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Die Welt · 1910-12-09 · 49 (9.12.1910) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Prankfurt a. M. Das Komitee der Jaffaer hebräischen Mittelschule „Tachkernoni" beschloß in seiner Sitzung vom 11. d. M,, zum Andenken des Herrn Joseph Hackenbroch, der vor einigen Tagen inmitten einer fruchtbaren und zielbewußten Tätigkeit für die Tachkemoni-Schule gestorben ist, eine Joseph W. Hackenbroch-Stiftung zu errichten, deren Erträgnisse im Sinne des Verstorbenen den Zwecken der Schule dienen sollen. Die Familie des Verewigten hat dem Komitee für die Stiftung bereits 4000 Mk* überwiesen. Hamburg. Am 17. November verstarb nach kuizer schwerer Kra-kheit Frau Lea Hirsch geb. Hildesheimer, ein langjähriges tätiges Mitglied der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg- Altona. Ihr starkes jüdisches Empfinden und ihre reiche Erfahrung führten sie zu erfolgreicher Betätigung auf allen Gebieten jüdischen Lebens in Hamburg; insbesondere wirkte sie als Vorstandsmitglied der zionistischen Frauengruppe, zu deren Gründerinnen sie gehörte. Vor der Überführung nach Berlin hielt bei der Trauerfeier im Hause der Verstorbenen der Vorsitzende der Hamburger Ortsgruppe, Rechtsanwalt David, der treuen Gesinnungsgenossin einen warmempfundenen Nachruf. Ihr Andenken wird über die Hamburger Ortsgruppe hinaus stets hochgehalten werden. Leipzig. In der am 4. Dezember 1910 abgehaltenen General- Versammlung wurden in den Vorstand der Ortsgruppe gewählt: Herr Ingenieur P. Härtel, 1. Vorsitzender, Herr M. K a 11 m a n n , 2. Vorsitzender, sowie die Herren J. Kaplan, L. S. Fuchs, H. Birsen, M. Pendler, L. Ikenberg. Memel. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am Samstagabend den 19. Nov. im Victoriasaale der Königl. Universitätsbibliothekar Dr. Heinrich Loewe- Berlin einen Lichtbildervortrag: „Bilder aus der jüdischen Geschichte." In glänzender Rhetorik und an der Hand eines reichhaltigen Bildermaterials behandelte der Redner vor einem sehr zahlreichen Publikum die Geschichte des Volkes Israel von seinen Anfängen als Nomadenvolk bis zu den gegenwärtigen verschiedenartigen Verhältnissen, unter denen die Angehörigen des Jüdischen Stammes auf der ganzen Erde zerstreut leben. Begeisternd kam der Vortragende auch auf den Zionismus zu sprechen, dessen Führer er neben andern bedeutenden jüdischen Geistesheroen im¬ Bilde vorführte. Nach der vorgeschichtlichen Zeit führten Vortrag und Bilder nach dem Lande Ägypten, aus dem das Volk Israel durch eine hehre überwältigende Persönlichkeit wie Moses gerettet wurde. Hierbei nahm der Redner es als feststehend und durch Inschriften erwiesen an, daß das Volk Israel sich auch wirklich in Ägypten aufgehalten habe. Die Zeit der Könige, in welcher Zeit das Volk erst in die Geschichte eintrat, wurde durch weitere Lichtbilderillustriert, welcheRekonstruktionen desgewaltigenSalomonischen Tempels, Abbildungen des jetzt noch erhaltenen gigantischen Überrestes des Tempels, der Befestigungen und genialen Wasserversorgungsanlagen Jerusalems, wie auch den landschaftlichen Charakter Palästinas zeigten. Dann ließ der geistreiche Redner in Wort und Bild im zweiten Teil des Abends die jüdische Geschichte in der Zerstreuung Revue passieren. Er zeigte die schmachvollen Verfolgungen und die imposante Geistestätigkeit der Juden auf allen Gebieten jüdischer und allgemeiner Wissenschaften, weiter dann die neuzeitlichen Ansiedlungen jüdischer Kolonisten in verschiedenen Weltteilen, insbesondere im alten Lande der Väter in Palästina. Gespannt folgte die Zuhörerschaft durch all die verschiedenartigen interessanten Gebiete dem gelehrten Redner, und überaus reicher allseitiger Beifall lohnte ihn. Ratibor. Am Sonnabend den 10. Dezember, abends 3/*9 Uhr, veranstaltet unsere zionistische Ortsgruppe in großem Rahmen als jüdisches Gemeindevergnügen ein „Wohltätigkeitsfest für die Ölbaumspende", bestehend aus einer Festrede, reichhaltigem. Kabarett und Tanz. Wir hoffen, recht viele Gäste aus den naheliegenden österreichischen Gruppen mit ihren Damen zu begrüßen. Österreich Wien. Mittwoch den 14. Dezember wird auf Einladung des Vereins zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" Martin Buber (Berlin) einen Vortrag „Erneuerung ,des Judentums" halten. Der Vortrag findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereins statt und beginnt präzise 8 Uhr abends. Prag. Vom 1. Dezember angefangen, erscheint hier eine vom Lokalkomitee der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei „Poale Zion" herausgegebene tschechische Monatsschrift unter dem Titel „Zidovsky lidovy list". Prag. Die jüdisch-nationale akad.-techn. Verbindung Barissia im V. O. J. V. hat beschlossen, zur Feier ihres 15. Semesters der zionistischen Welt zum 10. Kongreß ein Geschenk in Form einer Neuauflage des seit vielen Jahren vergriffenen Protokolls des 1. Zionistenkongresses zu widmen. Die vorbereitenden Arbeiten wurden bereits in Angriff genommen. Troppau. Durch eine Reihe festlicher Veranstaltungen wurde hier das 10jährige Gründungsfest des zionistischen Vereins „Jeschurun" am 7. und 8. Dezember gefeiert. Das Festprogramm umfaßte folgende Punkte: 7. Dezember, 8 Uhr abends, Festversammlung im Drei Hahnen-Saal, 8. Dezember, 10 Uhr vormittags,Besuch der Bezalel-Ausstellung im Kultusgemeindesaal, 8. Dezember, 1 Uhr mittags, Bankett, Promenade-Restauration, 8. Dezember, 8 Uhr abends, Promenade-Konzert, im Drei Hahnen-Saal. Als Festredner fungierte der Reichsratsabgeordnete Adolf Stand. Anläßlich des Gründungsfestes wird der jüdischen Öffentlichkeit eine äußerst geschmackvoll und künstlerisch ausgestaltete Festschrift übergeben, Welche bereits ihrer Vollendung entgegengeht. Die Beiträge, darunter solche von D. Wolffsohn, Dr. Oppenheimer, Adolf Böhm, Dr. O. Thon, Dr. Egon Zweig, Dr. Werner, Hermann Struck, Dr. Theodor Sonnenschein, Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, usw., haben bleibenden Wert. Am 3. Dezember wurde die \rom D. K. veranstaltete Bezalel- Ausstellung eröffnet. Czernowitz. Jüdisch-nationale akademische Verbindung „Hasmonaea". Die Chargen wähl für das XXXIX. (Winter)-Semester ergab folgendes Resultat: cand. iur. Karl Josef Pächt X, cand. iur. David Lunenfeld XX, stud. iur. Ludwig Kommer XXX. Ungarn Eperjes. Unter starker Beteiligung aller jüdischen Kreise von Eperjes und Umgebung fand am 27. November in den glänzend beleuchteten Redouteräumlichkeiten der erste mit Kränzchen verbundene Theaterabend des im vorigen Jahre ins Leben gerufenen Mädchensvereins „Deborah" statt. Der überaus gelungenen Veranstaltung verlieh die Anwesenheit des Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Nisson Kahan vom Budapester Landeskomitee einen besondern Glanz. Nach erfolgter Begrüßung von seilen der Vereinspräsidentin Frau Jenö Weisz, legte Herr Dr. Kahan in längerer glänzender ungarischer Rede das Wesen, die Bestrebungen und das Ziel des Zionismus dar. Er legte namentlich den anwesenden Damen ans Herz, die ihnen im Zionismus zufallenden Aufgaben mit Hingebung und Aufopferung zu erfüllen. Die begeisterten und formvollendeten Ausführungen riefen einen Sturm der Begeisterung hervor. Hiernach trug Fräulein Ilka Ungar einen in jeder Weise wohlgelungenen Monolog vor. Das Arrangierungskomitee, insbesondere Frau PräsidentinWeisz, Vizepräsidentin Fräulein Elsa Fleischmann, Vereinssekretärin Fräulein Rosenthal und Ausschußmitglied Frau M. Glücksmann aus Sövär, hat sich um das Gelingen der Veranstaltung sehr verdient gemacht. Serbien Belgrad. Die jüngsten Vorstandswahlen des Vereins zionistischer Mittelschüler „Gideon" haben folgendes Resultat ergeben: Präsident M. Mosic, Vizepräsident M. Gyerassi, 1. Sekretär F. Dietrichstein, 2. Sekretär J. Amar, Kassierer S. Amar, Bibliothekar S. Karaoglancbic, Präsident des Kontrollkomitees M. Meborach, Mitglieder des Kontroilkomitees M. de Majo, A. Isak. England Bradford. Nach der hier herrschenden Sitte, daß der Bürgermeister zu Beginn seiner Amtszeit einem feierlichen Gottesdienst in seinem Gotteshause beiwohnt, besuchte der neue Lord Mayor, Herr Stadtrat Jacob Moser, begleitet vom gesamten Stadtrat und vielen Notabilitäten unserer Stadt, am 25. November in offizieller Weise die Synagoge der British and Foreign Jews. Die Synagoge war mit Blumen und Blattpflanzen, die aus dem Gewächshaus der Frau von Halle geschickt worden waren, reich dekoriert. Das Gotteshaus war gedrängt voll. Unser Rabbiner, Herr Dr. Strauß, ebenso wie Herr Moser ein eifriger Anhänger des Zionismus, hielt eine gedankenvolle Predigt. Ein weiterer offizieller Akt des Lord Mayors war sein am 27. November erfolgter Besuch im Gebethaus in Hoxton, das in dem Distrikt liegt, dessen Vertreter der Lord Mayor ist. Dieses Gotteshaus hat weder ein christliches Symbol, noch hatten die Gesänge und die Predigt, die Prediger Rev. Nicholas hielt, irgendetwas, was einem jüdischem Ohr anstößig klingen konnte. Der Lord Mayor war von Herrn Dr. Strauß sowie einer großen Zahl von Stadträten begleitet.

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