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Die Welt · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Smyrna. Der neugewählte Mischlisch Umumi der Gemeinde Smyrna hielt jüngst seine erste Sitzung; der neue Mischlisch enthält viele junge Elemente, in denen auch der nationale Geist gut vertreten sein soll. Auf der Tagesordnung standen wicht'ge Kulturfragen, so die Besprechung des Programms der großen Talmud Tora und die Frage ihrer Leitung. Min denkt daran, auf diesen Posten Jen bekannten Pädagogen Joseph Mejuchas aus Jerusalem zu berufen. In diesem Fa le würdeSrnyrna ein echtes Schwesterinsitut zur Talmud Tora von Saloniki erhalten. Adrtanopei. Auf Intervention des Großrabbiners Bidjerano wurde die von d;n christlichen Kaufleuten verlangte Verlegung des Jahrmarktes von Demotika auf den Samstag vom Wiiajetsrat einstimmig verworfen. — Der „Cercle israe.ite" beschloß, seine Arbeit auf neue und modernere Prinzipien zu stellen. Zu diesem Zwecke sollen die Z;e!e und Statuten des nationalgesinnten „Nouveau Club" von Saloniki aufgenommen werden. Saloniki. Die angekündigte Artikelreihe Kiasim Nami Beys über den Zionismus in dem offiziellen Blatte des Zentralkomitees Union et Propres „Rumiii" hat bereits ihren Anfang genommen. Der erste Artikel ist der Anfang einer ernsten und von Achtung zeugender Studie der Bewegung. Ressortveränderung im türkischen Ministerium Der türkische Minister des Innern, Talaat Bei, hat seine Demission gegeben. An seiner Statt wurde der Leiter des Komitees für Einheit und Fortschritt, Ha Iii Bei, zum Minister des Innern ernannt. Die Regierung und der höhere jüdische Unterricht Einem Beschlüsse des Ministerrats zufolge hat der Justizminister eine Zuschrift an das Großrabbinat gerichtet, in der er dieses auffordert, ein Verzeichnis der in Konstantinopel und in der Provinz bestehenden Seminare und Rabbinatsschulen vorzulegen mit genauer Angabe ihrer Adresse, ihres Lehrplanes, ihrer Klassenzahl, der Schülerzahl der einzelnen Klassen nebst einer beglaubigten Abschrift des Geburtsscheines der einzelnen Zöglinge und einer Aufstellung der bestand .nen Examina. Außerdem ist das Großrabbinat beauftragt, eine Liste derjenigen Zöglinge zusammenzustellen, die nach bestandenem Examen in eine höhere" Klasse aufgerückt sind, sowie derjenigen, die wegen mangelnder Befähigung aus den einzelnen Anstalten entlassen -worden sind oder diese aus eigner Initiative verlassen haben, ferner eine Liste der neu aufgenommenen Zöglinge und der Absolventen der verschiedenen Lehranstalten mit Angabe des ihnen verliehenen Grades oder der ihnen anvertrauten Funktionen. Von nun an werden derartige Listen alljährlich vorgelegt werden müssen, und zwar die Angaben betr. die Lehranstalten Konstantinopels dem Ju-stizminister, die Angaben betr. die Provinz aber den betreffenden lokalen Zivil- und Militärbehörden. Palästina Von der Tachkernenischule in Jaffa In Jaffa hat sich unter dem Namen „Hamisrachi Hazair" eine Vereinigung ehemaliger Zöglinge der Tachkemonischule gebildet, der auch andere gleichgesinnt^ j mge Leute angehören und die sich zum Ziel gesetzt hat, für die Verbreitung der hebräischen Sprache und die Pflege der jüdischen Wissenschaft im Sinne der Bestrebungen der Tachkemonischule tätig zu sein. Die neue Vereinigung, die unter der Leitung des Rabbiners A.J. Kuk und des Schuldirektors N. SchIesinger steht, hat eine Bibli othek und Lesehalle für ihre Mitglieder eingerichtet. Es finden ferner Abendkurse statu wobei insbesondere die Handels Wissenschaften und die spezifisch jüdischen Wissensgebiete gepflegt werden. — Die Verwaltung der Tachkemonischule piant die Errichtung eines eignen Schulgebäudes und hat zu diesem Zwecke einen Baufonds geschaffen, dem bereits erhebliche Spendenbeträge zugeflossen sind. — Herr J.ikob Goodmann, der ehemals als Rabbiner in Jersey City wirkte, seit einigen Jatren aber in Jaffa wohnhaft ist und dem dortigen Lokalkomitee der Tachkemonischule angehört, hat im Auftrage des Schulkomitees eine längere Reise nach Amerika unternommen, um dort für die Tachkemonischule Propaganda zu machen. Palästina-öesellschaftsreise Eine für ungefähr vier Wochen berechnete Gesellschaftsreise wird vom zionistischen Distriktskomitee für Böhmen (Adresse: Prag, Benediktgasse 1) im Monat August d. J. veranstaltet wvrden. Neben den von Touristen im allgemeinen aufgesuchten Sehenswürdigkeiten wird der Besuch der in den letzten Jahren in Palästina geschaffenen jüdischen Institutionen und die Besichtigung der judäischen und galilä sehen Kolonien den Glan punkt der Reise bilden. Auf der Rückfahrt ist ein dreitägiger Aufenthalt in Ägypten in Aussicht genommen. Der Teilnahmepreis, in welchem sämtliche Auslagen für die Fahrt von Triest bis Triest, Unterkunft, Verpflegung, Wagen, Führung, Entrees usw. eingerechnet sind, wird sich I. Klasse auf 1300 Kr., II. Klasse auf 1000 Kr. und HL Klasse auf 650 Kr. belaufen. Die administrative Leitung wurde dem Reisebureau der bekannten Firma Schenker & Co. übertragen, deren reiche Erfahrungen und ausgezeichnete Beziehungen eine tadellose Ausführung der Reise gewährleisten. Ausführliche Programme sind durch das genannte Uistriktskomitee kostenfrei erhältlich. Die Redaktion des „Haint" in Warschau veranstaltet eine Gesellschaftsreise nach Palästina, an der auch zehn Abonnenten dieser Zeitung, die zu diesem Zwecke ausgelost worden sind, unentgeltlich teilnehmen weiden. Die Gesellschaft wird die Reise am 22. Februar d. J. antreten. Auch drei Redaktionsmitglieder des „Haint" werden die Reise mitmachen und sie in ihrer Zeitung in einer Reihe von Feuilletons und Reisebriefen sowie täglichen telegraphischen Nachrichten beschreiben. Für Anfang des nächsten Jahres plant der „Haint" eine zweite Palästinagesellschaftsreise, an der ebenfalls eine Anzahl auszulosender Abonnenten unentgeltlich bzw. zu außerordentlich ermäßigten Preisen teilnehmen wird. Rußland Vom Handwerkerkongreß in Petersburg Trotz der vorausgegangenen „gründlichen Behandlung'' der schwierigen Frage, ob den jüdischen Delegierten des Handwerkerkongresses das Aufenthaltsrecht in Petersburg für die Dauer des Kongresses einzuräumen sei, trotz der umständlichen Bedingungen, die von vornherein bei der Gewährung dieses-Aufenthaltsrechts gestellt wurden, hat der Petersburger Stadthauptmann die Gelegenheit gefunden, seine „patriotische" Gesinnung an den Tag zu legen und die Reichshauptstadt noch einmal vor einer jüdischen Invasion zu retten. Und so wurden denn zehn jüdische Kongreßdelegierte schließlich doch ausgewiesen. Die sozialdemokratische Dumafraktion beabsichtigt diesbezüglich eine Interpellation in der Duma einzubringen. Am 6. Februar beriet der Kongreß über die Frage der Sonn- und Feiertagsruhe. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach für alle Handwerke eine ununterbrochene Ruhe von 36 Stunden wöchentlich obligatorisch sein soll. Den nichtchristlichen Handwerkern soll erlaubt sein, am Sonntag ohne christliche Gehilfen zu arbeiten, und zwar unter der Voraussetzung, daß sie die von ihrer Religion ihnen vorgeschriebenen Ruhetage beobachten. Am Abend des gbichen Tages wurde das telegraphische Gesuch der Handwerker der Stadt Tula verlesen, der Kongreß möchte bei der Regierung petitionieren, daß den jüdischen Handwerkern der Aufenthalt außerhalb des Ansiedlungsrayons gesetzlich verboten werde. Der Vorsitzende lehnte die Beratung dieser Frage ab, weil sie nicht in die Tagesordnung aufgenommen worden sei. Die jüdischen Delegierten verlangten, <li ß die Frage zur Beratung gestellt werde; eine eingehende Behandlung sei um so eher geboten, als auf dem Kongresse die Juden wiederholt angegriffen worden seien. Der Vorsitzende erklärte, es sei hierfür eine spezielle Erlaubnis des Ministers des In em erforderlich, Hande'minister Timaschow erklärte, er werde, falls die erforderliche Erlaubnis nachgesucht wird, sein Amt als Enrenpräsident des Kongresses niederlegen. Auf der Tagesordnung des Kongresses steht u. a. auch die Frage der Sonntagsruhe. Das vorbereitende Komitee beantragt diesbezüglich die Aufrechterhaltung des Status quo, wonach der Sonntag als offizieller Ruhetag gilt, den kommunalen Selbstverwaltungsbehörden aber das Recht zusteht, den lokalen Verhältnissen entsprechend eventuell einen andern Ruhetag als den Sonntag festzusetzen. Hingegen fordert die Warschauer Sektion der russischen Handelsgesellschaft die absolute Sonntagsruhe. Es fehlt auch nicht an Anträgen, die direkt gegen die Interessen der jüdischen Handwerker gerichtet sinJ. So verlangte ein Petersburger Delegierter das absolute Wohn verbot für jüdische Handwerker in Stadt und Gouvernement Petersburg, ähnlich wie dies in Moskau der Fall ist. Die Vertreter der Handwerkerorganisation der Stadt Tula gehen, wie oben erwähnt, einen Schritt weiter und verlangen ein ähnliches Verbot für das gesamte .Innerrußland.

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