Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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174 DIE^ELT No. 8 Wenn eine Gefahr für das Judentum in der Türkei entstehen könnte, so liegt die Verantwortung hierfür einzig und allein auf Fresco und seinen Freunden. Der jungtürkische Schriftsteller Kiasim Nami Bey in Saloniki, dessen Äußerungen gegen den Zionismus jüngst in einem großen Teil der europäischen Presse mit viel Lärm verkündet wurden, hat selbst nachher erklärt, er sei absolut unrichtig über den Zionismus orientiert gewesen, „Wenn Juden selbst herumgehen," hat er dem Herausgeber der „Revista Populär" gegenüber erklärt, „um zu erzählen, daß ihre Brüder Pläne verfolgen, die dem Reichsinteresse zuwiderlaufen, so ist es ganz natürlich, daß dies starken Argwohn und mißliche Folgen erzeugen kann." Nun will aber Herr Fresco seine öutachtensatnmlung als eine Massenbroschüre gratis verteilen. Diese Drohung schreckt uns nicht. Die Persönlichkeit des Herrn Fresco ist nicht imstande, mit solchen Mittelchen eine Bewegung wie den Zionismus aufzuhalten. Herrn Fresco dürfte das arabische Sprichwort bekannt sein: „Der Hund bellt, aber die Karawane geht weiter." Den Plan des Herrn Fresco besprechen wir nur, um zu beweisen, wie ernst man seine Behauptung: „er sei seit 40 Jahrenbestrebt, für den Fortschritt seiner Glaubensbrüder im Orient zu arbeiten", aufzufassen hat. Herr Fresco hat das Baseler Programm falsch zitiert. Das ist vielleicht eine Kleinigkeit, mit der wir uns nicht weiter befassen wollen. Er hat zwei Briefe, in vollständig verändertem Inhalt ohne Vorwissen und Zustimmung der Autoren in eine Zeitung lanziert. Das wäre auch nicht schlimm. Es ließe sich das aus einer fanatischen Feindschaft gegen unsere Bewegung erfr- (ooooooo o o o o o o o Poalezionistische Weltkonferenz Das Wiener Bureau des Universellen Jüdisch-Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion hat die III. Weltkonferenz des Verbandes für die letzte Juliwoche einberufen. Die provisorische Tagesordnung der Konferenz wurde in nachstehender Weise festgesetzt: 1. Eröffnung, Wahl des Bureaus und der Legitimationskommission; 2. Berichte des Verbandsbureaus und der Landesparteien; 3. Bericht des Palästinaarbeiterfonds; '4. Die politische Situation und die kulturellpolitischen Aufgaben des jüdischen Sozialismus in Palästina; 5. Organisation des Verbandes und Arbeitssekretariat in Palästina; 6. Der X. Zionistenkongreß; 7. Jüdische Sektion in der Sozialistischen Internationale; 8. Die Emigrationsfrage; 9. Die J. C. A.-Kolonisation in Argentinien; 10. Presse und Agitation; 11. Wahlen. Als Ort der Weltkonferenz ist, vorbehaltlich der Zustimmung der Landesexekutiven, Wien in Aussicht genommen. Deutschland Frankfurt a. M. Eine glänzende Veranstaltung stellte der Vortragsabend der beiden zionistischen Ortsgruppen über „Die jüdische Frau als Tochter ihres Volkes" dar. Als Rednerin war für die verhinderte Frau Rosa Melzer-Lemberg Frl. Auerbach aus Köln gewonnen worden. In jugendlicher Wärme und dem Inhalte wie der Form nach vollendeter Weise besprach Rednerin in historischen A isblicken d;e Stellung der jüdischen Frauen im und zum Judentum und stellte der rührenden Hingebung der starken biblischen Frauen (Mirjam, Ruth, Hannah) die antijüdische Tätigkeit der Frauen der Assimilationsperioden (Rahel Leuin, Henriette Herz) grgenüber. In geistvollen Worten zu den die moderne Frau berührenden Problemen St-llung nehmend, wies Rednerin nach, wie die großen Aufgaben, die die moderne Zeit mit Recht den Frauen stelle, von den jüdischen Frauen am klären. Fanatiker, selbst sonst ehrliche Männer, kommen leicht in Versuchung, im politischen Kampfe Mittel anzuwenden, die sie sonst nicht gebrauchen würden. Aber Herr Fresco ,hat noch mehr getan. Er hat in den Kampf gegen den Zionismus eine neue Note hineingetragen: Er schleppt eine jüdische Angelegenheit vor ein nichtjüdisches Publikum. Er hat den Zionismus in der Türkei als staatsgefährlich bezeichnet. Er ist zu Richter und Polizei gerannt und hat Juden, also seine eigenen Glaubensbrüder, als Hochverräter denunziert. Er hat dies in einer Zeit getan, in der der jungtürkische Nationalismus besonders empfindlich war und in der man das Kriegsrecht in Konstantinopel sehr streng handhabte. Die Denunziationen des Herrn Fresco hätten unabsehbare Folgen haben können, wenn nicht der türkische Richter ein ruhiger und besonnener Mann gewesen wäre. Den Vorwurf des Denunziantentums, der in Konstantinopeler Blättern gegen Fresco geschleudert wurde, hat er auf sich sitzen lassen. Welchen Wert besitzt denn der Eid eines Mannes, dessen Charakter wir hier bloßgelegt haben! Ein Mann, der seine eigenen Brüder denunziert, der fälscht, nachweisbar die Unwahrheit behauptet: der schwört jeden Eid. Unsere publizistische Pflicht ist es gewesen, die gewissenlose Handlungsweise des Herrn Fresco, die nachgerade zu einer Gefahr, nicht nur für den Zionismus, sondern für das gesamte Judentum wird, vor der ganzen Öffentlichkeit festzustellen. Die leitenden türkischen Persönlichkeiten und. die Wortführer der jüdischen öffentlichen Meinung wissen nunmehr, wer Herr Fresco ist. ((OOOOOOO^ o o o o o o besten durch die regste Mitarbeit an der Renaissance ihres eignen Volkes gelöst würden. Reicher Beifall folgte den Ausführungen, für welche der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild, der Rednerin in einigen Worten den herzlichsten Dank der Veranstalter aussprach. Konstanz. Etwas gewagt mochte es erscheinen, als der Vorstand unserer hiesigen Ortsgruppe zu einem musikalischdeklamatorischen Abend ins Hotel Hahn einlud. Um so mehr darf von der erfreulichen Tatsache berichtet werden, daß in Anbetracht, daß hier die Ortsgruppe unglaublich schwer um ihre Existenz zu kämpfen hat, der große Saal die große Schar der Teilnehmer kaum fassen mochte. Leider war es nicht das Interesse für unsere Sache, das uns so viele Gäste brachte, sondern dem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß es unserem Vorstande gelang, viele hiesige bedeutende Kräfte, auch Nichtzionisten für diesen Abend zu gewinnen. Von auswärtigen Mitwirkenden darf hier speziell Frau Dr. Pinkus aus Zürich genannt werden, in der wir eine vollendete Künstlerin kennen lernten. Eine mitverbundene Bezalelausstellung konnte einen schönen Erfolg verzeichnen. Ebenso erfreuten sich die Lose für die Tombola eines regen Zuspruchs. Hoffentlich hat d eser Anlaß seine Wirkung nicht verfehlt, so daß sich die hiesige Ortsgruppe größerer Sympathie von Seiten der hiesigen Gemeinde erfreuen darf. Offenbach a. M. Vor überfülltem Saale fand die vom Zionis tischen Qruppenverband für Hessen und Hessen-Nassau veranstaltete öffentliche Versammlung statt, die von Herrn L. Perlmutter - Frankfurt a. M. geleitet" wurde. Nach kurzen Worten des Vorsitzenden sprach zunächst Herr Dr. iur. Gottlieb- Frankfurt a. M. „Zur Judenfra^e in Ost und West", der an Hand eines reichen statistischen Materials die geistige Judennot der Westjuden und d;e wirtschaftliche Judennot der Ostjuden analysierte und die Versuche der bestehenden Organisationen, mit kleinen Mitteln die Judenfrage aus der Welt zu schaffen, kritisierte. Herr AUS DER BEWEGUNG