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Die Welt · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 4 DIEEaKELT 89 und der Kolonien wirkenden Lehrkräfte zur Aufgabe gemacht hat, Vax diesem Zweck ist ein Fortbildungskursus eingerichtet worden, ler sich bereits reger Beteiligung erfreut Rabbinerwahl in Tiberias Die sephardische Gemeinde in Tiberias hat den Rabbiner laim lssahar Abulafia zum Chachambaschi von Tiberias ewählt. Der Ferman, der den neuen Oberrabbiner in seinem mt bestätigt, ist bereits aus Konstantinopel eingetroffen. Zur Rabbinerfrage in Jerusalem Es scheint nun festzustehen, daß Rabbi Jakob Meirin Saloniki den Posten eines Chachambaschi von Jerusalem endgültig •;.nnehmen wird. Wie die hiesige „Hacheruth" aus Konstantinopel ^richtet, erwartet man den kaiserlichen Ferman über die Anstellung;'abbi Jakob Meirs spätestens zum kommenden Purimfeste. Die efinitive Erledigung dieser so lange schwebenden Angelegenheit ist as Ergebnis eingehender Verhandlungen, die ein Abgesandter des iroßrabbinats, Rabbi Isak Schaki aus Konstantinopel, mit Rabbi akob Meir gepflogen hat. Gleichzeitig verlautet hier, daß auch das Oberrabbinat der tschkenasim, das durch den Tod Rabbi Samuel Salants erledigt /orden ist, demnächst neubesetzt werden soll. Für diese Stelle ist Aabbi Isak Rabbinowitz aus Poniwesh (Rußland) ausersehen, 'ine Bestätigung dieser letzteren Nachricht bleibt noch abzuwarten. Ein jüdischer Technikerverband in Palästina Prof. Boris Schatz hat an die in Palästina wohnhaften jüdischen ngenieure, Architekten, Chemiker, Landmesser, Maschinenbauer, Elektrotechniker usw. ein Rundschreiben gerichtet, in dem er sie inlädt, sich an den Mittelfeiertagen des kommenden Pessachfestes u einer Beratung in den Räumen des „Bezalel" in Jerusalem einufinden. Der Zweck dieser Beratung soll die Bildung eines üdischen Technikerverbandes in Palästina sein. Eine der Hauptaufgaben eines solchen Verbandes wäre nach Ansicht des >rof. Schatz die Anlegung einer großen technischen Fachibliothek, an der es in Palästina bisher mangelt. Ferner hätte die •eu zu gründende Organisation darauf hinzuwirken, daß bei den vusschreibungen der Behörden für die Ausführung großer technischer vrbeiten, wie Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke, Hafenbauten usw. üdische Techniker gebührende Berücksichtigung fänden. — Wie die 'erusalemer Blätter berichten, hat sich bereits eine größere Anzahl iidischer Techniker zur Teilnahme an den geplanten Beratungen •ngemeldet. )ie Pflanzung von Rizinusbäumen in Palästina Der Kolonist Elimelech Israelit in Kastinie veröffentlicht ii „Haor" einen Artikel, in dem er den jüdischen Kolonisten Palästinas die Pflanzung von Rizinusbäurnen in größerm Umfange mpfiehlt. Er selbst hat Versuche mit der Pflanzung einer Abart ^gestellt, die im zweiten Jahre Früchte trägt, und zwar im Gegensatz zu andern Arten nur einmal jährlich, so daß die Kosten •es Pflückens usw. sich sehr billig stellen. Auch gedeiht diese ^aumart sowohl auf sandigem wie auf feuchtem Boden und reift kapseln, deren Samen nach sachverständigem Urteil weit besseres H liefert, als aus dem Samen der Rizinusstaude in Ostindien gewonnen vird. Man hat Herrn Israelit für 100 kg Rizinussamen Frcs. bezahlt, und in jüngster Zeit haben ihm einige Großhändler;ogar 30 Frcs. geboten. Nach seinen Berechnungen beläuft sich 'as Erträgnis eines Dunams von dieser Pflanzung auf ungefähr 'W kg, was einem Verkaufswert von 200—240 Frcs. entspricht, während die Betriebskosten minimal sind und kaum mehr als 5 Frcs. pro Dunam betragen. Späterhin, wenn größere Flächen ^!es Landes mit Rizinusbäumen bepflanzt sein werden, würde die Errichtung einer Fabrik zur Gewinnung von Rizinusöl und Seife;in sehr lohnendes Unternehmen sein, das überdies Hunderten von üdischen Arbeitern Erwerb bieten könnte. Rußland Fortgesetzte Judenausweisungen Im Laufe des letzten Monats wurden, von dem Petersburger Handwerkeramt 101 jüdische Arbeiter von den Handwerkerlisten gestrichen. Die betreffenden wurden dann von der Polizei prompt ausgewiesen. Der Gouverneur von Jekaterinoslaw hat sich bereits von der Küge, die er sich vom regierenden Senat wegen ungesetzlicher Judenausweisungen zugezogen hatte, erholt und sein patriotisches Säuberungswerk von neuem aufgenommen. So wurden dieser Tage aus dem Kreise Bachmut 16 jüdische Familien ausgewiesen. Zu bemerken ist, daß das Gouvernement Jekaterinoslaw zum Ansiedlungsrayon gehört. Ein Telegramm aus Taschkent meldet: Aus der Stadt Merw sind 100 bucharisch-jüdische Familien und aus der Stadt Taschkent 17 jüdische Familien als Ausländer ausgewiesen worden. Unter den Ausgewiesenen befindet sich auch der Gemeinderabbiner Taschir von Taschkent. Nach dem russischen Gesetz haben in Turkestan nur diejenigen Juden das Wohnrecht, die sich dort nachweislich vor dem Jahre 1864 niedergelassen haben. Alle andern Juden werden als Ausländer behandelt. Im vorigen Jahre weilte Rabbiner Taschir aus Taschkent in St. Petersburg, um an den maßgebenden Stellen eine mildere Handhabung der betreffenden Bestimmungen durchzusetzen. Es schien damals, daß seine Intervention von Erfolg begleitet war. Nun ist er selbst von der Ausweisung betroffen werden, und der Ausweisungsbefehl erstreckt sich sogar auf die in Merw wohnenden bucharischen Juden, obgleich das Gesetz vom 5. Juni 1900 das transkaspische Gebiet ausdrücklich von den fraglichen Bestimmungen ausnimmt. Die Lage der ausgewiesenen Juden ist eine verzweifelte. Sie müssen ihre ganze Habe zu Schleuderpreisen verkaufen und alle ihre Geschäfte liquidieren. Die Vorberatungen der Selbstverwaltungsvorlage Die Dumakommission für städtische Angelegenheiten hat dieser Tage die Vorberatungen über die Vorlage betreffs Einführung kommunaler Selbstverwaltung in Polen zu Ende geführt. Vor der endgültigen Abstimmung über die gesamte Vorlage verlangten Fried mann und Petrowsky eine nochmalige Lesung und Durchberatung derjenigen Bestimmungen, die eine Rechtseinschränkung der Juden enthalten. Abgeordneter Maslennikow trat mitgroßer Wärme für diesen Antrag ein. In seiner Rede unterzog er die betreffenden Bestimmungen einer scharfen Kritik und protestierte ganz entschieden gegen den geplanten Rechtsraub an den Juden. Der Antrag Friedmann-Petrowsky wurde zur Abstimmung gestellt und mit allen gegen 5 Stimmen abgelehnt. Diesmal waren die polnischen Abgeordneten mutiger und stimmten offen gegen den Antrag. Sonst hätten die Herren sehr leicht die Partie verlieren können: wurde doch die Rechtseinschränkung der Juden seinerzeit mit einer Mehrheit von nur einer Stimme angenommen. Charakteristisch ist, daß in derselben Sitzung ein ähnlicher Antrag, einen andern Punkt betreffend, eingebracht wurde, und die Kommission keinen Anstand nahm, den betreffenden Punkt einer erneuten Beratung zu unterziehen. Der Tod Iglitzkys Der während der Ausschreitungen der antisemitischen Studentenschaft Odessas von einem immatrikulierten Mordbuben meuchlings in den Hinterschädel verwundete jüdische Student Iglitzky ist in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar nach vierzehntägigen schweren Leiden verschieden. Iglitzky war erst 18 Jahre alt. Dieses Jahr hatte er das Gymnasium „mit goldener Medaille absolviert und konnte so trotz der „Prozentnorm" sofort auf die Universität aufgenommen werden. Mit der Politik hatte er absolut nichts zu tun. Er kannte nur zwei Leidenschaften: die Wissenschaft und die Musik. Das neue Gesetz betreffs der Sonntagsruhe Die dritte Lesung der Gesetzesvorlage wegen „normaler Ruhe für Handelsangestellte" hat leider die Befürchtungen weiter jüdischer Kreise gerechtfertigt. Das Schicksal eines guten Drittels der jüdischen Bevölkerung Rußlands, das sein kümmerliches Brot vom Kleinhandel gewinnt, wurde endgültig besiegelt. Die Reichsduma verschmähte es, die Interessen der jüdischen — wie übrigens auch der muselmännischen — Bevölkerung Rußlands irgendwie in Betracht zu ziehen. In der Sitzung der Reichsduma vom 26. v. M. wurde mit 136 gegen 84 Stimmen folgende Bestimmung in das neue Sonntagsruhegesetz aufgenommen: „Die Arbeit in sämtlichen kaufmännischen und gewerblichen Betrieben, die in § 1 genannt sind, muß während des ganzen Sonntags, am 2. Weihnachts- und Ostertage, am Neujahrstage und am Gedenktage der Bauernbefreiung (19. Februar) vollständig ruhen." Sämtliche Amendements, die die Härten dieser allzu geradlinigen Bestimmung abzuschwächen suchten, wurden abgelehnt. Das rigorose Votum kam durch eine außerordentlich buntscheckig zusammengeflickte Mehrheit zustande. Die Mehrheit bestand diesmal aus der Opposition, den Vertretern der Bauern, der äußersten Rechten und eines Teiles der Nationalisten. Die Minderheit bildeten diesmal das Zentrum (die Oktobristen und die Mehrzahl der Nationalisten), der Polenklub, wie auch die Abgeordneten der Muselmänner und der Juden. Natürlich waren die Motive der verschiedenen Majoritätsgruppen sehr verschieden. Der Opposition z. B. war es nur um

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