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Die Welt · 1911-02-17 · 7 (17.2.1911) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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''00^Bm^. 150 , D1E3^ erwartet hatte, herangerückt. Nach dem Vorhergegangenen war kein Zweifel vorhanden, daß dem' zionistischen Schulvorstand auch die zionistische Gemeindevertretung folgen wird. Auf beiden Seiten wurden ungeheure Anstrengungen gemacht, die Wählerschaft zu gewinnen, bis in letzter Stunde zum allgemeinen Erstaunen, aber auch unter allgemeiner Befriedigung ein Kompromiß zwischen Zionisten und Nichtzionisten geschlossen wurde. Die Zionisten können mit diesetn Ausgange sehr zufrieden sein, sie haben jedenfalls gezeigt, daß sie eine Macht darstellen, mit der man in Zukunft rechnen muß. — Zu erwähnen wäre noch das Resultat der Wahlen. Zum Präsidenten der sephardischen Gemeinde wurde John David Levi gewählt, zum Vorsitzenden des Schulvorstandes Herr S. Farschi, zum Präsidenten der aschkenasischen Gemeinde Herr Josef Ferber, zum Vizepräsidenten Herr Mendel Adler ausersehen. Einen großen Gewinn für die Schule des Hilfsvereins, dem die aschkenasische Gemeinde ihre sämtlichen Kulturinstitutionen verdankt, bedeutet die Wahl der Herren Hermann Bierstein und Jaques Gast er, ganz besonders aber die Wahl der Herren Leon Radbill und Max Rosenbaum aus Harnburg. Eine neue jüdische Zeitung in Ägypten In Alexandrien erscheint seit Anfang dieses Jahres eine neue Monatsschrift „Israel" in französischer Sprache. Im Leitartikel der ersten Nummer äußert sich die Redaktion sehr sympathisch über die zionistische Bewegung und beklagt die geringe Beteiligung der ägyptischen Juden an den Bestrebungen des Zionismus. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Eine Antwort an den „Cercle des Intimes" Die hiesigen jüdischen Blätter publizieren folgendes Antwortschreiben, das die Gemeinde von Haifa auf das bekannte Zirkular des „Cercle des Intimes" von Salonik an diesen hat ergehen lassen: Haifa, 18. Tewet 5671. An den „Cercle des Intimes". Sehr geehrte Herren! In Erwiderung auf den Brief, den Sie an die Gemeinde von Haifa gerichtet haben, beehren wir uns, Ihnen im folgenden unsere Meinung mitzuteilen : 1. Wir geben den Empfindungen von Zorn und Verachtung Ausdruck, die hier alle Welt gegen die Verleumdungen David Frescos erfüllen, der als Antisemit betrachtet wird. 2. Die bisherige Geschäftsführung des Chachambaschi, insbesondere seine Haltung anläßlich des Prozeßes Makkabi contra Fresco, machen es uns zur Unmöglichkeit, ihm schon jetzt unser Vertrauen kundzugeben. Wir hoffen, daß der Chachambaschi die erste Gelegenheit benutzen wird, um öffentlich zu erklären, daß weder die ottomanischen noch die nichtottomanischen Juden Pläne gegen das ottomanische Reich hegen, wie Fresco verleumderischerWeise behauptet hat. Sodann werden wir uns unverzüglich bereitfinden, ihm unser Vertrauen auszusprechen. 3. Wir betrachten die Juden der Türkei, die durch die hebräische Sprache und durch historische Bande geeinigt sind, als eine Nationalität, die bereit ist, gleich den andern Nationalitäten des ottomanischen Reiches für das Wohl, des ottomanischen Reiches zu arbeiten. Der Vorstand der Gemeinde Dr. Elias Auerbach Joseph Lipschitz Vorsitzender. Sekre'är. Treidel. Ing. S. Pewsner. Das Flottenfest des „antipatriotischen" Makkabi Am vorletzten Donnerstag hat das angekündigfe große Flottenfest stattgefunden. Den Vorsitz führte Staatsrat Reschid Bey. Hunderte von Menschen füllten den schönen Saal, wenn auch die ungeheure Menge, die das Chanukahfest des Makkabi vereinigt hatte, sich diesmal in Anbetracht der außerordentlich hohen Eintrittspreise und des Wochentages nicht wieder zusammenfand. Die Feier wurde durch eine Apotheose eröffnet, die auf der Bühne ein Kriegsschiff mit allen mitwirkenden Turnern als Besatzung zeigte. DieMärineverwaltung hatte zu diesem Zwecke einen großen Posten von Marineuniformen zur Verfügung gestellt. Sodann intonierten die Turnerchöre patriotische türkische und jüdische Lieder, die unter der talentvollen Leitung des Maestro Goldenberg [E LT —=- — No. 7 einstudiert waren und hinreißende Wirkung erzielten. Unter den Gesangsstücken verdient das von Herrn Körb er komponierte „Schalom" besonders hervorgehoben zu werden. Die turnerischen Leistungen waren wie immer meisterhaft. Mit den schwedischen Übungen überraschte diesmal die Jugendabteilung Pera; die drolligen kleinen Kerle waren von prächtiger Bravour und Fixigkeit. Die Schwertübungen der Männerriege ernteten wie am Chanukafeste Bewunderung, aber wieder trugen die hervorragend exekutierten Gewehrübungen die Palme davon. Die jungen Damen gaben ihr japanisches Ballett und 24 Mädchen der weiblichen Jugendsektion die wunderbaren ästhetischen Bewegungsstudien zum Besten, die schon auf dem Makkabäerfeste das Publikum zum Entzücken hingerissen hatten. Solomusik war durch die Darbietungen von Frl. Cohen am Klavier und Herrn Lucena (Violine) vortrefflich vertreten. Den Schluß bildeten kühne Pyramiden. Staatsrat Reschid Bey hielt eine Ansprache an die Turner, in der er den außerordentlichen erzieherischen und patriotischen Wert ihrer Bestrebungen hervorhob. Es würde ein Ruhrriesblatt des „Makkabi" sein und bleiben, daß er die erste ottomanische Organisation war, die ein derartiges Fest zu rein patriotischen Zwecken veranstaltete. Auch der Präsident des großen türkischen Flottenkomitees, ein ehrwürdiger Greis, hielt eine Ansprache. Auch seine stärkste Pointe war, daß das Beispiel des „Makkabi" Ruhm zu beanspruchen habe. Er könne nur jeder Gesellschaft, die Edles wirken wolle, anempfehlen, in allem und jedem dem „Makkabi" nachzuahmen. Der Konflikt zwischen der Aschkenasimgemeinde und dem Qroßrabbinat vor der Regelung Seit der Neuwahl des Vorstandes war die verworrene Angelegenheit nicht um einen Schritt vorwärts gerückt. Das Großrabbinat, das die Neuwahl verlangt hatte, hatte zwar die Notifizierung derselben erhallen, aber ihre Bestätigung ohne Angabe von Gründen bis heute noch unterlassen. Inzwischen war aber eine neue Gabellakrise eingetreten, die das Großrabbinat befürchten ließ, daß der Konflikt mit dem Aschkenasim es arn empfindlichsten Punkte verwunden könnte, nämlich am finanziellen. Infolge dieser für die Sephardim-Gemeinde kritischen Umstände begann sich ein gewisser Sti nmungsumschlag fühlbar zu machen, der, wenn die Anzeichen nicht trügen, zu e.nem Ausgleich führen wird. Vonseiten der Großrabbinerpartei wurde ein neuer Vermittlungsanfang gemacht und die Verhandlungen sind wieder im Gange. Zum Prophezeien ist es noch zu früh, aber es hat den Anschein, daß alle Forderungen der Aschkenasim, die ja durchaus billige und bescheidene sind, Bewilligung finden werden. Das wäre ein erfreulicher Anfang zu besserer Einsicht; wenn das Großrabbinat auf diesem Wege fortschreitet, so kann am Ende doch noch Frieden und Ordnung in die verfahrenen Konstantinopeler Gemeindeverhältnisse einkehren. (Bei Schluß des Blattes wird uns mitgeteilt, daß die Einigungsverhandlungen geglückt sind.) Große Kälte in Konstantinopel Eine Kälte, wie in diesem Jahre, hat der Orient schon sei langem nicht gesehen. Der Schnee fällt mit kurzen Unterbrechungen schon seit Wochen und der Nordwind erschüttert die armseligen Holzhäuschen auf und zwischen den Hügeln der Vororte. Auch die jüdischen Massen leiden bitter unter der Kälte. Die Kehillo.th haben daher begonnen, unentgeltlich Kohlen an die Bedürftigen zu verteilen, auch das Großrabbinat hat zu diesem Zwecke beigesteuert. Wie verlautet, hat Rabbi Nahum außerdem an die Wohltätigkeitsorganisationen appelliert. Gegen den Mädchenhandel Wie eine hiesige jüdische Zeitung meldet, wandte sich der Großrabbiner an den türkischen Kriegsminister mit der Bitte, ihm zur Unterdrückung des Mädchenhandels Beistand zu leisten. Der Kriegsminister erklärte, die Regierung sei nicht in der Lage, direkt einzugreifen, wenn dieVerbrecher nicht auf der Tat ertappt würden, was beim Mädchenhandel sehr schwer sei. Nur auf besondere Klagen der Mädchen könne gegen bestimmte Personen vorgegangen werden. Der Großrabbiner erbat sodann den ßeis'and der Regierung für die Tätigkeit eines humanitären Vereins, der demnächst zur Bekämpfung des Mädchenhandels gebildet werden solle. Aus der Provinz Damaskus. Durch die jüdische Jugend der Stadt wurde dem Armeekommandanten Sami Pascha zum Zeichen des Dankes für dieWiede herstellung der Ruhe im Haurangebiet eine Fahne gestiftet und überreicht. Es war eine große patr otische Kundgebung der Juden. Der General hielt eine Dankrede.

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