Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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% Mo. 5 DIE ELT 105 gestützt hätten. Herr Lewin-Epstein verlangte von der Generalversammlung, daß sie der Carmel Wine Company in einer unzweideutigen Erklärung ihr Vertrauen ausspreche. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Frei mann, Goldini, Lubmann und Meerowitsch, eingesetzt. Nach eingehender Besprechung des Jahresberichts und der Bilanz seitens verschiedener Mitglieder der Genossenschaft wurde dem Verwaltungsrat Entlastung erteilt und das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Frage der sogenannten Trepha-Trauben, das sind die Früchte derjenigen Reben, die entgegen dem Verbot der frühern Administration neu angepflanzt wurden. Solche Pflanzungen gibt es namentlich in Wadi-Chanin und in Rechoboth. Diese Trauben sind von der Aufnahme in die Kellereien des Syndikats ausgeschlossen. Die Besitzer der betreffenden Weingärten haben sich jedoch bereits mehrere Male und auch diesmal wieder an die Generalversammlung des Weinbauer-Syndikats mit der Bitte gewandt, auch ihre Produkte unter den gleichen Bedingungen wie die Trauben aller andern Mitglieder abzunehmen. Herr Gluskin bemerkt hierzu im Namen der Verwaltung, daß diese den Besitzern der Trepha-Trauben in den vorhergehenden Jahren nach Möglichkeit entgegengekommen sei und auch diesmal ihr möglichstes tun wolle. Allerdings sei es bei der gegenwärtigen Sachlage nicht möglich, dem Wunsch der betreffenden Weinbergsbesitzer in vollem Umfange nachzukommen. Die endgültige Lösung dieser Frage müsse der Zukunft überlassen bleiben. Die Generalversammlung schloß sich dem Vorschlage der Verwaltung an. Hierauf wurde eine Resolution zugunsten der Carmel Wine Company in Amerika einstimmig angenommen. (Wir haben diese Resolution in Nr. 3 der „Welt" bereits veröffentlicht.) Im weitern Verlaufe der Verhandlungen berichtete Herr Gluskin namens der Verwaltung über die friedliche Beilegung verschiedener Streitfragen, die zwischen dem Verwaltungsrat des Syndikats und den Vorstehern einzelner Kolonien aufgetaucht waren. Der Vorsitzende erläuterte die sogenannten sechs Friedenspunkte, die von der Versammlung einstimmig genehmigt wurden. Die eidgenössische Turnerschaft und die jüdische Nationalität (Originalbericht der „Welt'/) Unsere Schweizer Gesinnungsgenossen haben einen schönen Erfolg ihrer auf die Anerkennung der jüdischen Nationalität gerichteten Bemühungen zu verzeichnen: In der am 29. Januar in Zürich stattgefundenen Generalversammlung des kantonalen zürcherischen Turnverbandes wurde der Jüdische Turnverein Zürich als Mitglied in den kantonalen und damit auch in den eidgenössischen Verband aufgenommen. Für das von dem Jüdischen Turnverein eingebrachte Gesuch um Aufnahme stimmten 151, dagegen 24 Vertreter. Das Gesuch ' rief in der Tagung eine rege Diskussion hervor, bei welcher Herr Seminar-Direktor Spühler und Herr Sekundarlehrer Schaufelberger warm für die Aufnahme eintraten. Entscheidend für die Aufnahme war, daß der Verein auf jüdisch-nationalem Boden steht, da der Verband Vereine, die auf konfessioneller Basis stehen, nicht aufnimmt. Auf der letztjährigen Tagung war der Jüdische Turnverein mit seinem Gesuche abgewiesen worden, da man angenommen hatte, dieser Verein stehe auf dem Boden religiöser Tendenzen. Vom Vorstand des Kontrollverbandes waren auch eine Anzahl von Gutachten über eine eventuelle Aufnahme eingeholt worden, so auch vo m D e u t s ch e nT u r nv e rb an d, die alle empfehlend lauteten. Somit wird nun bei den kantonalen und eidgenössischen Turnfesten auch der Jüdische Turnverein Zürich in dem Wettbewerb auf den Plan treten können. Deutschland Elberfeld. Das öffentliche jüdische Leben Elberfelds in diesem Winter steht unter dem Zeichen des Zionismus. Nicht sowohl darin drückt sich diese Tatsache aus, daß drei imposante öffentliche Versammlungen von der zionistischen Ortsgruppe Ivria abgehalten wurden, als darin, daß die zionistische Bewegung im Mittelpunkt jüdischer Debatten steht, daß unsere Stammesgenossen gezwungen sind, über die Judenfrage nachzudenken und daß auf diese Weise notgedrungen mancher zu der allein möglichen Lösung des Problems durch den Zionismus gelangt. Unsere Gesinnungsgenossen im Westen Deutschlands haben von jeher einen schweren Stand gehabt. Die Judennot in körperlicher Beziehung macht sich den in Westdeutschland wohnenden Juden höchstens in Gestalt unserer russischen Auswanderer, die die große Heerstraße nach England ziehen und bei uns mehr oder weniger vorübergehend nur Zuflucht suchen, bemerkbar. Noch weniger verspürt man die völlige Isolierung in geistiger und gesellschaftlicher Beziehung; man bleibt unter sich und hält den Asemitismus für erloschenen Antisemitismus. So war es vor zehn Jahren und so ist es heute. Und doch, gar manches hat sich in dieser Zeit geändert. Wagte man es damals unsere Führer mit dem Liede „Deutschland, Deutschland über alles" niederzuschreien, so sprach nunmehr unser Parteisekretär Herr Kurt Blumenfeld, vor vielhundertköpfigen Auditorien. Es kann nicht im Rahmen dieses kurzem Berichtes liegen, die Vorträge unseres Redners ihrem reichen Inhalte nach zu würdigen. Ihren Zweck haben sie in hohem Matte erreicht: Das Thema „Zionismus" ist im Wuppertal aktuell geworden und die zionistische Ortsgruppe ist von 37 Mitgliedern auf 75 angewachsen. Jahrelang hat die Ortsgruppe Ivria, rein äußerlich betrachtet, ein bescheidenes Dasein gefristet. Vor einigen Jahren repräsentierte unser verdienter Ehrenvorsitzender Herr R. A. Dr. Bernstein mit einem einzigen treuen Mitgliede eine Zeit lang den ganzen Bestand. An uns ist es nun, durch intensive Kleinarbeit Wissen und Begeisterung bei unsern Gesinnungsgenossen zu vertiefen, denn noch immer gilt der Satz: Der Zionismus ist eine Sache des Gemütes, des Mutes und besonders des Verstandes. Immer wieder konnte man sich in den Diskussionen davon überzeugen, wie relativ wenig dazu gehört, die Gegner mit ihrem meist recht oberflächlichen Einwänden zu widerlegen. Sehr oft ist zu beobachten, wie ganz episodenhafte Nebensächlichkeiten herausgegriffen und zum Gegenstand langatmiger Tiraden gemacht werden. Den Gegenstand ganz primär an der Wurzel anzufassen, fühlte sich eigentlich nie jemand imstande. Den Mitgliedern der Ortsgruppen muß neben dem allgemeinen zionistischen Wissen in gedrängter Kürze das Material zu eigen gemacht werden, vermöge dessen sie in den Stand gesetzt werden, dem Gegner Rede und Antwort zu stehen. Einschränkung aller formalen Vereinsangelegenheiten auf ein mögliches Minimum, dafür Kultivierung sachlich zionistischer Fragen in jeder einzelnen Versammlung sind die Vorbedingungen für eine gedeihliche Arbeit. Köln. Samstag den 21. Januar fand die erste öffentliche Versammlung der hiesigen Misrachi-Ortsgruppe statt. Herr Dr. M. de Jonge sprach über „Zionismus und Prophetismus". Redner bezeichnete als Zweck seiner Rede, die Propheten als „Garanten des Baseler Programms" zu erweisen, den Nachweis zu führen, daß die Erreichung des vom politischen Zionismus erstrebten Ziels dem jüdischen Volke schon vor Jahrtausenden durch den Mund der Propheten gewährleistet worden sei. Die Misrachi-Förderation habe sich das historische Verdienst erworben, daß sie neben den wirtschafts- und sozialpolitischen, den kultur- und nationalpolitischen Strömungen im Zionismus der biblisch - religiösen Strömung ein programmatisch und organisatorisch festgefügtes Strombett gegraben habe. — An die interessanten Ausführungen des Referenten knüpfte sich eine Aussprache, an der sich die Herren Gold reich und Schnelling beteiligten. Im Schlußwort betonte der Referent die Notwendigkeit, gegenüber der sogenannten „praktischen" oder wirtschaftlichen Kleinarbeit wieder das Ideal des rein politischen Zionismus in den Vordergrund der zionistischen Gedankenwelt zu rücken. Ratibor. In unserer zionistischen Ortsgruppe sprach am 22. Januar Rechtsanwalt Dr. Kollenscher-Posen über „Zeit- und Streitfragen im Judentum". Den aktuellen und interessanten Ausführungen des Redners folgte lebhafter Beifall. Der Gewinn neuer Mitglieder war ein fernerer Erfolg des Abends. Österreich Czernowitz. Am 8. Januar fand im Musikvereinssaale die diesjährige Makkabäerfeier der „Emunah" statt. Nach einer längern Begrüßungsansprache durch den Präses der „Emunah", phil. Julian Silberbusch, der den Sinn der Feier und die Bedeutung der Makkabäer skizzierte, sang der aus Lemberg eingeladene Gast der „Emunah", Dr. Tendier, einige jüdische Lieder. Die Festrede hielt Reichsratsabgeordneter Adolf Stand. Er gab einen historischen Überblick über die Makkabäerepoche und zog dann eine Parallele zwischen einst und jetzt, zwischen dem Zeitalter der Makkabäer und der Gegenwart. Unter fast nicht endenwollendem Applaus des