Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 8 (24.2.1911)
- Date
- 1911-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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abgelehnt hat, stehen wir vor der unabweislichen Notwendigkeit, eine andere regelmäßige und ausreichende Einnahmequelle für die Bedürfnisse des Aktionskomitees zu schaffen, um so mehr als mit der stärkern Inangriffnahme der praktischen Arbeit die Anforderungen an die Leitung der Bewegung außerordentlich gestiegen sind. Wir unterbreiten Ihnen nunmehr die Resultate eines Versuches, eine regelmäßige Einnahmequelle für die Partei zu schaffen, den die Königsberger Zionisten vor 2 Jahren zunächst in ihrem engern Kreise unternahmen. Ausgehend von der Überlegung, daß eine politische Partei auf die Dauer nur dann finanziell gesichert dastehen könne, wenn die Lasten auch von der Gesamtpartei aufgebracht werden in einer Weise, die den einzelnen nicht merklich beschwere, haben wir damals eine Parteisteuer eingerichtet. Sie ist freiwillig, beträgt 20 Pfennig pro Woche und wird wöchentlich oder auf Wunsch auch monatlich oder vierteljährlich eingezogen. Eine anspruchslose, zuverlässige Frau zieht für geringe Bezahlung gegen Quittung die Beträge ein. Zurzeit zahlen, ohne daß eine besondere Agitation für die Sache entfaltet wurde, 50 Personen, im ganzen brachte die Steuer bis jetzt 1100 J(, die nach Köln abgeführt wurden. Vorbedingung für das Gelingen ist allerdings, daß der Parteisteuerkommissar energisch und pflichtgetreu für pünktliche Einziehung der Steuer sorgt. In unserer Ortsgruppe zahlt der dritte Teil der Mitglieder die Parteisteuer. Wenn wir annehmen, daß auch nur 10 000 Zionisten in Ortsgruppen organisiert sind, und auch nur durchschnittlich der dritte Teil die Steuer zahlen wird, so könnte jährlich auf diese Weise ein Betrag aufgebracht werden, durch den die Bedürfnisse der Partei zu einem großen Teile gedeckt werden würden. Wir richten nunmehr an die Gesinnungsgenossen die Aufforderung, überall eine gleiche Parteisteuer auch in ihren Ortsgruppen einzuführen Sage niemand: bei uns ist das nicht durchzuführen. Unser Menschenmaterial ist im großen Ganzen überall das gleiche, nur der Wille zu mühevoller und besonders zu geordneter Arbeit ist an den verschiedenen Orten verschieden. Alle die Einwendungen gegen die Möglichkeit der Durchführung wurden auch bei uns zu Anfang bis zum Überdruß gemacht, und .... es ist gegangen. Gesinnungsgenossen, folgt unserm Beispiel! Der Vorstand der Königsberger Zionistischen Vereinigung. Die Bedeutung der Palestine Land Development Company *> (Gesellschaft für die landwirtschaftliche Erschließung Palästinas) Von Adolf Böhm, Wien Die Begeisterung, welche das Oppenheimersche Projekt einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina bei Zionisten und Nichtzionisten erweckt hat, die Schnelligkeit, mit welcher der verhältnismäßig nicht geringe *) Aus der am 20. Januar erschienenen Sondernummer der Zeitschrift „Palästina" in Wien. Eine Besprechung dieses, der R L. D. C. gewidmeten Sonderheftes werden wir demnächst veröffentlichen. Betrag von Jl 110 000.— aufgebracht wurde, beweist, welche Stimmung in allen Kreisen des Judentums für die palästinensische Kolonisation herrscht. Diese praktisch nutzbar zu machen, gelang sofort, als es sich um ein Projekt handelte, das, auf wenigen klaren und einleuchtenden Grundgedanken aufgebaut, von einer starken und bedeutenden Persönlichkeit getragen wurde. Dieser Erfolg ist höchst ermutigend, weil er zeigt, daß heute schon überall die Disposition im Judentum vorhanden ist, die palästinensische Kolonisation zu fördern, so daß es Aufgabe einer unausgesetzten Aufklärungs- und Propagandaarbeit wäre, aus dieser Stimmung für die gute Sache Nutzen zu ziehen. War dies für ein so populäres Projekt, wie die Siedlungsgenossenschaft, verhältnismäßig leicht, . so zeigt die nun zweijährige Geschichte eines andern Kolonisationsunternehmens, jene der Palestine Land Development Company (Landentwicklungsgesellschaft), wie schwer es ohne die Hilfe volkstümlicher Propagatoren und Ideen vorwärtsgehti In diesen zwei Jahren hat die P. L. D. C, sofern man die Beteiligung des Nationalfonds nicht mitzählt, erst ebensoviel Kapital aufgebracht, als die Siedllingsgenossenschaft in einem einzigen, obzwar die erstere bereits eine äußerst nützliche und praktische Tätigkeit in Palästina entfallet. Jetzt, wo die Sammlungen für die Siedlungsgenossenschaft in der Hauptsache abgeschlossen sind, ist es an der Zeit, die P. L. D. C. ganz energisch in den Vordergrund der Propaganda für palästinensische Kolonisationsarbeit zu rücken. Was bezweckt die P. L. D. C.? Den ersten Anstoß zu ihrer Gründung gab der Umstand, daß in Daleika und Um-el-Djuni am Tiberiassee Land des Jüdischen Nationalfonds vorhanden war, für das kein jüdischer Pächter gefunden werdenkonnte, weilniemanddennackten Boden pachten und die kostspielige Arbeit der Urbarmachung, der Errichtung von Gebäuden usw. übernehmen wollte. Da schlug Dr.Ruppin die Gründung einer Betriebsgesellschaft vor und iegte dieselbesoan,daß ihre Bedeutung weit über den speziellen Fall hinausführen und sie — die P. L. D. C. — zu einem Kolonisationsinstrument par excellence machen sollte. Wenn diese Bedeutung noch nicht überall klar erkannt wurde, so stammt dies zum Teile daher, daß man mancherorts die P. L. D. C. immer nur als Gesellschaft zur Bewirtschaftung der Nationalfondsländereien in Daleika ansieht und ihr höchstens zubilligt, daß sie daselbst eine Musterfarm betreibt. Dazu bedarf es allerdings keiner übermäßig großen Mittel. Diese Auffassung ist aber eine unrichtige. Wohl ist die Musterfarm in Kinereth geschaffen worden, aber die P. L. D. C. zieht den Kreis ihrer Tätigkeit bedeutend weiter. Wir wollen diese nachfolgend kurz skizzieren: 1. Die P. L.D.C. ist nicht nur eine Betriebsgesellschaft für ein einziges Stück Land, sondern für alle Ländereien, die ihr aus irgendeinem Grunde zur Bewirtschaftung übergeben werden. Zunächst für alle jene Terrains, welche der Nationalfonds besitzt oder noch erwerben wird. Aber auch für Rechnung von andern juristischen Personen oder Einzelbesitzern übernimmt die P. L. D. C. die Arbeit des Instandsetzens und Bewirtschaftens. Schon jetzt werden die Ölbaumpflanzungen der Dessauer Stiftung von der P. L. D. C. ausgeführt, andere von ihr überwacht. Ferner vermittelt die P. L. D. C. Grundkäufe für eigne und fremde Rechnung und übernimmt die voll-