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Die Welt · 1911-01-01 · 3 (1911) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
3 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Das Oberrabinat von Jerusalem Der Chachambaschi der Türkei, Rabbi Haim Nahum, ist mit dem Oberrabbiner von Saloniki, Rabbi Jakob Meir, bezüglich des Rabbinerposteiis in Jerusalem wieder in Unterhandlung getreten. Rabbiner Jacob Meir hat bestimmte Bedingungen gestellt, die sich auf die Konzessionen beziehen, die der Chachambaschi der Türkei den Parteigängern des Rabbiners Panigel, des ehemaligen Oberrabbiners, zur Zeit seines Besuches in Palästina bewilligt hatte. Rabbiner Isak Chaky, der Sekretär des jüdischen Gemeinderates von Konstantinopel, wurde nach Saloniki gesandt, um die Angelegenheiten mit Rabbi Jakob Meir zu erörtern. Mittlerweile hat man auch in Jerusalem selbst in dieser Angelegenheit Schritte unternommen. Es hat sich dort nämlich ein Komitee von sieben Rabbinern gebildet, um über die Frage des Oberrabbinats zu verhandeln. Ausgrabungen in Palästina Dr. Horace Landau in Wien hat der österreichischen Akademie der Wissenschaiten für Zwecke der Altertumsforschung 350000 Kr. zur Verfügung gestellt. Davon sind 100000 Kronen zum Ankauf des in der Münchener Universität deponierten wissenschaftlichen Nachlasses des Arabienforschers Eduard Glaser bestimmt. Den Rest der Spende gedenkt die Akademie der Wissenschaften für archäologische Ausgrabung im Orient, insbesondere in Palästina, zu verwenden. Die Zahl der wissenschaftlichen Körperschaften, die in Palästina arbeiten, nimmt somit in der letzten Zeit rapid zu. Regenmangel in Palästina Das Ausbleiben eines genügenden Frühregens beginnt auf alle interessierten Kreise beunruhigend zu wirken. Bis nun ist nur wenig Regen niedergegangen, so daß harter Boden noch nicht gepflügt werden kann. Ebenso sind die Zisternen in Jerusalem noch nicht gefüllt, worunter insbesondere die arme jüdische Bevölkerung sehr zu leiden hat. Wenn es nicht in nächster Zeit reichlich regnen wird, so wird voraussichtlich das kommende Jahr für den Körnerbau ein sehr ungünstiges sein und die allgemeine Teuerung wird noch einen größern Umfang annehmen, als sie schon bis jetzt erreicht hat. Rabbinerwah! in Damaskus Die jüdische Gemeinde in Damaskus hat Rabbi Jakob Darion aus Jerusalem zum Chachambaschi gewählt und mit ihm einen Vertrag für fünf Jahre abgeschlossen. Die jüdischen Gemeindeverhältnisse in Damaskus wie in vielen andern Städten Syriens liegen sehr im argen, da es an jeder Organisation fehlt und die wichtigsten Institutionen einer jüdischen Gemeinde nur mangelhaft oder gar nicht eingerichtet sind. Von der Tätigkeit des neuen Oberrabbiners erwartet man nach dieser Richtung eine durchgreifende Besserung. Wissenschaftliche Vorträge in Jerusalem Die Jaffaer Mitglieder der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" veranstalten in diesem Winter wissenschaftliche Vorträge in hebräischer Sprache über folgende Gegenstände: „Die hebräische Sprache" (Ben Jehuda, 3 Vorträge), „Die Entwicklung des Hebräischen innerhalb der semitischen Sprachen" (Dr. Torczyner, 3 Vorträge), „Die hebräische Dichtung der spanischen Epoche" (D. Yellin, 3 Vorträge), „Die mündliche Lehre bis zum Abschluß des Talmuds" (A. M. Lüpschitz, 6 Vorträge) „Drei Dichter, drei Epochen" (H. L. Suta, 3 Vorträge), „Das Wichtigste der Anatomie" (Dr. Masie, 6 Vorträge), „Die erste Epoche des Islam" (Dr. Rabin, 6 Vorträge), „Jüdische Archäologie" (Rafaeii, 3 Vorträge) usw. Diese Vorträge, für die ein geringes Eintrittsgeld verlangt wird, erfreuen sich eines regen Besuches. Außer Dr. Torczyner werden auch die übrigen neuen Lehrer des hiesigen Gymnasiums, insbesondere Herr Schiller, an den wissenschaftlichen Vorträgen sich beteiligen. Rußland Die „Mendele"-Woche Die letzte Woche stand inOdessa im Zeichen der Jubiläumsfeier Mendele Mocher Sforims anläßlich seines 75. Geburtstages. Die große jüdische Öffentlichkeit nahm überaus regen Antei an dieser Feier. Mehr als 1200 Begrüßungstelegramme und Briefe smd beim Jubilar eingelaufen. Mehrere jüdische Literaturvereine wjhltcn den greisen Dichter aus diesem Anlaß zum Ehrenmitglied ihrer Vereinigung. Zur Feier waren aus verschiedenen Städten Rußlands Vertreter der Presse und der Literaturvereine herbeigeeilt. U. a. war auch ein Delegierter eigens aus Amerika gekommen. Die Feier begann mit einer von etwa 600 Personen besuchten Versammlung des Odessaer Literaturvereins — an eine öffentliche Versammlung, zu der auch Nichtmitglieder Zutritt hätten, war bei den Odessaer Verhältnissen nicht zu denken, — in der Dr. Klausner einen glänzenden zweistündigen Vortrag über die literarische Tätigkeit Mendeles hielt. Auf Antrag des Vorstandes wählte hierauf die Versammlung einstimmig den Jubilar zum Ehrenmitglied des Vereins. Sonntag den 8. Januar fand in der Wohnung des Jubilars der Empfang der verschiedenen Odessaer und auswärtigen Deputationen statt. U. a. sprachen B i a 1 i k (im Namen der Literaturvereine), Klausner (für die jüdischen Schriftsteller Odessas und für den „Haschiloah"), Ussischkin (für das Odessaer Palästinakomitee), Dr. Sapir (für die Odessaer Zionisten), A. Drujanow, Wilna, Redakteur des „Ha'olam",, M. Kleinmann (für, „Hed-Hasman") u. a. m. Das am 11. Januar veranstaltete Bankett, zu dem etwa 120 Personen (meistens Schriftsteller und verdiente Männer der jüdischen Öffentlichkeit geladen waren, nahm einen sehr schönen und würdigen Verlauf. Es sprachen meist hebräisch, manche jüdisch, B i a 1 i k, Frug, Dr. Klausner, Drujanow, Jabotinsky, Dr. Himmelfarb, Grünberg, ferner als Vertreter der jüdischen Presse M. Kleinmann („Hasman"), Dr. G 1 ü ck s o h n , (für „Die Welt"), Tschernowitz, („Hazefirah")u. a., wie auch Delegierte auswärtiger Literaturvereine und Körperschaften. Die Redner skizzierten die Verdienste Mendele Mocher Sforims nach den verschiedensten Richtungen und betonten ganz besonders seine Bedeutung als Lehrer und Wegweiser für die gesamte hebräische und jüdische Literatur und als Schöpfer unvergänglicher nationaler Werte. Donnerstag den 12. Januar fand im jüdischen Theater ein literarischer Abend statt, an dem der Einakter „Aushebung" (eine Bühnenumarbeitung der gleichnamigen Erzählung Mendeles) aufgeführt und Fragmente aus den Schriften des Jubilars verlesen wurden. Der Jubilar war Gegenstand stürmischer Ovaionen von Seiten der tausendköpfigen Menge, die das Theater bis auf den letzten Platz füllte. Ein jüdisches Polytechnikum in Wilna Die Frage der Gründung einer jüdischen Hochschule in Rußland ist in ein neues Stadium getreten. Zurzeit ist in Petersburg ein Verein in Bildung gegriffen, der sich die konkrete Aufgabe stellt, in Wilna ein jüdisches Polytechnikum nebst Handelshochschule zu gründen. Die Anstalt soll vier Abteilungen umfassen, nämlich je eine Abteilung für Handelswissenschaflen, Architektur, Mechanik und Elektrotechnik. Das Budget der neuen Anstalt ist durch zahlreiche Zuwendungen und Jahresbeiträge bereits gesichert, auch sind die hauptsächlichen Vorarbeiten beendet, so daß das Polytechnikum, falls die Regierung die nachgesuchte Genehmigung erteilt, bereits zu Beginn des nächsten Schuljahres, also im September 1911, eröffnet werden dürfte. Im ersten Jahre sollen 200 bis 300 Abiturienten, die ihre Mittelschulbildung in Rußland genossen haben, Aufnahme finden. Judenausweisungen in Sebastopol und Archangelsk Die Behörde zu Sebastopol hat vor einiger Zeit das Wohnrecht der dortigen Juden einer strengen Prüfung unterzogen. Infolge dieser Revision wurde nun über 23 Personen die Ausweisung verfügt. Die jüdische Bevölkerung Sebastopols befürchtet weitere Ausweisungen. Die christlichen Konfektionshändler der Stadt Archangelsk haben beim Gouverneur ein Gesuch um Ausweisung der Juden eingereicht. Schikanierung jüdischer Wohltätigkeitsvereine in Rußland Das gouvernementale Vereinsamt zu Kiew hat die Erlaubnis zur Schaffung einer Versicherungskasse in Angliederung an die jüdische Leih- und Sparkasse der Stadt Boguslaw, ferner auch zur Gründung eines Hilfsvereins für arme Juden in der Stadt Stawistsche und eines Fürsorgevereins für arme jüdische Kinder in Gorodi seht sehe verweigert. fgf NACHRICHTEN ~^T) Die Schächtfrage im deutschen Strafgesetzbuch In der Sitzung des Deutschen Reichstages am 13. Januar wurde u. a. auch die Schächtfrage anläßlich der vom Reichsjustizamt vorgelegten Tierschutznovelle ausführlich erörtert. Die Kommission, die für diese Frage

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