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Die Welt · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 2 D1E2 vollständig unbewohnt war, die richtigen Verbindungen für die Verproviantierung usw. zu finden. Es ist der P. L. D. C. gelungen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden; neben der Farm ist jetzt bereits von der Jewish Colonization Association eine kleine Kolonie angelegt worden und der Platz ist damit nicht, nur zu einer jüdischen Ansiedlung, sondern infolge seiner günstigen Lage zwischen der Eisenbahnstation Semach, der jüdisclien Kolonie Melhamie und der Stadt Tiberias sogar schon zu einem kleinen Verkehrsknotenpunkt geworden. Der Wert des Bodens ist dadurch natürlich erheblich gestiegen. Anderseits hat die Bewirtschaftung des Bodens, durch die Schwierigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit in der ersten Zeit, durch die schwierige Beschaffung aller notwendigen Geräte und Lebensmittel, durch die notwendige Auseinandersetzung mit den Vorbesitzern und Nachbarn, sowie durch die Feindseligkeiten der Beduinen, die einmal einen regelrechten Überfall auf die Farm machten und eine Zeit lang die Arbeit störten, viele Ausgaben verursacht, die naturgemäß nicht wieder sofort durch die Einkünfte der Wirtschaft eingebracht werden, sondern in der eingetretenen Wertsteigerung des Bodens ihren Gegenwert finden. Die Bilanz von Kinereth per 30. September 1910 schloß mit einem Verlust von Frs. 7290.82, von denen Frs. 6917.63 auf Abschreibungen entfallen. Das neue Jahr bietet für ein günstigeres Resultat bessere Aussichten als das verflossene, indem der Betrieb mit dem Fortschreiten der Arbeit einen regelmäßigen Charakter annimmt und der Verwalter der Farm auch für andere landwirtschaftliche Betriebe in der Nachbarschaft als Agronom gegen Entgelt fungiert . wodurch sign die auf die Farm entfallenden Vervvaltungsspesen erheblich verringern. Die Farm hat außer dem Getreidebau auch bereits die Milchwirtschaft und Geflügelzucht eingeführt, eine Baumschule angelegt und eine Bewässerungsanlage eingerichtet, welche stündlich 70 cbm Wasser dem Tiberiassee entnimmt und 300 Dunam Land bewässern kann. Mit Hilfe der Bewässerungsanlage werden jetzt auch bewässerte Kulturen (Gemüse, Baumwolle, Luzerne) gepflegt werden. Außerdem wird in diesem Jahre die Olivenpflanzung, welche die P. L. D. C. vertraglich für die Israelitische Kultusgemeinde in Dessau übernommen hat, begonnen. Es ist der P. L. D. C. gelungen, sämtliche landwirtschaftlichen Arbeiten durch jüdische Arbeiter ausführen zu lassen. Nach Ansicht des Verwalters von Kinereth lohnt es sich auch fernerhin, alle Arbeiten, trotz des höhern Lohnes, jüdischen Arbeitern zu übertragen, falls die ganz einfachen Arbeiten mehr und mehr durch qualifizierte Arbeit, z. B. der Handdrusch durch Maschinendrusch ersetzt werden. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Farm Kinereth in der kurzen Zeit ihres Bestehens ein gutes Stück Arbeit geleistet hat; sie hat durch eine intensive Ameliorationsarbeit den Boden außerordentlich verbessert und wird sowohl hierdurch, wie auch durch ihre günstige Lage am See und in der Nähe der Eisenbahnstation sicherlich bald angemessene Erträge abwerfen. 2. Arbeitergenossenschaft Umdjuni Die Genossenschaft, der die P. L. D. C. von ihrem Lande ca. 1O00 Dunam zur Bewirtschaftung mit dem Inventar der P. L. D. C. überlassen hatte, hat sehr gut gearbeitet und nach der provisorischen Gewinn- und Verlustrechnung einen Gewinn von Frcs. 4437.80 erzielt, wovon der P. L. D. C. vertragsmäßig die Hälfte, d. h. Frcs. 2218.90, zufällt.- Dieses günstige Resultat hat die P. L. D. C. veranlaßt, die Genossenschaft in diesem Jahre zu vergrößern und ihr 1500 Dunam Land zu überlassen. 3. Parzellierungstätigkeit Durch einen der P. L. D. C. vom Jüdischen Nationalfonds gewährten Kredit war es ihr möglich, ein Terrain, das sich für alle Kulturen, insbesondere für Ackerbau eignet, in Galiläa zu erwerben. Da sich aber die endgültige Erledigung der Kaufformalitäten sehr lange hinzog, war es ihr bisher noch nicht mögftELT - 37 lieh, an die eigentliche Parzellierung des Terrains heranzutreten, obwohl sie sehr viele Nachfragen nach kleinern und größern Landstücken erhalten hat und das Land in kurzer Zeit mit entsprechendem Gewinn veräußern könnte. 4. Anlage von Pflanzungen Außer der bereits erwähnten Pflanzung, die die P. L. D. C für Rechnung der Israelitischen Kultusgemeinde in Dessau vertragsmäßig übernommen hat, hat sie auch mit kapitalkräftigen Gruppen m verschiedenen Ländern wegen der Anlage größerer Pflanzungen verhandelt, und es besteht die berechtigte Hoffnung, daß sie in naher Zukunft in der Lage sein wird, eine großzügige Pflanzungstätigkeit in verschiedenen Gebieten Palästinas zu entfalten. Der der P. L. D. C. durch die Pflanzungsanlagen zufallende Gewinn, der angesichts der großen Objekte eine beträchtliche Höhe erreichen dürfte, kann aus technischen Gründen erst nach vollständiger Fertigstellung der Pflanzungen zur Verrechnung gelangen. 5. Vermittlungsgeschäft Die P. L. D. C. hat sich auch dem Land Vermittlungsgeschäft zugewandt und dadurch kurz vor Schluß des Geschäftsjahres einen namhaften Betrag an Provision verdient, der allerdings gleichfalls aus technischen Gründen erst im neuen Jahr zur Verrechnung gelangen kann. 6. Kapitalvermehrung Das Kapital der Gesellschaft hat sich für die Zeit vom 1. Okt. 1909 bis zum 30. September 1910 nur um £ 2224.— auf £ 10 1 36.— vermehrt, welch ungünstiges Ergebnis hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß nur ein sehr geringer Teil der Vertrauensmänner der zionistischen Organisation bisher die nötige Aufmerksamkeit der P. L. D. C. gewidmet hat. Außerdem hat das Berliner Bureau der P. L. D. C. zur Vermeidung einer Beeinträchtigung der Sammlungen für den Genossenschaftsfonds in den letzten sechs Monaten keine besondere Werbetätigkeit entfalten können. Nachdem die Sammlungen für den Genossenschaftsfonds ein erfreuliches Resultat ergeben haben, ist anzunehmen, daß die Funktionäre der zionistischen Organisation nunmehr ihre Kraft hauptsächlich in den Dienst der P. L. D. C. stellen werden. Mit Rücksicht darauf, daß die Ausdehnung der kolonisatorischen Tätigkeit der P. L. D. C. im wesentlichen von der Vermehrung seiner Mittel abhängig ist, hat das Direktorium das Berliner Bureau beauftragt, sein Augenmerk hauptsächlich auf den Verkauf der noch abzusetzenden 138 Grunderaktien ä £ 50.— zu lenken. Außerdem soll das Berliner Bureau an diejenigen wohlhabenden Gesinnungsgenossen, die sich bisher nur in ganz geringem Maüe an der P. L. D. C. beteiligt haben, mit dem Gesuch herantreten, ihren Besitz an Aktien zu erhöhen. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ging deutlich hervor, daß die P. L. D. C. gezwungen sein würde, verschiedene wichtige und günstige Gelegenheiten zur Ausdehnung des Kolonisationswerks unausgenützt zu lassen, falls es ihr nicht gelingen sollte, im neuen Jahr ihr Kapital erheblich zu vermehren. 7. Neuwahl Da statutengemäß gelegentlich der letzten Generalversammlung sämtliche Direktoren zurücktreten mußten, so wurden Neuwahlen vorgenommen, die folgendes Resultat (in alphabetischer Reihenfolge) ergeben: Normann Bentwich, London, Adolf Böhm, Wien, B. A. Goldberg, Wilna, Bertrand Hamburg, Berlin, Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin, Leopold Kessler, London. Dr. Arthur Ruppin, Jaffa, Dr.E.W.Tschlenow, Moskau, Ing. M.Ussischkin, Odessa, Prof.O.Warb urg, Berlin, Prof.Ch.Weizmann, Manchester. DasDirektorium konstituierte sich darauf wie folgt: Prof.O.Warburg, Vorsitzender, Dr. E.W.Ts chl eno w, Moskau und Dr. H.G.Heym ann, Berlin, stellvertretende Vorsitzende, Dr. Arthur Ruppi n, Jaffa, director m anaging.

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