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Die Welt · 1911-01-01 · 3 (1911) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
3 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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W^fWW No. 3 DIE&tfELT 53 dient, den Leidensweg des Judentunis genauer und schärfer zu umschreiben. Vor einigen Jahrhunderten hat man Türen und Fenster geschlossen, wenn Schauspieler kamen. Daß dieser Beruf heute in einer höhern Achtung steht, hat man als einen Beweis fortschreitender Bildung angesehen. Ist es gestattet, die Bildung an solchem Maßstabe zu messen, dann muß man von einem erschreckenden und grauenerregenden Sinken dieses Niveaus sprechen, wenn man z. B. die Vorschläge liest, welche die amtliche Einwanderungskommission der Vereinigten Staaten als Resultat langwieriger Verhandlungen erstattete. Diese Vorschläge, welche angeblich die Einwanderung ungeschulter Arbeiter erschweren oder verhindern sollen, welche, wie die Kommission bemerkt, von der Rücksicht auf die staatlichen Interessen und dem Schutze der Einwandernden vor Ausbeutung diktiert sind, enthalten gleich zu Beginn die Empfehlung eines Ubereinkommens mit den Polizeibehörden der verschiedenen Emigrationsländer, wonach Emigranten irir dann in Amerika eingelassen werden, wenn sie eine Bestätigung ihrer heimischen Obrigkeit beibringen, daß sie nicht wegen Verbrechen vorbestraft sind, welche von der Einwanderung ausschließen. Das sieht sich so harmlos und selbstverständlich an, ist aber ungemein gefährlich, da die Art der Verbrechen nicht benannt ist. Werden also auch politische Flüchtlinge, Menschen, die der russischen Hölle entfliehen, von der Einwanderung ausgeschlossen, wenn sie aus leicht begreiflichen Gründen keine Bescheinigung einer russischen Behörde bei sich führen? Ein anderer Vorschlag verlangt die Erhöhung des Geldnachweises für jeden Einwanderer. Bin dritter Vorschlag empfiehlt, daß männliche und weibliche Beamte die Fahrt auf Einwanderungsschiffen mitmachen, wahrscheinlich um sich über die Verhältnisse derEinwandernden zu orientieren. Ihre Informationen werden dann für die mehr oder minder wohlwollende Behandlung der Auswanderer vor dem Immigration-Board die Grundlage bieten und nebenher die Gemütsunsicherheit dieser Armen schon auf den Schiffen vermehren. Der Geist, in dem die genannte Kommission ihre Vorschläge erwogen hatte, entspricht sicherlicheiner weitverbreiteten, wenn nicht sogar der allgemeinen Stimmung in den Vereinigten Staaten. Dieser Geist kommt auch in der einflußreichen und führenden Zeitung, dem „Outlook" zum offenen und schroffen Ausdruck. Dieses Blatt, dessen Redaktion der frühere Präsident Roosevelt angehört, schreibt in beziig auf die Judenverfolgungen in Rußland: „Wir haben weder die Pflicht noch das Recht zuzulassen, daß unsere internationale Politik von Gründen des Mitleids für ihn (d. h. den russischen Juden) bestimmt wird." Dasselbe Blatt verlangt in dem gleichen Artikel die Sichtung derEinwanderer durch amerikanische Beamte schon in den Abfahrtshäfen. Diesen Tatsachen steht die jüdische Einwanderungspolitik gegenüber. Alle Prophezeiungen und alle Vertröstungen, die in den letzten zehn Jahren von den Führern der modernsten Diaspora verkündet worden sind, führt die Entwicklung der Dinge ad absurdum. Nicht durch die Tore der Freiheit führt die jüdische Wanderung, sondern — in Sackgassen, an deren Ende das „Zurück!" steht. Trostlos ist die Lage des wandernden Judentums; hoffnungslos muß sie bleiben, wenn sich das Judentum nicht auf den letzten und einzigen Weg zur Rettung besinnt: die Lösung des Judenproblems im zionistischen Sinne. Ein Plugblatt der Chalukah Wir konnten vor einigen Tagen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Sammlungen des Jüdischen Nationalfonds im abgelaufenen Jahre das Ergebnis des Vorjahres weit überschritten haben. Dieses Resultat ist zu einem großen Teile dem System der Büchsensammlungen zu danken, deren Propagierung einerseits durch Flugblätter, anderseits durch Rechenschaftsberichte betrieben wird, die den Büchseninhabern bei der Leerung eingehändigt werden. Diese Rechenschaftsberichte geben den Spendern einen genauen und detaillierten Überblick über die mit den gesammelten Geldern geschaffenen nationalwirtschaftlichen Institutionen in Palästina. Die Verwaltung der deutsch-holländischen Chalukah scheint sich nun entschlossen zu haben, dem Beispiel des Nationalfonds zu folgen. Sie bleibt jedoch auf halbem Wege stehen. Sie wendet sich an die jüdische Öffentlichkeit mit einem Aufruf, in dem sie alles das aufzählt, was in Palästina geschehen soll, und hierfür um Spenden ersucht. Dieser von der „Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung" gezeichnete Aufruf lautet folgendermaßen: Erez Isroel. Wollt Ihr, daß im heiligen Lande die vom Geschick verfolgten Glaubensbrüder ein bescheidenes Leben führen können, ohne zu verhungern? Wollt Ihr, daß durch Erziehung zur Arbeit, durch Förderung von Industrie und Handwerk neben der notwendigen landwirtschaftlichen Kolonisation auch die städtische Bevölkerung in Palästina wirtschaftlich gefördert werde? Wollt Ihr, daß der Wohnungsnot und dem Wohnungselend, der Krankheit und der Entkräftung entgegengearbeitet und daß die Ehre des jüdischen Namens im heiligen Lande in den Augen der Andersgläubigen keinen Schaden nehme? Wollt Ihr, daß im heiligen Lande jüdische Wissenschaft ihre Pflege finde und daß eine von echtjüdischer, religiöser Gesinnung erfüllte, aber auch fürs praktische Leben gebildete Jugend heranblühe? Wollt Ihr das alles, — und Ihr wollt es, wenn ein jüdisches Herz in eurem Busen pocht, — dann stellt diese Erez-Isroel-Büchse bei Euch auf und widmet ihr ein Scherflein in Stunden heiligen Gedenkens! Namens der Deutsch-holländischen Palästina»Verwaltung: Ausführliche Berichte über die Tätigkeit der Deutschholländischen Palästina-Verwaltung stehen jederzeit zur Verfügung. Bureaus: Amsterdam, Nieuwe Amstelstraat 5; Frankfurt a. M., Schützenstr. 14; Berlin, Heidereutergasse 4. Wie man sieht, entspricht die Form der unserer Nationalfonds-Flugblätter. Bis auf das kleine Detail, das der Bericht über das wirklich Getane, über die erreichten Arbeitsresultate, wie ihn der Nationalfonds so und so oftmal im Jahre an seine Spender versendet und veröffentlicht, fehlt. Es ist möglich, daß der Grund für diese

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