Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 3 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 3 DJE^ELT 61 welche von 9 Mitgliedern — also ungefähr der Hälfte der zurzeit der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft angehörenden Herren — und außerdem von einer großen Anzahl von Herren aus dem Berliner Lökalkomitee nnd andern deutschen Lokalkomitees besucht worden ist. Diese Versammlung hat mit allen gegen eine Stimme die abschriftlich beiliegenden Beschlüsse gefaßt. Auch derjenige Herr, der nicht für diesen Beschluß gestimmt hat, Herr Rabbiner Dr. Porges, hat sich veranlaßt gesehen, ausdrücklich zu erklären, daß er durchaus auf dem Boden des Beschlusses zu Punkt 2 stehe (Fortbestehen der D. K. G.) und daß er nur nicht für die Revolution en bloc gestimmt habe, weil er nicht überall mit der Fassung der Nr. 1 einverstanden gewesen sei. Sie werden hieraus ersehen, daß die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit, und insbesondere auch die große Mehrzahl der Mitglieder der A. J. U. in Deutschland, die durch Angehörige der Lokalkomitees vertreten waren, nicht gesonnen ist, die Beschlüsse des Zentralkomitees vom. 30. November 1910 als für sie verbindlich anzuerkennen. Eine rechtliche Befugnis, daßdas^^||^äitralkomitee die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft auflösen JroSne, haben die deutschen Mitglieder der A. J. U. nicht anerkennen wollen. Sie haben auch nicht gemeint, daß das bisherige Wirken der D. K. G. einen Anlaß habe gebe können, zu beschließen, daß der Zustand von 1904 wiederhergestellt, d. h. die gegenwärtig bestehende und statutenmäßig organisierte Deutsche Konferenz-Gemeinschaft beseitigt würde. Nachdem nunmehr durch diesen Beschluß das weitere Fortbestehen der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft gesichert ist, wird es notwendig sein, einen Modus vivendi zu finden, der den Interessen der A. J. U., einer erfolgversprechenden Propaganda für den Alliancegedanken in Deutschland und den berechtigten und maßvollen Wünschen der deutschen Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft enlspricht, und sie sind weit entfernt, die separatistischen Neigungen zu hegen, die man anscheinend bei ihnen voraussetzt. Ich werde in den ersten Tagen d s nächsten Jahres den Vorstand der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft zusammenberufen, um mit demselben einen Etatsentwurf zu beraten, der die Ausgaben der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, so weit es möglich ist, einschränkt und die Möglichkeit gewährt, dem Zentralkomitee in Paris einen sehr beträchtlichen Teil der Gelder zu überweisen. Diesen Etat werde ich Ihnen dann übersenden, und ich nehme mit Sicherheit an, daß wir uns über ihn einigen werden. Es wird ferner nötig sein, daß, da die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft in der letzten Zeit, teils durch den Tod. teils durch den Austritt mehrerer Mitglieder, erheblich geschwächt ist, an deren Stelle neue von dem Zentralkomitee kooptiert werden. Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft hat bereits beschlossen, Ihnen für diese Kooptation Herrn (jeheimrat Prof. Dr. Landau- Berlin vorzuschlagen, und ich bitte, die Kooptation desselben in einer Ihrer nächsten Sitzungen vorzunehmen. Auf die in Nr. 4 des Beschlusses erwähnte Angelegenheit betr. die Neuwahlen zum Zentralkomitee, werde ich mir erlauben, später zurückzukommen. Mit vorzüglicher Hochachtung. Max Fuchs, stellvertr. Präsident. Darauf antwortete das Zentralkomitee: Sehr geehrter Herr Kollege! Wir haben die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 23. Dezember zu bestätigen, dessen entgegenkommende Haltung und dessen verbindlicher Ton in einem glücklichen Gegensatz stehen zu den Resolutionen, welche der Brief wiedergibt und bei denen wir uns in dem Wunsch eines guten Einvernehmens nicht weiter aufhalten wollen. Wir erwarten mit Interesse die Vorschläge des Etats, die Sie uns in Aussicht stellen. Das Zentralkomitee hat nie den Wunsch gehabt und nie das Recht für sich in Anspruch genommen, die Deutsche Konferenzgemeinschaft als eine Vereinigung der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees aufzulösen. Wir haben sie nie geschaffen; sie hat sich vielmehr selbst und frei konstituiert. Das Zentralkomitee hat nur gemeint, sich allem entgegensetzen zu müssen, was nach seiner Auffassung einen Angriff enthielt gegen die. Einheit unserer Institution, die wir seit einem halben Jahrhundert mit allen Kräften aufrechterhalten haben. Es hat sich für verpflichtet gehalten. Ausgaben zurückzuweisen, die zum Teil den Zielen der Alliance fremd sind und ihr Budget allzuschwer belasten würden. Nur dadurch ist der Gedanke entstanden zu einer Rückkehr zu dem Stande der Dinge von 1904, der sich ausgezeichnet hat durch ein so glückliches Einvernehmen zwischen Ihnen und uns. Aber wenn Sie uns sagen, daß die Deutsche Konteren zgemeinschaft, indem sie ihre Fortexistenz beschlossen hat, keinen andern Gedanken verfolgt als den, mit uns für die allgemeinen Ziele und die Größe der Alliance zu arbeiten, so beglückwünschen wir uns hierzu und nehmen gern unsere Arbeiten mit Ihnen wieder auf. Wir hoffen, daß Ihr Etatsentwurf die nötigen Ausgaben in Deutschland, sei es für die Verwaltung, sei es für die Wohltätigkeitseinrichtung, so sehr als möglich einschränken wird in Ciernäßheit der Gesichtspunkte, die in unserer frühern Korrespondenz auseinandergesetzt sind. Die Kooptation des . Herrn Professor Landau wird keine Schwierigkeiten machen; seine Ernennung soll auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen gesetzt werden. Genehmigen Sie, verehrter Herr Kollege, die Versicherung unserer größten Hochachtung, Der Sekretär: Der Präsident: J. Bigart. N. Leven." Brief aus Amerika (Von unserm New Yorker Berichterstatter) Chanukah in New York Wer um die Chanukahzeit New York einen Besuch abstattet, und die mit Zionsfahnen geschmückten Pesthallen und deren begeistertes festfreudiges Publikum erblickt, der wird frohen Herzens feststellen können, daß das Lämpchen, das die Makkabäer vor Jahrtausenden entzündet haben, noch heute leuchtet, und daß das mutige Eintreten der Hasmonäerfamilie für die nationale Ehre und Freiheit noch heute auch in Amerika ein helloderndes Feuer der Begeisterung in den Herzen Hunderttausender entfacht. Es gibt in der Tat kaum eine einzige größere Halle im jüdischen Viertel New Yorks, in der nicht während der Chanukahwoche allabendlich von den verschiedensten jüdischen Vereinen und Institutionen Makkabäerfeste gefeiert würden. Daß bei all diesen Veranstaltungen die zionistische Note deutlich hervortönt, ist ein freudiges Omen für unsere Bewegung, ein Beweis für die werbende Kraft unserer Idee. Auch den indifferentesten Kreisen in der amerikanischen Judenheit kommt es allmählich zum Bewußtsein, daß der Zionismus die Zukunft des Judentums in sich birgt. Der Massenbesuch des vom „Yiddischen Folk" am ersten Chanukahtage veranstalteten Konzerts im Grand Central Palace war ein erfreuliches Zeichen für die jetzige Strömung in der hiesigen jüdischen Bevölkerung. Mehr als 3000 Personen haben dem außerordentlich schönen Feste beigewohnt, darunter die „American Hebrew Brigade", ein Korps regelrechter jüdischer Soldaten, die mit ihrer weißblauen Fahne korporativ erschienen war und deren Übungen vom Publikum mit lautem Jubel begrüßt wurden. Der Erfolg des Abends war ein so durchschlagender, daß die „Federation of American Zionists" sich veranlaßt fand, am letzten Tage des Chanukahfestes eine ähnliche Veranstaltung zu unternehmen und mit großem Erfolge durchzuführen. Dem jüdischen Publikum ward der hohe geistige Genuß zuteil, Herrn Dr. Schmarjah Lewin im „Herald Square Theater" über jüdisches Leben und jüdische Kunst sprechen zu hören. Als ein Zeugnis des frischen Aufkeimens zionistischen Lebens kann auch die verdienstvolle Leistung der hiesigen „ Austro Hungarian Zionists" betrachtet werden, die dem vielfach gefühlten Bedürfnisse der hiesigen Zionisten Rechnung tragend, im Mittelpunkt des jüdischen Viertels mit großen Kosten ein prächtig ausgestattetes jüdisches Volksheim errichtet haben, das nicht nurder Sammelplatz der hiesigen Zionisten, sondern eine Heimstätte allgemein jüdischer Veranstaltungen zu werden verspricht. Das von den österreichisch-ungarischen Zionisten gegründete Heim bietet genügend Raum für Versammlungen großen Stiles und beherbergt u. a. eine geräumige Lesehalle, in der jüdische Tageszeitungen und Wochenschriften aller Länder und aller Sprachen aufliegen. Die österreichisch-ungarischen Zionisten haben sich durch diese Gründung die Dankbarkeit nicht nur der hiesigen Zionisten, sondern weiter jüdischer Volkskreise gesichert. Zur Einwanderungsfrage Die Tendenz der hiesigen Behörden, die Einwanderung nach Amerika möglichst einzuschränken, verdient in hohem Maße die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit. Man ist sich wohl über die Einzelheiten der geplanten gesetzlichen Maßnahmen noch nicht im klaren, da der offizielle Bericht der gesetzgebenden Behörde noch nicht in seinem