Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 2 DiE^ELT 39 Wien. Einem vielfach geäußerten Wunsche folgend, hat im jüdisch-politischen Seminar Herr Dr. Hermann Kadisch in den letzten Wochen allwöchentlich einen Vortrag aus dem Komplexe der aktuellen Zeit- und Streitfragen der jüd. Moderne gehalten. Die behandelten Themen waren: Die nationale, die soziale und die, Judenfrage in ihren Wirkungen und Zusammenhängen. In der Judenfrage verlangt der Vortragende eine gleichmäßige Behandlung der beiden gleichwertigen Aufgaben: einer all jüdischen, wie sie im Streben nach Schaffung eines Zentrums in Palästina verkörpert ist, und einer auf nationale Erziehung und wirtschaftliche Hebung der österreichischen Juden hinzielenden Landespolitik. Die Seminarvorträge hinterließen bei den Anwesenden eine nachhaltige Wirkung! Busk. Am 3. Dezember 1910 hielt der Verein „Tikwath Zion" Busk, seine Hauptversammlung, die erste nach der großen Feuersbrunst vom 6. Juni, ab. Der Vorsitzende begrüßte die wieder erschienenen Mitglieder, richtete an sie einen Appell zu weiterer Mitarbeit und erörterte das Vereinsprogramm. Hierauf folgte die Erstattung des Tätigkeits- und Rechenschaftsberichtes. Die durch den Brand völlig zerstörte Bibliothek wurde wiederhergestellt. Von den gefaßten Beschlüssen sind bemerkenswert die Einrichtung von Vortrags- und Diskussionsabenden und die Pflege der hebräischen Sprache sowie die Ernennung des Gg. Herrn Robert Guttmann aus Prag zum Ehrenmitglied des Vereins in Anerkennung dessen Verdienste um die Förderung der Vereins- und Bibliothekbestrebungen. Bulgarien % ü Sofia. Eine erhebende Makkabäerfeier wurde hier in der Schule des Hilfsvereins abgehalten. Die Schulräume konnten kaum die überaus zahlreich erschienene Jugend fassen. Ansprachen hielten Rabb. Dr. Rosen wasser, Chevalier M. Adler und Direktor Jacques Gast er aus Czernowitz.J XL Delegiertentag des holländischen Zionistenbundes (Von unserm Berichterstatter) Am 25. und 26. Dezember 1910 haben wir in Groningen unsern XL Delegiertentag abgehalten. Die Versammlung, welche von Delegierten aus allen Teilen des Landes außerordentlich stark besucht war, leitete der Vorsitzende Dr. Franzie Berenstein. In seiner Eröffnungsrede verwies er namentlich auf den Kampf, welchen wir hier gegen die Orthodoxie, gegen die Assimilation und gegen den Indifferentismus zu führen haben. Dennoch habe die Bewegung in Holland große Fortschritte gemacht, ihr Einfluß im jüdischen Leben, in der Gemeindeverwaltung, in der sozialen Arbeit sei stets steigend. In der sodann folgenden allgemeinen Debatte führte der erste Redner, Herr J. H. ICann, folgendes aus: Ich möchte das Prinzip aufstellen, daß das Bureau derOrganisation dort sein soll, wo der Präsident wohnt. Wir haben heute aber dabei in Betracht zu ziehen, daß es wünschenswert erscheint, unserm Präsidenten Wolffsohn die Arbeit zu erleichtern. Zwar geht es ihm gesundheitlich in der letzten Zeit viel besser, aber das Bureau in Cöln, wie gut es übrigens auch geleitet wird, gibt ihm selbstverständlich doch eine Menge Arbeit. Es war viel die Rede davon, das Bureau nach Berlin zu verlegen, und es erscheinen dagegen keine ernsten Bedenken; im Gegenteil, es gibt viele tüchtige, arbeitsfreudige Zionisten in Berlin, die bereit sind, sich der Sache zu widmen. Herr Kann meint ferner, daß an der Spitze der Bewegung ein homogenes E. A. C. stehen soll, damit die Arbeit nicht durch Meinungsverschiedenheit in der Leitung selbst gestört wird. Es würde vollständig genügen, wenn der Präsident sich auf den regelmäßig tagenden Sitzungen des großen A.C. zu verantworten hätte. Über die zionistische Politik äußerte der Redner sich folgendermaßen: Er wisse, daß seine Meinung nicht von allen Zionisten geteilt würde, doch stehe er vollkommen auf dem Boden des Baseler Programms. Er wünsche ein kräftiges jüdisches Zentrum in Palästina. Er sei gegen eine jüdische Immigration, über das ganze ottomanische Reich verteilt, und meint, daß wir ohne irgendein besonderes Abkommen mit der türkischen Regierung nicht zu unserm Endziel kommen werden. Die Zeit des großen Enthusiasmus für die Propaganda allein ist vorüber, wir müssen an die Arbeit, und das womöglich in Gemeinschaft mit den andern großen jüdischen Korporationen. Wir müssen darnach streben, die Aufhebung des Hinwanderungsverbots und der Schwierigkeiten für die Erwerbung von Landbesitz zu erlangen. Gemeinsam mit den andern sollen wir die Landkolonisation und die Verbesserung des Unterrichtswesens in die Hand nehmen. Auch können einige große Ackerbau- und Industrieunternehmungen gegründet werden, die Ingenieure und Betriebsleiter in das Land bringen werden, was ohne Zweifel der allgemeinen Lage der jüdischen Bevölkerung zugute kommen wird. Herr Dr. Ornstein: Palästina brauche zuerst jüdische Arbeiter. Der praktische und politische Zionismus müsste kombiniert und die Propaganda mit demselben Enthusiasmus wie früher geführt werden. Die weitern Beratungen galten der Organisation in Holland und ihren internen Angelegenheiten. Es wurde u. a. beschlossen, den Landesbeitrag um fl. 0.50 zu erhöhen. In den Bundesvorstand wurden fast alle Mitglieder wiedergewählt, und zwar: Herr Dr. Franzie Berenstein (Haag) zum Vorsitzenden, Herr de Lieme (Haag) zum Schriftführer, als Mitglieder die Herren Dr. jur. J. Cohen (Arnheim), J. Hertzberger (Groningen), Dr. L. S. Ornstein (Groningen), Dr. A. van Raalte (Dordrecht). Statt des Herrn B. P. Gomperts, welcher eine Wiederwahl ablehnte und dem die Versammlung den Dank für seine Tätigkeit übermittelte wurde, Herr Dr. Cohen (Haag) zum Redakteur des „Joodsche Wächter" ernannt. Unter den Klängen der „Hatikwah" wurde sodann die Versammlung geschlossen. Die Ortsgruppe Groningen hatte aus Anlaß der Tagung am 25. Dezember ein großes Fest veranstaltet, bei welchem Herr Dr. Cohen die Festrede hielt. Mehrere andere Gäste richteten Ansprachen an die Versammelten. Der Abend war überaus gelungen und wurde mit einem Ball beschlossen. IL Landeskonferenz der südslavischen zionistischen Föderation Sonntag den 25. Dezember, tagte, wie schon kurz berichtet, in der Hauptstadt Kroatiens, in Agram die 2. Landeskonferenz der südslavischen zionistischen Föderation, welche die Zionisten der südlichen Länder Österreich-Ungarns umfaßt. Die Konferenz hatte einen vertraulichen Charakter; sie war eine Arbeitskonferenz par excellence, ausschließlich der sachlichen Besprechung der innern Föderationsangelegenheiten gewidmet. Vormittagssitzung: Den Vorsitz führte der Präses der Föderation und Mitglied des großen A. C, Dr. H. Spitzer, als Schriftführer fungierte Dr. S. P e r 1 b e r g. Die von ca. 50 Gg. beschickte Konferenz wurde mit einer kernigen Ansprache des Präsidenten, Dr. H. Spitzer, eröffnet, worauf man zur Erledigung der Tagesordnung schritt. Als erster erstattete Dr. Spitzer einen ausführlichen Bericht über die Lage der zionistischen Weltorganisation, in welcher er die durch den Hamburger Kongreß und die Berliner Jahreskonferenz geschaffene Situation besonders hervorhob. Dieser Bericht wurde zur Kenntnis genommen und an den Präsidenten D. Wolffsohn und das engere A. C. ein Vertrauensvotum abgeschickt.— Über den Stand der zionistischen Bewegung in den südslavischen Ländern der Österr.- Ung. Monarchie (Kroatien, Slavonien, Bosnien, Herzegovina, Dalmatien und Fiume) referierte der Sekretär der Föderation Gg. E. Kraus. Seinen Ausführungen konnte man entnehmen, daß 'der zionistische Gedanke dank der Bemühungen des Landeskomitees und einiger agiler Gg. immer mehr an Terrain gewinnt, was die sich stets vermehrenden Eingänge für diverse zionistische Zwecke am besten illustrieren. Redner hebt die Notwendigkeit einer intensiveren Propaganda hervor zwecks Vertiefung des zionistischen Gedankens und Eroberung der Kultusgemeinden, und unterbreitete sodann einige Vorschläge betreffend den Ausbau der Organisation. Hierauf referierte Gg. E. Kraus, in Vertretung des Kassierers, über die Tätigkeit der Nationalfondssammelstelle. Der Bericht konstatiert die erfreuliche Tatsache, daß sich der Nationalfonds in allen jüdischen Kreisen großer Popularität erfreut und verhältnismäßig recht gute Einnahmen erzielte. In den letzten 15 Monaten gingen ein insgesamt 7594-'/g K. (davon 60° o in Sarajevo und 40°v. in Agram). Für alle zionistischen Zwecke (N. F., Ölbaum, Schekel, Genossenschaftsfonds, Bezalel, Aktien, Hygienisches Institut, Preßfonds usw.) wurden rund 10000 K. gesammelt. Wenn man die geringe hierländische jüdische Bevölkerung (40000 Seelen) in Betracht zieht, so ist das Resultat gewiß zufriedenstellend. Auf Grund dieser Rechenschaftsberichte wurde dem Landeskomitee das Absolutorium erteilt und der Dank votiert. Die Nachmittagssitzung begann mit dem Referate des Gg. M. Bauer über die Frage des offiziellen Publikationsorganes der Föderation"(„Zidovska smotra"). Es entspann sich eine lebhafte Debatte, aus welcher sich folgende Meinung heraus kristallisierte: Die „Zidovska smotra" hat die Aufgabe, den südslavischen Juden alle Regungen des Gesamtjudentums und seiner Kulturfragen zu übermitteln und mit Berücksichtigung der aktuellen Fragen im