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Die Welt · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Msher beruhte ihre Stärke wesentlich auf dem Antagonismus Dreibund — Triple Entente. Solange die beiden Machtkonzerne sich iber orientalische Affären in den Haaren lagen, stand die Türkei ich gut dabei; eine Seite schützte sie gegen Übergriffe der andern, ^owie aber die beiden sich die Hände reichen, hat die Türkei zu iirchten, daß es auf ihre Kosten geschehe. So wenigstens denkt ii ihrer überwiegenden Majorität heute die türkische Presse. Wieviel laran wahr ist, läßt sich noch nicht übersehen; aber die Zukunft st dadurch auf alle Fälle Ungewisser geworden als jemals. Das Schulgesetz und der Militärdienst Die Beratung über das Rekrutierungsgesetz hat in der origen Woche Anlaß zu erregten Auseinandersetzungen über Fragen!es Schulwesens gegeben. §5 und 6 des der Kammer vorliegenden Xushebungsgesetzes beschäftigten sich nämlich mit der Festsetzung ler Ausnahmen von der Militärpflicht. Es hieß nun da, frei seien die Studenten der staatlichen Hochschulen und diejenigen Studenten ausländischer Universitäten, die on der türkischen Regierung dorthin entsandt worden seien. Zur sofortigen Ableistung ihrer Dienstpflicht gezwungen, bleiben also die übrigen ottomanischen Studenten im Auslande, sowie die an nländischen, nicht staatlichen Hochschulen, wie Beirut, Studierenden. Nun muß man sich aber vor Augen halten, daß die allermeisten ler aus höhern griechischen, bulgarischen oder armenischen Anstalten hervorgegangenen Abiturienten, die Universitäten des Auslandes, Athen, Sofia, Paris usw. beziehen, weil sie an der noch gänzlich unentwickelten Universität der Hauptstadt die gewünschte effektive Vollendung ihrer Bildung nicht finden können. Der Staat Jenkt nun aber natürlich nicht daran, alle diese nichtmohamedanischen Studenten auf seine Kosten ins Ausland zu senden. Aus dieser Sachlage ergibt sich denn, daß fast ausschließlich die nichtmohamedanischen Studenten der Vergünstigungen des Gesetzes nicht teilhaftig werden. Zugleich, daß die nicht staatlichen! lochschulen nicht die gleichen Rechte mit den staatlichen genießen. Kein Wunder darum, wenn gegen diese Bestimmungen des Gesetzes von den Nationalitäten Sturm gelaufen wird. Das ebenfalls der Kammer vorliegende Schulgesetz gibt diesem Kampfe noch viel mehr Material und Konsistenz. So haben denn nicht nur die ökumenischen sind armenischen Patriarchate gleiche Proteste an die Regierung gesandt, die freilich nicht in Betracht gezogen wurden, sondern sie laben sich überhaupt über gemeinsames Vorgehen in diesen Angelegenheiten verständigt. Auch in der Kammer haben sich die Deputierten der so zurückgesetzten Nationalitäten zusammengetan. Griechen, Armenier und Bulgaren haben einen festen christlichen Ülock für die Schul- und Militärangelegenheiten gebildet und am Meujahrstage diesen neuen und interessanten Bund in einer religiös abgestimmten Festlichkeit gefeiert. Nur die Juden haben, obwohl nitbetroffen, weder etwas einzuwenden gehabt, noch sind sie zu iem Block der nichtmohamedanischen Vertreter zugezogen worden Die Ilmuhabers iMan wird sich erinnern, daß wir vor einigen Monaten schon iber die neue Verfügung der Regierung berichtet haben, derzufolge die „Ilmuhabers", d. h. die Bescheinigungen über die Überragung von Grundstücken, in Zukunft nicht mehr wie bisher von ien Patriarchaten, sonden von den Zivilbehörden ausgestellt werden ollen. Durch diese Reform entgeht den Patriarchaten eine ihrer hauptsächlichsten Einnahmen. Diese Verfügung ist nunmehr Gesetz geworden. Der Einspruch ier Patriarchate hat nichts geholfen. Auch das Großrabbinat hat :amit eine große Einbuße an seiner Kasse zu erleiden, die die schon otzt vorhandene Finanzkalamität um einen beträchtlichen Grad steigert. Neue Qabella-Krise Seit mehreren Tagen haben die jüdischen Fleischer Galatas \ieder begonnen, die Zahlung der Gabella-Steuer, 30 Para per Oka Fleisch zu verweigern. Solange die Konstantinopeler Gemeinde;eine andern Steuern einführt, bleibt die Frage der Gabella eine 'rage von Leben oder Tod für das Großrabbinat, das suchen wird, üle Mittel anzuwenden, um der neuen Empörung Herr zu werden. Von der Dette publique Der Verwaltungsrat der Dette publique veröffentlicht seinen Jahresbericht für das Finanzjahr 1325 (1909/10). Aus diesem ergibt;ich bezüglich der Anleihen, deren Dienst von der Dette publique ersehen wird: Gesamtbetrag dieser Anleihen 21 234 884 türkische Pfund Amortisiert......... 2 126 542 _ im Umlauf 19 108 342 Ltq. Die Anleihen erfordern eine jährliche Ausgabe von 1 003 494,90 Ltq. Kilometergarantien wurden von Anfang an für Rechnung der Regierung vom Jahre 1305 (1889/90) bis 1325 (1909/10) gezahlt: Für die Linie Haidar Pascha-Angora 2 046 031,12 Ltq. Salonik-Monastir . . . 805 400,41 „ Eskischehir-Konia . . 1 764 999,30 „ Salonik-Konstantinopel 3 605 117,22 „ Smyrna-Kassaba . . . 2 168 624,41 „ Damaskus-Kama . . . 829 800,78 „ Bagdad (1. Serie) . . 126 754.13 „ in Summa 11 346 726,97 Ltq. Im Jahre 1325 allein wurden an Kilometergarantien gezahlt 748910,15 Ltq. gegen 771504,30 Ltq. im Jahre 1324, also um 22 594,15 Ltq. oder 2,93 Prozent weniger. An Zehnten einnahmen, die die Regierung bekanntlich der Dette publique zur Verwaltung übergeben hat, liefen ein im Jahre 1325 (1909/10) . . . 2 856 315,77 Ltq. gegen „ „ 1324...... . 2 610 786,67 „ also Zunahme gegen das Vorjahr 245 529,10 Ltq. oder 9,40 Prozent. Alles in allem belaufen sich die Oberschüsse der Eingänge auf 980 863 Ltq. in diesem Jahre, gegen 670 642 Ltq. im vergangenen Jahre, sie erfuhren also eine Erhöhung von 46 Prozent, was als sehr erfreuliches Resultat zu bezeichnen ist Rabbi Haim Nahum — Senator Die Regierung beabsichtigt, in der nächsten Zeit zur Stärkung ihres Einflusses irn Senat eine Anzahl neuer Senatoren ernennen zu lassen. Unter diesen befindet sich, wie mitgeteilt wird, auch der Chachambaschi Haim Nahum. Der Großrabbiner und die hebräische Sprache Die hebräische Wochenschrift „Hamevasser" in Konstantinopel veröffentlicht den Wortlaut eines Glückwunschschreibens, das Rabbi Haim Nahum an den bekannten hebräischen Schriftsteller und Lexikographen Elieser Ben-Jehuda in Jerusalem aus Anlaß seines 30jährigen Jubiläums gerichtet hat. In dem Briefe heißt es u. a.: „Wer wüßte den Wert Ihrer großartigen Tätigkeit für die Wiederbelebung und Bereicherung der hebräischen Sprache nicht zu schätzen? Wer würde es nicht freudig begrüßen, daß es Ihnen in 30 jähriger mühevoller Arbeit gelungen ist, das Hebräische in die Reihe der lebenden Sprachen emporzuheben? Ihr Ehrentag war zugleich ein Freudentag für jeden, der ein jüdisches Herz hat und in dessen Adern jüdisches Blut pulsiert." Diese Kundgebung des Großrabbiners der Türkei für die Renaissance der hebräischen Sprache ist umso bemerkenswerter, als fast zu gleicher Zeit in dem von David Fresco redigierten „Tiempo", der vielfach als offizielles Organ der Konstantinopeler Gemeinde angesehen wird, ein Artikel erschienen ist, der sich gegen die Pflege des Hebräischen als Umgangs- und Unterrichtssprache wendet. Zur Frage der jüdischen Einwanderung in die Türkei Das führende jungtürkische Organ „LeJeuneTurc" in Konstantinopel spricht sich in einem von seinem politischen Redakteur unterzeichneten Leitartikel entschieden für die Einwanderung der Juden in die Türkei aus. Der Artikel betont, daß gegen das allmähliche Entstehen eines nationalen und kulturellen jüdischen Zentrums in Palästina vom Standpunkte der ottomanischen Reichsinteressen nichts einzuwenden wäre und daß die Angst vor „separatistischen Tendenzen" geradezu kindisch sei. Palästina Chanuka-Woche in Tel Awiw Ein wirkliches Fest der Einweihung war unsere diesjährige Chanuka-Woche. Vom Anfang bis zum Ausgang des Festes feierte man jeden Tag in einer gehobenen und weihevollen Stimmung. Das Barmizwahfest eines Gymnasialschülers in emer unserer beliebtesten Familien, an dem fast die gesamte Bürgerschaft von Tel-Awiw teilnahm, war sozusagen die Einführung in die Chanuka- Woche. Die erste Barmizwah in Tell-Awiw, wie freudig mußte sie begangen werden! Kollegen und Lehrer versammelten sich im Hause, und es gab ein Kinderfest, das man nur mit Tränen der freudigen Rührung mit ansehen konnte. Diese Anmut der Kinder, das Temperament, diese strahlende Unbefangenheit! Jüd sehe Kinder! Unsere jüdischen Kinder, die das öoluth ganz vergessen

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