Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 6 DIE^elt .121 Zur zionistischen Finanzfrage Von Ludwig Batö, Wien Die in der „Welt" letzthin veröffentlichten Ausführungen des Herrn Dibarti über die Finanzfrage, dürften in gesinnungsgenössischen Kreisen weitestgehendes Interesse erweckt haben. Die Frage der Sanierung unserer Finanzen ist vielleicht so alt wie die Bewegung selbst und wird von Jahr zu Jahr akuter. Um so aktueller ist sie jetzt, wo wir vor einer durchgreifenden Statutenänderung stehen. Die Ungerechtigkeit des für alle Gesellschaftsklassen gleichbezifferten Schekelbeitrags fühlen wir wohl alle, auch wenn wir den Vergleich mit den sozialistischen Gewerkschaften nicht für zutreffend erachten. Es ist doch ganz etwas anders einer „Brotorganisation4' anzugehören, die einem auch materielle Vorteile bieten und für sie Opfer zu bringen, als sich einer Organisation aus ideellen Gründen anzuschließen. Es muß hierbei noch hervorgehoben werden, daß bei der kolossalen Macht der sozialistischen Organisation die einzelnen Arbeiter direkt gezwungen werden, ihr beizutreten, während dies bei uns aus freien Stücken, sehr oft sogar gegen den Willen der Familie oder anderer in Betracht kommender Kreise geschieht. An eine außerordentliche Steigerung der Einkünfte unserer Organisation, wie sie Herr Dibarti durch Errichtung von Einkommensteuer-Kommissionen erhofft, ist vorderhand nicht zu denken. Vor allem sind wir, die seit längerer Zeit der Bewegung angehören, in unserrn Glauben an die natürliche Evolution der Dinge von Jahr zu Jahr befestigt worden, anderseits würde sich ein großer Teil der Gesinnungsgenossen dagegen sträuben, von den innersten Privatverhältnissen den Gesinnungsgenossen Mitteilung zu machen. Wie diskret immer die Fatierung vorgenommen werden würde, sie könnte sehr leicht zu Streitigkeiten und Verweigerungen führen. Ich schlage demgegenüber die Einführung von fünf festgelegten Schekelklassen vor, in welche sich die Gesinnungsgenossen auf Grund gemeinsamen Übereinkommens mit der Ortsgruppenleitung oder der hierzu bestellten Kommission selbst einschätzen. Diese fünf Schekelklassen wären: I. . . . Mk. 20.— K. 24.— Fr. 25 — usw. II....., 10.— „ 12.— „ 12.50 „ III. . . . „ 5.- „ 6.- „ 6.25 „ IV. . . . „ 2.— „ 2.40 „ 2.50 „ V. ... „ 1.— „ 1.20 „ 1.25 „ Die I. Klasse habe ich nicht höher veranschlagt, da ich nicht glauben kann, daß in einer Organisation, wie die unsere, wo 14 Jahre lang jährlich Mk. 1.— gezahlt wurde, die Quote auf unnatürliche Weise auf das fünfzig- oder hundertfache erhöht werden könnte. Die II. Klasse habe ich mit Mk. 10 beziffert, da eine Stufe von Mk. 15.— unnötig ist. Zionisten, die Mk. 15 zahlen können, werden auch Mk. 20.— leisten. Ferner habe ich Mk. 1.— beibehalten, da wir bei der großen Armut unserer Volksmasse sehr viele Zionisten haben, die nur mit Mühe und Not eine Mark aufbringen können. Wenn sich in die I. Klasse nur 5°/o, in die II. 10°/o, in die III. 15°/o, in die IV. 25% und in die V. 45°/o der Schekelzahler einschätzen, würden wir bei einer Schekelzahl von 100 000 anstatt der bisherigen Mk. 100 000 die beträchtliche Summe von Mk. 370 000 hereinbringen. Nehmen wir an, daß hiervon die Landesorganisationen an Rückvergütungen Mk. 100 000 zurückbehalten, blieben noch immer'Mk. 270 000 zu Verfügung der obersten Leitung. Ich habe mich in meinem Vorschlag wohl gehütet, optimistisch zu erscheinen und bin fest überzeugt, daß bei Annahme meines Vorschlags die so lang ersehnte Sanierung der Finanzlage der Organisationen in die richtige Bahn geleitet wäre. Wir müssen nur den Anfang machen, und wenn wir bedenken, daß die Institutionen des Schekels an Wichtigkeit die des Nationalfonds und anderer Fonds bei weitem übertrifft, weil sie die Lebenswurzel unserer Bewegung darstellt, so kann der Erfolg nicht ausbleiben. Und unsere Bessergestellten mögen eben an den Grundsatz, „Noblesse oblige" nicht vergessen. Ich empfehle meinen Antrag der Statutenkommission zur dringenden Erwägung, umsomehr, da die Besteuerung der Geldinstitute und des Nationalfonds auf dem Kongresse zu sehr heftigen Debatten führen könnte, und die Finanzfrage mindestens so wichtig ist, wie irgend eine andere! Wiener Marranen Bin Nachtrag von Ben Josua Getaufte Juden gibt es allerwärts; eben nur in Wien hat sich ein Marranentuin gebildet; diese Juden tauchen nicht in der christlichen Gesellschaft unter, sondern sie heiraten unter sich und beherrschen kraft ihres Reichtums und ihres politischen Einflusses die öffentliche Meinung. Sie geben den Tori an in der liberalen Presse, nicht minder in der sozialdemokratischen, und die Christlichsozialen sind von ihren Einflüssen nicht frei. Gehen wir einmal der Naturgeschichte einer solchen Marranengruppe nach. Wir haben schon erwähnt, daß Victor Adler, der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, und seine Kinder getauft sind. Adler ist aber verschwägert mit der Familie v. Halb an, den Nachkommen des getauften galizischen Juden Hofrat Blumenstock-Halban, der unter dem Ministerium Taaffe der Leiter der berüchtigten Luogo di traffico, des parlamentarischen Kuhhandels war; es gibt fast keine österreichische Universität, an der nicht Haibans dozieren, von Wien, Krakau, Lemberg bis nach Czernowitz. Mit diesen Haibans verwandt ist wiederum die Familie Sieghardt, der in der unmittelbar hinter uns liegenden österreichischen Geschichte der „Macher" der sich ablösenden Ministerien war und daneben in seinen Mußestunden die christlichsoziale Partei durch große Geldspenden unterstützte; Sieghardt ist der Sohn eines einstigen Troppauer Rabbiners. M.*n sieht, daß das Wort „Marranen" in Wien Berechtigung hat; man müßte dann die historischen Marranen um Entschuldigung bitten, weil sie ihren Schritt nur unter einem brutalen Druck taten, während die Wiener Marranen ihren Austritt nur aus Berechnung oder zum Zeitvertreib, wie ich in der vorangehenden Nummer ausführte, vollziehen. Dieser Zusammenhang äußerte sich auch anläßlich der letzten Wiener Gemeinderatswahlen, als die Wiener Juden endlich sich bewußt wurden, wie recht die nationale Opposition habe, die schon seit einem Dezennium und länger die Unwürdigkeit der Wahl getaufter Juden durch Juden bei den politischen Wahlen betonte. Bis dahin hatten die assimilatorischen Juden ruhig ihren Dr. Jaques, Geitler usw. gewählt. Da ereignete es sich nun, daß die getauften Juden in. der Innern Stadt ein eignes Wahlkomitee bildeten, um die Wahl von Renegaten zu fördern. Marranentum. Einen solchen Umfang hätte die Taufseuche nie in Wien