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Die Welt · 1911-02-24 · 8 (24.2.1911) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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170 DIE^ Als er diese Worte niederschrieb, hat er sicherlich an seine eigene Mutter gedacht. An diese Worte mußte ich denken, als ich vor wenigen Wochen Herzls Mutter in Wien gesehen, zum letztenmal gesehen habe. Sie war in der letzten Zeit stark gealtert, ihre hohe Gestalt war etwas gebeugt und sie sprach auch langsamer als sonst. Sie sprach, wie immer, von ihrem „großen Sohn". Früher, als er noch lebte, hieß er nur „der gute Sohn" oder „mein gutes Kind." Wenn sie von ihm sprach, klang ihre Rede stolz. Aus jedem Worte war herauszuhören: Ich bin die Mutter Theodors Herzls! Sie. sprach von ihren drei Enkeln, von den Kindern und ihrer Zukunft. Mehr aber noch sprach sie von der Vergangenheit, von ihrem großen Leid. Ihr Leid war unendlich groß. Sie hat ihren Gatten, ihre einzige Tochter und ihren einzigen Sohn durch den Tod verloren und stand einsam in der Welt. Aber sie klagte nicht, wie andere das sonst tun. Sie weinte nicht und jammerte nicht, denn ihr Wesen war vornehm. Nur einmal sah ich sie außer Fassung. Es war in dem Momente, als man ihn, ihren großen Sohn, hinaustrug; da brach sie zusammen. . . . Aber nur für einen Augenblick. Dann ergriff sie krampfhaft meinen Arm, stützte sich und stand wieder aufrecht da, wie eine Fürstin. Sie war eine feine Dulderin. Das Leiden beugte sie nicht, es erhöhte sie. So war Herzls Mutter, und vieles, was wir an unserm Herzl bewunderten, waren angeerbte Eigenschaften seiner Mutter. Heute wird sie in die Gruft gesenkt, in der Herzl und sein Vater ruhen. Diese Gruft auf dem Döblinger Friedhof in Wien trägt als Inschrift ein einziges Wort: Herzl. Dieser Herzl beschwor uns, gleich Joseph, in seinem letzten Willen: „Sobald Gott Euch bedenken wird, so sollt Ihr meine und die Gebeine meiner Eltern aus dieser Gruft mit hinaufbringen in das Land unserer Sehnsucht und unserer Zukunft." Auf die Frage: „Wie lange noch?" antwortete Herzl einmal: „Sagt mir, wie rasch Ihr gehen wollt, und ich werde Euch sagen, wann Ihr anlangt." Köln, 23. Schewat. David Wolffsohn. Zur Finanzfrage im Zionismus Daß viele Leute trotz ehrlichster Begeisterung nicht gern ihren Geldbeutel auftun, wenn es einem Ideal gilt, ist bekannt, und zu einem guten Teil (was ebenso bekannt ist) die Ursache der zionistischen Finanznöte. Aber deswegen könnten sie doch immerhin die Frage, wie man diese Nöte beseitigt, erörtern helfen. Denn wir können ja nicht einmal sagen, daß wir zur Geqüge mit „Ezes" versehen sind. . . . Nur zwei haben in den drei Nummern der „Welt", die seit meinem Artikel erschienen sind, das Wort ergriffen. Ich war so unbescheiden gewesen, bei mir zu hoffen, unsere „Größen" würden das Wort ergreifen. Es war leider nicht der Fall. Es scheint mir aber nicht angebracht, die Erörterung dieser sehr wichtigen Frage [ELT — ——= No. 8 hinauszuschieben, bis die Kongreß-Erregungen und Leidenschaftlichkeit ruhigere kühlere Erwägungen nicht aufkommen lassen. Ich bitte daher, doch jetzt schon an die Diskussion der Frage heranzutreten im Interesse der Angelegenheit selbst. Ich möchte mir heute gestatten, im Anschluß an die beiden Artikel in Nr. 6 und 7 der „Welt" auf die Frage noch einmal kurz einzugehen. Was zunächst die Ausführungen von Horowitz anlangt, so hat er sicher recht, wenn er meint, daß viele Schekel uns durch die Lässigkeit der örtlichen Vertrauensmänner verloren gehen. Diesem Verlust aber durch die Schaffung eines besondern Dezernats im E. A. C, das mit Umgehung der Landesorganisationen den Schekel direkt einzuziehen hätte, zu begegnen, scheint mir ein durchaus nicht geeigneter Vorschlag. Ich fürchte sogar einen gegenteiligen Erfolg von einer solchen Maßnahme, abgesehen von der dadurch bedingten Mehrbelastung des Etats durch die dazu anzustellenden Beamten. Was für ein „starkes psychologisches Moment" da noch mitspielen soll, verstehe ich nicht. Sehr wertvoll erscheint mir dagegen der Vorschlag von Bato-Wien. Nur daß er zu bescheiden ist: nicht 5, sondern 7 Klassen. Die erste mit J6 100.—, die zweite mit Ji 50.—, die weitern nach dem Vorschlag von Bato. Ich habe die Hoffnung, daß sich genügend Zionisten finden werden, die sich auch zu einem Jahresschekel von 50 und 100 J6 verpflichten werden, wenn das erst von der Leitung, vom Kongreß als nobile officium, als Pflicht, nicht als freiwillige Gabe, kurz als Schekel hingestellt, gefordert werden wird. Wir haben übrigens im Zionismus schon einen Beweis für eine solche Möglichkeit einer freiwilligen Besteuerung bezw. Erhöhung eines früher in Höhe von nur einer Mark bezahlten Parteibeitrages bei der deutschen Landsmannschaft gesehen. Und eben starb da ein Jude, allerdings ein Sozialdemokrat, ein Mann, der für seine Partei, für rein organisatorische Zwecke sich jährlich mit Zehntausenden besteuerte. . . . Dibarti. Wir geben folgendem Aufruf, den die Königsberger Zionistische Vereinigung an alle deutschen Ortsgruppen zu versenden plant, Raum: Königsberg, im Februar 1911. Gesinnungsgenossen! Unsere Leitung hat mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir haben wohl die Sorge und Verantwortung für unsere Bewegung in ihre Hände gelegt, niemals bisher aber dafür gesorgt, daß sie auch die zu politischer Arbeit notwendigen Geldmittel erhalte. Der Ertrag des Schekels ist weder ausreichend, noch wegen der Schwierigkeit der Einziehung in einzelnen Ländern zuverlässig genug, als daß die Leitung auf ihn allein angewiesen bleiben dürfte. Während die Kassen aller zionistischen Institutionen von Jahr zu Jahr in steigendem Maße sich füllen, ist der wiederholte Appell unserer Führer an uns, ihnen die notwendigen Geldmittel zur Arbeit zu sichern, ungehört geblieben, und wir haben es immer wieder geschehen lassen, daß einige wenige aus ihrem Privatvermögen die Mittel hergeben mußten, um die Bewegung zu unterhalten. Nachdem der 9. Kongreß die Besteuerung unserer Institutionen

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