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Die Welt · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mo, 4 DIEE^ELT 85 Rabbiner Nathan G o r d o n (Montreal), J. S. L e o (Montreal), und S. H a s k e 11 (Montreal) als Sekretäre. Die Konvention schloß mit einem Bankett. Den Delegierten wurde ferner von den Zionisten Torontos ein Empfang gegeben, dem viele hervorragende nichtjüdische Persönlichkeiten der Stadt beiwohnten. Am Tage vot der Konvention fand eine Massenversammlung tatt, die ebenfalls sehr enthusiastisch verlief. Es wurden 500 Dollars für den Nationalfonds gesammelt. Rheinisch-westfälischer Gruppenverbandstag Am 22. Januar fand in Köln ein Verbandstag der zionistischen Vereine und Vertrauensmänner der Gruppenverbände Rheinland und Westfalen statt. An der Tagung nahmen 36 Vertreter aus folgenden Städten teil: Bannen, Bonn, Dortmund, Düren, Düsseldorf, Duisburg, Biberfeld, Eschweiler, Köln, Mülheim a. d. Ruhr, Schwelm und Trier. — Der Vorsitzende des Arbeitskomitees des Gruppenverbandes „Rheinland", Herr Jacob Schnelling, eröffnete die Tagung und begrüßte in besonders herzlichen Worten den anwesenden Präsidenten des A. C, Herrn David Wolffsohn. In das Bureau der Tagung wurden berufen die Herren: Dr. L. Weinberg, Dortmund, als erster Vorsitzender, Jacob Schnelling, Köln, als zweiter Vorsitzender, Dr. Grüneberg, Elberfeld, als erster Schriftführer, Adolf Po Hak, Köln, als zweiter Schriftführer und J. Kolski, Duisburg, als Beisitzer. Vorsitzender Dr. Weinberg erteilte zunächst das Wort dem Präsidenten des A. C, Herrn D. Wolffsohn. Präsident Wolffsohn führte aus, er müsse sich ganz besonders darüber freuen, auf einem Distriktstage so viele Delegierte zu sehen. Dies sei ein äußeres Zeichen dafür, daß es im Zionismus viel besser geworden sei. Aus kleinen Anfängen, aus dem Parteitag in Bingen, der aus ganz Deutschland nur von einigen wenigen Delegierten beschickt war, sei eine große und starke Organisation geworden. Die Entwicklung gibt denen Recht, welche mit Optimismus in die Zukunft schauen. Gewiß, die jüdischen Massen stehen zum Teile noch außerhalb des Zionismus, aber doch ist der Einfluß des Zionismus auf das gesamte Judentum heute schon unverkennbar geworden. Die Feindschaft, die ursprünglich gegen den Zionismus bestand, ist heute nicht entfernt mehr so kraß, wie sie war, und unsere Bewegung^ wächst unaufhaltsam. Man darf den verschiedenen pessimistischen Äußerungen, wie sie in der letzten Zeit aus der Türkei verbreitet wurden, keine große. Bedeutung beimessen. In Wirklichkeit liegen keine abfälligen Äußerungen der türkischen Regierung gegen uns vor, sondern nur verleumderische Ausstreuungen eines oder einiger Winkeljournalisten. Alle Völker verstehen unser Streben. Weder die Türken noch die Christen stellen sich gegen uns, der Feind ist immer in unserer Mitte. Die Juden verstehen uns noch nicht. Wir werden aus verschiedenen Gründen denunziert, aus Haß, aus Brotneid, vielleicht auch aus gutem Willen. Aber ich möchte Ihnen sagen: So viele mächtige Feinde, Jie Hamans und die Bileams und deren Epigonen haben uns nicht unterkriegen können, das Judentum ist aufrecht geblieben. Wir werden auch diese Korachs überwinden. (Lebhafter Beifall.) „Wir wachsen, und, was das erfreulichste ist, die Jugend ist mit uns. Wenn wir mutig und einig an die Arbeit gehen, dann werden wir die gesamte Judenheit für uns gewinnen. In diesem Sinne begrüße ich Sie herzlichst und wünsche Ihren Beratungen den besten Erfolg." ■ Lebhafter Beifall.) Parteisekretär Kurt Blumenfeld begrüßte namens des geschäftsführenden Ausschusses der zionistischen Vereinigung für Deutschland die Versammlung. Hierauf erstattete der Schriftführer des Arbeitkomitees, Herr Adolf Pollak, Köln, den Rechenschaftsbericht über die bisherigen Arbeiten des Komitees und den gegenwärtigen Stand des Gruppenverbandes. Seit Mai seien drei neue Ortsgruppen im Distrikte entstanden, und zwar in Düsseldorf, Elberfeld und Bonn. In der ietzten Zeit hat der Parteisekretär Blumenfeld in zwölf Versammlungen im Distrikt gesprochen, was unserer Sache überall bedeutenden Erfolg gebracht hat. Herr Blumenfeld erstattet sodann ein längeres, sehr instruktives Referat über die gegenwärtige Lage des Zionismus in Deutschland. In der sodann folgenden sehr interessanten Diskussion waren fast alle Redner darüber einig, daß die Agitation in Deutschland mit aller Energie weiter betrieben werden muß und daß es die Pflicht aller organisierten Zionisten sei, dem deutschen Zentralkomitee die zur Erhaltung der Organisation erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Delegierten der Ortsgruppen und die einzelnen Vertrauensmänner berichten über den Stand der zionistischen Bewegung in den einzelnen Orten, und es kam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, einen festeren Zusammenschluß der zionistischen Vereine und Vertrauensmänner im ganzen Distrikte herbeizuführen. Es wurden schließlich die beiden folgenden, von Herrn Adolf Pollak vorgeschlagenen Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Der Gruppenverbandstag beschließt den Zusammenschluß der bis jetzt bestehenden zwei Gruppenverbände „Rheinland" und „Westfalen" zu einem „rheinisch-westfälischen Gruppen verbände", dem sämtliche Ortsgruppen und Vertiauensmänner im Distrikte angehören. 2. Die Vereine und Vertrauensmänner werden dringend aufgefordert, die im Statut festgelegten Beiträge an das Arbeitskomitee des Gruppenverbandes so rasch als möglich abzuführen. Es wurde hierauf das neue Arbeitsomitee gewählt, dem folgende Herren angehören: Jacob Schnelling, Heinrich Dülken , Adolf Pollak, Referendar Hugo Krämer in Köln, Dr. Grüne, berg, Elberfeld, Dr. Weinberg, Dortmund, und Arthur Gelber, Düsseldorf. Deutschland Köln. Am vergangenen Donnerstag hielt das Frauenkomitee der Zionistischen Ortsgruppe seinen dritten freien Diskutierabend ab. Das Thema des Abends „Aus der jungjüdischen Literatur" wurde von der Referentin Fräulein Paula Loeb in ausgezeichneter und erschöpfender Weise behandelt. Fräulein Loeb wies die Anfänge einer neujüdischen Dichtung bereits in den Liedern der bekannten jüdischen Hochzeitssänger nach und gab einen klaren Oberblick über die Entwicklung jüdischer Lyrik bis auf den heutigen Tag. Die interessanten anderthalbstündigen Ausführungen, ergänzt durch Rezitationen von Gedichten der verschiedenen jungjüdischen Lyriker fanden den lebhaften Beifall des in gewohnter Weise zahlreich erschienenen Damenpublikums. Frankfurt a.M. Der zwanglose Diskussionsabend der Zionistischen Jugendgruppe über „Zionismus und Deutschtum" erfreute sich eines recht guten Besuches und verlief sehr angeregt. Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden L. Perlmutter, der Mißverständnisse in bezug auf eine angebliche „Tendenz" der Jugendgruppe in innerpolitischen zionistischen Fragen richtigstellte, ergriff Herr Fritz Sondheimer das Wort zu einem drei viertelstündigem Vortrage über das Thema des Abends, in welchem er an Hand der Definition der Grundlagen des Zionismus die Begriffe Deutschtum, Patriotismus und Staatsbürgertum in ihren Beziehungen zur zionistischen Idee klarlegte. Der Vortrag rief eine ausgedehnte und sehr interessante Debatte hervor, an der sich die Herren Dr. Siegfried Schwarzschild, Josef Bamberger, J. L. Goitein, Fischer, L.Perlmutter, Lehrer B.Stern, Rapp, beteiligten. In vorgerückter Stunde wurde die Debatte abgebrochen, nachdem der Referent die Ergebnisse des Abends in ein mit lebhaftem Beifalle aufgenommenes Schlußwort zusammengefaßt und die Versammlungbeschlossen hatte, die verschiedenen Fragen, die im Zusammenhang mit dem Thema gestreift wurden, an einem zweiten Abend nochmals ausführlich zu behandeln. Hamburg. Am 12. Januar sprach Dr. med. Weiß-Hamburg in einer Gruppenversammlung über Zollschans „RassenproblerrT. Redner gab in klarer und fesselnder Form die Hauptgedanken des inhaltreichen Werkes wieder und empfahl es allen Zionisten zu gründlichem Studium. Österreich Iglau. Der jüdische Volksverein „Theodor Herzl" für Iglan und Umgebung veranstaltete Donnerstag den 29. Dezember im Bräuhaussaale in Iglau eine großangelegte Makkabäerfeier. Als Festredner war Rabbiner Professor Dr. Julius Reach (Gaya) gewonnen worden, der eine begeisternde Rede hielt. Die Vorträge der Militärkapelle des 81. Infanterieregiments, die unter der persönlichen Leitung des Kapellmeisters Domes vier Konzertstücke, darunter zwei prächtige Quartette des Chormeisters Josef Kohn aufs Exakteste zu Gehör brachte, die Deklamationen des Frl. Elsbeth Scholl und die musikalischen Darbietungen des Regisseurs Otto Golda trugen zu der außerordentlich gehobenen Stimmung des zahlreich erschienenen Publikums besonders viel bei. Die schöne Feier wird hoffentlich dem Vereine und unserer Bewegung viel neue Freunde zuführen. Das rührige Komitee, speziell die Herren A. H. Reich, J. Wachtl, S. Großmann, ßerthold Beck, vor allem aber der unermüdliche Nationalfonds-Kommissar Emil Singer, unterstützt von Frl. Zimmer und stud. Alfr. Sommer mit dem überaus eifrigen Mädchenkomitee verdienen das höchste Lob.

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