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Die Welt · 1910-12-30 · 52 (30.12.1910) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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No. 52 DIE^ELT 1377 Bedeutung der Chanukkatage hinwies, ergriff Herr Adolf Pollak das Wort, um in äußerst interessanten Ausführungen das Entstehen der jwngjüdischen Bewegung und ihres ersten großen Werkes in deutscher Sprache, des Jüdischen Almanachs, zu skizzieren. Die Worte des Referenten wurden sodann trefflich illustriert durch die folgenden gesanglichen und rezitatorischen Darbietungen. In liebenswürdigster Weise hatten sich Frau Bertha Grünewald und Herr Kantor Cohn der Zionistischen Vereinigung zur Verfügung gestellt und lösten durch ihre Gesangvorträge, die zum großen Teil aus jüdischen Liedern bestanden, wahre Beifallsstürme aus. Einen glänzenden Erfolg er/.ielte auch Fräulein Nanny Auerbach durch die Vorlesung jungjüdischer Gedichte und Herr Max Gold reich durch den Vortrag einiger Jargongedichte. Köln. Zum neuntenmal feierte vorletzten Samstag der hiesige Jüdische Turnverein seine Makkabäerfe;er irn großen Saale der Lesegesellschaft, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Nach dem Aufmarsch der Turner hielt Herr Salomon Linz, der Vorsitzende des Vereins, die Festrede. In kurzen Worten zeichnete er ein Bild der makkabäischen Zeit, kam dann auf die Gegenwart zu sprechen, in der der Kampf um die nationale Freiheit nicht minder heftig, wenn auch in anderer Weise tobt und forderte zum unentwegten Festhalten an der nationalen Idee auf. Hierauf folgten die Freiübungen der Herren- und Damen-Abteilungen, unter Leitung des 1. Turnwarts, Herrn Heinrich Meyer. Den künstlerischen Teil besorgten die Damen Frl. Sophie Ferse (Klavier), Frau Bertha Mamlock (Geige), Frau Grünewald (Gesang) und Herr Dr. Samuel-Bonn (Rezitation). Nunmehr folgte das Turnen der Jugendabteilung und das Kürturnen der Herrenabteilung am kombinierten Gerät (Reckbarren). Den Schluß bildeten die ganzend durchgeführten Leiterpyramiden. Mit einem Tanz, der die Gäste bis 4 Uhr morgens zusammenhielt, schloß die diesjährige Makkabäerfeier. Köln. In der Zionistischen Vereinigung Köln sprach am letzten Samstag in einer von et^va 150 Personen besuchten Versammlung der Parteisekretär Herr Kurt Blum en fei d aus Berlin über „Zionismus und freies Menschentum". Die Versammlung folgte den über eine Stunde währenden geistvollen Ausführungen des Redners mit der größten Aufmerksamkeit und dankte ihm durch reichen Beifall. Unter der Wirkung des Vortrages erfolgten Beitrittserklärungen zu der hiesigen Ortsgruppe. Für den Nationalfonds wurde gesammelt. Österreich Sitzung der Reichsexekutive der Jüdischen Nationalpartei Sonntag den 11. d. M. fand in Wien eine Sitzung der Reichs exekutive der Jüdischen Nationalpartei Österreichs statt, an de der Vorsitzende Herr Dr. Salz (Tarnow) und die Herren Abg Dr. Straucher, Abg. Stand, Abg. Dr. Mahier, Dr. Schalit. Böhm und Ing. Stricker teilnahmen. Die Exekutive nahm den Bericht des Jüdischen Klubs über seine Stellung zum Budget, zur Geschäftsordnungs- und zur Bankvorlage genehmigend zur Kenntnis. Der Jüdische Klub wurde aufgefordert, in seiner oppositionellen Haltung zu verharren. Bezüglich der Volkszählung wurde den Landesparteien überlassen, die bereits in Angriff genommene Aktion fortzusetzen. Sollten die Behörden, vor allem in Galizien, die Ausfüllung der Rubrik „Umgangssprache" mit „Jüdisch" vereiteln, dann wird die Überreichung von Beschwerden an das Reichsgericht in großer Anzahl geplant. In der bukowinischen Angelegenheit verurteilte die Exekutive einstimmig nach längerer Aussprache jeden Versuch, die jüdischnationalen Organisationen der Bukowina in ihrer Entwicklung zu hemmen oder sie zu entzweien, mag er von welcher Seite immer kommen. Wanderausstellung des Bezalel in Mähren und Schlesien Das mährisch-schlesische Distriktskomitee veranstaltet in den Monaten Dezember 1910 und Januar-Februar 1911 eine Reihe von Bezalelausstellungen in verschiedenen Städten mit reichhaltig und geschmackvoll zusammengestelltem Sortiment von Erzeugnissen der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem. Die erste dieser Wanderausstellungen fand in der Zeit vom 3.—11. Dezember 1910 in Troppau in Verbindung mit dem 10jährigen St ftungsfeste des Zionistischen Vereins „Jeschurun" statt. Der Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde hatte in entgegenkommendster Weise den Sitzungssaal der Kultusgemeinde sowie auch die Beleuchtung unentgeltich zur Verfügung gestellt. Die Eröffnungsfeier fand am Abend des 3. Dezember statt. Der Obmann des D. K. begrüßte die Festgäste, worauf der Bezalelreferent .die Führung übernahm. Die erschienenen Damen und Herren ^sprachen sich in Worten höchster Anerkennung über die wirklich hervorragenden Erzeugnisse aus. Der in der Ausstellungswoche anhaltende starke Besuch aus allen Kreisen der Troppauer Bevölkerung bewies, welches Verständnis den Schöpfungen der Schule allseits entgegengebracht wurde. Unter den Besuchern und Käufern war auch die nichtjüdische Bevölkerung zahlreich vertreten. Auch der Landespräsident von Schlesien Max Graf Coudenhove und der Bürgermeister von Troppau Walter Kudlich statteten der Ausstellung längere Besuche ab und sprachen sich sehr lobend über die Leistungen der Kunstgewerbeschule aus. Die Ausstellung bedeutet einen vollen moralischen und materiellen Erfolg. Sie hat die Sympathien für den „utopistischen unproduktiven" Zionismus bei der Troppauer Judenschaft gestärkt und der nich'jüdischen Bevölkerung Achtung vor jüdischem Kunstgewerbefleiß abgerungen. Dem „Be^alel" wurden während der Ausstellungswoche zahlreiche neue Mitglieder zugeführt. Zurzeit findet die Ausstellung in Mähr.-Ostrau in den Sälen des s'ädtischen Museums statt und bleibt daselbst bis 21. Dezember 1. J. geöffnet. Ferner wird die Ausstellung noch stattfinden: in Bielitz vom 24. Dezember 1910 bis 2. Januar 1911; Teschen vom 5.—10. Januer; Olmütz vom 16.—22. Janner; Proßnitz vom 24.—31. Januer; Brünn vom 5.—12. Februar und Iglau vom 18—25. Februar. Das Ausstellungssortiment umfaßt sämtliche Erzeugnisse des „Bezalel", darunter nicht weniger als 76 Teppiche, eine Unmenge reizender Silberfiligranarbeiten, Schmucksachen für Herren und Damen, rituelle Gebrauchsgegenstände, Kupfertabletts und Wandteller, mit Silber platiniert, inkrustierte Schüsseln und fiolzrahmen. Kassettenrahrne n, Basreliefs aus Zedern- und Ebenholz, Original Zeichnungen von ersten Künstlern, künstlerische Reproduktionen und viele hervorragende Schülerarbeiten. Nach den ganz, außerordentlchen Erfolgen zu schließen, welche die Ausstellung in 'Troppau erzielte, wo die meisten Objekte drei- und vierfach verkauft wurden, steht auch in den andern Städten zu erwarten, da(3 durch den Verkauf dem Betriebsfonds des „Bezalel4* ein namhafter Betrag zugeführt wird. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, daß das komplette Sortiment unverkürzt in allen Städten ausgestellt werden wird und daß erst nach Schluß der letzten Ausstellung die einzelnen Gegenstände nach der zeitliche« Reihenfolge der Bestellungen an die Besteller verteilt, während die nachbestellten Sachen ehestens nachgeliefert werden. Das D. K. gibt seiner bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die einzelnen Ortskomitees durch regen Eifer und tatkräftige Mithilfe die mühevolle Arbeit des D. K. unterstützen und so auch für ihren Teil zur Verwirklichung unseres Programms: „Wirtschaftliche und kulturelle Hebung des jüdischen Volkes in Palästina" beitragen werden. Gablonz a. N. Auf Anregung des Vereins „Theodor Herzl" in Gablonz konstituierte sich ein Damen- und Herrenkomitee zur Veranstaltung eines jüdischen Kinderfestes. Dieses fand nun Sonntag den 11. Dezember, nachmittags, in den Lokalitäten des Hotel Geling statt. Der Besuch war außerordentlich gut, und der Saal war bald von Kindern und Erwachsenen bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Das Programm begann mit dem Vortrage eines Prologes und einer Rede des Herrn Rabbiners Dr. Baneth. Anschließend daran folgte das mit kindlicher Kunst und Fröhlichkeit sich abwickelnde Programm, bestehend in Deklamation, Musik, einem jüdischen Sprechstück „Der Weg der Treue" und dem prächtigen Singspiel „Frau Helles Spinnabend". Eine Polonäse mit Ka^perltheater schloß den überaus gelungenen Nachmittag, um den s:ch insbesondere Frau Meta B u n z 1 und Dr. Hermann Baneth verdient gemacht haben. Nach dem Fest der Kleinen kam das Fest der Großen. Es begann mit Klavierspiel, prächtiger Rezitation des Herrn Franz Schönwald und des Fräulein Gisa Stein, beide Mitglieder des hiesigen Stadttheaters, und endete mit einem bis tief in die Nacht hinein dauernden Kränzchen, das einen harmonischen Ausklang für die genußreiche Veranstaltung darstellte. Lemberg. Der jüdisch-akademische Verein „Ognisko" („Der Herd") eröffnete seine diesjährige Tätigkeit mit einem Vortrage Dr. Alexander Hausmanns über: „Dr. Franz Oppenheimers Projekt einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina", welcher im Saale des jüdischen Akademikerhauses stattfand. Dr. Hausmann meint, daß der Verwirklichung der Siedlungsgenossenschaft viele Hindernisse im Wege stehen. Dazu gehören in erster Keine die rechtlichen Verhältnisse der Türkei, welche mit ihrer Grundsteuer, dem sogenannten „Oscher", eine intensive Bodenbearbeitung, mit dem Mangel an einer Grünbuch-Institution die Gründung von Agrarinstituten unmöglich machten und nur durch die Erschwerung des Bodenverkaufs die Erwerbsmöglichkeiten

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