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Die Welt · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Summen abzahlen, außerdem erhebliche Beträge an Mieten, Zinsen usw. entrichten. Insgesamt zahlten sie der Ica 1 793 664 Frs. Der Viehstand litt sehr unter dem durch die Dürre veranlaßten Futtermangel. Die Kolonisten besitzen immerhin noch 43 000 Pferde, viele Schafe und 104 000 Rinder, welch letztere eine Milchwirtschaft großen Stils ermöglichten. Es erzeugten täglich: Moiseville..... 9 500 Liter Monigates..... 4 000 Las Palmeros .... 1 700 Palacios ...... 1 5C0 Die andern Kolonien haben trotz des Futtermangels zum Teil ebenfalls erhebliche Quantitäten,. die zum Verbrauch in die Hauptstadt oder in Butterfabriken gesandt wurden. In Palacios wurden auch 1200 Kilo Honig und 35 Kilo Wachs gewonnen. Da sich nach Berechnungen Dr. Oppenheimers die Viehzucht größten Stils auch in Palästina sehr gut rentieren würde, ist nicht recht ersichtlich, weshalb die Ica nicht auch dort entsprechende Versuche anstellt. Auch der Bienenzucht sollte man in Palästina mehr als bisher sein Augenmerk zuwenden. In Brasilien kaufte die Ica 92 000 ha Land an, um Kolonisten anzusiedeln, nachdem sie festgestellt hatte, daß sich die Kolonie Philippson günstig, entwickelt. In Kanada, das mehr als früher das Ziel jüdischer Emigranten ist, besteht zu deren Förderung das Canadian Committee. Interessant sind die Feststellungen über die Anzahl jüdischer Wirtschaften in den Vereinigten Staaten. Die Enquete ergibt das Vorhandensein von 7201 jüdischen Landwirtschaftsbetrieben, davon 718 im Staate New York. In dem uns am meisten interessierenden Palästina wird ein Fortschritt der Bauern konstatiert, wenn auch ihre Lage und ihre Leistungen nicht überall (z. B. in Jamma) befriedigen. In den Weinkolonien wird noch eine größere Anzahl von Rebenflächen beseitigt und durch Baumkulturen ersetzt werden müssen. Immerhin ist auch hier das Gesamtergebnis ein befriedigendes, und man fragt sich unwillkürlich, weshalb nicht hier wie in Argentinien und Brasilien die Neuansetzung von Bauern in größerm Maßstabe stattfindet. Sachliche Hinderungsgründe scheinen ja nicht vorzuliegen. Sollte man vielleicht „den jüdischen Nationalismus nicht ermutigen wollen?" Die Ica steht ja mit der Alliance in Personalunion! Andernfalls muß man der Ica vorwerfen, daß ihre Tätigkeit zwar gut gemeint ist, aber an Systemmangel - leidet. Jedenfalls sind beide Berichte lehrreich genug, um ein eingehendes Studium zu rechtfertigen. Ad. Fr. Zwei Tote Das jüdische Volk hat einen sehr schweren und zweifachen Verlust erlitten. Gleichzeitig erreicht uns die Nachricht, daß in Berlin Dr. Hirsch Hildesheimer und in Frankfurt am Main SaulPinchas Rabinowitz gestorben ist. Je seltener die Männer sind, die sich mit ihrem ganzen Wesen der Sache des jüdischen Volkes hingeben, je leichter es ist, in fremdem Volkstum die Ehre zu suchen, die man dem eignen Volkstum vorenthält, um so schwerer wiegt der Verlust, wenn wir zwei Männer auf einmal verlieren, von denen jeder eine geistige Potenz im Judentum war, jeder allein schon einen schweren Verlust für das Volkstum bedeutet. Beide Namen sind bekannt und im ganzen Judentum klangvoll. Hirsch Hildesheimers Name, der einem Manne aus deutscher Familie angehört, wenn sein Präger auch in Eisenstadt in Ungarn das Licht der Welt erblickt hat, hat sich den Weg nach dem Osten gebahnt und ist dort so klangvoll wie nur irgendwo in seiner Heimat, und Saul Pinchas Rabinowitz, der aus dem Ghetto des Ostens hervorging, hat nicht minder im Westen sein geistiges Heim und eine Heimat seiner Geistesprodukte gefunden. Was beide Männer, die herzlich mit einander befreundet waren, die jetzt beinahe zusammen aus dem Leben scheiden, in dem sie eine bedeutende Rolle gespielt haben, unlöslich miteinander verband, war die innige Liebe zum jüdischen Volke, dem sie mit allen Fasern ihres Herzens angehörten. Sie, die beide in der jüdischen Tradition aufgewachsen waren und in äußerlich verschiedener, aber innerlich gleicher Weise das alte Judentum hatten kennen und lieben lernen, gingen denselben Weg, jeder in seiner engern Umgebung und im gesamten Judentum. Denn bdde Männer waren Nationaljuden, die in ihre Liebe zum Volke das kulturelle Erbe des jüdischen Volkes ganz mit einschlössen. Schef^er-Rabinowitz, der zu den allerersten gehört hatte, die die geistige und physische Wiedergeburt unseres Volkes auf ihre Fahne geschrieben hatten, war zu allen Zeiten ein Mann, der es nichtverstand, den Reichtum seinesGeistes und seines unerschöpflichen Wissens als Spaten zu benutzen, um sich das dürftige Leben erträglicher zu machen. Der Mann, der an seinem reich besetzten literarischen Tische die K'nesseth Jisrael speisen ließ, hat oft genug gedarbt, weil er gar kein Interesse für eine bessere Lebenshaltung für sich persönlich hatte, während ihm die geistige und materielle Not seines Stammes die bittersten Schmerzen bereitete. Er war nicht bloß einer der führenden hebräischen Schriftsteller, er war einer der ersten und allereifrigsten der -ersten zionistischen Kämpfergeneration, die erst durch ihren Opfermut und ihre stille unermüdliche Arbeit den spätem Bau der Parteiorganisation möglich gemacht hat. Der konservative Mann hat dabei in seiner Schlichtheit mehr für die innere Aufklärung geleistet als viele, die ihn als nichtfortschrittlich bekämpfen zu sollen meinten. Indem er sein großes Sammelwerk „K'nesseth Jisrael" herausgab, indem er seine „Dibre j'me Jisrael l'chol b'ne Jisrael", die Übersetzung oder vielmehr Verarbeitung der Graetzschen Geschichte der Juden, in hebräischer Sprache erscheinen ließ, indem er überhaupt in seinen Arbeiten historischen Sinn weckte, trug er auch auf diesem Wege in hohem Maße dazu bei, historischen, und das heißt ja nationalen Sinn bei den hebräischlesenden Juden zu wecken und sie für die Wiederbelebung der trockenen Gebeine durch neuen Geist vorzubereiten. So war es selbstverständlich, daß er unter den Chowewe-Zion, diesen ersten politischen Zionisten, einer der ersten und stets einer der Führer war, dessen Warschauer kleines Zentrum in der Geschichte des Zionismus bei der Katto witzer Konferenz und nachher im Montefioreverband der Chowewe Zion Bedeutung hatte. So war er unter den Delegierten des ersten Kongresses und fehlte, soweit ich sehe, an keinem Kongresse. Er war seit der Gründung des Neuzionismus bewußter „Alt-Zionist", wie er sich selbst nannte, saß aber niemals im Schmollwinkel oder abseits, sondern stand stets im Vordertreffen der Bewegung, bis ihn Krankheit, Schwäche, halbe Blindheit und Alter nur noch herzlich interessiert zuschauen, nicht mehr, wie er wollte, rüstig mitarbeiten ließen. Er ist einer der Begründer des Zionismus und des neuen Hebraismus. Ganz anders war der Lebensgang Dr. Hirsch Hildesheimers dem von vornherein neben und über seiner von seinem Vater Dr. Esriel Hildesheimer empfangenen trefflichen jüdischen Bildung eine mindestens ebenso umfassende allgemeine Bildung zuteilgeworden war. Mit großem Eifer und unermüdlichem Fleiß, der ihn bis an seinen Tod, der ihn mitten in der Arbeit überraschte, niemals verließ, gab er sich besonders den rabbinischen Studien hin, um nachher „aus der Kutte zu springen". Seine Liebe zum jüdischen Volke machte sich besonders als Liebe zu seinem Lande geltend, und es ist tragisch zu nennen, daß er, der immer von einem ruhigen Alter am Karmel träumte; von hinnen mußte/ohne das Land der Sehnsucht zu schauen, das er mit der Seele suchte und zu dem er so viel Liebe zu erwecken wußte. Er war es auch, der zuerst, wie er selbst seine wissenschaftliche Tätigkeit der theoretischen Erforschung des Landes

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