „Kadimah1' ergaben für das LVII. J. S. folgendes Resultat: J. M. C. Ludwig Münz X, exp. Marcus Pilz er XX, F X, med. Viktor Hahn XXX (XXX). Wien. Unter außerordentlich großer Beteiligung wurde am 7. Februar die Ballakademie der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien" im Kursalon der Stadt Wien abgehalten. Ein distinguiertes Publikum füllte den Saal bis auf das letzte Plätzchen. Eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten hatte sich eingefunden. Nach einer Begrüßungsansprache des Präses J. U. C. Max Körner und einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede des Abgeordneten Dr. Mahl er begann die Akademie mit einem Klaviervortrag des den Wienern trotz ihrer Jugend als technisch vollendete Pianistin bekannten Fräuleins Kahane. Daran schlössen sich beifälligst aufgenommene Darbietungen der Frau Popper- .1 a n o vv it z e r und desKonzertmeistersZi m b i e r. Frau OlgaL i eb st öc k 1 entzückte die Zuhörer durch den Vortrag einer Arie und mehrerer Lieder. Den Höhepunkt erreichte die Akademie, als Frau Grete Hohn das Podium betrat. Immer wieder erneuter Beifall folgte ihren mit Charm gesungenen Liedern. Großen Beifall fand auch Herr Ziegler von der Volksoper und Herr Stein er vom Johann Strauß-Theater. Die Reihe der künstlerischen Produktionen schloß Herr Fritz Grünbaum von der „Hölle4'. Die Regie der Akademie leitete mit großem Geschick Herr Oberregisseur Dorn. Die Klavierbegleitung besorgte in exakter Weise Schriftsteller Dr. Oskar Bendiener. Nach Abwicklung des Programms wurde getanzt. Das bosnische Judenmandat An Stelle des zurückgetretenen Landtagsabgeordneten Josua Salom wurde von der jüdischen Kurie Herr Dr. Vita Alkalay in den bosnischen Landtag entsendet. Dr. Alkalay ist seiner Gesinnung nach zu den Freunden des Zionismus zu rechnen. Der frühere Führer der Sarajewoer jüdischen Gemeinde und Mitglied der ersten türkischen Kammer A. Salom ist im hohen Alter gestorben. Der Verblichene war der langjährige Vorstand der Judengemeiride in Sarajewo und stand in hohem Ansehen bei der gesamten Bevölkerung. Vom Exsultan Abdul-Hamid wurde Salom zum Kämmerer ernannt; während des Okkupationsfeldzuges wurde ihm vom kommandierenden General der Okkupationsarmee die Kasse der Stadt Sarajewo anvertraut. England Jahreskonferenz der English .Zionist Federation Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation findet übermorgen, den 26. Februar, in Manchester statt. Cardiff. Am 5. Februar hielt Frau Annie Levy aus Liverpool als Gast der Dorshei Zion Association einen Vortrag in der Oddfellows Hall über „Die jüdische Frau und ihre Pflichten gegen den Zionismus". Der Präsident, Herr Barnett J aco bs, führte den Vorsitz. Das Resultat des Vortrages war die Gründung eines zionist sehen Frauen verens, dem 32 Mitglieder beitraten. Der Rednerin wurde von der Versammlung der Dank votiert. Leeds. Letzthin fand hier die Jahresversammlung des hiesigen Zionistischen Vereins unter dem Vorsitz des Herrn Sielk: statt. Der Jahresabschluß zeigte, daß außer den gewöhnlichen Einkünflen für den Nationalfonds über £ 35 und fürSchekolim über £ 9 gesammelt worden waren; für £ 25 waren Aktien des J. CT. und der Anglo- Palestine Company gekauft worden. Der Verein besitz jetzt 167 Aktien des J. CT. und 45 der A. P. C Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen und in den neuen Ausschuß gewählt die folgenden Herren: W. Sielk, Präsident; B. Winneberg und J Heller, Vizepräsidenten; M. Feldman, Schatzmeister, H. Feldman, Finanz- und Korrespondenzsekretär; L.Marcus, Nationalfondssekretar; Dr. M. Umanski, D. Segal und M. Walsh als Revisoren. Liverpool, Anfangs Februar veranstalteten die beiden hiesigen Jugendvereine eine Propagandaversammlung in der Zionist Hall. Eine große Anzahl Nichtniitglieder war erschienen. Den Vorsitz führte Herr J. Kietz. Herr Sol. Cohen sprach über „Zionismus als ein Ideal für die jüdische Jugend". Am Schlüsse der Versammlung konstatierte der Präsident, daß alle erschienenen Nichtniitglieder einem der Vereine beigetreten waren. Brief aus Amerika (Von unserm Berichterstatter) Grat Apponyis Besuch und die ungarischen Juden Das Sprichwort „Aus den Augen aus dem Sinn" muß Rankerott ankündigen, wenn man das Verhalten der ungarischen Juden in New York betrachtet. Für diese gibt es keine räumliche Entfernung, und auch der „Zahn der Zeit" scheint ihnen nichts anhaben zu können. Die ungarischen Juden in New York, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe opferwilliger Zionisten, haben ihren althergebrachten kindlichen Hurrapatriotismus noch immer nicht verlernt. Nicht nur der 15. März und andere magyarische Gedenktage vermögen es, diese jüdischen Magyaren auf die Beine zu stellen und sie, — ob schön, ob Regen, — die rot-weiß-grüne Fahne entfalten zu lassen, sondern schon der nichtssagende Besuch irgendeines ungarischen „Adeligen" genügt, um den ungarisch-jüdischen Ghettowinkel New Yorks, der sonst in keiner einzigen jüdischen Angelegenheit ein Lebenszeichen von sich gibt, in Aufruhr zu versetzen. Diesmal hafs ihnen Grjf Albert Apponyi angetan. Er kommt weder zu den Ungarn, noch zu den ungarischen Juden in New York; sein Besuch gilt der für die Weltfriedensidee arbeitenden Gesellschaft „Civic Forum", die dank Carnegies' Zehnmillionenstiftung sich den Luxus gestattet hat, Graf Apponyi einzuladen und ihm für einige salbungsvolle Vorträge fünftausend Dollars zu bezahlen. Merkwürdigerweise rüsten sich die hiesigen wirklichen Magyaren gar nicht zum Empfange des Grafen Apponyi; wenigstens machen sie kein Aufhebens1 davon, während die Pseudomagyaren mosaischer Konfession dem antisemitischen Grafen in würdeloser Weise rauschende Huldigungen bereiten. Die hiesigen Ungarn leben bekanntlich von den ungarischen Juden genau so getrennt, wie in der alten „liberalen" Heimat, und der „Verhovay-Verein" hat es ausdrücklich abgelehnt, den patriotischen Juden in New York den Empfang des edien Grafen verschönern zu helfen. Der ungarische Zionisten verein hielt jüngst eine gut besuchte Versammlung ab und faßte einstimmig eine Resolution, wonach es ein Gebot der Selbstachtung sei, daß die ungarisch-jüdischen Bürger New Yorks sich von dem Empfange des judenfeindlichen Grafen fernhalten. Zur Einwanderungsfrage Die für unsere Brüder im Osten Europas so verhängnisvolle Zurückweisung lausender Einwanderer, die in amerikanischen Häfen landen wollen, dauert noch immer fort. Die Proteste der Juden und anderer betroffenen Nationalitäten in Amerika scheinen an den strengen Maßregeln des Einwanderungskommissärs William nichts geändert zu haben. Die Zahl der Gegner einer Masseneinwanderung nach den Vereinigten Staaten wird von Tag zu Tag größer. Im letzten Briefe berichtete ich über die Stellungnahme des Rooseveltschen Organs „The Outlook" zu der Einwanderungsfrage; heule muß ich wieder von einem andern Organ berichten, das bisher als judenfreundlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.