Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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84 DIE3^ELT No. 4 komitees, Herr Adolf Böhm, die in der Zentralkommissions-Sitzung vom 15. d. M. beschlossene Resolution dem Distriktstage unter eingehender Begründung vor. Während der Beratungen, die nach der Mittagspause fortgeführt wurden, wurden folgende Resolutionen und Anträge eingebracht und vom D. T. angenommen: 1. Der innerösterreichische Distriktstag billigt die Demission des D. K. vollständig und spricht dem D. K. uneingeschränktes Vertrauen und Dank aus. Er bedauert es, daß das D. K. durch äußere Einflüsse gezwungen wurde, seine fruchtbringende Arbeit zu unterbrechen. 2. In vollständiger Obereinstimmung mit den gefaßten Beschlüssen des westösterreichischen Z. K. protestiert der D. T. aufs entschiedenste gegen die Angriffe, welchen die innerösterreichische Organisation seitens des Organs der Zentralleitung in Köln ausgesetzt wurde. Der D. T. erklärt, daß solche Angriffe, welche auf Unkenntnis der Verhältnisse in Österreich und auf einseitigen Informationen der leitenden Kreise durch außerhalb der Organisation stehende und unverantwortliche Personen beruhen, geeignet sind, das Ansehen und die Arbeit nicht urn der innerösterreichischen Organisation, sondern auch der Gesamtorganisation in empfindlichster Weise zu schädigen. 3. Der Distriktstag erklärt die „Jüdische Zeitung" unter Anerkennung ihrer der zionistischen Organisation geleisteten Dienste als das offizielle Organ des innerösterreichischen Distriktes. Der D. T. macht es allen Gesinnungsgenossen zur Pflicht, für die Förderung und Verbreitung dieses bisher ausschließlich durch die selbstlose Opferwilligkeit einzelner Gg. erhaltenen Blattes überall und nach besten Kräften zu wirken. 4. Der D. T. fordert, daß der Wiener Berichterstatter der „Welt" nur mit Zustimmung des innerösterreichischen D. K. nominiert werde. Bei den hierauf folgenden Neuwahlen wurde das gesamte innerösterreichische D.-K. in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. XI. Konvention der kanadischen Zionisten Die XI. Konvention der zionistischen Föderation von Kanada hat am 25. und 26. Dezember 1910 im Lyric Theater zu Toronto stattgefunden. 200 Delegierte, die aus allen Teilen Kanadas gekommen waren, wohnten den Verhandlungen bei, die sich durch großen Enthusiasmus auszeichneten. Die Delegierten wurden offiziell durch den Mayor von Toronto empfangen, und die Torontoer Presse berichtete ausführlich über die Verhandlungen. An dem der Konvention vorhergehenden Samstag wurden in verschiedenen Synagogen zionistische Predigten von den Rabbinern Nathan Gordon, Kahanovitch, Dr. Herman Abramowitz und Jacobs gehalten. Die Konvention wurde durch den Präsidenten der Föderation, Herrn Clarence I. de Sola, Mitglied des Großen A. C. mit einer großen Rede eröffnet, die wir auszugsweise folgen lassen: „Das ständige Anwachsen des Zionismus in Kanada ist in nicht zu kleinem Grade der Tatsache zuzuschreiben, daß wir stets die praktische Seite unseres Programms gut im Auge behalten haben. Die Berichte, die Ihnen heute vorgelegt werden, werden Ihnen zeigen, daß wir seit unserer letzten Konvention einen guten Schritt weitergekommen sind, und daß die Fahne dieser Föderation niemals so hoch flog wie jetzt. Denn wir sind in der Lage anzukündigen, daß unser Einkommen in diesem Jahr über 30°/o gestiegen ist! Unsere Anerkennung und unser Lob gebührt den Vereinen, die uns halfen, dieses Resultat zu erreichen. Es ist eine schwere Aufgabe, Einzelheiten anzugeben, wo viele Lob verdienen. Aber die bloße Gerechtigkeit verlangt, daß unsere Aufmerksamkeit auf den Bericht gelenkt wird, der Ihnen von der Agudath Zion Society von Montreal — des zionistischen Pioniervereins von Kanada — vorgelegt werden wird. Es ist ein Dokument wirklich vorzüglicher Arbeit. Die Höhe seiner Zuwendungen zu den Fonds, seine Zunahme in der Mitgliedzahl und seine guten, praktischen Resultate stellen ihn dieses Jahr wieder an die Spitze unserer Liste. Die andern Vereine Montreals haben ebenfalls viel wertvolle Arbeit geleistet. Winnipeg ist vorgerückt, und die Bnei Zion Society dieser Stadt zeigt einen Rekord, der wirklich erfreulich ist und auf den sie wohl stolz sein mag. Toronto, Ottawa und Kingston sind dieses Jahr ebenfalls in ähnlicher Lage gewesen. Sie sind alle in gewissem Grade durch außergewöhnliche Anforderungen in Anspruch genommen worden, was der notwendigen Zahlung zu den Kosten neuer kommunaler Gebäude zuzuschreiben ist. Aber sie haben offenbar ihre Lage in letzter Zeit materiell gebessert, da sie uns seit kurzem wieder mit dem alten Eifer geholfen haben. Im fernen Westen hat sich der Verein in Calgary als Vorbild von Leistungsfähigkeit und Tätigkeit gezeigt. In Wapella, in Saskatschewan haben die jüdischen Landwirte für den Zionismusgearbeitet, in Yarmouth, Port Arthur, Fort William, Glace Bay, Sidney und Sherbroke wird eifrig gearbeitet, und einer unserer jüngsten Enthusiasten hat soeben unsere zionistische Flagge in dem Silber-Camp vonCobalt aufgepflanzt. Redner bespricht sodann lobend die Tätigkeit des Bureaus und der Beamten der Föderation und sagt weiter: Auf der letzten Konvention hat die Föderation in mehreren Resolutionen sich für die praktische Kolonisationsarbeit in Palästina ausgesprochen. Ich werde Ihnen nunmehr Mitteilungen über diesen Gegenstand mit verschiedenen praktischen und wichtigen Vorschlägen machen. Diese Vorschläge betreffen einen ausführbaren geschäftsmäßigen Plan für Landankauf in Palästina, wonach wir kanadischen Zionisten in den nächsten Jahren Boden in dem Lande unserer Väter erwerben werden, welches durch jüdische Ansiedler bebaut und das Eigentum der wiedererstandenen] üdischen Nation werden wird. Auf diese Weise werden wir den Enthusiasmus, den Eifer, die Begeisterung, den Beifall und die „Hatikwah", die unsere Konvention beherrscht, in konkrete Resultate umwandeln." Diese Rede weckte stürmische Begeisterung und erhielt greif" bare Form, als am folgenden Tage in wenigen Minuten über 3000 Dollar für den Ankauf von Land in Palästina gezeichnet wurden. Herr Clarence de Sola eröffnete die Liste mit 250 Dollars und Alderman Farrar aus Hamilton, ein Nichtjude, zeichnete 100 Dollar. Letzterer erklärte, daß er seit 38 Jahren Zionist sei. Am 26. Dezember fand die offizielle Begrüßung der Delegierten durch den Major Geary statt. Der Bürgermeister, der von mehrern Stadträten begleitet war, wurde mit lebhaftem Applaus empfangen. Er sagte: Er freue sich immer mit seinen jüdischen Mitbürgern zusammenzukommen. Die Freude würde heute dadurch verdoppelt, daß er repräsentative jüdische Bürger aus allen Teilen des Landes treffe, die alle eifrig für eine so große, patriotische und segensreiche Bewegung wie den Zionismus arbeiteten. Er wünsche der Bewegung jeden Erfolg. „Denn Sie streben nicht nach einem materiellen Erfolg, nicht nach Dollars und Cents, sondern Sie leitet der heiße Wunsch für Ihr Volk das Beste zu erstreben." Oberaufseher C h u r c h beglückwünschte die Delegierten zu ihren Resultaten und lobte ihre Bürgertugenden. Alderman Mc Guire, Vorsitzender des Empfangskomitees der City von Toronto, begrüßte die Delegierten aufs herzlichste und bot ihnen die Schlüssel und das Bürgerrecht der Stadt während ihres Aufenthaltes an. Alderman Hey de sagte: „Ich heiße Sie aus tiefem Herzen willkommen. Ich bin jetzt mehr als je für den Zionismus eingenommen. Die Tätigkeit dieser Organisation ist nicht darauf gerichtet unsere jüdischen Mitbürger zu veranlassen wegzuziehen. Wir wünschen, daß sie alle hier bleiben und noch viele mehr, so viele, wie wir bekommen können." Herr de Sola sprach dem Major, dem Oberaufseher und den Aidermen den Dank dafür aus, daß sie ihnen das Bürgerrecht der Stadt angeboten hätten. Es sei ihm ganz unmöglich seine Gefühle in diesem Augenblicke auszudrücken. Es wurde hierauf unter lautem Beifall der City von Toronto der Dank votiert, wofür der Bürgermeister nochmals dankte. Der finanzielle Bericht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres zeigt, daß dem Nationalfonds besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Aus einem Gesamtbudget von über 5000 Dollar wurden ca. 3000 Dollars dem Nationalfonds überwiesen, davon 2000 Dollars für Eintragungen in das Goldene Buch. Es wurden viele neue Vereine gegründet, und die Eingänge in barern sind um 30° ß gestiegen. Die Mitglieder des Bureaukomitees die wiedergewählt wurden, sind: Rabbiner Nathan Gordon (Schriftführer), Leon Goldman, (Referent für Bureau und Propaganda), A. Lewin (Schatzmeister), A. Harris, (Nationalfonds), M. Marcus (J. C. T.), H. Lang (Herzlwald und Bezalel) und Hyman P. N e r w i c h (Bureausekretär). Die Konvention beschloß im kommenden Jahre 10000 Dollars für Landankauf in Palästina aufzubringen. Die neugewählte Leitung besteht aus folgenden Herren: Clarence I. de Sola, Präsident (zum 12. Male einstimmig wiedergewählt), Alex. Cash (Toronto), H. Bernstein (Montreal), J. D. Holofcener (Ottawa), J. Abramson (Kingston), M. Marcus (Montreal) und J. Singer (Toronto) als Vizepräsidenten, A. fc e v i n , (Montreal) Schatzmeister,