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Die Welt · 1910-12-30 · 52 (30.12.1910) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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1376 DIESqEELT No. 52 o o o o o o o 17= i o o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG l o o o o o o o I 3> o o o o o o o Mitteilung der Anglo«Palestine Company Ltd. Bei der am 11. Dezember d. J. stattgefundenen Tirage der Obligationen der Anglo-Palestine Company Ltd. wurden folgende 16 Nummern verlost: 52 73 140 204 206 209 214 231 232 233 246 248 253 263 278 290 Die Auszahlung des Kapitals für die gezogenen Obligationen wie auch der Koupons Nr. 4 per 1. 1. 1911 findet in folgenden Orten statt: ^Jewish Colonial Trust, London; Anglo Palestine Co. Ltd., Jaffa und sämtliche Filialen; Gebrüder Bachrach, Warschau; S. Barbasch, Odessa; Gebrüder Dryson, Moskau; Wilnaer Privat- HandelsbaYik, Wilna. Deutschland Das Zentralbureau der zionistischen Föderation „Misrachi" ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Durch seine Anmerkung zu unserer Berichtigung erweckt Herr Dr. Boden heim er den Anschein, wir hätten Wortlaut und Sinn der von uns angeführten Stellen nicht genau, d. h. also mehr oder weniger falsch zitieit. Wir sind ihm darum dankbar, daß er die Stellen gegenüberstellt, denn daraus ergibt sich für jeden objektiven Leser: 1. daß wir weder durch Zusetzen noch durch Weglassen die betreffenden Stellen falsch wiedergegeben haben; 2. daß uns der Motivenbericht der Organisationskommission etwas unterstellt, was wir weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach behauptet haben. Herr Dr. Bodenheimer will sich, wie uns erklärt wird, unserer Auffassung unserer Worte nicht anschließen. Darum müssen wir als die wohl kompetenteren Interpreten unserer Denkschrift öffentlich feststellen, daß'wir nirgends gesagt haben, und daß aus keinem unserer Worte entnommen werden kann, es könne Mitglieder des Misrachi geben, die es ablehnen würden, „sich einer „zionistischen" Organisation anzuschließen". Wir erachten diese von uns gesperrt wiedergegebenen Worte für eine direkte Entstellung unserer Äußerungen, eine Entstellung, die infolge der durch nichts gerechtfertigten Anführungszeichen vor dem Worte „zionistisch" noch verstärkt wird. Wir haben nämlich vielmehr gesagt: Es gibt Leute, die, wenn sie gezwungen sind, auch dem Landesverbände anzugehören, von der Zugehörigkeit zum „organisierten Zionismus" absehen. Herr Dr. Bodenheimer dagegen spricht von Misrachisten, die als Misrachisten es ablehnen würden, einer „zionistischen" Organisation anzugehören, wobei er nicht zu wissen scheint, daß der Misrachi auch eine „zionistische" Organisation ist. Ebensowenig scheint er zu wissen, daß es viele Tausende von guten Juden gibt, die das Streben des jüdischen Volkes nach einer Heimstätte in Palästina anerkennen und auch unterstützen (also ideelle Zionisten sind), die aber anderseits aus bekannten Gründen schwere Bedenken haben, dem „organisierten Zionismus" beizutreten. Diese Elemente lassen sich nun einmal nicht in die Landesorganisationen hineinzwingen, von deren meisten Angehörigen sie durch ihre Weltanschauung getrennt sind. Unsere Aufgabe ist es nicht, ihnen die Türe zu schließen, sondern sie für uns zu werben. Das wäre ein großer Gewinn für uns und ein noch größerer für den Zionismus. Eine neue hebräische Zeitschrift in Berlin In Berlin erscheint seit kurzem ein neues hebräisches Wochenblatt „Haibri", das sich die Aufgabe stellt, im Geiste des nationalen und historisch überlieferten Judentums ohne parteii che Einseitigkeit die Interessen der Gesamtjudenheit zu vertreten und die jüdischen Kulturschätze aus Vergangenheit und Gegenwart den weitesten west- und ostjüdischen Kreisen in volkstümlicher Weise näherzubringen. An der Begründung der neuen Zeitschrift haben sich eine Reihe namhafter Persönlichkeiten beteiligt, so u. a. Dozent Dr. E. Baneth, Baron David Günzburg (Petersburg), Dr. M. Hildesheimer, Professor Sulzbach (Frankfurt a. M.), Hermann Gumperz (Hamburg), Chachambaschi Jakob Meir (Saloniki), Prof. E. Mittwoch, Prof. Margolis, Prof. I. Friedländer (New York), Rabbiner Kuk (Jaffa), Hermann Struck u. a. Zahlreiche bekannte Gelehrte und Schriftsteller haben dem neuen Blatte ihre Mitarbeit zugesichert. Durch das Erscheinen dieser hebräischen Wochenschrift wird ein Mangel beseitigt, der schon seit langer Zeit in allen jüdischnationalen Kreisen, die zugleich auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen, schmerzlich empfunden wurde. Wenn wir auch in andern Sprachen ähnliche Zeitschriften haben, die die goldene Mittelstraße wandeln und der Pflege von Judentum und nationaler Wiedergeburt vortreffliche Dienste leisten, so fehlte uns bisher leider ein Organ, das gerade in unserer nationalen Sprache, deren Renaissance wir mit Freuden begrüßen, in vornehmer Weise und in echt jüdischem Geiste unserer Sache dient, — eine Zeitschrift, die unter treuem Festhalten an der Fahne der Überlieferung mit Fortschritt und Entwicklung von Sprache und Literatur Schritt hält und die von allen hebräischlesenden Juden gern gelesen werden soll, — ein Blatt, das auch diejenigen Kreise heranziehen soll, die bisher aus gewissen Gründen der hebräischen Journalistik fern gestanden haben. Ein solches Blatt wird uns jetzt im «Haibri" geboten. Aus den bereits vorliegenden drei Nummern können wir mit freudiger Anerkennung konstatieren, daß die Leitung des „Haibri" ihre Aufgabe in bester Weise erfüllt, und wir wünschen von ganzem Herzen, daß diese vortreffliche, echt jüdische Zeitschrift, die bei ihrem Erscheinen von einer Reihe der besten Männer unserer Literatur empfohlen wird, in allen jüdischen Häusern die wärmste Aufnahme finden möge, zum Wohl des überlieferten Judentums und der jüdischen Renaissance, in deren Dienst sie sich stellt. Darmstadt. Der zionistische Gr Uppen verband in Hessen und Hessen-Nassau veranstaltete am 13. d.M. im Fürstensaal eine öffentliche Versammlung, die von etwa 130 Personen besucht war. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Herrn Fritz Sondheimer, Frankfurt sprach Dr. jur. Gottlieb, Frankfurt, in eineinhalbstündiger Rede „Zur Judenfrage in Ost und West". Der Referent führte u. a. aus, den Kern der Judenfrag ein Westeuropa bilde die durch Massentatfen und Mischehen aller jüdischen Eheschließungen in Preußen sind Mischehen!) in greifbarer Nähe gerückte Gefahr der Auflösung des Judentums. In Osteuropa sei die Judenfrage vorwiegend eine wirtschaftliche und politische. Die bisherigen Versuche der jüdischen Verbände und Stiftungen zur Lösung der Judenfrage seien an der Kleinlichkeit und Unzulänglichkeit der Methoden gescheitert. Nur die großzügige Arbeit der zionistischen Bewegung sei imstande in Palästina, dessen wirtschaftliche Erschließung sich jetzt vollziehe, endgültig die Judenfrage zu lösen. An den beifällig aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine interessante Diskussion, in der Herr Ludwig Trier — einer der angesehensten Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde — seine werktätige Sympathie für die zionistischen Bestrebungen in Aussicht stellte, jedoch einen Gegensatz zwischen deutschem Staatsbürgertum und National-Judentum zu konstruieren versuchte, dessen Nichtberechtigung der Referent nachzuweisen suchte. Nach interessanten Mitteilungen des Herrn Weisse, Mannheim, und stud. ing. Yeliin, Jerusalem schloß die eindrucksvoll verlaufene Versammlung. Köln. Arn 21. Dezember fand im großen Saale des Vereins weiblicher Angestellter der zweite Abend des „Freien Diskutierklubs jüdischer Frauen und Mädchen14, veranstaltet von dem Frauenkomitee der Zionistischen Vereinigung Köln, statt, der sich eines noch größern Besuches (e:wa 65 Damen i zu erfreuen hatte als der erste Abend. Fräulein Nanny Auerbach sprach über Jüdische MäJchen von heute und morgen". Die Rednerin forderte von den jüdischen jungen Mädchen von heute, daß sie im Rahmen der Frauen- und Jugendbewegung mit selbständigem Denken sich den jüdischen Fragen zuwenden sollten, um die wichtige Rolle, die s e in der Geschichte des jüdischen Volkes zu spielen berufen seien, würdig auszufüllen. — Die klaren und überzeugenden Darlegungen der Referentin fanden reichen Beifall. An der sehr angeregten Diskussion beteiligten sich die Damen Frau Dr. Bodenheimer, Frau Dr. Bloch, Fräulein MarthaMunk, Frau Rektor Koblenz, Fräulein Kaufmann und Fräulein Kahn. Der nächste Abend wird voraussichtlich Mitte Januar stattfinden. Köln. Arn 26. Dezember veranstaltete die Zionistische Vereinigung Köln im großen Saale des Hotel Berlin einen Jungjüdischen Abend, der sich eines sehr regen Besuchs zu erfreuen hatte. Nach einer kurzen Ansprache, in welcher Herr Max Gold reich auf die

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