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Die Welt · 1911-01-06 · 1 (6.1.1911) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der Nationalfonds würde dann natürlich ebenso wie. er es für den „Bezalel" getan hat, das nötige Terrain kaufen und ein schönes und würdiges Gebäude bauen müssen, das aber als Symbol des wiedererwachenden Judentums an einem hervorragenden Platz der heiligen Stadt stehen sollte. Das alte Bibliothekgebäude, welches sich nach dem sachverständigen Urteile des Architekten Bärwald zum Ausbau schlecht eignet, würde leicht als Schulgebäude oder zu andern Zwecken Verwendung finden. Da sowohl Bibliothek als auch Museum im wesentlichen durch Geschenke erweitert werden würden, und die Miete ebenso wie beim „Bezalel" von der Zionistischen Organisation getragen, resp. zu Lasten der zukünftigen Einnahmen der Ölbaumspende verbucht werden könnte, so würde die Unterhaltung sich im wesentlichen auf die Gehälter der Kustoden und Diener sowie auf Reinigung, Beleuchtung usw. beschränken und brauchte kaum mehr als 15 000 Mark jährlich zu erfordern, eine Summe, die etwa der Halbmonatseinnahme des Nationalfonds entspricht, uns also nicht zu erschrecken vermag, und von einem rührigen Komitee selbst dann unschwer aufgebracht werden dürfte, wenn die andern Organisationen wider Erwarten ihre Mitwirkung verweigern würden. Es scheint also jetzt die Zeit gekommen zu sein, das Komitee für die jüdische Nationalbibliothek und das Nationalmuseum definitiv zu konstituieren; dieses bei der nächsten Sitzung des Großen Aktionskomitees zu ernennende Komitee würde die Aufgabe haben, bis zum Kongreß alle Vorarbeiten zu verrichten, damit der Kongreß dann schon der fertigen Arbeit seine Sanktion zu geben und dem Nationalfonds event. die betreffenden Anordnungen zu erteilen vermag. Ist die Sicherung der Nationalbibliothek und die Grundlegung des Nationalmuseums eine Arbeit, deren kulturelle Bedeutung für das Judentum nicht hoch genug veranschlagt werden kann, so sei hier noch auf eine zweite Aufgabe der praktischen Palästinaarbeit hingewiesen, die meines Erachtens von eminenter Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas werden kann, indem es eine empfindliche Lücke unserer ganzen Tätigkeit in Palästina auszufüllen berufen ist. Wir sind alle darüber einig, das die zionistische Organisation nicht die Aufgabe haben kann, selbst zu kolonisieren, sondern nur die Bedingungen für die Kolonisation zu schaffen. Das war der Grund der Schaffung des Nationalfonds. Man wollte Land kaufen, welches von Kolonisten gepachtet werden könnte. Es stellte sich aber heraus, daß Kolonisten, die über Geld verfügen, vorziehen, Land selbst käuflich zu erwerben, während solche ohne Vermögen sich auch auf gepachtetem Lande nicht anzusiedeln vermögen. Das ist ja der Grund, daß man einerseits für einen Versuch mit mittellosen Kolonisten den Genossenschaftsfonds gesammelt hat, anderseits behufs Vorbereitung und Parzellierung des Landes für bemittelte Kolonisten die Palestine Land Development Co. gegründet hat, die hoffentlich beide ihren Zweck erfüllen werden. Nun gibt es aber eine große Schicht von Leuten, die zwar etwas Vermögen haben, aber nicht genug, um sich ohne Beihülfe ansiedeln zu können, und zu diesen gehören vor allem die meisten der landwirtschaftlich vorzüglich vorbereiteten Elemente, nämlich die jetzt, meist zur Auswanderung verurteilten Söhne der Kolonisten in Palästina einerseits und die Bewohner der landwirtschaftlichen Kolonien in Südrußland anderseits. Es ist zweifellos ein gesunder Gedanke gewesen, für diese Zwecke einen nach kaufmännischen Grundsätzen zu verwaltenden Agrarkredit resp. eine Agrarbank zu schaffen; aber leider fehlen hierzu noch die rechtlichen Unterlagen, und niemand vermag zu beurteilen, wann es möglich sein wird, rein geschäftlich mit den nötigen Sicherheiten einen Agrarkredit zu schaffen. Sollen wir nun aufs Unbestimmte weiter warten, bis wir etwas beginnen? Sollte es nicht möglich sein, auch ohne diese absolute Sicherung etwas Befriedigendes zu schaffen? Der Genossenschaftsfonds zeigt uns den Weg. Es ist ein* dem Nationalfonds anzugliedernder Siedlungsfonds zu schaffen, der ausdrücklich den Zweck hat, gut vorgebildeten Kolonisten einen raisonablen, zwar nicht juristisch, aber doch sachlich genügend gesicherten langfristigen Kredit zu gewähren. Auch die juristische Form dieses Fonds mit der Gründung einer besonderen, Anteilscheine ausgebenden Gesellschaft mit beschränkter Haftung kann genau dem Genossenschaftsfonds nachgebildet werden. Hierdurch könnte gleichzeitig auch das erreicht werden, was Dr. Oppenheimer in seinem Artikel über „Eine neue Hilfsmethode der palästinensischen Kolonisation" („Welt" 1910, 23. Dez., Nr. 51) erstrebt, nämlich die Ansiedlung von Handwerkern auf kleinen Gartenparzellen. Freilich bin ich nicht der Ansicht, daß sicH dies in kleinern Dorfgemeinden verwirklichen läßt, da die Handwerker dort keine dauernde Arbeit finden werden und Gartenprodukte dort noch keinen größern Transport nach der Stadt vertragen; wohl aber kommt hierfür die Nähe der Städte und Flecken in Betracht. Wir würden hierdurch wirklich einmal zu einem praktischen Versuch einer Gartenstadtanlage gelangen, einer Kolonisationsmethode, die ja bekanntlich schon seit vielen Jahren von Herrn Trietsch mit Recht für Palästina empfohlen wurde. Ich habe immer viel Sympathie dafür gehabt, habe aber bisher nie daran gedacht, diese Kolonisationsform zu empfehlen, weil ich nicht wußte, wo der zweifellos nötige, nicht hypothekarisch absolut sichergestellte Kredit herzunehmen sei. Der Genossenschaftsfonds hat den Weg gezeigt, auf dem die Sache durchzuführen ist. Der Nationalfonds kauft passende Terrains neben aufstrebenden Städten und kann auch den Hausbau bis zur Hälfte beleihen; die zweite Hypothek der Häuser sowie etwa die Hälfte der Anlagekosten der Pflanzung und des lebenden Inventars bestreitet der Kolonisations¬ und - Parzellierungsfonds, während der Rest und die Reisekosten von den Vereinen der zu Kolonisierenden bestritten werden muß. Es kann einem Zweifel nicht unterliegen, daß, wie in Glasgow', so auch in sehr vielen andern Städten sich derartige Vereine bilden werden, vor allem haben wir aber hierdurch auch eine Möglichkeit, in der Nähe von Jerusalem, Tiberias und Safed Gartenstädte zu errichten, welche einem Teil der Bevölkerung dieser Städte Licht und Luft verschaffen werden. Bekanntlich erstrebt ja der Misrachi mit Hilfe Jerusalemer Vereine schon seit einem Jahre die Gründung einer solchen Kolonie bei Jerusalem. Der Nationalfonds will auch das Land geben, über etwas Betriebskapital verfügen die Vereine in Jerusalem, es fehlt aber der dazwischen befindliche Kredit, der als zweite Hypothek auf den Häusern und Verpfändung der Pflanzungen und des lebenden luven-

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