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Die Welt · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Eine Aktion der Rabbiner in Angelegenheit der Sonntagsruhe Mehrere angesehene russische Rabbiner haben den Plan gefaßt eine Rabbinerdeputation nach Petersburg zu entsenden, die im Namen sämtlicher Rabbiner und der gesetztreuen jüdischen Bevölkerung des Landes bei der Regierung vorstellig werden Und den maßgebenden Kreisen auseinandersetzen soll, weich schwerwiegende Folgen die Durchführung des Sonntagsruhegesetzes für die wirtschaftliche Lage der Juden und für die Religiös tat weiter Volkskreise iiach sich ziehen würde. Dieser Plan hat in rabbiriischen Kreisen großen Anklang gefunden, und es sollen demnächst; wie der „Haint" berichtet, in einer speziellen Rab binerkonferenz die nähern Modalitäten der fraglichen Aktion festgesetzt werden. Man glaubt, dafo die Deputation aus den Mitgliedern der vorjährigen Rabbinerkommission bestehen wird. Der Sprecher der Deputation wird die Gelegenheit wahrnehmen, den Premierminister Stolypiii an seine vorjährigen Äußerungen zu erinnern, in denen er die Juden ermahnte, an den Satzungen ihrer Religion festzuhalten, da nur die religiösen Juden Gewähr für staat^treue und umsturzfeindliche Gesinnung böten . . . Durch die Einführung des Sonntagsruhegesetze:; würde jedoch die Regierung selbst dazu beitragen, daß ein bedeutender Teil der jüdischen Bevölkerung den Geboten der Religion gewaltsam entfremdet wird. Boris Goldberg freigesprochen Der Wilnaer oberste Gerichtshof hat das gegen H-rrn Boris Goldberg, eingeleitete Verfahren wegen Verbreitung staatsgefähr* lieber Schriften eingestellt und den Vertrieb des von ihm herausgegebenen Kalenders „Kadimah" gestattet. Der liberale Senat und das Ministerium des Innern Wie irn Falle der Kinderausweisungen hat sich das Ministerium des Innern veranlaßt gesehen, auch in einer andern „verwickelten" Wohnrechtsfrage gegen die aliai liberale Rechtsdeutung des regierenden Senats Verwahrung einzulegen und die Gegenzeichnung der bezüglichen Senatsentscheidung zu verweigern. Diesmal handelte es sich um das Wohnrecht des zweiund2wanzigjährigen Feigin in der Stadt Riga. Feigin ist in Livland geboren und lebte dort mit seinen Eltern auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1893, das den Juden, die bereits vor 1880 im Gouvernement Livland wohnhaft waren, das weitere Wohnrecht irn Gouvernement nebst ihren Familien einräumt. Einen Ausweisungsbefehl der Behörde dem jungen Feigin gegenüber hatte nun der Senat aufgehoben, indem er in der ausdrücklichen Erwähnung der „Familien" im bezüglichen Gesetze den Beweis erblickte, daß der Gesetzgeber auch die nach 1880 geborenen Familienangehörigen einbegriffen wissen wollte, da sämtliche vor 1880 geborenen ortsansässigen oder zugeschriebenen Juden auch ohnehin nach dem Wortlaut des Gesetzes das Wohnrecht in Livland genießen. Das Ministerium des Innern erblickte indes in dieser Auffassung nichts als kühnen Liberalismus und machte demgegenüber den entgegengesetzten, auf einer rigorosem Auffassung des Gesetzes beruhenden Standpunkt geltend. Schikanierung jüdischer Wohltätigkeitsanstalten Das gouvernementale Vereinsamt in Kiew bekundet eine merkwürdige Folgerichtigkeit in der eigentümlichen Auffassung seiner Funktionen und verweigert systematisch die Registrierung wohltätiger und gemeinnütziger jüdischer Vereine. In jüngster Zeit wurde die Eintragung von Hilfsvereinen für arme Juden in Kiew, Uni an und Chodorkow verweigert. Verlegenheit der Warschauer Assimilantenclique Die Entrüstung weiter Volkskreise über das schmähliche Verhalten der Herren Nußbaum, Nathansohn und Dick stein in der Frage der städtischen Selbstverwaltung und die im Zusammenhange damit ausgebrochene Empörung über die unwürdige und unjüdische Assimilantenwirtschaft in der Gemeinde hat die Herren vom Warschauer Gemeindevorstand in große Verlegenheit gebracht. Der erste Akt der Selbstwehr, zu dem sich die durch die lebhafte Agitation der .Nationalisten" bedrängten Herren aufrafften, war, da(3 s'e sich „an geeigneter Stelle" um eine temporäre Hinausschiebung der ursprünglich für den Monat Januar festgesetzten Wahlen bemühten. Der Erfolg, von dein diese ihre Bemühungen gekrönt waren, ermutigte sie zu einem weitern Versuch, ihre jüdischnationalen Gegner mit Hilfe der irdischen Machthaber niederzuzwingen. Da die Vertreter weiter Kreise der Warschauer Judenheit sich seit längerer Zeit beim Ministerium des Innern um die Herabsetzung des Mindeststeuersatzes von 15 auf 3 Rubel jährlich bemühen, — zu welchem Sinne sich übrigens auch die Petersburger RabbinerkonfeFenz vom vorigen Jahre ausgesprochen hat, — so galt es, die demokratischen Aspirationen der „Nationalisten" um jeden Preis zu* vereiteln. Herr Eduard Nathansohn, ein würdiger Vetter des durch sein Auftreten in der Selbstverwaltungsfrage berühmt gewordenen Herrn Josef Nathansohn, begab sich nun vor kurzem nach Petersburg, wo er sich beim Ministerium des Innern darum bemühte, daß das Gesuch der Warschauer Juden und der Rabbinerkommission nicht berücksichtigt werde. Sein Ansuchen begründete Herr Nathansdrin damit, däß die Herabsetzung des Steuersatzes zu einer Vorherrschaft der ^demokratischen Elemente" in def Gemeinde führen würde. Man muß die russischen Verhältnisse5 und die Öedeütuiig, die iri Regierungskreiseri das Wort „demokratisch" hat kennen* um den eigentümlichen Beigeschmack dieses Auftretens so recht zu fühlet! . .; Wie sehr die armen Warschauer Assimilanten den Köpf und das Gefühl für moralische Reinlichkeit verloren haben, beweist die Leistung eines andern Assimilantenführers aus den letzten Tagen. Diesmal wär es der bekanrite Vdrkämpfer der polnischen Assimilation, der zu einem Todesstreich gegeri den jüdischen Nationalismus ausholte. Dieser Herr entblödete sich nicht, im sräelita"; dem Organ der Assiniilanten, buchstäblich folgendes zu schreiben; ^Vör dem gesamten politischen Volke und vor def jüdischen Gesellschaft erkläre ich feierlich, daß die Nationalisten einen Judenstaat in Polen gründen wollen." Einweihungsfeiern Die große Londoner Talmud-Thora „Ivrith be-Ivrith", die von dem bekannten Zionisten Rev. J. K. Goldbluui geleitet wird, feierte diese Woche die Einweihung ihres neuen Schulgebäudes, das durch die Opferwilligkeit der Juden im East End errichtet worden ist Auch die neue Montefioresche Reformgenieinde weihte diese Woche ihre Synagoge e n, die eine ehemalige Kirche ist, D e Bibliothek des verstorbenen Bafons Qühtbvtg rn ,,Haor" (Jerusalem) richtet Elieser Beri-Jehuda in einerrl längern Aufsatz an alle Zionsfreunde und Verehrer def jüdischen" Literatur und Wis-e^ schaft die Aufforderung, die kostbare Bücher^ Sammlung des kürzlich in Petersburg verstorbenen Barons David Gün4burg für die jüdi sch e Nationaloibliothek iri Jer usa le ni zu erwerben. Die erforderlichen Geldmittel Köilnten nach Ansicht Ben-Jehudas durch Beihilfe der verschiedenen Palästinaorganisationen sowie durch eine in großem Stile einzuleitende Sammlung aufgebracht werden. Eine ähnliche wertvolle Büchersammlung, die Tausende der seltensten jüdischen Drucke und H ndschriften enthielt, die sogenannte Friedlandiana in Petersburg, ist vor Jahren dem jüdischen Volke dadurch verloren gegangen, daß der Besitzer sie testamentarisch der Kaiserlichen Bibliothek in St. Petersburg hinterließ. Es müsse nun unter allen Umständen vermieden werden, daß auch die Günzburgsche Bücherei in nichtjüdischen Besitz gerate, anstatt in der Jerusalemer Nationalbibliothek, der einzigen Stätte, wo sie hingehöre, aufbewahrt zu werden. Inzwischen wird aus Berlin gemeldet, daß Herr Jakob Schiff aus New York mit der Witwe Baron Günzburgs wegen des Ankaufs der Bibliothek für ein amerikanisches wissenschaftliches Institut in Unterhandlung getreten sei. Angeblich soll Herr Schiff eine Million Rubel für die Sammlung geboten haben. Ein neuer hebräischer Jugendschriftenverlag Zur Erinnerung an den vor drei Jahren auf der Reise zum VIII. Zionistenkongreß plötzlich verstorbenen M.Zeitlin haben seine Hinterbliebenen eine literarische Anstalt unter dem Titel „Turgeman" begründet, deren Sitz in Odessa ist und die von M. M. Ussischkin, Ch. N. Bialik und J. Ch. Rawnitzki geleitet wird. Die Anstalt wird die besten Jugendschriften und volkstümlichen^ Erzählungen der Weltliteratur periodisch in gediegenen hebräischen Übersetzungen herausgeben. Im ersten Jahre sollen u. a. in hebräischer Sprache erscheinen: „ Advent ures of Tom Sauyer" von Mark Twain, „Tausend und eine Nacht", „Don Quixote" und eine Anzahl Erzählungen von Jules Verne. Tolstoi in hebräischer Übersetzung Der Verlag „Misrach U-Maarabh" (Ost und West) inWiln a veranstaltet eine hebräische Ausgabe von Tolstois ausgewählten Schriften in 6 Bänden. Die Übersetzung wird von den bekannten hebräischen Schriftstellern David Frisch mann, J. Ch. Raw nitzki, A. Drujanow und J. D. Berkowitz besorgt. Als Anhang sollen der hebräischen Tolstoi-Ausgabe fünf Monographien beigegeben werden, nämlich: 1. Biographie Tolstois, von J. Ch. Raw nitzki; 2. Tolstoi der Künstler, von Dr. Eljaschoff; 3. Tolstoi der Philosoph, von A M. Borucho w; Tolstoi der Bekenner, von A. Karmely und 5. Tolstoi und sein Verhältnis zürn Judentum, von Achad-Haam. Der Ladenpreis der hebräischen

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