Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 49 (9.12.1910)
- Date
- 1910-12-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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In Qemäßheit der Statuten müssen Vollmachten wenigstens einen vollen Tag vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine, somit nicht später als am 27. Dezember 1910, im Berliner Bureau der Gesellschaft, Bleibtreustraße 34/35, Berlin-Charlottenburg, niedergelegt werden. Besitzer von Inhaberaktien, welche an der Versammlung teilnehmen und ihr Stimmrecht ausüben wollen, müssen ihre Inhaberzertifikate nicht später als am 27. Dezember 1910 im Berliner Bureau der Gesellschaft, Bleibtreustraße 34/35, Berlin-Charlottenburg, deponieren,' um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. Im Auftrage des Direktoriums Brook House, Walbrook, H. Neumann, London E. C, den 2. Dezember 1910. Sekretär. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, 3. Dezember 1910. Sehr geehrte Redaktion! Gegenüber einer Äußerung, welche auf der Sitzung des Großen A.-C. in Berlin über das Fehlen der Mitglieder aus Wien gefallen ist, bemerke ich, daß die Gg. Dr. J. Schalit, Abg. Adolf Stand und ich selbst am Erscheinen verhindert waren, da die Sitzung in derselben Woche stattfand, in welcher hier die Kultuswahlkampagne geführt wurde, an der wir intensiv mitarbeiteten. Ich habe wiederholt brieflich dem E. A. C. gegenüber Wien als Kongreßort wärmstens empfohlen und bin überzeugt daß trotz mancher Schwierigkeiten die Abhaltung eines der nächsten Kongresse hier durchgeführt werden wird. Mit bestem Dank und Zionsgruß ergebenst Adolf Böhm. Mit Bezug auf den in Nr. 44 der „Welt" abgedruckten Bericht über die zweite Konferenz poale-zionistischerAk ad emiker in Lemberg bittet uns Herr H. Kandel in Przemysl richtigzustellen, daß er nicht gesagt habe, die poale-zionistischen Akademiker erkennten die jüdische Sprache (den „Jargon") als die einzige Sprache des Volkes an und wollten sich nur in ihr betätigen. Vielmehr habe er in seinem Referat dem Hebräischen als der Sprache unserer Vergangenheit und nationalen Zukunft volle Gerechtigkeit widerfahren lassen und nur ausgeführt, daß alle diejenigen, die eine Annäherung an die breiten jüdischen Volksmassen suchen, zu ihnen in ihrer Sprache reden müssen. Deutschland Berlin. Entsprechend den Beschlüssen des Frankfurter Delegiertentages konstituierte sich am 4. d. M. der Z i o n i s t i s c h e Gruppen verband Groß-Berlin. Ihm gehören sämtliche zionistischen Vereine Berlins, d. h. die Berliner Zionistische Vereinigung, Zionistische Vereinigung Charlottenburg, Verbindung im K. Z. V. Hasmonäa, National-Jüdische Frauenvereinigung, Herzlklub und Misrachigruppe-Berliri an. Laut Beschluß der konstituierenden Versammlung wird der Gruppenverband aus den ersten Vorsitzenden der angeschlossenen Vereine oder deren Stellvertretern gebildet; den Vorsitz führt der Vorsitzende der Berliner Zionistischen Vereinigung. Zur Führung; der Geschäfte wurde ein dreigliedriger Ausschuß, bestehend aus, den Herren Lazartas Barth, Dr. Arnold Hildesheimer und Hans Goslar gewählt. Der Gruppenverband wird seine Tätigkeit in den nächsten Tagen aufnehmen; seine Haupttätigkeit wird in einer groß angelegten zionistischen Propaganda in und um Berlin bestehen. Das Bureau befindet sich bis auf weiteres Berlin N. 37, Metzer Straße 37. Köln. Samstag den 3. d. M. sprach in einer gut besuchten Versammlung der Zionistischen Vereinigung Köln, die im Hotel Berlin stattfand, Herr Dr. M. Rosenblüth über einige Hauptfragen innerhalb der-Zionistischeiv Organisation, die auf der letzten Sitzung des Actions-Comites zur Beratung standen. Die Versammlung folgte den über eine Stunde währenden Ausführungen des Redners, die sich im besondern auf die Organisations-, die Kongreß- und die Finanzfrage bezogen, mit der größten Aufmerksamkeit. In der Diskussion bedauerte Herr Gold reich, daß die Tagung des Actions-Comites nicht zu befriedigenden Ergebnissen geführt hätte, da die Frage der Finanzen nicht endgültig gelöst worden sei. Herr Goldreich trat mit großer Wärme für die vom A.-C. vorgeschlagene Besteuerung der Institutionen ein. Was die Frage des nächsten Kongresses betrifft, so sei es bedauerlich, daß derselbe nicht in Wien tagen wird, wie man allgemein in der Organisation erwartet hatte, da er dort einen weit bessern Resonanzboden gehabt hätte als in der kleinen Stadt Basel. Den von Herrn' Boris Goldberg auf der Sitzung des A.-C. geäußerten Vorschlag, die oberste Leitung der Bewegung aus sieben Personen, und zwar drei Herren aus R u ß 1 a n d, drei aus Deutschland und einem aus Österreich zusammenzusetzen, bezeichnete Herr Goldreich unter dem Beifall der Versammlung als absolut unannehmbar und empfahl, daß alle Ortsgruppen in Deutschland in gleicher Weise zu ihm Stellung nehmen möchten. Im weitern Verlaufe der Diskussion erhob Dr. Bodenheimer lebhaften Einspruch gegen die geplante Besteuerung der Institutionen und betonte, daß das A.-C. die Besteuerung des J. N. F. mit vollem Recht abgelehnt habe, da sonst die Eingänge desselben sinken würden und die Schekelagitation infolge der bequemen neuen Einnahmequelle erschlaffen würde. Auch Dr. Bodenheimer sprach sich gegen eine Leitung von sieben Personen aus und befürwortete den im Statutenentwurf vorgeschlagenen Modus (fünf Personen, wovon drei, darunter der Präsident, an einem Orte wohnen sollen). Lehrer Reinhardt plädierte ebenso wie Herr Goldreich für die Besteuerung der Institutionen. In seinem Schlußworte berichtigte Herr Dr. Rosenblüth einige Angaben der Diskussionsredner und faßte die Ergebnisse des Abends kurz zusammen. Der nächste Vereinsabend findet erst Samstag den 17. d. M. im Hotel Berlin statt, da am 10. d. M. der Jüdische Turnverein seine Makkabäerfeier veranstaltet. Köln. Am 1. Dezember fand hier im Saale des Vereins weiblicher Angestellter eine Veranstaltung statt, die in hiesigen jüdischen Kreisen eine Neuheit darstellt. Das Frauenkomitee der Zionistischen Vereinigung Köln, bestehend aus den Damen Lob und Auerbach, hatte zu dem erstenAbend des„Freien Diskutierklubs jüdischer Frauen und Mädchen" eine Anzahl von Damen aller Kreise geladen, und der Erfolg dieses ersten Abends war ein überaus schöner. Etwa 50 Damen, durchweg den intelligenten jüdischen Kreisen angehörig, hatten der Einladung Folge geleistet. Zunächst gab Frl. Auerbach in kurzen Worten einen Überblick über die Zwecke des Klubs, die einzig und allein darin beständen, die jüdischen Frauen und Mädchen für alle jüdischen Fragen zu interessieren und durch Referate und Diskussion die Möglichkeit zur Ausbildung im öffentlichen Reden zu bieten. Alsdann ergriff die Referentin Frau Dr. Harry Epstein-Duisburg das Wort zu ihrem Thema „Die Jüdin in alter und neuer Zeit". Sie hob die große Aufgabe hervor, die speziell der jüdischen Frau an dem großen Werke der Wiedererweckung des nationalen Geistes in den weitesten Kreisen unseres Volkes zufällt, besonders durch ihren Einfluß auf das Haus und die Jugend. Die ausgezeichneten, glänzend vorgetragenen Ausführungen fanden den vollsten Beifall der anwesenden Damen. An der Diskussion beteiligten sich die Damen Frau Muskatblatt, Frau Dr. Epstein, Frau Dr. Caro, Frl. Cohen, Lehrerin Frl. Kaufmann und Frl. Auerbach. Der sehr anregend verlaufene Abend dürfte dem jungen Klub nicht nur viel Sympathien, sondern auch eine Reihe neuer Hörer gewonnen haben. Der nächste Abend, an dem Frl. Auerbach über „Jüdische Mädchen von heute und morgen" sprechen wird, findet voraussichtlich .Mitte Dezember statt. Anmeldungen, Anfragen usw. sind zu richten an Nanny Auerbach, Köln, Meister-Gerhard-Straße 3. Frankfurt a. M. Joseph Hackenbroch, der vorige Woche in der Blüte seiner Jahre so -jäh dahingerafft wurde, war ein Sohn des hochangesehenen Wilhelm Hackenbroch, eines der führenden Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft, den ein tragisches und heimtückisches Geschick wenige Tage [nach [-'dem [plötzlichen Dahinscheiden seines Lieblingssohnes ebenfalls dahinraffte. Joseph Hackenbroch wurde von frühester Jugend an in Liebe und Begeisterung für das Judentum! erzogen. Idealgesinnt und begeisterungsfähig, widmete er sich mit Eifer und Hingebung den Interessen seiner engern Gemeinde, sodann aber auch dem Wohle unseres gesamten Volkes. Er war einer der führenden und aufopferungsvollsten Mitglieder des „Misrachi", dessen Zentralbureau er bis zu seinem Tode angehörte, und besonders die Tachkemonischule verliert in iljm ihren tätigsten Förderer. Seit wenigen Jahren mit einer gleichgesinnten Frau, der Schwester des Präsidenten des „Misrachi", Dr. J. Feuchtwanger, vermählt, erfreute sich der Verstorbene dank seiner Herzensgüte und bezaubernden Menschenfreundlichkeit allseitiger Beliebtheit und Verehrung. Sein unerwartetes Dahinscheiden rief bei allen tiefe Trauer und aufrichtigen Schmerz hervor. Ehre seinem Andenken!