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Die Welt · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Verein „Neure-Jehuda" und der akademische Verein „Hatechiah". Der „Jüdische Mädchenklub" hat sich der Organisation angeschlossen. Der Verein „Hasomir" und der hebräische Klub „Ivria" sind zwar zionistische Gründungen, gehören aber der Partei nicht an. Das D. K. unterstützt die vom Verein „Bar-Kochba" veranstaltete Bezal elausstellung. Im zionistischen Seminar haben die Herren Böhm, Dr. Schönwald, Dr. Weisengrün und Dr. Coralnik referiert. Am Todestage Herzls wurden Herzlfeiern veranstaltet und ein Zug zum Grabe organisiert. In allen politischen Angelegenheiten besorgte der „Jüdische Nationalverein" die Agitation. Die Landtags- und Kultuswahlen verhinderten die Aktion für den Genossenschaftsfonds. Aber wir sind jetzt mit den Vorarbeiten so weit, daß Dr. Oppenheimer am 17. Dezember in Wien sprechen wird. An Schekeln wurden in diesem kongreßlosen Jahre nur 1040 Kronen (gegen 1700 im Vorjahr) aufgebracht. Die Sammlung ist nicht abgeschlossen und wiid 1200 Kr. erreichen. Die Parteisteuer brachte 6oo Kr., um 150 Kr. mehr als im Vorjahre. Für den Nationalfonds wurden in Wien in der Berichtszeit 6575 Kronen, in Graz 500 Kr., in den andern Orten 708 Kr. gesammelt. Erfreuliche Fortschritte machte die Sammlung für den Herzlwald: in Wien 1947 Kr., Graz 764 Kr., in der Provinz 322 Kr.; für den Genossenschaftsfonds lieferten Wien 2360 Kr., Graz 693 Kr., die andern Orte 182 Kr. Für die P. L. D. C. wurden gezeichnet in Wien 817 Kr., Graz 394 Kr., in den übrigen Städten 109 Kr. Die Sammlung von mehr als 14 000 Krfür den Nationalfonds und die ihm angegliederten Fonds in etwa elf Monaten ist freilich in erster Linie ein Verdienst der österreichischen Sammelstelle, die völlig selbständig gearbeitet und dem D. K. die Agitation wesentlich erleichtert hat. Über die Wiener Kultus wählen erstattet den Bericht Delegierter Dr. Weisengrün. Redner führte aus: Uns handelt es sich nicht um Personen, sondern um ein Programm. Wir wollen die Nationalisierung der Gemeinden, aber nicht die Nationalisierung schlechthin, sondern auf dem Wege der Demokratisierung. Deshalb ist es kein Versteckspiel, wenn wir unser Wahikomitee als ein .jüdisch-demokratisches" bezeichnet haben. In diesem Jahre war die Situation im Gegensatz zu den Wahlen 1906 eine günstige für den Kultusvorstand. Durch dem Kampf gegen die Täuflinge bei den Gemeinderatswahlen hat sich Herr Dr. Stern die günstige Plattform geschaffen. Wohl können wir behaupten, daß diese Vertreibung der Renegaten aus der jüdischen Öffentlichkeit nur dank unserer Vorarbeit, unserer Erziehung zur jüdischen Würde möglich geworden ist. Aber diese Feinheiten verstehen die Wählerrnassen nicht. Dabei war unsere Vorarbeit durchaus ungenügend. Wir haben keineswegs das Maximum an Agitation erreicht. Wenn wir trotzdem nahezu 600 Stimmen gewonnen, während die Assimilanten 1000 verloren haben, so ist es ein großer Erfolg. Wohl aber sind unsere Gegner an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Der Erfolg hat das Gute, daß er allen Zögernden gezeigt hat, daß der Sieg möglich ist. Nicht auf die Leitung allein, auf Sie alle kommt es an. Dann müssen wir siegen! (Lebh. Beifall.) Es folgt dieDebatte über den Bericht, an der sich die Herren Reich, Dr. Pollak, Waldmann, Dr. Kohn, lng. Stricker und Schmitz beteiligten. Iii der Nachmittagssitzung erstattete Herr Adolf Böhm ein Referat über „Die Aufgaben der Studentenschaft". An der Diskussion beteiligten sich die Herren Waldmann, Litzmann, Reik, Schmitz, Dr. Weisengrün. Herr Dr. Körner referierte über die Aufgaben des Distriktskornitees. Der Krebsschaden der Organisation sei das Schmusen. (Heiterkeit.) Man soll nicht darüber reden, was gemacht werden soll, man soll mitmachen. (Beifall.) Insbesondere gilt das von denjenigen, die eine Arbeit übernehmen. Nach den Aufzeichnungen unserer Agitatoren über ihre Werbegänge müßten wir 34 000 Wähler haben! (Heiterkeit.) Wir haben in Wien 240 „alte Herreu" der zionistischen akademischen Korporationen, die uns 700 Wähler mit Leichtigkeit bringen könnten. Sie müssen organisiert werden. Das D.K. möge die Aktion für ein Wiener Studentenheim nicht einschlafen lassen. Sport und Kunst sollen gepflegt werden. Es muß eine feste, stramme Organisation geschaffen, ein besoldetes Sekretariat eingerichtet werden. (Lebh. Beifall.) In der Debatte ergriffen die Herren Waldmann, Dr: Pollak und Dr. Low des Wort. In das neue D. K. wurden gewählt: zum Obmarn Dr. Hermann Körner, ferner die Herren Dr. Arminsky, Hugo Eben, Eisenschreiber, lng. Groag, Tng. Karplus, lng. Koppel, Dr. Low, Abg. Dr. Straucher, Dr. Hugo Zuckermann. Nach Dankesworten des neugewählten Obmanns an die Delegierten wurde der Distriktstag geschlossen. Krakau. In den letzten Tagen des November veranstaltete der hiesige poalezionistische Mädchenverein „Judith" ein Seminar des Herrn Dr. Herrnann Kadisch aus Wien. In einer Reihe von Vorträgen behandelte der Referent die Probleme: Nationalitätenfrage in Österreich, Jüdische Volkspolitik, Soziale Strömungen der Gegenwart, Oppenheimers Siedlungsgenossenschaft usw. Die Ausführungen des Vortragenden, der einen geistig durchgearbeiteten Inhalt in einer vollendeten literarischen Form darzubieten wußte, fanden großen Beifall und werden wohl nicht ohne Wirkung bleiben. An den Seminarvorträgen nahm eine Anzahl Hochschüler, Mittelschüler, intelligenter Arbeiter und Arbeiterinnen teil. Der Vortrag über Oppenheimers Siedlungsgenossenschaft war für ein größeres Publikum bestimmt und sehr gut besucht. Kanada Die XI. Jahresversammlung der kanadischen Zionisten Feierlicher Empfang der Delegierten durch den Stadtrat von Toronto Die XI. Jahresversammlung (Convention) der Federation of Zionist Societies of Canada findet, wie die „Welt" bereits berichtet hat, am 25. und 26. Dezember d. J. in Toronto statt. Toronto ist die zweitgrößte Stadt des Landes und zählt über 400000 Einwohner, darunter ungefähr 20000 Juden. Charakteristisch für die hohe Wertschätzung, deren sich die zionistische Bewegung und ihre Vertreter innerhalb der angesehensten christlichen Geselischaftskreise von Kanada erfreuen, ist der Umstand, daß die Stadtverordnetenversammlung von Toronto beschlossen hat, den Delegierten der zionistischen Jahresversammlung einen feierlichen amtlichen Empfang zu bereiten, und für die Kosten dieses Empfanges einen Betrag von mehreren hundert Dollar bewilligt hat. Der Bürgermeister und die Stadträte von Toronto stehen an der Spitze des Empfangskomitees. Aus dem Bericht, den die Exekutive in der Jahresversammlung erstatten wird, geht hervor, daß die zionistische Organisation in Kauada sich in ständigem Aufschwung befindet, sowohl was die Mitgliederzahl als die Intensität der zionistischen Arbeit betrifft. Den Vorsitz in der Convention wird Mr. Clarence J. de Sola führen, der bereits 11 Jahre an der Spitze der kanadischen Federation steht. Vizepräsidenten der Convention werden die Herren J. J. Leo, H. Bernstein, A. Cash, J. D. Holofcener, Josef Abramson und M. Markus sein. Der Präsident des Arrangierungskomitees ist Herr L. Singer. Das Bureaukomitee der Federation besteht aus den Herren Leon Goldman, A. Levin, Nathan Qordon, A. Harris (N.-F.-Kommissär), M. Markus und H. Lang. Wiener Brief Von unserm Berichterstatter Die Volkszählung In einer am 23. November im Hotel „Post" abgehaltenen Studentenversammlung, die von der akad. Vereinigung „Bar-Kochba" einberufen wurde, sprach Herr Kaplansky über „Die allgemeine Volkszählung und die jüdische Studentenschaft". Redner erörtert die Bedeutung der Volkszählung und die Tragweite ihrer Ergebnisse für das Problem der nationalen Schulen, für die Amtssprachen- und Beamtenfrage. Die jüdische Nation hat nach der österreichischen Statistik keinen politischen Gefechtswert. Das ist der Rubrik „Umgangssprache" zu verdanken. Redner befaßt sich mit den Gutachten der österreichischen und ungarischen Statistiker Dr. Glatter, Dr. Dicker und Keleti über den Nationalitätsbegriff und mit den Ergebnissen und Wirkungen der Erhebungsmethode. Politisch bedeute die Aufrechterhaltung der Assimilationslüge die Verwandlung der Juden Österreichs in eine nationale Fremdenlegion, in ein Werkzeug nationaler Majorisierung und Unterdrückung. Die Volkszählung sei von großer Bedeutung in dem Kampfe des jüdischen Volkes in Österreich für seine nationale Gleichberechtigung und für die Rechte der Sprache von nahezu 900 000 Juden, — des Jüdischen. Der Kampf um die Statistik und gegen die Umgangssprachen-Rubrik bedeute einen Kampf gegen die Entrechtung und Entehrung der Judenheit Österreichs. Nachdem die Herren Waldmann und Ph. Kohn im gleichen Sinne gesprochen hatten, wurde folgende Resolution angenommen: Die Ermittlung der Umgangssprache bei der allgemeinen Volkszählung bedeutet eine Verdunklung und Verschleierung der nationalen Machtverhältnisse Österreichs;" insbesondere für die Juden ist diese eigenartige Erhebungsmethode gleichbedeutend mit ihrer

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