Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 49 DIE ELT 1305 Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszelt am 31; Dezember 1010 abläuft, bitten wir schon heute die flbonnemenrserneueruna, rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Bestellungen auf einbanddecken für den Jahrgang 1010 der „Welt" werden schon jefct entgegengenommen. - Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung ITlk. 2.50, Hb 1. 3anuar 1911 werden wir jede Woche eine Hnzahl von Exemplaren der „Welt" auf feinerem und dauerhafterem Papier drucken lassen. Wir empfehlen unsern geehrten Lesern, insbesondere aber allen Pereinsbibliotheken, Hrchiuen usw. den Bezug dieser besseren Ausgabe' der „Welt". — Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Hbprinenten geliefert werden und kostet für Deutschland und Ösferreich»Ungarn Ulk. 18.— pro 3ahr „ alle Übrigen liänder ........ „ 24.— „ „ Verlag „Die Welt". NACHRICHTEN Furchtbare Ausschreitungen gegen die Juden in Schiras Dem deutschen Bureau der „A. .1. U." sind von dein Leiter der Aliianceschule in Schiras (Persien) Nachrichten über die Plünderung und- Zerstörung des dortigen Judenviertels und grausamste Mißhandlung der Juden seitens der mohammedanischen Bevölkerung zugekommen. Die Vorgänge übersteigen an Schrecken und Barbarei alles, was die, Phantasie, sich vorzustellen vermag. Eine rnehrtaüsendköpfige fanatische Horde überfiel das Juden viertel und machte es zum Schauplatz: unerhörter Greuel und Verwüstungen. Zwölf Juden wurden getötet, fünfzig verwundet, 5—6000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde all ihrer Habe beraubt. Wir werden in der nächsten Nummer eine eingehende Darstellung der entsetzlichen Vorgänge bringen. Sterbefälle Rabbi Jecheskel Rabbinowitz in Nowo-Radomsk, ein gefeierter Chassidimrabbi, der in Russisch-Polen und Galizien eine nach vielen Zehntausenden zählende Anhängerschar hatte, ist im Alter von 42 Jahren verschieden. Zu dem Leichenbegängnis des Rabbi sollen aus Warschau allein ca. 10000 Personen gepilgert sein. Zahlreiche Sonderzüge verkehrten am Tage des Leichenbegängnisses von Warschau und von Lodz nach Nowo-Radomsk. — Der einzige Sohn des Chiefrabbi von England, Rev. Samuel Alfred Adler, "ist vorige Woche im Alter von 35 Jahren in einem Sanatorium zu Southbourne gestorben. Rev. S. Alfred Adler bekleidete das Amt eines Rabbiners in Dublin, Reading, Liverpool und London, mußte'aber vor zwei Jahren, infolge andauernder Krankheit, seine Stelle als Rabbiner von West-London niederlegen. Obgleich sein Vater unserer Bewegung bekanntlich nicht freundlich gegenübersteht, war Rev. S.Alfred Adler ein begeisterter und hervorragend tätiger Zionist. Einige Jahre hindurch war er Mitglied des Exekutivkomitees der English Zionist Federation und trat häufig in zionistischen Versammlungen als Redner auf. Auch hat er mehreren Zionistenkongressen beigewohnt, zuletzt dem Haager Kongreß. - Vor kurzem verschied in Bern unser Gesinnungsgenosse cand. phil. Samuel Berlowitz. Er war ein Idealist im vornehmsten Sinne dieses Wortes und hing mit der ganzen Glut seines Herzens an unserm nationalen Gedanken und dem Ideal der Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Seine in verschiedenen zionistischen Zeitungen erschienenen Aufsätze zeichneten sich gleichermaßen durch hohen Schwung und logische Schärfe der Argumentation aus. — Aus Pethach-Tikwah schreibt man uns: Nach kurzer Krankheit ist unser Rabbiner Aron Orlansky am 20. November im Alter von 56 Jahren gestorben. In seiner 27 jährigen Tätigkeit als Rabbiner unserer Kolonie hat er es verstanden, die Zuneigung der gesamten Bevölkerung zu gewinnen. In der Synagoge wie auch am Grabe hielten mehrere Rabbiner und andere Personen ergreifende Trauerreden. I ör* Hirsch Hildesheimer | Nach Schluß des Blattes erhalten wir aus Berlin die erschütternde Trauerkunde, daß Dr. Hirsch Hildesheimer, eine der bekanntesten und markantesten Persönlichkeiten des deutschen Judentums, Dienstag den 6. d. ML plötzlich einem Gehirnschlag erlegen ist. Hildesheimer war Herausgeber der auf dem Boden des gesetzestretien Judentums stehenden „Jüdischen Presse", und wirkte als Dozent für Geschichte an dem von seinemVater, Rabbi EsrielHildesheimers. A., begründeten orthodoxen Rabbinerseminar in Berlin. Den Traditionen seiner Familie getreu, übte er eine umfassende Wohltätigkeit, und besonders der aus ihrer Heimat vertriebenen russischen Juden nahm er sich auf ihrer Durchreise in Berlin an. Als tätiges Mitglied der „Esra" und anderer Palästinavereine hat er wiederholt in Palästina geweilt und über die dortigen jüdischen Kolonien, um deren Einrichtungen und Verwaltung er sich große Verdienste erworben hat, zahlreiche informierende Schriften veröffentlicht. Wir werden auf das Leben und Wirken Hirsch Hildesheimers noch des nähern zurückkommen. Bücherbesprechung Der Weg der Jugend, von Herrnann Blumenthal. Jüd. Verlag, Köln 1910. Preis brosch. 2 Jt, geb. 3 JL In drei Büchern schildert Hermann Blumenthal den Lebenslauf seines Helden: Kindheitstage, Knabenalter, Jünglingsjahre. Und mit der Treue des Chronisten begleitet er ihn auf seinem dornigen Pfad, durch die Finsternisse seines traurigen Lebens, wo die Lichtblicke nur selten sind, durch Elend und Bitternisse, bis die Schöllen dumpf auf den Sarg des Toten niederfallen. Seine Sehnsucht, sein Hoffen und Entsagen verkörpert er in der Person des armen David Segen reich, der den brutalen Forderungen des Alltags unterliegt David Segenreichs Kindheit glich einem Regentag; aber auch Stunden der Sonne fehlten nicht. Sein träumerischer Sinn und die in sich gekehrte Seele ließen ihn über Qual und Bedrängnis hinweggleiten. Wir folgen David ins Cheder, wo pädagogische Beschränktheit ihn für das Leben tauglich zu machen sucht; wir leben seine kleinen Leiden und Freuden mit und bewundern die ewig hungrige, unersättliche Phantasie des kleinen Ghettöjungen. Sein Vater verliert seine kleine Fabrik durch einen Brand. David soll das Gymnasium besuchen, fährt nach Lemberg zur Aufnahmeprüfung, fällt durch, weil er die Namen derer von Sobieski nicht beherrscht, und tritt notgedrungen in die Bürgerschule ein. Hier beginnt der Kampf mit dem Leben. Das schreiende Elend tritt an David Segenreich heran. Der Qualm des Ghettos, der Kampf um den Kreuzer, die Atmosphäre der alten Hosen, der Staub der verfallenden Mauern ist treffend geschildert. Vor einigen Wochen erschien der dritte und letzte Band „Jünglingsjahre", der in bezug auf Rhythmus der Sprache und Form einen Fortschritt gegenüber den vorangegangenen Teilen aufweist.