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Die Welt · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. -8 DIE^IX 173 fiore, Satomoii Reinach, Mitglied des Institut de France, und Dr. Frank, Rabbiner in Köln, in den großen türkischen politischen Organen „Tanin" und „Sabah" veröffentlichen. Meine Absicht war, den Türken zu zeigen, daß die bedeutenden Persönlichkeiten in Israel den politischen Zionismus mißbilligen und den türkischen Juden vorbehaltlos Anhänglichkeit an das Land, das sie als vollständig gleichberechtigte Bürger behandelt, empfehlen. Ich habe mir absolut nicht erlaubt, den Text der Briefe, die ich erhalten habe und die in meiner Zeitung voll erschienen sind, auch nur um ein Jota zu verändern. Ich bin jetzt im Begriffe, alle erhaltenen Briefe in einer Broschüre zusammenzufassen, welche gratis unter den türkischen Juden zur Verteilung gelangen wird. Die Herren, die mir die Ehre erwiesen haben, mein Einladungsschreiben zu beantworten, wurden in keine Falle gelockt, wie der Schreiber des Artikels in der „Welt" insinuiert. Im Gegenteil, ihnen gebührt das Verdienst, durch ihre offenen und ehrlichen Aussagen über die unselige Bewegung, Zionismus genannt, dem ottomanischen Judentum einen großen Dienst erwiesen zu haben. In dem gleichen Artikel des offiziellen zionistischen Organs werden mir alle möglichen Verbrechen und Erpressungsversuche auf den Oberrabbiner der Türkei in die Schuhe geschoben. Ich glaube, daß unter allen jüdischen Zeitungen der Welt der „Jewish Chronicle" den größten Leserkreis besitzt. Ich betrachte ihn daher als ein hohes Tribunal. Vor diesem Tribunal schwöre ich bei Gott und dem ganzen über dem Erdenrund zerstreuten Volk Israel, daß alle Anklagen, die die zionistische Presse in der Türkei und im Auslande gegen mich erhoben hat, nichts als pure und lächerliche Verleumdungen sind. Ich betätige mich schon beinahe vierzig Jahre als Journalist und habe stets für den Fortschritt meiner Glaubensbrüder im Osten gearbeitet, zu deren Hebung ich auch durch meine zahlreichen Schriften beigetragen zu haben glaube! Gott ist mein Zeuge, daß ich während meiner langen Laufbahn keine unehrliche Handlung begangen oder auch nur einen ungerechten Gedanken gefaßt habe." * * * In dem Artikel in Nr. 4 der „Welt", gegen den sich Herr Fresco verteidigt, waren drei Angelegenheiten besprochen worden, und zwar 1. die in dem Briefe des Herrn Fresco vom 28. Dezember 1910 enthaltene Fälschung des Baseler Programms; 2. der zur gleichen Zeit wie im „Tiempo", aber mit verändertem Inhalt erfolgte Abdruck der Gutachten der Herren C. Montefiore und Dr. Frank im „Yeni Assir" in Saloniki; 3. die beiden am 28. Oktober 1910 herausgekommenen, im Inhalt verschiedenen Ausgaben des „Tiempo". Auf den Punkt 1 geht Herr Fresco nicht weiter ein. Er sagt bloß: „Die Herren, die mir die Ehre erwiesen, auf mein Einladungsschreiben zu antworten, wurden in keine Falle gelockt, wie dies der Schreiber des Artikels insinuiert". Demgegenüber stellen wir fest: In dem Einladungsschreiben des Herrn Fresco steht: „Von der Tatsache ausgehend, daß der Zionismus, basierend auf dem Baseler Programm,, die Schaffung eines Judenstaates in Palästina zum Ziel hat," Tatsächlich lautet das Baseler Programm: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Herr Fresco hat mithin Sinn und Wortlaut des Baseler Programms gefälscht zu dem doppelten Zwecke, den Empfängern seiner Briefe eine ganz bestimmte Ansicht auf Grund einer gefälschten Voraussetzung zu suggerieren und die türkische Regierung und Öffentlichkeit durch die erhofften Antworten zu beeinflussen. Nicht wir haben dies als eine Falle bezeichnet, sondern Herr Fresco. Aber wir akzeptieren seinen Ausdruck, weil er wirklich die richtige Beleuchtung seiner Handlungsweise darstellt. Zu Punkt 2 erzählt er von den Auszügen der Briefe, die er an den „Sabah" und „Tanin" gesandt hat. Dayon war in unserm Artikel keine Rede, Herr Fresco sagt aber kein Wort über die in Saloniki erfolgte Veröffentlichung des zugestutzten Briefes des Herrn Montefiore und des gefälschten Briefes des Herrn Frank, deren Originale nur an Herrn Fresco für sein spaniolisches Blatt nach Konstantinopel gerichtet worden waren. Er klärt nicht die Frage auf, wieso denn diese Gutachten zur gleichen Zeit in Konstantinopel und in dem 24 Stunden von Konstantinopel entfernten Saloniki erscheinen konnten. Zu Punkt 3 findet Herr Fresco kein anderes Verteidigungsmittel, als durch einen Schwur „bei Gott und dem über die ganze Erde zerstreuten Volk Israel" seine Unschuld zu erhärten. Ein solcher, unverlangter Eid ist im allgemeinen kaum das geeignete Mittel, Tatsachenmaterial zu entkräften. Im vorliegenden Fall aber ist er ein offenkundiger Meineid. Denn die beiden Ausgaben des „Tiempo" existieren. Die eine, welche Herr Fresco vom Versand zurückgehalten hat, sollte den Chacham- Baschi zu den Ansichten des Herrn Fresco bekehren. Wir haben das nicht als einen Erpressungsversuch bezeichnet, sondern Herr Fresco. Aber wir akzeptieren seinen Ausdruck, weil er wirklich die richtige Beleuchtung seiner Handlungsweise darstellt. Wenn Herr Fresco Gott zum Zeugen anruft, daß er sich während seinerlangen Karriere keiner ehrlosen Handlungsweise schuldig gemacht habe, so genügt zur Illustration seiner Wahrheitsliebe die Vorlage der beiden Nummern des „Tiempo" oder des Exemplares der Konstantinopeler Zeitung „Aurore", welche die bezüglichen Titelseiten des „Tiempo" seinerzeit faksimiliert hat. Ferner behauptet Herr Fresco, er habe den Zionismus seit seinem Bestehen bekämpft. Dies ist eine neuerliche Unwahrheit. Es gibt in Herrn Frescos journalistischer Praxis eine Periode, in welcher er gegen den Zionismus nicht die geringste Feindschaft zeigte. Er hat im „Tiempo" Artikel von bekannten Zionisten, wie z. B. Sokolow, veröffentlicht, die selbstverständlich zionistischer Tendenz waren. Diese Haltung Frescos war freilich nicht von ideellen oder politischen Motiven bestimmt, sondern resultierte aus gewissen finanziellen Interessen des Herrn Fresco. Als diese finanziellen Interessen nicht mehr vorhanden waren, begann Herr Fresco den Kampf gegen den Zionismus. Es war dies im Sommer 1909. Ober die Motive, welche Herrn Fresco zu seiner antizionistisclfen Kampagne veranlaßten, erzählt er, daß die zionistische Propaganda in den leitenden jungtürkischen Kreisen einen Sturm entfacht habe. Den hierdurch hervorgerufenen schlechten Eindruck habe er verwischen wollen. Nun ist es Tatsache, daß die zionistische Propaganda niemals in den leitenden jungtürkischen Kreisen einen Sturm erregt hat, noch ihrem Wesen nach erregen konnte. Es ist aber auch Tatsache, daß Herr Fresco bemüht ist, durch eine systematische Kampagne von Unterschiebungen, Entstellungen und Fälschungen in den jungtürkischen Kreisen Mißtrauen gegen den Zionismus zu erwecken und dessen ruhige, friedliche Kulturarbeit zu stören. Er verfolgt dieses Ziel sowohl in der Öffentlichkeit als auch auf Hintertreppen. Der Herausgeber des „Tanin", Hussein Dschahid Bey, der die antizionistischen Briefe in seinem Blatte abdruckte, hat offen und unter Bedauern zugegeben, er sei in wiederholten Besuchen von dem Redakteur des „Tiempo" gedrängt worden, ihm doch den Gefallen zu tun, jene Briefe zu veröffentlichen.

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