Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-12-30 · 52 (30.12.1910) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316457--54130-3347909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nö. 52 DIE3SELT 1367 hineingelockt hatte. Rücklings mußte sich der Tod heranschleichen und sich in seinen Nacken festkrallen, um diesen Einzigen hinzustrecken. Dann sei in der heiligen Gruft zu Modei'm der hundertjährige Jüngling Mathithjahu gegrüßt, und dann der alte Eleaser, der unter der Last eines Kriegselefanten zermalmt ward, der kluge Jonathan und der Hohepriester Schimeon. Aber auch in jene Wüstenhöhle sei das achtfache Licht getragen, da die tausend Getreuen hausten, die nicht abfallen wollten und ohne Gegenwehr, aber auch ohne ihren Schlupfwinkel zu verrammeln und ohne Todesangst dem Schwerte des Antiochus Epiphanes erlagen, weil sie den Sabbath nicht mit Blutvergießen entweihen wollten. Auch ihnen sei die flammende Leuchte zugewandt, denn ihr großartig tragisches, kampfloses Sterben hat die Tat der Makkabäer gereift, wie sie durch das Martyrium Hannahs und ihrer sieben Söhne und den Foltertod Eleasars, des Unbedingten, angekündigt ward. Und nun pflanzen wir diese Menorah des Lebens in unsere Mitte, damit sich ihr im Gedenken verklärter Glanz den Kindern mitteile. Ghanuka gehört unsern Kinäern. Schon das „Lampenfest" mit Lied und Tanz, Kreisel und „Schele-Mele"-Spiel, Pfefferminzplätzchen und kleinen Geschenken war ihr ureigenster Bezirk. Wir haben aus dem „Lampenfeste", dem Feste des Ölkrügleins, die Feier der Makkabäer gemacht. Um so froher und bewegter seien diese Nächte denen, die unsern Namen und unsere Hoffnung in die Zukunft tragen und den alten Schild blank erhalten müssen. Umzäunet ihnen das Chanuka mit Freude und Glück, und lauschet auf den Schlag ihres Herzens! Unsere Jugend war wie ein Friedhof der besten Seelenkräfte. Ein grauer Alltag voll Spott und Entsagimg. Ein Herumschleichen zwischen harten Feinden und verschämten Freunden, die uns nur an den Hinterpforten die Hand reichten. Freudlos und zerbrochen, verbittert und gedemütigt, - so traten wir ins Mannesalter. Jetzt aber ist das Götzenbild der erkauften „Anpassung" zerschlagen, und auch die Märtyrer sind schon in Kischinew und Odessa verblutet, wie einst die Getreuen in der Wüstenhöhle, wie Hannah und Eleasar. Sammelt die neuen Judenkinder um die köstliche Menorah mit den erzernen Löwen, dem unbändigen Widder, den zwitschernden Sperlingen und dem Hahne, dem stolzen Verkünder des Morgens, und sorget, daß das nächste Geschlecht diejunbehauenen Steine seien, aus denen das Schicksal unsern neuen Altar bauen will! Die erzieherischen Werte des Zionismus für die jüdische Jugend Von Dr. Julius Moses, Mannheim So oft wir die jüdische Jugend aufrufen, unsern Fahnen zu folgen, bedrückt uns ein schweres Verantwortungsgefühl. Wenn wir vor Erwachsene treten, denen die Erfahrungen und Nöten des Lebens einen gefestigten Standpunkt zu den Fragen der Zeit geschaffen haben, dürfen wir erwarten, bei unserer Werbetätigkeit auf die Hemmungen kritischer Erwägungen und nüchterner Berechnungen zu stoßen, an denen sich die suggestive Kraft unserer Propagandarede bricht, und nur die Macht der Tatsachen führt den sorgsam Prüfenden unsern Reihen zu. Anders bei der Jugend; hier ist Neuland, ein Erdreich, auf dem die Kömer, (j}e wir ausstreuen, zur üppigen Saat aufschießen werden; die Jugend ist frei von dem Krämergeist des Philistertums, das alles wägt und mißt: sie ist aufnahmebereit für große Gedanken, begeistermigsfähig für hohe Ideale, und der Enthusiasmus, von dem sie um erfüllt sieht» springt leicht über auf die jugendliclie Seele, die auffiämpt für die große Idee, der wir dienen. Gerade wenn wir 4en Pm$$rbrand der JÜronsliebe bei der Jugend hoch auflodern sahen, pachte uns der Zweifel, und wir legten uns die Fragen vor: Tun wir recht daran, die Jugend in einem Lebensalter, in dem neue Ideen noch nicht an der Hand der durch die Erfahrung gewonnenen Kritik geprüft werden können, an uns und unsere Sache zu fesseln? Sind wir berechtigt, während der Jahre der geistigen Entwicklung, der sittlichen Reifung und beruflichen Ausbildung die moderne jüdische Volksidee in den Mittelpunkt des jugendlichen Denkens und Strebens zu rücken? Laufen diese jungen Leute nicht Gefahr einseitig zu werden in ihrer Auffassung des Lebens und ihrer eigenen Stellung? Schmälern wir nicht das Reservatrecht der Jugend, das Recht auf harmlose Fröhlichkeit, wenn wir in das jugendliche Gemüt hineintragen den schweren Ernst eines Volkskampfes? Entfremden wir unsere Jünger nicht ihren Lebensaufgaben, ihren Bildungsinteressen und ihrer Persönlichkeitsentwicklung? Wir seilen heute schon auf eine geraume Zeit von Jahren zurück, während deren die jüdische Jugend in hellen Scharen unserer Bewegung zugeströmt ist. Auf Grand der praktischen Er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.