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Die Welt · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Tolstoi-Ausgabe wird sich auf 5 Rubel stellen. — Wie die Geschäftsstelle der hebräischen Wochenschrift „Haolam" mitteilt, ist sie in der Lage, ihren Jahresabonnenten das Werk als Prämie um die Hälfte des Ladenpreises zu liefern. Das jüdische Polytechnikum in Wilna Die geplante Gründung eines Polytechnikums für jüdische Hörer in Wilna hat in den Kreisen der „Rechten" großen Unwillen hervorgerufen. Die „Semschtsch i na" brachte zu dieser Frage einen zornigen Artikel, in welchem sie zu beweisen sucht, daß ein jüdisches Polytechnikum für Rußland und das russische Volk von größter Gefahr werden könnte. Die Zeitung fordert die Regierung auf, um keinen Preis die Erlaubnis zur Gründung einer solchen Anstalt zu geben. l^N ACHRICHTEN Die Einwanderungsfrage im englischen Parlament Die Frage der Aliens kam dieser Tage im englischen Parlament zur Sprache. Mr. Churchill, der Minister des Innern, wurde von den Konservativen angegriffen, die ihm vorwarfen, daß er den AliensAct nicht vorschriftsmäßig durchführe. Mr. Churchill wies jedoch die Angriffe zurück und führte den Nachweis, daß im Laufe des Jahres 1910 kaum 4000 Immigranten sich in England niedergelassen haben. Er versprach jedoch neue Maßregeln gegen die Einwanderung ausländischer Verbrecher zu treffen. Welcher Natur dieseMaßregeln sein werden, ist einstweilen unbekannt. Die Prüfung der Einwanderer wird jetzt wieder sehr streng gehandhabt. Ein „Abwehrverein" in England Die häufigen Angriffe auf die Juden in der Presse und im Gemeinderat, die durch die Houndsditch-Affäre verursacht sind, haben eine Anzahl angesehener christlicher Einwohner des East End veranlaßt, einen Verein zum Schutze der Juden zu bilden. Der Verein wird nächstens seinen Arbeitsplan veröffentlichen. Auszeichnung eines serbischen Rabbiners Anläßlich des St. Savafestes verlieh König Peter dem Rabbiner der Aschkenasimgemeinde von Belgrad, Herrn Ignaz Schlang, den St. Savaorden für Kunst und Literatur. Diese Auszeichnung hat bei der serbischen Judenheit allseitige Befriedigung hervorgerufen, da Rabbiner Schlang sowohl bei den Aschkenasim als bei den Sephardim des Landes als jüdischer Gelehrter, als Schulschriftsteller und Pädagoge, sowie als Mann des öffentlichen Lebens in hoher Achtung steht. Die Judenfrage in der deutschen Armee In der Budgetkommission des deutschen Reichstages fand am 10. d. M. eine Debatte über eine von der Fortschrittlichen Volksp.irtei eingebrachte Resolution statt, es möge bei Besetzung der Offiziersstellen allein die persönliche Tüchtigkeit entscheiden ohne Rücksicht auf die politische oder konfessionelle Überzeugung oder die gesellschaftliche Stellung. Die Resolution wurde abgelehnt, nachdem der Kriegsminister erklärt hatte, die persönliche Tüchtigkeit entscheide jetzt schon, ohne Rücksicht (?) auf die politische oder konfessionelle Überzeugung; die Sozialdemokraten bleiben natürlich abgeschlossen. Die Resolution würde jedoch in die Prärogative der Krone eingreifen. Das Aufenthaltsrecht der ausländischen Juden in Ostpreußen Eine vor kurzem erlassene Verfügung des Oberpräsidenten von Ostpreußen enthält u. a. folgende Bestimmungen betreffs der in Ostpreußen, insbesondere in Königsberg, ansässigen russischen Juden: 1. Die Kinder derjenigen Ausländer, die seit dem Jahre 1882 hier ansässig sind, haben das Recht auf Naturalisation. 2. Diejenigen, die in spätem Jahren hier eingewandert sind, müssen alle zwei Jahre die Genehmigung nachsuchen, hier mit ihrer Familie, falls sie solche von früher haben, wohnen zu dürfen. Diejenigen, die keine Familie haben, müssen sich bei jeder Erneuerung des Gesuches schriftlich verpflichten, hier keine Familie zu gründen, resp. solche aus Rußland mitzubringen. 3. Diejenigen, die in den letzten 5 — 10 Jahren hier eingewandert sind und auch diejenigen, die bereits seit 20 und mehr Jahren hier wohnhaft sind, aber erst unlängst geheiratet haben, müssen sich bei der Aufenthaltsgenehmigung verpflichten, daß ihre Söhne bei Erreichung des neunten Lebensjahres das preußische Gebiet verlassen werden. So wurde von einem Kaufmann, der hier seit dem Jahre 1885 wohnhaft ist und dessen Junge jetzt das 6. Lebensjahr erreicht hat, diese Unterschrift verlangt. Nur mit großer Mühe ist es ihm gelungen, die dauernde Aufenthaltsgenehmigung für seinen Sohn zu erreichen. Dem Kaufmann D., der seit 12 Jahren hier ansässig ist, wie auch dem Sch., der vor 8—9 Jahren hier eingewandert ist — beide haben keine Söhne — wurde die Aufenthaltsgenehmigung nur unter der Bedingung erteilt, daß, falls sie Söhne bekommen sollten, dieselben die Stadt zu verlassen haben. Die 10- und 12 jährigen Söhne der Kaufleute I. und Y., die hier auch schon lange wohnen, wurden ausgewiesen. Jedoch ist es dem einen Herrn gelungen, für seinen Sohn, der kränklich ist, auf ärztliches Attest hin die Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen; der zweite Sohn muß die Stadt verlassen. Ein Herr 1., der seit 6 Jahren das Wohnrecht in der Provinz hat, erhielt plötzlich den Befehl, daß sein Sohn, der bereits die Tertia des hiesigen Gymnasiums besucht, das preußische Gebiet verlassen müsse. Zu bemerken ist ferner, daß bei der Aufenthaltsgenehmigung noch verlangt wird, man dürfe keinen Besuch aus Rußland ohne vorherige Anfrage beim Oberpräsidenten empfangen. Bücherbesprechung Almanach Zydowski, redigiert von Dr. Leon Reich, Lemberg 1910. Der Herausgeber des Jüdischen Almanachs in polnischer Sprache, Dr. Leon Reich, hat weder Mühe noch Opfer gescheut, um ein vornehmes, gediegenes Sammelwerk zu schaffen. Das umfangreiche Buch enthält zum größten Teil Arbeiten wissenschaftlichen unJ publizistrischen Charakters, dieüber die Strömungen und Anschauungen des modernen Judentums orientieren. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an literar-kritischen Aufsätzen und feuilletonistischen Versuchen; nur die Dichter sind spärlich vertreten. Erfreulich ist aber, daß im Mittelpunkte des Sammelwerkes zwei Lichtgestalten stehen, die uns teuer sind: Theodor Herzl und Max Nordau. Mit dem verstorbenen Führer befaßt sich Dr. M. Ehrenpreis, der das Seelenproblem dieses Mannes der Tat zu lösen sucht. Drei Beiträge sind M-ix Nordau gewidmet. Eine von gründlicher Belesenheit zeugende Abhandlung Leon Re ichs gibt uns eine aufschlußreiche Charakteristik des Schriftstellers und Menschen Nordau. Adolf Stand zeichnet Nordaus Wirkung als Redner in temperamentvoller Weise. Geistreich ist der kurze Essay vom N. Sokolow über Nordau, den Zionisten. Die Sprachenfrage — Jargon oder Hebräisch — ist Gegenstand einiger lesenswerten Beiträge. Dr. Leon Kellner bemerkt in seinem Gespräch über den Jargon, dieser sei nicht minder schön als die englische Sprache, die auch nur ein Konglomerat von allerhand Idiomen ist Gleichsam zur Bekräftigung dieser Ansicht dienen Z. F. Finkelsteins Betrachtung über Schalom Alejchem, ferner N. Sokolows Besprechung der von Ignaz Bernstein herausgegebenen Sammlu ng Jüdischer Sprichwörter, und Mathias Achers Abhandlung über das Jüdische Theater. Im Zusammenhang damit stehen die Artikel über die Lage der Juden in Galizien: Dr. M. Ringels erschöpfende Erörterung des Verhältnisses der Polen zum Zionismus, M. Frostigs sachlicher Bericht über das Elend der galizischen Juden und Dr. J. Schippers historische Übersicht über den Handel der Juden in Polen. Ins Land unserer Ahnen versetzen uns die Mitteilungen von Prof. Boris Schatz über die Bezalelschule und Joseph Gerstmanns Referat über das im Erblühen begriffene Kulturzentrum in Palästina. Adolf Böhm befürwortet die Kolonisierung Mesopotamiens, während Alfred Nossig die Aussichten einer Kolonisation im türkischen Reich erwägt. Dr. N. Slouschz' Schilderung seines Besuchs bei den Troglodytenjuden wird hier in guter Libersetzung geboten. Zu zionistischen Parteifragen nehmen, außer dem Herausgeber, Stellung Dr. Abraham Salz, Davis Trietsch und Dr. Max Rosenfeld. Allgemein jüdische Kulturfragen streifen die Aufsätze „Die jüdische Emazipatiou" von Max Nordau, „Gesellschaftsschichten im Judentum" von Dr. Artur Mahler, „Jüdische Kultur" von Viktor Pordes; sowie Dr. D. Pasmaniks tiefsinnige Studie über „Jüdische Teleologie". Der rein literarische Teil, der leider stiefmütterlich behandelt wurde, umfaßt nur zwei Originalgedichte von W.Pordes und Berkelhammer und Marek Scherlag's Originalnovelle „Aus dem Tagebuch eines Träumers", worin die Leiden eines zionistischen Schwärmers in der vorherzlichen Zeit psychologisch geschildert werden. Von Übersetzungen ist vor allem Z. Schnejurs reizende Idylle „Kirschen" zu erwähnen; Hermann Blumenthal entwirft ein gut beobachtetes realistisches Bild eines jüdischen Asyls; H. York- Steiners Gedicht in Prosa „Moses weint" ist recht stimmungsvoll. Den Abschluß des Almanachs bilden gelungene Reproduktionen von Werken der bekanntesten jüdischen Maler, unter denen wir nur Max Liebermann, Samuel Hirschenberg, Hermann Struck,

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