Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 52 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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aus Leder \rerbergen. Stämmige deutsche Bauern aus*/ Bethlehem, alte Juden, ein Dutzend in einen Wagen gepfercht, junge Juden (III. III) stramm zu Pferde und Unser Wagen auf der Reise durch Palästina alle von Waffen strotzend, denn hier in Galiläa ist nur der sicher, der seine Sicherheit im Notfalle verteidigen kann. Sedjera z. B. gleicht einer Festung. Doch leider, wir sind noch lange nicht in Sedjera, noch stehen wir bei Nazareth und flicken mühsam unsern Wagen, um endlich, nach langem Zeitverlust über die Steine zu stolpern, so wie es der neue Führer befiehlt. Vom nächsten Hügel sollen wir die Farm sehen, aber wir sehen nur ein steiniges Tal und lassen uns resigniert einen andern Hügel hinauf martern. So geht es buchstäblich über Stock und Stein quer durchs Land. Hie und da vorbei an Fellachenhütten, an ganzen Dörfern, bis wir endlich nach dreistündiger Tortur in Sicht von Dorf und Farm Sedjera kamen. Dort erfuhren, wir, was meine Karte gezeigt hatte, daß bis Kefr Kana, dem alten Cana, eine gute Straße führt und von dort ein Feldweg nach $edjera. Aber wir hatten einen „Führer" genommen und das mußten wir büßen. Außerdem erfuhren wir, daß es fast unmöglich sei hier zu nächtigen, wenn sich nicht der Verwalter Herr Krauß unserer erbarmen würde. Und er erbarmte sich. Der Wagen durfte in das festungsartige Tor der Farm (III. IV), wir stiegen eine Freitreppe empor und standen vor einem Wunder. Das Wunder war blond, zart und rosig wie ein Engelchen in schneeig weiße Wölkchen gehüllt, die das liebliche Qesichtchen noch süßer erscheinen ließen. Ein kleines Wunder, ein sorgfältig gepflegtes Baby, das jedem englischen Schlosse zur Zierde gedient hätte. Mir sind in Sedjera einige Wunder begegnet. Hier traf ich mit den ersten Gerim zusammen, russischen Bauern, die Juden geworden sind und gerne ins Land der Patriarchen ziehen, wenn sie ein Stück Boden bekommen. Sie sonderten sich schon daheim als Sekte der Subotniki, der Sabbatarianer ab, deren es in Rußland noch viele gibt. Die Ica siedelte sie ursprünglich gerne an, nahm sie als bäuerliche Vorbilder, wohl auch mit dem stillen Wunsche der Rassenkreuzung. Inzwischen haben sich die Juden in Palästina genügend bewährt und bewiesen, daß sie sich aus eigener Kraft zu regenerieren vermögen. Herr Krauß führte uns in das Haus eines Oer, das einen netten Eindruck machte, obwohl zahllose junge Gänschen unter den Betten hausten, um der eingetretenen Abendkühle zu entgehen. Drollig sah der stämmige Mann schon aus, dem schlichte Schläfenhaare ins Gesicht hingen. Die Leute sind begeisterte Juden, sehr eifrig bei Befolgung des Gebrauchstums und außerordentlich glücklich, im Lande „ihrer Väter" wohnen zu dürfen. Der Vater betet Russisch in einem übersetzten Buche, die Frau ist eine rechte dralle Russin, der Knabe spricht Hebräisch, trotz einem Judenknaben in ganz Palästina, der ist vollständig — assimiliert. Die nächste Türe, in die wir traten, brachte wieder eine Überraschung. Ich erkannte in dem Hausherrn einen Juden aus Galizien, der mit mir zugleich vor zehn Jahren auf der Habsburg von Triest nach Palästina gefahren war. Er gehörte zu den verunglückten Gründern von Machnajim, hatte sich dann hier niedergelassen und eine Familie gegründet. Das Dorf Sedjera besteht aus einer Straße,, die sehr breit ist, weil die Häuser ans Ende ihrer Gärten gestellt sind. Man wollte zu deren Pflege aneifern, indem man sie zur Schau stellte. In der Lehrfarm, die das Dorf beherrscht, verlebten wir einen unvergeßlichen Abend. Bei anbrechender Dunkelheit werden die schweren Tore geschlossen, die Juden sind unter sich. Kein Araber darf innerhalb der Mauern nächtigen. Das massive Haus des Verwalters flankieren zwei niedrige Flügel — Arbeiterwohnungen und die Arbeiterküche. Alte und moderne Juden in Galiläa Da saßen die Juden, die hier Bodenarbeit lernen und üben: prächtige Gestalten voll Kraft und Lebenslust, und harrten des Mahles; der jüngste Arbeiter zählte