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Die Welt · 1910-12-09 · 49 (9.12.1910) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1304 DIE^KELT No. 46 Er ist das Opfer Rabbi Chajim Nahums und David Frescos. Kr muß die Sünde büssen, daß er sich nicht dazu hergegeben hat, das willenlose Werkzeug dieser beiden zu spielen und mit Ergebenheit den ihm anbefohlenen Jerusalemer Posten zu übernehmen. Auch gegen ihn lautete die Parole aus Konstantinopel, wurden die unterirdischen Minen gelegt, die jetzt die Kanzlei des Konstantinopeler Großrabbinats mit Saloniki verbinden. Des Rätsels Schlüssel Die wahre Ursache aller dieser Machinationen sind die Wahlen zum Mischlisch umumi in Konstantinopel. Mit andern Worten der Kampf um die Macht. Die bisherigen Inhaber derselben fühlen, daß ihr Ende sich vorbereitet, daß eine neue Jugend heranwächst, daß das Volk anfängt zu denken, und daß eine andere Generation sich anschickt, sie abzulösen. Da sind alle Mittel recht, um sich zu behaupten. Ein Mischlisch umumi und dschismani nach dem Sinne und Herzen Rabbi Nahums, das heißt David Frescos, soll als Instrument dazu dienen. Keine Schliche sind darum fein genug und keine Gewalttätigkeit zu gewaltsam, um diesen Mischlisch zu schaffen. Der ganze große Skandal gegen Zionismus, National - Judentum und hebräische Sprache, gegen die „Fremden", die Aschkenasim und die Turner, gegen Rabbi Jakob Meir und Epstein, ist absichtlich inszeniert, um die Aufmerksamkeit des Volkes von den Wahlvorgängen abzulenken und hinter seinem Rücken die Wahlen so zu inszenieren, wie man sie für nötig findet. Man hat ja bis jetzt rechtschaffen getan, was man konnte. Man hat auf ungesetzliche Weise den Mischlisch umumi zur Auflösung gebracht, auf ungesetzliche Weise eine Wahlkommissön eingesetzt, und jetzt setzt man ungesetzlicher Weise die Wahlmodalitäten fest. Man hat sich zu diesem Behufe sogar unterstanden, jüngst eine Sitzung der Wahlkommission abzuhalten, ohne das einzige Mitglied der Kommission, von dem man Einspruch irn Namen des Gesetzes, im Namen der Logik und im Namen des modernen Demokratismus zu erwarten hatte, unsern Gesinnungsgenossen Dr. Weilisch, dazu einzuladen. Und in dieser ungesetzlich einberufenen Sitzung wurde der ungesetzliche Beschluß hinter dem Rücken des Abwesenden gefaßt, daß der Großrabbiner autoritär den einzelnen Stadtvierteln ihre Kandidaten vorzuschreiben habe. „Um die Gemüter zu besänftigen", beschloß man zugleich, die Gemeindevertreter von Hasköj und Balat einzuladen, damit der Großrabbiner ihnen den bittern Bissen mit seiner liebreichen Zurede mundgerecht versüße. Es bleibt abzuwarten, wie die Massen diese Peitschenhiebe hinnehmen werden. Der Volksverräter. Die Schandtat, die David Fresco in der Gerichtssitzung gegen den „Makkabi" beging, überstieg an Verworfenheit alle bisherigen. Mit einem Zynismus, den die jüdische Geschichte bisher nur von Nichtjuden und von Täuflingen erfuhr, wagte er es, große Teile des Volkes und damit das ganze Volk auf die furchtbarste Weise zu verleumden. Vor den Richtern legten er und sein Advokat, auch ein „Jude* wie er selbst, Schekib Adut, alle die niedrigen Erfindungen vor, daß der Zionismus gegen den Bestand des türkischen Staates konspiriere, Palästina von ihm losreißen wolle usw. Als Beweis wurde die Hymne „Hatikwah" in türkischer Übersetzung vorgelesen. Die Gerechtigkeit muß feststellen, daß es nur noch wenige Juden in der Türkei gibt, die mit diesem Grade seines Wahnsinnes sich' einverstanden erklären. Allenthalben erntet er dafür Vorwurf und Verachtung. An die „Aurore" und den „Hamewasser" gelangten hebräische Telegramme der jüdischen Studentenschaft in Beirut, die folgenden Wortlaut haben: „Die jüdische Studentenschaft „Kadimah" zu Beirut spricht David Fresco, dem Verräter seines Volkes, dem Bedränger seiner Brüder, ihre Verachtung aus. Sein Name wird bleiben — zu ewiger Schande." Palästina Die Verlegung des deutsch~jüdischen Waisenhauses nach Fedsche Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß das heilige Land ^Bauern und Gewerbler braucht" (Dr. Thon, Palästinanummer S. 1055a) oder: erst „Brot", dann „Kultur", wie sich treffend Frau Dr. Thon (ebendaselbst 1064 b) ausdrückt, hat der „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" beschlossen, das von ihm seit nunmehr drei Dezennien in der heiligen Stadt unterhaltene Waisenhaus, das in der Regel dreißig Zöglinge beherbergt und. ebenso vielen Tagesschülern die Mittagskost gewährt, nach Fedsche, nächst Petach Tikwah, zu verlegen, Das Terrain, das etwa 840 Dunam guten Ackerboden umfaßt, hat vor ungefähr fünf Jahren Herr Rabbiner Dr. Salvendi,-zurzeit in Karlsruhe, erworben, um dort eine jüdische Siedlung zu gründen, vornehmlich mit entlassenen Zöglingen des genannten Waisenhauses, seit dessen Gründung der greise Wohltäter als Förderer desselben unermüdlich tätig ist. Der Bau des Internats, mit dem demnächst begonnen wird, ist für achtzig Zöglinge berechnet. Bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahre sollen sie ausschließlich lernen, hauptsächlich das,, was ein Ackerbauer als guter Jehudi im heiligen Lande zu wissen nötig hat. Drei Jahre sollen sie sich in der Feldarbeit üben, nachher wird den Befähigtem gegen einen geringen Pachtzins ein Stück Land überwiesen werden, uni es für eigene Rechnung zu bearbeiten. Zehn Dunam können jährlich einen Reingewinn von vierzig Napoleons abwerfen. Auf dieses Weise kann sich der Zögling binnen weniger Jahre ein Kapital erparen, das ihn in den^Stand setzt, sich käuflich ein eigenes Stück Land zu erwerben. Damit der Zögling aber bei der Arbeit nicht zum förmlichen Bauer herabsinkt, werden Abendkurse errichtet werden, die ihn nicht allein das in der Schule erworbene Wissen nicht vergessen lassen, sondern in neue Wissensgebiete, wie z. B. gründliche hebräische Sprachkenntnis, spezielle jüdische Geschichte u. dergl. rn., einführen soHen. Auf diese Weise und nur auf diese Weise können wir einen tüchtigen Bauernstand im heiligen Lande erziehen. Die Schulkenntnisse werden der Not nicht steuern, die Industrie auch nicht, weil es keine im Lande gibt. Die Feldarbeit allein, wenn intensiv betrieben, kann den Wohlstand mehren. Der „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" unternimmt daher ein großes Werk, indem er sein Waisenhaus nach Fedsche verlegt. Ob ihm auch das Werk gelingen wird, hängt einzig und allein davon ab, ob das Unternehmen das nötige Verständnis und die nötige materielle Förderung finden wird. Konferenz palästinensischer Landwirte In Ha^fa hat am 8. und 9. November auf Initiative des Herrn Agronomen Krause aus Sedschera eine Besprechung jüdischer Agronomen stattgefunden. Großes Interesse erweckte das reiche Material, welches Herr Aaronsohn bezüglich der Arbeitsmethoden in den verschiedenen Kulturländern vorlegte. An der Beratung nahmen noch die Herren Beermann, Wilkansky, Dr. Levite, Blumenfeld und Dr. Pickholz teil. Es wurde beschlossen, eine zweite Konferenz am Schlüsse des Winters einzuberufen, in welcher über folgende Gegenstände Referate erstattet werden sollen: 1. Bodenbewertung und Klassifizierung, 2. Arbeitsmethoden auf wasserarmen Böden, 3. Getreidewirtschaft, 4. Orangegärten, 5. Viehzucht, 6. Milchwirtschaft und Futterbau. Bis jetzt haben 17 fach wissen schaftlich ausgebildete Landwirte ihre Teilnahme an der geplanten Konferenz zugesagt. Der Chachambaschiposten in Jerusalem Herr Antebi in Jerusalem hat von Rabbi Haim Nahum einTelegramm erhalten, wonach Rabbi Jakob MeTr beschlossen habe, in Saloniki zu bleiben und somit den Chachambaschiposten in Jerusalem abzulehnen. Wenn dieser Entschluß des Rabbiners von Saloniki ein unwiderruflicher ist, dann wird die Frage der Besetzung des Chachambaschipostens in Jerusalem von neuem akut. Bei der versöhnlichen Stimmung, die jetzt in Jerusalem in den in Betracht kommenden Kreisen herrscht, ist zu hoffen, daß die Frage diesmal eine friedliche Lösung finden wird. Die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter in Palästina In der VI. Jahresversammlung der Arbeiterorganisation „Hapoel hazair", die unlängst in Jaffa stattgefunden hat, wurde über die Lage der . jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter verhandelt. Namentlich wurde der Auswanderung, die in letzter Zeit um sich gegriffen hat, viel Aufmerksamkeit zugewandt. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die in letzter Zeit verstärkt auftretende Auswanderung ist keine Folge der gelingen Nachfrage nach Arbeitern in Palästina; die Nachfrage ist' im Gegenteil in jüngster. Zeit bedeutend gestiegen. Ebenso haben sich die Arbeitsbedingungen wesentlich gebessert. Es ist deshalb die Pflicht der Organisation „Hapoel hazair", gegen die betrübende Erscheinung der Auswanderung sowohl durch Aufklärung über die in- und ausländischen Arbeitsverhältnisse, wie auch durch planmäßige Organisierung der Arbeiterschaft in ökonomischer Beziehung anzukämpfen."

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