Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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873 874 363 1102 1103 1103 1104 DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRO. KÖLN, 6. Januar 1911 \y\rb DZD"nrVtf rütt "l No. 1. Die nächsten Ziele unserer Palästinaarbeit Von Professor Dr. Otto Warburg Mit Genugtuung ersehen wir aus der letzten Nummer der „Welt" im Jahre 1910, daß der Genossenschaf tsfonds die ersten 100 000 Mk. überschritten hat, und wir können nur dem Wunsche zustimmen, dem Dr. Oppenheittier Ausdruck verliehen hat, daß auch weiter kräftig dafür gearbeitet werde. Was uns mit besonderer Freude dabei erfüllt, ist der Umstand, daß auch hier wie beim „Bezalel" der Beweis erbracht ist, daß neben den Sammlungen für Organisationszwecke und für den Nationalfonds noch Möglichkeiten existieren, für andere gleichfalls wichtige Palästinaarbeiten durch kräftige Agitation Gelder zu erlangen, wenn freilich auch hierfür einfache Aufforderungen der Zentrale an die Föderationen oder Ortsgruppen nicht genügen. Uns ist dies recht klar geworden bei dem Versuch, Anteile der Palestine Development Land Co. unterzubringen. Solange unser Palästina-Ressort von Berlin aus selbst agitierte, durch Briefe an ausgewählte Adressen, Reisende, Agitatoren oder auch durch persönliche Rücksprache, machte die Gesellschaft bedeutende Fortschritte, als wir aber die Agitation den Föderationen übergaben, waren die Resultate im großen ganzen geradezu kläglich, und wir erhalten die Aktien von den meisten Vertrauensmännern als gänzlich unverkäuflich zurück. Wir machten also die gleiche Erfahrung wie der Jewish Colonial Trust und trotz der bessern Dividenden leider auch schon die Anglo-Palestine Co. Die Vertreter unserer Organisation können selbst, wenn sie sichMühe geben, nichts ausrichten, sobald die ersteBegeisterung verflogen ist, und weiter kommen Sammlungen später nur noch durch besondere Attraktionen, sei es Aus: Stellungen resp. reisende Agitatoren, wie beim „Bezalel"; namentlich, wenn bekannteLeute persönlich agitieren, wie es beim Genossenschaftsfonds, Technikum, hebräiischem Gymnasium, Versuchsstation usw. der Fall gewesen ist. Wenn der Kulturfonds, die Nationalbibliothek und das hygienische Institut bisher so wenig weitergekommen sind, so liegt es nicht, wie viele irrtümlich meinen, an Übermüdung und übergroßer Inanspruchnahme, sondern einzig und allein daran, daß aus verschiedenen Gründen keinerleiintensiveAgitationdafürgetriebenwerdenkonnte. Es hat sich einerseits nicht das Komitee gefunden, das die Sache energisch in die Hand nahm, anderseits haben permanent Leute gefehlt, welche durch ihre Autorität und persönlichen Einfluß hätten etwas erreichen können. Für den K u 11 u r f o n d s würde z. B. sicherlich Dr. Schmarjahu Lewin der richtige Mann sein, für das hygienische Institut Dr. Alexander Marmorek; beide haben aber leider aus persönlichen Gründen noch nicht die persönliche Agitation in die Hand nehmen "können; bei ihnen wären zweifellos ebensowenig die Erfolge ausgeblieben, wie bei Aaronsohn und Oppenheimer. Hoffen wir, daß sie sich in Zukunft der großen Aufgabe werden zur Verfügung stellen können, so unangenehm natürlich Agitationstournees iein empfindenden Leuten auch sein mögen. Was die Bibliothek betrifft, so konnte eine Agitation hierfür, für die sich Dr. Loewe gewiß gern bereit erklärt hätte, leider aus dem Grunde noch nicht in Angriff genommen werden, da die Verhandlungen mit den andern Organisationen, Großloge und Hilfsverein, sich seit Jahr und Tag hinziehen, ohne weiterzukommen. Ich möchte daher vorschlagen, zumal unser verehrter Chasanowitsch mit Recht verlangt, daß die Sache endlich in Ordnung kommt, wenigstens unserseits nicht länger zu zaudern und selbst, vorläufig allein, Hand ans Werk zu legen; werden sich die andern Organisationen später daran beteiligen, um so besser. Da das Museum des „Bezalel" schon weit über den Rahmen der Lehrsammlung einer Kunstgewerbeschule t' herausgewachsen ist, so glaube ich, sollte man Museum und Bibliothek verbinden, und für beide eine gemeinsame Organisation schaffen mit dem Sitz in Europa, ■it und der technischen Verwaltung in Palästina, an der dann neben dem Palästinaamt noch die Loge von Jerusalem und der „Bezalel" teilnehmen würde. Für die Leitung in Europa kämen natürlich neben dem wissenschaftlichenBeirat die beisteuernden Organisationen in Betracht, vermutlich also außer der zionistischen Organisation noch des Hilfsvereins, die Großloge, die neugegründete Gesellschaft zur Erforschung Palästinas und event. auch noch Vereine, welche die Förderung der Wissenschaft des Judentums oder der hebräischen Sprache erstreben.; ' ' l*