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Die Welt · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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"1 I i- I ü i: i ■ » .;*• * II s .« H 11 86 DIE Triest. Der „Circolo Sionistico" veranstaltete am 14. d M. zugunsten des Hilfskomitees für jüdische Auswanderer, im Saale des Staatsbeamtenkasinos eine musikalische Akademie mit nachfolgendem Tarizkränzchen. Das gesamte Programm der Akademie bestritt ein junger jüdischer Triestiner Violoncello-Künstler, Herr Adolf Morpurgo, welcher sich dem veranstalteten Vereine mit Rücksicht auf den wohltätigen Zweck in freundlichster Weise zur Verfügung gestellt hatte. Der junge Künstler, ein Schüler David Poppers, der sich bereits im musikalischen Publikum unserer Stadt einer großen Beliebtheit erfreut, bot durch sein prächtiges Spiel dem zahlreich erschienenen Publikum einen erlesenen Genuß und erntete rauschenden Beifall. Der „Circolo Sionistico" hatte einen erfolgreichen Abend zu verzeichnen; auch das Kränzchen verlief sehr schön. Besonderer Dank gebührt dem Vizepräsidenten des „Circolo", Herrn Dr. David Grünspecht, für das umsichtige Arrangement des Abends. Wien. Die jüdische akademische Verbindung „Unitas" veranstaltet Montag den 30. Jänner einen Ball im Hotel Continental, dessen Reinerträgnis dem Baufonds des jüdischen Studentenheims zufließt. Karten zu haben im Kouleurkaffee „Lonore" I. Wipplingerstraße, woselbst das Ballkomüee bereitwilligst Auskunft erteilt. Wien. Mittwoch den 1. Februar 1911, 7 Uhr abends, findet im Hörsaale 33 der juristischen Fakultät ein Vortrag des Herrn Dr. Daniel Pasmanik (Genf) über „den Sinn der jüdischen Geschichte" statt. Herr Dr. Pasmanik wird als Gast des Vereins zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" sprechen. Verhaftung wegen Angabe der Umgangssprache „Jüdisch" Der Ingenieur Dr. Alexander Herzbaum in Tarnow, der die Rubrik des Volkszählungsbogens „Umgangssprache" mit „Jüdisch" ausfüllte, wurde zum Magistrat zitiert und daselbst aufgefordert, das Wort „Jüdisch" durchzustreichen und durch „Polnisch" zu ersetzen. Als Dr. Herzbaum sich weigerte, dies zu tun, wurde er von dem zufällig anwesenden Polizeiinspektor Oplustil für verhaftet erklärt. Oplustil sperrte die Tür zu und rief telephonisch einen Wachmann herbei, der Dr. Herzbaum zur Bezirkshauptmannschaft eskortierte. Bei der Bezirkshauptmannschaft wurde Dr. Herzbaum gezwungen, die betreffende Rubrik mit „Polnisch" auszufüllen, wobei sich Dr. Herzbaum alle Rechtsmittel gegen diese Vergewaltigung vorbehielt. Dr. Herzbaum hat sich an den Abgeordneten Stand mit der Bitte gewandt, den Vorfall, insbesondere die vollkommen ungesetzliche Verhaftung, im Wege einer Interpellation dem Minister des Innern zur Kenntnis zu bringen. Ungarn Budapest. Der Klub zionistischer Akademiker „Makkabea" kann am Schlüsse des 15. Semesters auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückschauen. Seiner energischen Arbeit ist es zu verdanken, daß die Bemühungen der zionistischen Jugend auf die Errichtung eine Mensa Academica Judaica schon nach drei Monaten Erfolg krönte. Die Mensa wird arn 15. Februar, vorläufig für 400 Teilnehmer, eröffnet. In den Monaten November und Dezember fand ein Vortragszyklus statt, in dessen Rahmen Herr Dr. Moses Richtmann, Professor an der jüdischen Lehrerpräparandie und andere bewährte Kräfte über Zionismus und Palästinakunde sprachen. Die Pester israelitische Kultusgemeinde stellte auch dieses Jahr den Festsaal des Gemeindehauses für literarische Abende dem Klub zur Verfügung. So hat letzthin Herr Rabbiner Dr. M. Heiß über das römische Ghetto gesprochen, B. Beregi führte die neuhebräische Poesie, glänzende Bialik-, Gordon-, Czernichowsky-Übersetzungen von Dr. J. Patai vor und M. Mayer las eine Novelle Bolgärs. Anläßlich des Semesterschlusses wurde dem abdankenden Präsidenten cand. med. Viktor Jordan, unter dessen Leitung der Klub aufblühte, warme Anerkennung gezollt und beschlossen, auf seinen Namen fünf Ölbäume zu pflanzen. Das neue Organ der ungarischen Zionisten Die von der Landesorganisation der ungarischen Zionisten herausgegebene Monatsschrift „Magy aro rszägi Cionista Szervezet" ist von Anfang d. J. ab in ein zweimal monatlich erscheinendes Blatt umgewandelt worden, das nunmehr den Namen „Z s i d ö S z e m 1 e" trägt. Die erste Nummer der neuen Zeitung — neu dem Titel, der Form, dem vermehrten Umfang und dem reicheren Inhalt nach — liegt uns vor und macht einen vorzüglichen Eindruck. Das Blatt will in seiner neuen Gestalt über den Rahmen der Parteiangelegenhelten hinaus die allgemeinjüdischen Tagesfragen vom zionistischen Standpunkte aus beleuchten. Die Redaktion ruht in den Händen der Gesinnungsgenossen Benjamin Beregi und Oskar Hammerschlag. ELT No. 4 Bosnien Sarajewo. Im letzten Chanukaabend veranstaltete das Komitee des hiesigen Kulturvereins „Or Chadosch" im großen Saale des städtischen Vereinshauses, eine Makkabäerfeier, zu der ein recht zahlreiches Publikum erschienen war. Der Präsident des Vereins, Herr Joseph Baruch begrüßte das Publikum in herzlicher Weise, lobte dessen jüdische patriotische Gesinnung, die es durch sein Erscheinen zur Makkabäerfeier zum Ausdruck brachte, erklärte in kurzen Worten die Ziele des Vereins „Or Chadosch", und schloß mit einem Hoch auf Kaiser Franz Joseph I., in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Dann besprach Herr Hermann Tausk in knappen prägranten Worten die Bedeutung des Kulturvereins „Or Chadosch" dessen Tätigkeit darin gipfelt, unter der hiesigen spaniolischen Bevölkerung jüdisches Wissen und die Kenntnis der jüdischnationalen Bestrebungen zu verbreiten. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Zern ach Rabbiner die Festrede. Herr Dr. Zemach Rabbiner, der sich durch seine lehrreichen und begeisternden Reden ein bleibendes Verdienst um die Erweckung und Wiederbelebung der jüdisch-nationalen Idee innerhalb der hiesigen Judenheit erworben hat, suchte in einer einstündigen, psychologisch feingezeichneten Rede die Gründe nachzuweisen, urn derentwillen wir uns noch heute freuen, daß die Makkabäer einst über die Griechen und Syrer gesiegt und das damals bedrohte Land des Feindes Hand gerettet haben. Der Rede folgte frenetischer Beifall. Zum Schluß sprach der Kantor Herr A. A. C a p p o n , ein bekannter spaniolischer Schriftsteller, über die weitern Wege und Ziele, die der Verein „Or Chadosch" zu verfolgen hat. Er erwarb sich viel Beifall für seine sehr interessante Rede. Die Damen Frl. Rosa C a p p o n und Frl. Rabela Daron brachten gut ausgewählte Gedichte zum Vortrag. Es ist zum erstenmale, daß wir in Sarajewo eine solche erhebende Makkabäerfeier gehabt haben, wofür ganz besonders dem energischen Komitee, namentlich den Herren Joseph Baruch und Abraham D. Salom der Dank gebührt. Holland Die Palästina-Ausstellung Es sei über diese überaus gelungene Ausstellung noch ergänzend mitgeteilt, daß in der Spitzenabteilung die Spitzen, welche vom jüdischen Frauenbunde exponiert worden waren, ganz besonders bewundert wurden. Die feinen und kunstvollen Arbeiten erregten gerechtes Staunen. Alle ausgestellten Sachen wurden verkauft und sehr viel wurde auf spätere Lieferung nachbestellt. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Beunruhigung Die Politik aller bisherigen jungtürkischen Kabinette, die darauf abzielte, die Türkei in guter Freundschaft mit allen Mächten zu erhalten, ohne sich auf Bündnisse mit irgend welchen unter ihnen einzulassen, trägt anscheinend keine guten Früchte. Nachdem man eine Zeitlang, aus Anlaß der letzten Anleihe, hatte glauben können, daß die Türkei sich tatsächlich Deutschland und so dem Dreibund nähere, hatte das Verhalten der Jungtürken nach Abschluß des Anleihegeschäftes diese Illusion bald zerstört. „Wir bleiben unveränderliche Freunde Frankreichs," hatte es da plötzlich geheissen. Der Jungtürkenkongreß in Saloniki, der Großwesir vor dem Paria mente und Dschawid Bej auf seiner Reise, hatten denselben Refrain wiederholt. Jetzt hat Deutschland in einer Angelegenheit, die die Türkei nahe berührt, in der persischen, die Konsequenzen aus dieser Haltung gezogen und seinerseits gehandelt wie eine Macht, die keinerlei Freundschaftsrücksichten der Türkei gegenüber zu wahren hat. Es hat mit Rußland in der Potsdamer Entrevue ein Abkommen getroffen, das die Türkei umso mehr beunruhigt, als es ihrer Regierung offiziell noch nicht ganz notifiziert wurde. Schon die Tatsache allein, daß Deutschland sich mit dem Erbfeinde der Türkei über die Bagdadbahn und ihren Anschluß nach Persien verständigt hat, gibt hiesigen Politikern schwer zu denken. Man vermutet noch andere, bisher unbekannte, Kleinasien betreffende Abmachungen dahinter. Und die Ankündigung, daß auch zwischen England und Deutschland eine Verständigung bevorstehe, die Mesopotamien und den Persischen Golf betreffen soll, hat erst vollends alarmierend gewirkt. Mögen auch die beruhigenden Erklärungen von deutscher Seite, daß bei diesen Verständigungen an dem Status quo in der Türkei absolut nicht gerüttelt werde, auf Tatsachen beruhen, so ist doch die ganze auswärtige Politik der Türkei aus dem Gleise geraten. ^j,.:tSS5Sir

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