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Die Welt · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 1 diee|eelt 15 ein guter Zionist und Patriot sein kann, und wies speziell auf einen vor wenigen Tagen an die Mailänder Gruppe gerichteten Brief des Präsidenten David Wolffsohn hin, in dem dieser in klaren und unzweideutigen Worten darlegte, daß der Zionismus nie gegen Italien irgendwelche feindselige Gesinnung gehegt hat oder sich an irgefidwe'chen gegen Italien gerichteten Angriffen beteiligen könnte, daß ganz im Gegenteil Italien gerade mit dem Gefühl der Dankbarkeit betrachtet wird, da es unsere Brüder volle Gleichberechtigung genießen läßt, und der König Viktor Bmanuel unsern Theodor Herd aufs freundschaftlichste empfangen und ihm lebhaftes Interesse für seine Pläne bezeigt hat. Der Vorsitzende erteilte hierauf Herrn Rabbiner Cavalier Da Fano das Wort zu einer gedankenvollen Dtrstellung des Makkabäerkarnp'es, dessen wir auch heute noch mit Stolz gedenken, und der dem jüdischen Volke stets einleuchtendes Vorbild für die Verteidigung unseres Stammes bleiben möge. Nach dem mit reichem Beifall belohnten Vortrage des Rabbiners überreichte der Vorsitzende letzterem die Stiftungsurkunde für die von der Gruppe auf seinen Namen gepflanzten Ölbäume, und verlas die zahlreich eingetroffenen Begrüßungs- und Glückwunschschreiben und Telegramme, von denen wir der Kürze halber nur erwähnen das Schreiben David Wolffsohns, des Präsidenten der italienischen Landesorgmisation Adv. Feiice Raven na, des Oberrabbiners von Rom, der Gruppen in Rom und Turin, der Zionisten in Triest, der jüdischen Gemeinde von Miiland, des Vorsitzenden des jüdischen Kulturvertins in Padua Prof. Dr. Morpurgo, der Zeitung „Settimana Israelitica" in Florenz, u.a.m. An den König wurde ein Huldigungstelegramm geschickt. Hierauf wurden Erfrischungen gereicht; ganz besondern Beifall fanden die vom Schriftführer Sally Heilbrunn "offerierten Weinproben aus Pa'ästina, die allgemein gelobt wurden. (Wie wir hören, wird beabsichtigt, diesem Wein speziell für die jüdischen Feiertage und für den rituellen Gebrauch auch in Italien ein Absatzgebiet zu schaffen). Frl. Emma Finzi trug auf dem Klavier die zionistischen Hymnen, den italienischen Königsmarsch und das Garibaldilied vor. Ganz besondern Dank für den gelungenen Verlauf des Festes gebührt den Beisitzerinnen Frl. Prof. Lucia Guggenheim und Frl. Prof. Dr. Bice Neppi. — Auch des Nationalfonds wurde nicht vergessen. Rumänien Die Abschaffung des Eides ,;more judaico" Der zielbewußten und aufopferungsvollen Arbeit des Rabbiners Dr. Niemiro wer in Jassy ist es gelungen, einen großen Erfolg in der Frage des sogenannten Judeneids zu erzielen. Der vereinigte Kassationshof, die höchste richterliche Instant des Landes, hat sich im Prozesse Niemiro wer, gegen die Vereidigung jüdischer Zeugen nach der mittelalterlichen more judaico-Formel ausgesprochen. Auf Grund dieser Entscheidung des Kassationshofs hoffen die jüdischen Notabein und Rabbiner Rumäniens eine ministerielle oder legislatorische Verfügung zur endgültigen Abschaffung des schmachvollen Judeneids erwirken zu können. So wird nach 40 jährigem Kampfe die Beseitigimg dieses Überbleibsels aus dem finstersten Mittelalter, die einzelnen mutigen Männern, wie Rabbiner Dr. Nacht in Jassy u.a., schon früher lokal gelungen war, jetzt hoffentlich für das ganze rumänische Staatsgebiet durchgesetzt werden. Dr. Niemirower und die ihn unterstützenden Bnei-Brith-Vereine, welche die durch den Großpräsidenten Dr. A. Stern gesammelten Gutachten in dieser Frage herausgegeben haben, werden zu dem erreichten Erfolg allgemein beglückwünscht. Palästina Jubiläumsfeier zu Ehren Ben-Jehudas in Jerusalem Im Beth-Am zu Jerusalem fand jüngst eine eindrucksvolle Feier zu Ehren Elieser Ben-Jehudas aus Anlaß seines 30jährigen Aufenthaltes in Erez Jisrael statt. ISLch der Eröffnungsansprache des Herrn Dr. Segall (leitenden Arztes im Rothschild-Hospital) entwickelte der junge hebräische Schriftsteller Zern ach in einem gehaltvollen und formvollendeten Referate die Bedeutung Ben-Jehudas um die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, für die er nicht nur in Wort und Schrift, sondern auch durch die Tat während der dreiß'g Jahre seines Wirkens in Palästina gekämpft habe. Herr i r. Met mann erging sich in einer wissenschaftlichen Darlegung des E it icklungsganges der hebräischen Sprache, die niemals im jüdischen Volk i tax leben aufgehört hat. Ben-Jehudas Verdienst sei es, die neunte Phase der Wiederbelebung der hebräischen Sprache auch in Haus und Schule eingeleitet zu haben. Dr. Thon wies auf Ben-Jehuda als auf den Typus des wiederverjüngfen Hebräers in Erez Jisrael hin. In ihm habe sich die Umwandlung vom Oolusjuden zum modernen hebräischen Palästinenser jäh und unvermittelt vollzogen. Er faßte den Entschluß, nach Palästina überzusiedeln, um sich hier national ausleben zu können, und hat sofort seine ganze Lebensweise diesem Programme gemäß verändert und eingerichtet. Den neuen Stil des palästinensischen Lebens, den alle andern, die hierher kommen, sich langsam erringen, h ibe Ben-Jehuda durch kraftvolles Wollen mit einem Schlage für sich gefunden. Im Namen derjenigen Kreise, deren Standpunkt von dem Ben-Jehudas abweicht, sprachen Herr Seminarlehrer Dr Rabin, der den idealen Charakter des Jubilars pries, un i Schriftsteller K. L. Silmann. Herr Ben-Zwi, der Präsident der Poale-Zion, gab der Huldigung der Arbeiterschaft Ausdruck. Eine große Menge begleitete um 2 Uhr nachts Ben-Jehuda nach Hause und brachte Hedadrufe auf den Jubilar aus. Eine Kolonie amerikanischer Juden in Palästina In St. Louis hat sich vor längerer Zeit eine Aktiengesellschaft „Hoachooza" gebildet, die den Zweck hat, Boden in Palästina zu erwerben und einzelne Mitglieder der Gesellschaft auf diesem Boden als Landwirte anzusiedeln. Vor kurzem weilte nun Herr Simon Goldman aus St. Louis im Auftrage der Gesellschaft in Palästina und kaufte für deren Rechnung ein Grundstück von 4000 Dunam. Ende November kehrte Herr Goldman nach St. Louis zurück und erstattete auf einem von den Mitgliedern der „Hoachooza" und andern Palästinafreiinden veranstalteten Festabend Bericht über die Ergebnisse seiner Reise. Nach den Mitteilungen des Herrn Goldman kann die Begründung der ersten amerikanisch-jüdischen Kolonie in Palästina ale gesichert angesehen werden. Eine Ehrung für Biatik Wie der „Jewish Exponent" berichtet, haben die Lodzer Zionisten dem hebräischen Dichter Ch. N. Bialik ein Stück Landes bei Haifa angeboten, damit er sich dort niederlasse und so, von allen materiellen Sorgen befreit, sich gänzlich seinen dichterischen Arbeiten widmen könne. Bialik, der größte hebräische Dichter unserer Zeit, führt bekanntlich eine bescheidene Existenz als Leiter eines Druckereietablissements. Rußland Derfünfundsiebzigste Geburtstag Mendele-Mocher- SforJms Der Altmeister der hebräischen und jüdischen Literatur, der Schöpfer des künstlerischen Romans in hebräischer und jüdischer Sprache, Mendele-Mocher-Sforim(Schalom Jakob Abramowitz) feiert dieser Tage seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Der jüdische Literatur-Verein zu Odessa beschloß, dem Jubilar eine Gesamtausgabe seiner hebräischen Schriften zum Geschenk zu machen. NACHRICHTEN^] Eine russisch=jüdische Ansiedlung in Mexiko In den jüdischen Ackerbaukolonien des Gouvernements Cherson weilten vor kurzem Vertreter der mexikanischen Regierung, die einer Anzahl jüdischer Kolonisten den Antrag stellten, eine neue landwirtschaftliche Ansiedlung in Mexiko zu begründen. Den betreffenden Kolonisten wurde die tatkräftigste materielle und moralische Unterstützung der mexikanischen Behörden zugesagt. Wie verlautet, reisen einige Abgesandte der Chersoner jü.iischen Kolonisten demnächst nach Mexiko, um die angebotenen Ländereien in Augenschein zu nehmen. Auszeichnungen für englische Juden Anläßlich der üblichen Neujahrsauszeichnungen in England ist der erbliche Titel eines „Baronets" drei Juden, Mitgliedern der liberalen Partei, verliehen worden, nämlich den Parlamentsmitgliedern Charles S. Henry und Herbert Henry Raphael, wie auch Mr. Arthur Levy Lever. Sir Charles Henry, der 1860 in Australien geboren wurde, ist Mitbesitzer des Regierungsorgans „Westminster Gazette" und Präsident der jüdischen Suppenanstalt in London. Seit 1906 gehört er dem Unterhause an. Sir Herbert Raphael, der auch seit 1906 Mitglied des Unterhauses ist, gehört

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