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Die Welt · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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40 DIE3SELT No. 2 Schosse der südslavischen Judenheit strenge zionistische Tendenz zu befolgen. Nachdem die Mitarbeit unseres ausgezeichneten Gg. Dr. A. Licht gesichert war, übernahm unter allgemeinem Beifall Gg. M. Bauer die Redaktion. Den letzten und wichtigsten Punkt bildete die Beratung der Organisationsfragen, worüber Dr. A. Licht das Referat hielt. Nach einer kurzen Debatte wurde die Fassung einiger Paragraphen der Föderationsstatuten abgeändert. Da in Agram eine größere Anzahl tüchtiger und arbeitswilliger Gg. wohnen, wurde beschlossen, die Zentrale der Föderation, die Landessanimelstelle des jüdischen N. F. und das Publikationsorgan von Essek nach Agram zu verlegen. Um den Gg. aus der Provinz die Mitarbeit an der Föderationsleitung zu ermöglichen, wurde die Anzahl der Landeskomiteemitglieder auf zwölf (sechs aus der Provinz) erhöht. Schließlich wurde die Anstellung einer besoldeten Kraft für die Zwecke der Föderation, beschlossen. In das neue Landeskomitee wurden per akklamation folgende Gg. gewählt: Präses: Dr. H. Spitzer (Essek), Vizepräses: Dr. J. Jacobi (Agram); Mitglieder: N. Landau (Bjelina), Dr. M. Levy (Sarajevo), G. Seidemann (Prijedor), L. Finzi (Sarajevo), E. Kraus (Essek), Dr. A. Licht, Dr. S. Bogad, Frl. Clara Jacobi, M.Bauer und Dr. M. Horn (alle in Agram). Nachdem noch einige Vorschläge und Anregungen angenommen wurden, und der Vorsitzende Dr. H. Spitzer das Schlußwort gesprochen hatte, wurde diese bedeutungsvolle Landeskonferenz mit dem Absingen der Hatikwah geschlossen. Abends fand im Hotel „Kaiser von Österreich", in welchem auch die Konferenz tagte, ein animierter Kommers statt, auf welchem für zionistische Zwecke eine bedeutende Summe gesammelt wurde. Der Präsident der Landesorganisation, Dr. Hugo Spitzer, sprach bei der kroatischen Landesregierung vor, wo er vom Banus-Stellvertreter Sektionschef v. Chavrak freundlichst empfangen wurde. Präsident Dr. Hugo Spitzer zerstreute einige Bedenken, die man behördlicherseits gegen den Zionismus hegte, und es wurde ihm zugesagt, daß die unterbreiteten Statuten der Esseker und Agramer zionistischen Vereine in günstigem Sinne erledigt werden. Von dem neugewählten Landeskomitee erwartet man einen bedeutenden Aufschwung der zionistischen Bewegung in unsern Ländern. Türkei Der Chachambaschi und die jüdische Einwanderung in der Türkei Eine am 16. Dezember v.J. im „Jewish Chronicle'* veröffentlichte Nachricht hat in weiten Kreisen großes Aufsehen erregt. Die Notiz lautete: Am 1. Dezember stattete der Minister des Innern dem Großrabbiner der Türkei einen Besuch ab. Die Unterhaltung war außerordentlich herzlich und betraf hauptsächlich die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. Der Minister versprach Rabbi Nahum die Hilfe der Regierung in allen Angelegenheiten, die die Gemeinde für ihren Fortschritt nötig erachte und versprach ihm weiter, die fremden Elemente, die versuchen, Zwietracht unter die ottomanischen Juden zu säen, zur Raison zu bringen. Da es allgemein bekannt ist, daß der Konstantinopeler Korrespondent des ,Jewish Chronicle" dem Chachambaschi sehr nahe steht, war an der Authentizität dieser Nachricht kaum zu zweifeln, und das Befremden, das sie hervorrief, war nur zu begreiflich. Wollte man doch darin die Bestätigung der Gerüchte finden, die schon früher zirkuliert hatten, daß der Großrabbiner im innern Kampfe der ottomanischen Juden die Staatsgewalt gegen die ,,fremden" Juden angerufen hätte, und daß die Regierung geneigt sei, energisch gegen die „Fremden", und also auch wohl gegen die ganze jüdische Einwanderung, vorzugehen. Wir sind in der Lage feststellen zu können, daß die ganze Alarmnaricht nur eine der vielen verhetzenden Mystifikationen darstellt, die sich der Konstantinopeler Korrespondent des „Jewish Chronicle" der jüdischen Öffentlichkeit gegenüber schon hat zuschulden kommen lassen. Wir erhalten von unserm Konstantinopeler Vertreter folgende telegraphische Nachricht: Der Großrabbiner hat mir gegenüber ausdrücklich erklärt, daß der Zweck des Besuches des Ministers am 1. Dezember nur der war, über die mohammedanischen Studenten, die das Seminar der „Alliance" in Paris besuchen werden, zu sprechen. Während der freundschaftlichen Unterhaltung gab der Minister seinem Vertrauen zum jüdischen Element in der Türkei, Ausdruck und erklärte sich bereit, die jüdischen Interessen in jeder Beziehung zu fördern. Die Frage der fremden Juden ist überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Der Gouverneur von Pera auf einem jüdischen Fest Am 31. Dezember 1910 feierte der Konstantinopeler jüdischnationale Turnverein „Makkabi" das Andenken der Makkabäer mit der Veranstaltung eines großen Turnfestes in den Petit Champs. Der Zudrang zu dem Fest war ein ungeheurer. Die'Feier begann mit der gemeinsamen Absingung der osmanischen Nationalhymne, der die „Hatikwah", die zionistische Hymne, folgte. Nach einigen Ansprachen in türkischer, hebräischer und französischer Sprache ergriff der Protektor des Festes, der Gouverneur von Pera, Muhieddin Bej, das Wort zu einer längern Rede, in der er zu Eingang erklärte, daß die Zwecke des Turnvereins der Regierung volles Vertrauen einflößten.. Er schloß mit einem stürmisch akklamierten Hoch auf die Konstitution, die Freiheit, den Sultan und das jüdische Volk. Die Turnübungen, die man sodann vornahm, fanden den lebhafte:i Beifall der anwesenden Offiziere. Seitens der Brudervereine der Türkei und Bulgariens sowie aus Berlin und Wien waren Begrüßungstelegramme eingelaufen. Der Reinertrag des Festes beläuft sich auf über 1000 Jl. — Der Verein wird demnächst unter dem Patronat des Staatsrats Reschid Bej ein Fest zugunsten des Fiottenfonds veranstalten. NACHRICHTEN Botschafter Straus demissioniert Die Londoner „Times" vom 9. Januar meldet aus ' Washington: Die Demission des Herrn Straus, des amerikanischen Botschafters in der Türkei, wird eben bekannt gegeben. Sein Nachfolger ist noch nicht ernannt worden. Eine Pogromrede in der Reichsduma. Während der Debatte über die Interpellation anläßlich der blutigen Exzesse der studentischen Organisation des Verbandes des russischen Volkes in der Odessaer Universität verstieg sich der Redner der Rechten, Abgeordneter Schulgin zu einer förmlichen it Pogronirede. Trotzdem die Juden an der ganzen Sache nur insofern beteiligt waren, als ein antisemitischer Meuchelmörder den achtzehnjährigen, aller Politik absolut fernstehenden jüdischen Studenten iglitzky in den Hinterschädel tötlich verwundet hat, machte Herr Schulgin natürlich die Juden für die Exzesse verantwortlich und drohte mit neuen Pogromen. Jede Revolution, erklärte der illustre Volksvertreter, jede Erhebung werde über die Leichen der ' Juden hinwegschreiten, die Volkswut werde nach der Linie des geringsten Widerstandes ihre Richtung nehmen usw. Die Pogromrede wurde nicht bloß von der Rechten, sondern auch vom Zentrum mit lebhaften Beifallskundgebungen aufgenommen.

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