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Die Welt · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 50 DIES^&LT 1325 Arbeitergenossenschaft Uro-Djuni Diese von der P. L. D. C. begründete Genossenschaft, welcher der Nationalfonds ein Darlehen von 12000Frcs. gewährt hatte, schloß das erste Jahr nach einem Berichte des Palästinaamtes sehr erfreulich ab und berechtigt zu den besten Hoffnungen. Die vorläufigen guten Resultate dieses ersten kleinen Versuches einer genossenschaftlichen Siedlung in Palästina bilden ein gutes Omen für unsere neue Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft. Ansiedlung jemenitischer Juden in Ben-Schamen Die Häuser und die Werkstatt für die jemenitischen Filigranarbeiter des „Bezaiel", für welche der Nationalfonds 20 000 Pres, als Darlehen bewilligte, sind zum Teil bereits erbaut und dürften bis Ende Dezember von den Arbeitern bezogen werden. Mit dieser Kolonie wird ein vielversprechender Versuch auf Nationalfondsboden unternommen. Ausbau des Teppichateliers im „Bezaiel" Der schöne Neubau schreitet der Vollendung entgegen und wird den Wert des Nationalfondsbesitzes wesentlich erhöhen. Arbeiterhäuser Aus den vom Nationalfonds bewilligten 20 000 Frcs. wird in Übereinstimmung mit den Vertretern der Arbeiterschaft ein Ledigenheim in der Kolonie Cliederah und ein zweites in Pethach- Tikwah errichtet. Die Verwaltung4der erstgenannten Kolonie hat den Boden zur Verfügung gestellt und besorgt außerdem die Zufuhrarbeiten für den Bau, "während sich Pethach-Tikwah mit einem Beitrag von 600 Frcs. beteiligt. Beschlüsse . Nach» diesem Bericht beschloß das Direktorium gemäß dem Vorschlage des E. A. C, den David- und Fanny-Wolf fsohn- Fonds formell an den Jüdischen Nationalfonds anzugliedern und sprach dem E. A. C. und Herrn Wolffsohn seinen Dank aus. Die ^ersten aus dem Wolffsohn-Fonds zu erbauenden Häuser, von denen eine Anzahl sich bereits im Bau befindet, verteilen sich auf mehrere Kolonien: Rechoboth und Pethach-Tikwah erhalten je 5, Wadi- Chanin 1 und Rischon Le Zion 4 Arbeiterhäuser. Das Direktorium faßte noch eine Reihe wichtiger Beschlüsse betreffend die Nationalbibliothek und verschiedene Transaktionen, die die Mittel, welche dem Nationalfonds für die Arbeit in Palästina zur Verfügung stehen, nunmehr größtenteils erschöpfen dürften. Es wurde deshalb dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß im Hinblick darauf mit aller Kraft für die Vermehrung der Nationalfondseingänge gearbeitet werden müsse, wenn dem Zionismus nicht überaus günstige, selten wiederkehrende Gelegenheiten verloren gehen sollen. Es sei darum an dieser Stelle an alle Vertrauensmänner und Freunde des Jüdischen Nationalfonds der dringende Appell gerichtet, mit größerem Eifer denn je für unsern Fonds zu agitieren, damit er alle sich im Lande unserer Väter ihm darbietenden Gelegenheiten rechtzeitig ausnutzen kann. Sitzungen des Genossenschaftskomitees Aus Anlaß der A. C.-Sitzungen in Berlin fanden auch Beratungen des Genossenschaftskomitees statt, an denen die Herren Dr. Bodenheimer, Dr. Oppenheimer, Prof. Warburg und die Sekretäre N..Groß und A. Awadiowitz teilnahmen. Gegenstand der Verhandlungen bildete die Bewirtschaftung des gekauften Bodens, die Anstellung des Leiters und eine Reihe von organisatorischen und propagandistischen Arbeiten. Mit großem Interesse wurde ein Bericht des Herrn Dr. Oppenheimer über die Gründung einer jüdischen Handwerkerkolonie, deren Mitglieder aus Glasgow nach Palästina einwandern und sich in der Nähe der künftigen Siedlungsgenossenschaft ansiedeln werden, entgegengenommen. Es hat sich zu diesem Zwecke bereits in Glasgow ein Verein „Oale Zion" gebildet, mit dem Herr Dr. Oppenheimer bei seiner Anwesenheit dort bereits verhandelt hat. Hierüber wird Dr. Oppenheimer demnächst in der „Welt" Näheres mitteilen. Der V. Parteitag der Poale Zion Österreichs Von unserm Berichterstatter (Schluß aus Nr. 46 der „Welt") Den Hauptgegenstand der Verhandlungen des zweiten Tages bildete die Gewerkschaftsfrage. Nach einer langen prinzipiellen Debatte wurde folgende von den Herren Sokal, Wattenberg und Kaplansky eingebrachte Resolution mit Majorität angenommen: I. Der Parteitag schließt sich den Beschlüssen des Internationalen Sozialisten- und Gewernschaftskongresses in Kopenhagen an, die aussprechen, daß die gewerkschaftlichen Organisationen für das ganze Land einheitlich sein sollen und die nationalkulturellen und sprachlichen Bedürfnisse der Arbeiter aller Nationen befriedigen müssen. Der Parteitag erhebt daher Einspruch gegen die Ignorierung aller Bedürfnisse der jüdischen Arbeiter durch die Wiener Zentralverbände, insbesondere gegen die systematische Verletzung der Grundsätze gewerkschaftlicher Neutralität. Der Parteitag fordert alle Parteigenossen auf, ungeachtet aller Hindernisse, die die gewerkschaftliche Betätigung voller Bitternis und nahezu unmöglich machen, auf ihren schwierigen Kampfplätzen auszuharren und unsere Positionen durch die Zuführung von Mitgliedern in die Ortsgruppen der Wiener Zentralverbände zu festigen. Dabei empfiehlt der Parteitag die gewerkschaftliche Arbeit wirksam zu kontrollieren durch die Einsetzung von besondern Referenten für die gewerkschaftliche Tätigkeit in den Ortskomitees. II. Der Parteitag beauftragt die Exekutive, sich mit dem Vollzugsausschuß des Handelsangestelltentages bezüglich der Verhandlungen desselben mit dem Wiener Zentralverein der Kaufmännischen Angestellten über die politische Neutralität dieser Gewerkschaft und die Befriedigung der kulturellen, insbesondere sprachlichen Bedürfnisse der jüdischen Handelsproletarier, ins Einvernehmen zu setzen. Nachdem die Ergebnisse der Verhandlungen des Vollzugsausschusses mit dem Zentral verein vorliegen werden, seil die Parteiexekutive unverzüglich eine außerordentliche Parteikonferenz nach Lemberg einberufen, um in der gewerkschaftlichen Taktik der Partei und der Organisationsfrage der Angestellten eine Entscheidung zu treffen. III. Der Parteitag fordert alle Genossen-Angestellten auf, schon vor der Parteikonferenz eine energische organisatorische und agitatorische Aktion für den gewerkschaftlichen Zusammenschluß der Handelsangestellten einzuleiten, um der Konferenz ein deutliches Bild über die Bedürfnisse und Wünsche der jüdischen Handelsangestellten und ihrer Organisationen zu vermitteln. Der Vorsitzende bemerkt zum letzten Absatz der Resolution, daß die Vereine nach Tunlichkeit Delegierte mit imperativen Mandaten zur Parteikonferenz entsenden sollten, um jedenfalls eine entscheidende Mehrheit in dieser bedeutsamen Angelegenheit zu ermöglichen. Der Parteitag hat in der Frage der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter eine entscheidende Wendung vollzogen. Wenn das in der Fachorganisationsfrage der Angestellten nicht der Fall sein konnte, so ist es vor allem dem Umstand zuzuschreiben, daß Vertreter derselben Stadt gegeneinander gestimmt haben. Das muß bei der Parteikonferenz vermieden werden. Bei der Wahl der Vollzugsorgane wurden in die Exekutiv e, die nach Lemberg verlegt wurde, gewählt die Herren: Herz, Kandel, Kretz, Locker, Dr. Meiler. In die Parteileitung de Herren: Feuermann (Stanislau), Dr. Haendel (Jaroslau), Kaplansky (Wien), Klein (Prag), Dr. Margulies (Krakau), Meisel (Drohobycz), Nußbaum (Krakau), Reiß (Lemberg), Dr. Rosenfeld (Drohobycz), Steinmetz (Czernowitz). In die Kontrollkommission die Herren: Buchbinder (Rzeszöw), Epstein (Stanislau), Rappaport (Lemberg), Dr. Schipper (Tarnow), Schutzmann (Boryslaw). In der Nachtsitzung erstattete Herr Dr. Schipper ein Referat über die „Kulturarbeit im jüdischen Proletariat." Die geistvollen Ausführungen des temperamentvollen Redners, der auf dem Gebiete der Literaturkritik und der jüdischen Kultur ebenso heimisch ist, wie auf dem der Wirtschaftsgeschichte, fanden begeisterte Zustimmung. Der Vortrag wird nach dem Beschluß des Parteitags als Sonderbroschüre herausgegeben werden. Nach einer gemeinsamen Beratung der Parteileitung und der Gewerkschaftskommission schreitet man zur namentlichen Abstimmung über die Resolutionen zum Gewerkschaftsproblem. Das Referat Kaplansky über den „Kampf um nationale Autonomie" entfällt mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde — es ist 6 Uhr früh — und die völlige Erschöpfung der Delegierten. Das Referat soll im Parteiorgan veröffentlicht werden. In der aktuellen Frage der Volkszählung wird nach kurzer Diskussion folgender Beschluß gefaßt:

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