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Die Welt · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 2 DIE^aKELT zurückließen, um nur unbemerkt den Weg ins Heilige Land anzutreten. Und wenn man immer wieder, wie neulich in Frankfurt am Main, die müßige Frage aufwirft, ob nicht unser Kolonisationsgedanke dem Geiste der jüdischen Tradition widerspricht, — so genügt es, auf diese frommen und mit allen Fasern ihrer Seele im überlieferten Judentum wurzelnden Jemeniten hinzuweisen, die zu den glühendsten Anhängern des neuen Jischuw und der Belebung der hebräischen Sprache gehören. (□□□□□□ I2sS' FEUILLETON □ □□□□ 3 Der zahme Löwe Ein Märchen Von Max Nordau *) Im Morgenlande lebte einst ein Gutsherr auf seinem Schlosse inmitten eines Palmenhains. Er war ein eifriger Jäger und zog häufig aus, um auf Gazellen und Eber zu pirschen. Manchmal ließen sich aber in den Waldbergen, die seine Besitzung umgaben, auch große Raubtiere, Bären, Panther und sogar Löwen, spüren, und dann ruhte er nicht, bis er sie vertrieben oder erlegt und das Land von ihnen gesäubert hatte. Eines Tages waren wieder einmal Löwen in der Gegend erschienen und hatten den Bauern Kühe und Schafe zerrissen. Die Geschädigten kamen mit Wehgeschrei auf das Schloß gelaufen und baten um Hilfe. Der Gutsherr veranstaltete ungesäumt eine Treibjagd. Bald entdeckte er zahlreiche Spuren, die erkennen ließen, daß man es mit einer Familie, vielleicht sogar mit einem ganzen Stamm Löwen zu tun hatte. Nach scharfer Verfolgung gelang es, die Räuber in einem Talkessel zu umstellen. Es waren ein furchtbar großer und walder Löwe, seine Löwin, drei kleine Junge und noch ein anderes erwachsenes Männchen, vielleicht ein Bruder oder Freund des Familienhauptes. Als der große Löwe sich in die Enge getrieben sah, sagte er zu dem Weibchen: „Rette dich mit den Kleinen. Ich will der Menschenbande die Stirne bieten, bis du in Sicherheit bist. Dann folge ich auch. Sollte ich fallen, so gedenke meiner und erziehe meine Kleinen zu tüchtigen Löwen." „Ich bleibe bei dir," rief das andere Männchen und trat kampflustig an seine Seite. „Nein," gebot ihm der Familienvater. „Decke den Rückzug meiner Frau und Kinder. Meinen Strauß mit den Menschen will ich allein ausfechten." Er sprang mit markerschütterndem Gebrüll aus dem Busch heraus und den Jägern entgegen. Dadurch lenkte er alle Pfeile und Speere auf sich, und auch die ganze Hundemeute stürzte auf ihn los. Das benutzte sein Genosse, um die Löwin und ihre drei Jungen auf der entgegengesetzten Seite aus dem Tal zu führen. Die wenigen Treiber, die dort standen, wichen erschrocken zur Seite, und als die fliehenden Löwen die Treiberkette hinter sich hatten, eilten sie mit großen Sätzen den Berg hinan, jenseit dessen sie in Sicherheit waren. *) Im Verlage von Otto Hendel, Halle a. d. Saale, ist soeben ein Band Märchen von Max Nordau, seiner Maxa von ihrem vierten bis zu ihrem siebenten Jahre erzählt, mit Illustrationen von Hans Neumann, München, erschienen. Wir entnehmen dem ausgezeichneten, gemütstiefen Buche, das uns den Künstler Nordau von einer ganz neuen, überraschenden Seite zeigt, obiges sinnige Märchen, das wohl -- ebenso wie die übrigen Stücke der Sammlung — auch außerhalb des Bereichs der Kinderstube lebhaftes Interesse und herzliches Wohlgefallen erwecken wird. Der Löwe, der standgehalten, hatte die ersten Hunde, die sich an ihn herangewagt, mit gewaltigen Tatzenhieben niedergeschmettert, fiel jedoch bald selbst, von zahlreichen Geschossen durchbohrt. Er hauchte sein Leben mit einem letzten Qebrüll aus, das wie ein Scheidegruß durch das Tal zu den davoneilenden Seinen hinüberdröhnte. Erst als er in seinem Blute tot am Boden lag, sahen die Jäger sich nach seiner Familie um und entdeckten sie auf dem Grat des Berges, den sie bereits erreicht hatte. Sofort begann eine neue hitzige Verfolgung mit Geschrei, Horngeschmetter und Hundegebell. Die Löwin und ihr Begleiter hatten einen ansehnlichen Vorsprung und hätten ihren Feinden leicht entkommen können. Die drei Jungen konnten aber mit ihnen nicht Schritt halten und blieben beängstigend zurück. Die Jäger und die Meute kamen immer näher, schon schwirrten Pfeile um sie, die Kleinen stießen ein Angstgewinsel aus, und ihre Mutter hielt inne. „Vorwärts! Vorwärts!" brüllte ihr Begleiter rauh. „Ich will meine Kleinen nicht in die Hände der Menschen fallen lassen," antwortete die Löwin. Dann leckte sie ihnen rasch, doch zärtlich die Schnauzen und Augen und sagte: „Wir müssen sie tragen, sie kommen sonst nicht mit." Sie packte zwei mit ihrem Maul an der Rückenhaut, der ergebene Freund nahm auf dieselbe Weise das dritte auf und so setzten sie ihre Flucht fort. Die Löwin, deren Kraft die Mutterliebe verdoppelte, jagte in mächtigen Sätzen davon. Das Männchen aber war nicht gewohnt, ein Junges im Maul zu tragen, die Last hinderte es, und es war nicht imstande, der voraneilenden Löwin zu folgen. Die Jäger waren ihm an den Fersen, es verlor den Kopf und ließ das ihm anvertraute Junge aus dem Rachen fallen, um rascher fliehen zu können. Diese feige Pflichtvergessenheit half ihm nichts. Es wurde von mehreren Speerwiirfen erreicht und brach verendend zusammen. Das Junge, das vergebliche Anstrengungen machte, mit seinen weichen Pfoten der bereits fernen Mutter nachzuspringen, war im Nu von der Meute umringt, die ihm den Garaus gemacht haben würde, wenn der Gutsherr nicht mitten in den kläffenden, heulenden und schnappenden Kreis gesprungen wäre und die Hunde zurückgetrieben hätte. Er bemächtigte sich des fauchenden und kratzenden kleinen Löwen, steckte ihn in einen Sack und gab das Hornzeichen zur Beendigung der Jagd, denn er erkannte, daß ihm die Löwin entkommen war, und er gab sich damit zufrieden, zwei erwachsene Löwen erlegt und ein Löwenjunges lebendig gefangen zu haben. Als die Löwin merkte, daß die Jäger ihr nicht mehr nachsetzten, legte sie sich mit ihren beiden geretteten Kleinen zur

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