Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316455--54094-3347893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Der V. Parteitag erklärt: Die Rubrik „Umgangssprache" in der österreichischen Statistik ist zu einem Mittel geworden, um die nationalen Machtverhältnisse in Österreich zu verschleiern, insbesondere dient sie dazu, um die Lüge von der Nichtexistenz des jüdischen Volkes zu erhalten. Die Parteiexekutive wird beauftragt, eine umfassende Agitation für die Ersetzung dieser Rubrik durch die Rubriken „Muttersprache" und „Volksstamm" einzuleiten. Bei der Volkszählung im Dezember 1910 soll eine umfassende Agitation, insbesondere in Qalizien und in der Bukowina, für die Ausfüllung der Umgangssprachrubrik mit „Jüdisch" entfaltet werden. Die Agitation für die jüdische Umgangssprache muß mit der größten Energie geleitet werden im Bewußtsein, daß dieser Kampf von großer Bedeutung ist für die nationale Gleichberechtigung des jüdischen Volkes in Österreich und für das staatliche Recht der jüdischen Sprache. Delegierter Weiß köpf verliest eine Resolution der Prager Organisation in jüdischer Sprache, die die Subventionierung des tschechischen Organs verlangt. Der Parteitag quittiert die Verbeugimg der Prager Genossen vor der jüdischen Sprache mit stürmischem Beifall und weist die Resolution der Exekutive zu. Es folgen Schlußansprachen der Herren Kaplansky, Dr. Schipper und Chasanowitsch, worauf der Parteitag unter den Klängen der „Schwua" geschlossen wurde. Deutschland Frankfurt. DieMitgliederversammlungderMisrachi-Ortsgruppe, die im Kursaale Milani stattfand, eröffnete der Vorsitzende, Herr Professor A. Weyl, mit dem Ausdruck der Befriedigung darüber, daß die Einigkeitsbestrebungen zu einer Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Misrachi und der zion. Ortsgruppe geführt habe, und besprach die einzelnen Punkte derTagesordnung. Dann ergriff Herr Lehrer B.Stern das Wort zu seinem Referate über „den XII. Delegiertentag unter Berücksichtigung der Misrachi". Redner ging auf die Beschlüsse des Haager Kongresses bezüglich Bildung von Föderationen ein, gab ein genaues Bildder organisatorischen Beziehungen der Misrachi-Federation zum Gesamtzionismus und zeigte schließlich, in welcher Weise die deutsche Landsmannschaft dem Misrachi gegenüber anläßlich des Delegiertentags sich verhalten habe. In der Debatte, die sehr angeregt verlief, betonten sämtliche Redner die Freude über die „Arbeitsgemeinschaft". Herr M. Levigard verlangte unter lebhafter Zustimmung eine energische Stellungnahme in der Gemeindepolitik nach rechts und links und scharfe Abwehr der gegnerischen Angriffe, was die Herren Jul. Hirsch und L. Perlmutter unterstrichen. Betreffs Mitgliedsbeiträge gelangte ein Antrag Weyl-Perlmutter zur Annahme: für die Misrachisten, die nur der Misrachi-Ortsgruppe angehören wollen, Mk. 8.—, für die andern M 10.— zu normieren, mit der Maßgabe, daß es den Vorständen der beiden Ortsgruppen überlassen bleibe, die Höhe des für die Misrachisten der Ortsgruppe zu entrichtenden Beitrags festzusetzen. In der Zionistischen Jugendgruppe, die sich eines wachsenden Interesses erfreut, sprach Dienstagabend zunächst Herr Dr. Gottlieb über „Allgemein es zurStatisti k der Juden". In recht anschaulicher Weise verstand es Herr Dr. G., die an sich trockene Materie interessant zu gestalten und in die Grundlagen dieser gerade in den letzten Jahren sich außerordentlich entwickelnden Wissenschaft einzuführen. In einheitlicher Weise beleuchtete Redner auf Grund statistischer Prinzipien die Erscheinungsformen der Judenheit-in den einzelnen Ländern, insbesondere in den Ländern, wo die meisten Juden wohnen. Interessante Daten vervollständigten das Bild. An Stelle des erkrankten Dr. W. Hanauer sprach alsdann Herr Dr. Siegfried Schwarzschildüber,, Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung in Palästina". Er berichtet in sehr anziehenderundfesselnder Weiseüberseinepersönlichen Erfahrungen an Ort und Stelle und entwarf in großen Zügen ein Bild von der Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung in Palästina. Beide Vorträge fanden großen Beifall. In der sich anschließenden Mitgliederversammlung wurden per Akklamation L. Perlmutter zum Vorsitzenden, Frau Bamberger, Jos. Bollag-Feuchtwanger, Dr. jur. Gott lieb und Lehrer Baruch Stern in den Vorstand gewählt. Frankfurt a. M. Den jüngsten Diskussionsabend der Zionistischen Jugendgruppe eröffnete der Vorsitzende L. Perlmutter mit einem warmen Nachruf auf den verstorbenen Joseph W. Hackenbroch, das hohe Vorbild der zionistischen Jugend. Sodann hielt Herr Lehrer Baruch Stern ein überaus beifällig aufgenommenes Referat über „Zionismus und gesetzestreues Judentum". In streng sachlicher Weise zeichnete er die Stellung des gesetzestreuen Juden zum Zionismus vom theoretischen und praktischen Gesichtspunkte aus und würdigte ausführlich alle Einwände gegen die zionistische Bewegung. In der Diskussion sprach als Gegner Herr Referendar Isaak Breuer, der aber zu den Ausführungen des Referenten fast gar keine Stellung nahm und sich mehr darauf beschränkte, in beweglichen Worten die anwesenden jugendlichen Mitglieder der Isr. Religionsgemeinschaft zu beschwören, dem Zionismus nicht beizutreten. Ihm antworteten scharf und sachlich mehrere zionistische Redner. L Perlmutter weist auf das Baseler Programm, als einzige Grundlage des Zionismus, hin, Martin Levigard auf die hohe ideale Macht der Bewegung, die viele Abgefallene zurückgeführt habe. Dr. Gott lieb weist den Mangel an nationaler Betätigung bei der heutigen Orthodoxie nach, trotzdem sie behaupte, sie sei national. Sekretär Braun bekämpft den Vorwurf unjüdischer Weltanschauung der zionistischen Bewegung als solcher, und Herr Dr. Schwarzschild preist den Zionismus als Beginn einer Entwicklung zum überlieferten Judentum. Auf einen zweiten Appell des Herrn Breuer, nicht Zionisten, sondern gute Mitglieder der Isr. Religionsgesellschaft zu sein, weist im Schlußwort der Referent nach, daß man beides vereinigen müsse, und führt nochmals die Gründe für einen Beitritt kurz an. Der interessante Abend wird nächste Woche fortgesetzt. In der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe referierte Herr Dr. S. Sch warzschild über die Arbeit der Berliner Parteileitung, woran sich eine eingehende und ausgedehnte Debatte anschloß. Allgemein wurde die energische Arbeit der Berliner Zentrale und insbesondere die Errichtung einer Zentralstelle fürApologetik begrüßt. Herr Dr. Gottlieb mahnt zur Vertiefung ins jüdische Wissen, Herr Levigard fordert zum Kampf auf nach rechts und links, und Herr Sekretär Braun weist auf die Bedeutung der Persönlichkeit im Zionismus hin. Hamburg^. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach letzten Sonnabend Herr Kurt Blumenfeld, Berlin, über das jüdische „Organisationsproblem". Die geistvollen Ausführungen des Redners zeigten die Entwicklung der jüdischen Volksorganisation nach dem Untergang des nationalen Staates bis zu der in unsern Tagen erfolgten Begründung der zionistischen Weltorganisation, die den adäquaten Ausdruck des gesamten, geistigen Inhalts des Judentums darstellt, im Gegensatz zu allen ältern politischen oder kulturellen Verbänden der Juden. Insbesondere die Gemeindeverfassung mit der von ihr geschaffenen Abhängigkeit der Rabbiner von ihren Vorständen und die Alliance Israelite Universelle, die ihrem ursprünglich nationalen Programm untreu geworden ist, vermochten der durch die Emanzipation geschaffenen Tendenz zur Auflösung keinen Schutzwall entgegenzusetzen. Mit einem warmen Appell an die Opferfreudigkeit jedes einzelnen schloß der Redner seine unmittelbar wirkenden Ausführungen, die denn auch der Ortsgruppe eine Anzahl neuer Mitglieder zuführten. Königsberg. Am 10. d. M. sprach hier in einer großen, von den vornehmsten Kreisen Königsbergs besuchten Versammlung Herr Dr. Franz Oppenheimer über die Siedlungsgenossenschaft in Palästina. Das zahlreiche, distinguierte Publikum lauschte mit atemloser Spannung den geistvollen, überaus klaren und überzeugenden Ausführungen des ausgezeichneten Gelehrten. Im Anschluß an den Vortrag wurden für den Genossenschaftsfonds 4500 Mk gezeichnet. Düsseldorf. Die hiesigen Zionisten haben sich zu einer Ortsgruppe vereinigt. Der Vorstand wird gebildet von den Herren: Dr. med. Jonas, prakt. Arzt, Dr. Weyl I, Rechtsanwalt, I. Michalowski, I. Braunschweiger, Ziviling. Heinrich Loewe. Am Platze ansässige Zionisten werden gebeten, sich beim Schriftführer Ziviling. Heinrich Loewe zu melden. — Am 6. d.M. sprach Herr Arthur Gelber hier in der Ortsgruppe über „Zionistische Institutionen". Der Redner zeigte, wie die einzelnen Einrichtungen der Entwicklung des zionistischen Gedankens entsprechend geschaffen worden sind, beleuchtete in interessanter und klarer Weise ihr Wesen und ihren Wert und gab verschiedene Anregungen für die Propaganda. Österreich Innerösterreichischer zionistischer Distriktstag Donnerstag den 8. d. M. fand in Anwesenheit von 34 Delegierten in den Räumen des zionistischen Zentralvereins der Distriktstag der zionistischen Organisationen Innerösterreichs statt. Der Obmannstellvertreter des Distriktskomitees, Herr Dr. Löwy, eröffnete den Distriktstag. Ins Bureau wurden gewählt die Herren Dr. Löwy (Wien), Moses (Neunkirchen) und Schmitz (Wien). Dr. Beer erstattete den Rechenschaftsbericht des abtretenden D.K. In Mödling, Stockerau, Korneuburg, Graz, Neunkirchen sind Neugründungen zu verzeichnen. Der Grazer Verein „Ischuw Erez- Israel" arbeitet besonders eifrig für den Genossenschaftsfonds. Der Neunkirchener Verein „Ahawath Zion" hat zum erstenmal einen Delegierten zum Distriktstag entsendet. Das D. K. hatte Fühlung auch mit zionistischen Gruppen in Linz, Baden, W.-Neustadt und Arnstetten. Auch in Wien, wo die Arbeit ungemein schwierig ist, sind neue Vereine entstanden: der Mädchenverein „Moriah",

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.