Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No, 1 DIE ELT 145 Die letztere Grurjpe zeigt uns fast durchweg den in der Bibel Iii den Eigennamen der Zeit verwischten starken Einfluß der Ba'alreligion unter Ahäb und Isabel. Man sieht, welchen tiefgreifenden Einfluß Ba'alnoch öder äufs neue ausübte. Hier erhält das biblische Geschichtsbild seine Bestätigung, das Nairienmaterial seine Ergänzung. Von besonderm Interesse sind die drei letzten Namen. Meriba'al, die längst erschlossere richtige Form für den masöretischen Mephiboset erhält hier die inschriftliche Legitimation; Maranjau deutet wohlauf einen syrischen Fremdling, der aber JHVH bekennt; 'Agaljau (von 'egel Kalb) weist auf den Stierdienst Jerobeams und erhärtet seine Übung und die Tatsache, daß der Stier nicht als Fremdgottheit empfunden wurde. In Ba'al erhalten wir die längst vermutete weibliche Baalin. Auch folgt die Schrift nicht, wie bei ganzem Kruge zu erwarten wäre, den Linien der Töpferscheibe, sondern kreuzt sie, so daß sie beim unzerbrochenen Gefäße senkrecht liefe. Ferner passen verschiedene Scherben mit verschiedenen Inschriften .zusammen* —- lauter Beweise für wirkliche Ostraka. (F* O O O 0 O 0 o O O O 0 o o o AUS DER BEWEGUNG i o o o o o o o I J o o o o o o o An die Landesorganisationen und Föderationen DieJahreskortfererlz 1910hat bezüglich der A b f ü hr u n g der Schekelgelder folgenden Beschluß gefaßt: „Auf Antrag des Engern Aktionskomitees beschließt die Jahreskonfereiiz, daß vom L Juli 1910 ab die Schekelgelder von den Landesofgartisationen und Föderationen ohne Abzug an das Engere Aktionskomitee abgeführt werden müssen und daß die Anzahl der Kongreßdelegierten jedes Landes und jeder Föderation nach Maßgabe der an das E. A. C. abgeführten Schekolirn festgesetzt wird." Die Frankfurter Zionistische Jugendgruppe und der „Israelit" In der vorletzten Nummer des Frankfurter „Israelit" war eine Sprechsaalnoliz erschienen, in welcher unter Bezugnahme auf den „Brief aus Frankfurt1 in Nummer 3 der „Welt" von einigen anonymen Einsendern zum Austritt aus der zionistischen Jugendgruppe aufgefordert wurde. Die zionistische Jugendgruppe hat darauf folgendes Schreiben an den „Israelit" gerichtet: „Die Behauptung, daß der Brief aus Frankfurt a. M. in der „Welt", Nummer 3, ein bezeichnendes Beispiel dafür sei, wie zionistische Vereine auf Kosten der „Konkurrenz" für sich Reklame machen," ist vollständig aus der Luft gegriffen. Richtig ist, daß die „Zionistische Jugendgruppe" dem angeführten Artikel absolut fern steht, ihn weder veranlaßt noch verfaßt hat, noch hinter dem Verfasser steht. Auch die weitere Behauptung, daß das Auftreten des Herrn Isaac Breuer, wie die Einsender sich ausdrücken, „Frucht" gehabt habe, indem dadurch „mehrere" ihren Austritt angemeldet hätten, möchten wir richtigstellen. Es ist richtig, daß — allerdings erst am 1. Februar — (al^;o ca. 8 Wochen nach dem Auftreten des Herrn I. Breuer) drei Mitglieder ausgetreten sind, dagegen hat sich die Zahl der Mitglieder der Zionistischen Jugendgruppe um vierzehn vermehrt, sodaß die Wirkung der Rede des Herrn I. Breuer scheinbar keine für uns ungünstige war. Durch die Feststellung, daß wir dem Artikel fernstehen, ist ja die Aufforderung, aus der Jugendgruppe auszutreten, selbst n ich der Logik der „mehreren" ehemaligen Mitglieder hinfällig geworden. Außerdem meinen wir aber, das ein Artikel eines Korrespondenten, wie er auch aussehen möge, niemals der Grund sein kann, der zionistischen Idee, der man sich durch Eintritt in die Bewegung angeschlossen hat, untreu zu werden. Hochachtungsvoll Zionistische Jugendgruppe. I. A. Gez.: L. Perlmutter. Jos. Bollig. Martin Feist. Deutschland Duisburg. Am-31. Januar erörterte Dr. Alfred Klee (Berlin) in der Zionistischen Vereinigung modernjüdische Fragen. Dr. Klee setzte sich vor allem mit dem sogenannten religiösen Liberalismus auseinander. Nicht das strenggläubige Judentum ist für den religiös gesinnter* Zionlsten der Feind, wir wenden uns dem konservativen Element zu, das bewahrt, was uns heilig ist. Der Kampf gilt denen, die einen Grundsatz aus der Zerstörung alles dessen gemacht haben, was unserm Judentum die Weihe gibt, und die, wenn sie selbst auch vor den letzten Konsequenzen ihres Prinzips zurückschrecken, doch nicht verhindern können, daß andere diese Folgerungen ziehen. Wir sehen den Anfang und fürchten das Ende. Das Bild der Zerrissenheit, das die Vorkämpfer des „Zeitgeistes" uns bieten, die trotz heißen Bemühens zu einer Einigung über Wege und Ziele nicht gelangen können, treibt den religiösen Zionisten ins Lager derer, die mit Mut und Treue das Erbgut unserer Väter wahren. Wir sind Herrn Dr. Klee für seine in prachtvolle Form gefaßten Ausführungen um so dankbarer, als in letzter Zeit hier vielfach, auch von gemeindeofrizieller Seite aus, Versuche unternommen worden sind, der Reforrnerei eine Gasse zu bahnen. Scharf und klar hat Dr. Klee die zerstorliche Tendenz dieser Strömungen bloßgelegt und unserer Gemeinde etwas von dem frischen Lufthauch des Berliner Wahlkampfes mitgebracht. Eine ausgedehnte Erörterung schloß sich an die Darlegungen des Redners, und die Ortsgruppe gewann neue Mitglieder. Hamburg. Am 5. Februar fand eine Wintertour der Herrenabteilung des jüdischen Turnvereins Bar Kochba bei guter Beteiligung statt. In schönstem Sonnenschein wurde eine große Fußwanderung in die Harburger Berge (Rosengarten, Falkenberg) gemacht, und erst spät nachmittags — man war schon in aller Frühe morgens ausgezogen —- kamen die Wanderer frohen Mutes heim. Der Samariterkursus begann am 13. Februar unter Leitung des praktischen Arztes Dr. med. Halb erstadt und umfaßt einen Zyklus von etwa zehn Vortrags- und Übungsabenden. Zur Förderung der Kaderabteilungen wird am 23. Februar abends irn Logenheim ein sogenannter Elternabend veranstaltet, an welchem der Vorstand über die Kinderabteilungen Bericht erstattet und von den Eltern Anregungen entgegen nehmen will. Da gerade durch solche gemeinsame Aussprachen die Ziele des Vereins gefördert und bekannt gemacht werden können, so ist es erwünscht, daß die Eltern unserer Zöglinge sich recht zahlreich an diesem Abend einfinden. Die Kinderabteilungen zählen jetzt schon 160 Mitglieder und es ist vom Vorstand beabsichtigt, sowohl die Knabenals auch die Mädchenabteilung zu teilen, so daß unsere Kinder dann je an zwei Tagen der Woche turnen werden. Dem Vorstand ist es gelungen, einen Sport- und Spielplatz zu mieten. Der Platz liegt in größter Nähe der Stadt irn Vorort Alsterdorf und ist von allen Stadtteilen in kürzester Zeit sowohl mit der Stadtbahn als auch mit der elektrischen Bahn zu erreichen. Österreich Kaaden. Am 3. Februar ist hier Rabbiner Siegnnind Schwarzberg im 44. Lebensjahr gestorben. Unsere Ortsgruppe verliert in ihm einen eifrigen und treuen Gesinnungsgenossen. Das Leichenbegängnis, an welchem sich der hiesige Statthaltereirat, der Bürgermeister mit dem Stadtrat, der katholische und evangelische Geistliche sowie die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt und Umgebung beteiligten, fand am 6. Februar vom Tempel aus statt. Mähr. Ostrau. Die vom mähr.-schles. Distriktskomitee veranstaltete Wanderausstellung der Kunstgewerbeschule „Bezalel" fand in Mähr. Ostrau unter dem Protektorate des Kultusvorstehers, Herrn Dr. Alois Hilf, im städt. Kunst- und Gewerbemuseuni statt. Einige Tage vor Beginn der Ausstellung hielt Herr Gg. Ing. Bernhard Gleitsmann einen instruktiven Vortrag über „Hausindustrie und Kunstgewerbe in Palästina und deren Schule „Bezalel". Redner schilderte vor einem überaus zahlreich erschienenen Publikum in rnehr als ejnstündigen Ausführungen die Lage der Juden in Palä-