Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIE^ELT No... 1 Podium hinter dem Tisch des Präsidiums des B. J. C. in malerischer Gruppe Aufstellung genommen hatten, eröffnete Herr Dr.Erich Rosenkranz als Vorsitzender den Konvent, indem er die Notwendigkeit der bewußt-jüdischen Corporat;on für den jungen jüdischen Studenten als Organisation und ihren hohen Wert für Erziehung und Geselligkeit darlegte. In seiner fast einstündigen Rede zeigte Herr Dr. Zlocisti die organische Entwicklung des heutigen Judentums, wie es durch die Emanzipation im Lauf des 19. Jahrhunderts geworden ist: verwirrt, verwildert, schwankend und sich selbst untreu; wie dann aber in der Mitte der neunziger Jahre in einigen jüdischen Studenten das jüdische Selbstbewußtsein erwachte, das sie zu mehr als zur Abwehr des Antisemitismus aufstachelte: zur Selbstwehr, der Parole des ersten V. J. St., die noch heute im Bund. Jüdischer Corporationen als oberstes Prinzip gilt. In gedrängter, kerniger Rede riß Herr Kurt Blumenfeld das Publikum alsdann zu heller Begeisterung hin. Sein Vortrag behandelte „Tendenz und Wesen des B. J. C"; er zeigte den Weg, wie man die jungen indifferenten Juden durch die Form zum Geist brächte, bis sie bar aller Rücksichten gegenüber ihren Hassern endlich freie Männer wurden und selbständig unabhängig handelten, denn: des freien Mannes Feier sei die Tat! Am 27. Dezember trat der JB. J. C. zum zweitenmal mit seinem Kommers bei Kroll vor die Öffentlichkeit. Das Parkett war von nahezu 1000 Herren gefüllt Die Galerien — den ersten Rang und den sonstigen Stehplatz — hatten die Damen schon lange vor Beginn des Kommerses dicht besetzt. Auf der Bühne saß das Präsidium, flankiert von etlichen Chargierten an blau-weiß-gelb drapierter Tafel. Stud. jur. Fritz Glaser vom V. J. St. Makkabäa eröffnete und leitete den Kommers. Nachdem der Kaisersalamander vorüber, die Begrüßungsrede des Vorsitzenden im Präsidium, Herrn Dr. Rosenkranz, gehalten war, hielt der aus seiner Berliner Afraire her bekannte Rabbiner Dr. Emil Cohn (Kiel) — A. H. des V. J. St., Berlin — die Festrede: Der Zweck der Erziehung im V. J. St. ist nicht der aktive Bursche, sondern der „aktive alte Herr", der an dem Aufbau des jüd;schen Volkes regen Anteil nimmt. Von den vielen Reden, die im Namen der großen jüdischen Vereinigungen und Korporationen — humanitären, allgemeineren, politischen und studentischen — gehalten wurden, sei nur die des Herrn Dr. Paul Nathan — als Vertreter des Hilfsvereins der deutschen Juden — erwähnt, der die unverwüstliche Macht des Judentums pries als das Moment, das das jüdische Volk bei aller Unzulänglichkeit seiner politischen Lage erhalten habe und auch ferner erhalten werde; daß das letzte der" Fall sei, dafür leiste ihm die Begeisterung der V.-J. St'en eine erfreuliche Garantie. Das innige Verhältnis der Jungen zu den Alten im B. J. C. und ihre gleiche Liebe zum Ji dentum zeigte sich in der Rede des Fuchses Goldstein und des A. H. Dr. J.Zwirn. Den Abschluß der Festlichkeiten bildete am nächsten Tage der große Festball im Brüderverein, Kurfürstenstr. An 600 Personen füllten die prunkreichen Räume, die nur infolge bester Organisation diese Menge fassen und vor allem jene Stimmung aufkommen lassen konnten, die sich selbst dauernd steigert ohne das äußere Mittel — die gefl. Mitwirkung namhafter Künstler und die Freundlichkeit des Rezitators Herrn Soundso — angewandt werden. Nur eine kleine Oper, von einigen jungen V.-J. St'en gedichtet und komponiert, eröffnete den Ball, und der häufige spontane Beifall im Stück und die vielen Hervorrufe zum Schluß lohnten und ehrten die Beteiligten. Eine sinnige Damenspende — eine Mappe mit drei Gravuren nach Werken des bekannten Malers und Radierers Hermann Struck, eines A. H. honoris causa des V. J. St. München — wurde von den Gästen mit großem Enthusiasmus aufgenommen. Hamburg. Die hiesige jüdische Bibliothek und Lesehalle im Hause Biberstraße 4 wurde im Jahre 1910 von 3582 Personen besucht; ausgeliehen wurden insgesamt 912 Bände. Österreich Brüx. Die am 26. d. M. im Hotel Roß abgehaltene Makkabäerfeier verlief in schönster und würdigster Weise. Der Festredner, Herr J. U. C. Otto Stern (Barissia, Prag), wurde am Schlüsse seiner Rede lebhaft akklamiert. Auch die übrigen Programmpunkte erweckten Beifall. Mit einer Sammlung für den Nationalfonds wurde die Feier geschlossen. Mährisch-Schonberg. Der hiesige israelitische Frauenverein arrangierte am 25. De/.ember ein wohlgelungenes Fest zur Feier des Andenkens der Makkabäer, und der gute Besuch zegte die Befriedigung und den Beifall aller. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. G. Rosemann. Dem N. F. wurden durch Büchsensammlung K. 34 gespendet zum Ankauf von zwei Ölbäumen. Neunkirchen, N.-Ö. Der seit dem letzten Sommer bestehende zionistische Verein „Ahawath Zion" hat schon eine reiche Tätigkeit entfaltet. Einem Lichtbildervortrage über Palästina folgte eine Makkabäerfeier, die einen großartigen Verlauf nahm. Bei derselben, sprachen Herr Rabbiner W. Reich aus Baden über „Das Wunder der jüdischen Renaissance" und Herr Dr. H. Zuckermann aus Wien über die iiationaigeschichtliche Bedeutung des Chanukafestes. Beide Redner ernteten von den zahlreichen Festteilnehmern stürmischen Beifall. Für den Nationalfonds ging ein größerer Betrag ein. Kroatien Agram, 26, Dezember. In Anwesenheit von etwa 40 Delegierten fand hier am 25. Dezember die diesjährige Landeskonferenz der Zionisten Kroatiens, Slavoniens und Bosniens statt. Die Verhandlungen leitete A.-C.-Mitglied Dr. Hugo Spitzer, der zum Präsidenten der Landesorganisation wiedergewählt wurde. Der Sitz der Organisation und das zionistische Organ „Zidovska smotra" wurden von Esseg nach Agram verlegt. Vizepräsident der Organisation ist Dr. Ivan Jakobi. Italien Mailand. Am Mittwoch den 28. Dezember, beging die Mailänder zionistische Ortsgruppe .die Einweihung ihres neuen Heims, verbunden mit einer Makkabäerfeier. Es nahmen etwa 100 Mitglieder an der Feierlichkeit teil, die zugleich das zehnte Arbeitsjahr der Gruppe einleitete. Der Vorsitzende, Diplom-Ing.Pinch e de, entwickelte in Anlehnung an das Herzische Wort: „Der Zionismus ist die Rükkehr zum Judentum vor der Rückehr ins Judenland" das Programm, das der neue Vorstand im kommenden Jahr zu entwickeln beabsichtigt, und bat die Mitglieder um ihren dauernden Beistand durch zahlreiches Erscheinen und eifrige Mitarbeit, um der sich immer mehr ausbreitenden Assimilation einen starken Damm entgegenzusetzen. Der Redner führte ferner aus, daß man ohne jeden Gewissenskonflikt Unsere Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Dezember 1910 abgelaufen war, bitten wir, die Abonnementserneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Österreich-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlösen Überweisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Bestellungen auf Einbanddecken für den Jahrgang 1910 der „Welt4' bitten wir umgehend einzusenden. — Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung Mk. 2.50. Ab 1. Januar 1911 lassen wir jede Woche eine Anzahl von Exemplaren der „Welt" auf Kunstdruckpapier herstellen. Wir empfehlen unsern geehrten Lesern, insbesondere aber allen Vereinsbibliotheken, Archiven usw. den Bezug dieser bessern Ausgabe der „Welt". — Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet pro Jahr für Deutschland und Österreich-Ungarn Mk. 18.— „ alle übrigen Länder........... „ 24.— Verlag „DIE WELT"