Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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I Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die türkische Regierung und die Einwanderung nach Palästina Einige türkische Blätter hatten die Nachricht gebracht, die Pforte habe, als sie kürzlich erfuhr, daß jüdische Einwanderer trotz des unlängst erlassenen Verbots sich in Palästina niedergelassen und größere Grundstücke erworben hätten, die Behörden in Palästina angewiesen, strenge darauf zu achten, daß das in Rede stehende Verbot nicht übertreten werde. Zu diesem Zwecke sollten die Beehörden bei jedem Verkauf von Immobilien sich zunächst vergewissern, ob die Käufer keine jüdischen Einwanderer seien. Die Redaktion des „JeuneTurc" hat hierüber Erkundigungen beim türkischen Ministerium des Innern eingeholt und die Auskunft erhalten, daß es sich bei dem fraglichen Verbot nicht um jüdische Einwanderer alleinhandle, sondern um alle Immigranten ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität. Kein Einwanderer hat das Recht, länger als drei Monate in Palästina zu verweilen; in dieser Beziehung sind den palästinensischen Behörden schon vor längerer Zeit unzweideutige Instruktionen zugegangen. Was die Nachricht anbetrifft, jüdische Einwanderer hätten kürzlich größere Grundstücke in Palästina käuflich erworben, so sei dies unzutreffend; eine derartige Meldung sei beim Ministerium nicht eingelaufen, die Regierung habe also gar keine Veranlassung gehabt, den palästinensischen Lokalbehörden irgendwelche Anweisungen in dieser Hinsicht zu erteilen. Zu den Angriffen auf den Hilfsverein Auf den Artikel der „Temps", der in den hiesigen Blättern die Runde gemacht hatte, hat der geschäftsführende Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Herr Dr. Paul Nathan, ein Dementi gesandt, das im „Osmanischen Lloyd" und im „Jeune Türe" erschienen ist. Zum Krawallprozeß von Adrianopel Die sieben jüdischen Angeklagten, die auf Appell des Staatsanwalts neuerdings vor der Barre erscheinen mußten, sind wiederum freigesprochen worden. Aus Saloniki Dieser Tage hat die erste Generalversammlung der kürzlich geschaffenen Jüdischen Volksbank in Saloniki stattgefunden, die den Kleinhandel und das Handwerk stützen und vor Wucherausbeutung bewahren soll. Der Präsident des Saloniker Gemeinderates, Samuel D.Modian o, hat seine Demission gegeben. Neues aus Chedera In unserer Kolonie waren in letzter Zeit Streitigkeiten ausgebrochen, da man sich über die Personen des neu zu wählenden Waad (Gemeinderats) nicht einigen konnte. Auch sachliche; Differenzen bestanden darin, daß ein Teil der Kolonisten die allgemeinen Ausgaben der Kolonie zu hoch fand. Da durch das Fehlen eines von beiden Parteien anerkannten Waad sich große Übelstände ergaben, wandten sich schließlich beide Parteien an das Beth-Mischpat Haschalom (Friedensgericht) in Jaffa mit der Bitte, drei Richter nach Chedera zu entsenden, um den Frieden herzustellen. Dies ist den Richtern auch gelungen, und ein neuer; Waad, der die Zustimmung der gesamten Kolonie gefunden hat, ist bereits gewählt. Auch in den sachlichen Streitigkeiten ist eine vollständige Einigung erzielt worden. Das Ledigenheim für jüdische Arbeiter, das hier aus dem dem Jüdischen Nationalfonds angegliederten Fonds für Arbeiterheimstätten errichtet wird, ist bereits im Bau begriffen. Unsere Kolonie hat zu diesem Zweck 5 Dunam zur Verfügung gestellt, und außerdem haben sich die hiesigen Kolonisten verpflichtet, die Zufuhrarbeit des notwendigen Materials unentgeltlich auszuführen. Palästina Eine Palästinareisestiftung für jüdische Lehrer und Lehrerinnen Zum Andenken an die verewigte Frau Dr. Jehuda Marschak geb. Gottlieb, die vor kurzem in der Blüte ihrer Jahre in Pethach- Tikwah dahingeschieden ist, wurde hier eine Lina Marschak- Gottlieb-Stiftung ins Leben gerufen, die von der Direktion der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft verwaltet wird und den Zweck hat, Lehrern und Lehrerinnen der genannten Realschule, an der die Verstorbene jahrelang wirkte, Stipendien für Studienreisen nach Palästina zu gewähren. Die Stiftung eines derartigen Stipendiums an der bekannten, von Rabbiner S. R. Hirsch s. A. begründeten gesetzestreuen Musteranstalt ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, das von dem Erstarken des lebendigen Interesses für Palästina in den Kreisen der deutschen Orthodoxie beredtes Zeugnis ablegt. Die Reise Baron Edmond Rothschilds nach Palästina Baron Edmond Rothschild ist im Begriffe nach Palästina abzureisen, um mit Erlaubnis der ottomanischen Regierung Ausgrabungen an der vermutlichen Stätte der jüdischen Königsgräber zu veranlassen. Sein Vertreter, ein berühmter französischer Archäologe, ist bereits in Jerusalem angekommen. Es ist wahrscheinlich, daß der Baron, dem die jüdischen Kolonien Palästinas so viel zu verdanken haben, die Gelegenheit seines Besuches in Palästina benutzen wird, um die Kolonien zu besichtigen und die Möglichkeiten einer Ausdehnung des Koionisationswerkes in Palästina und andern Teilen der asiatischen Türkei zu studieren. Sterbefall In Frankfurt a. M. ist am 28. d. M. unser Gesinnungsgenosse Herr Joseph Hackenbroch, Mitglied des Zentralkomitees der Föderation „Misrachi", an den Folgen einer Lungenentzündung plötzlich gestorben. Ehre seinem Andenken! Raummangels halber mußten mehrere Briefe und Berichte zurückbleiben und werden nachgetragen werden Die Sana-Gesellschaft m. b. H. in Cleve stellt als erste Fabrik seit vielen Jahren eine koschere Pflanzen-Margarine unter Verwendung von süßer Mandelmilch her, die unter dem Namen „Tonior" in den Handel gelangt. Da die Verbutterung von Pflanzenfett und Pflanzenspeiseöl mit Mandelmilch auf Grund des D. R. P. 100922 das ausschließliche Recht der Sana-Gesellschaft ist, so ist keine andere Fabrik in der Lage, einen koscheren pflanzlichen Butterersatz herzustellen, welcher die gleichen, durch den Zusatz von Mandelmilch begründeten Vorzüge aufweist. Hieraus folgert ohne weiteres, daß „Tomor" unter den im Handel befindlichen koscheren Pflanzen-Margarine-Produkten eine wohlbegründete Sonderstellung einnimmt. „Tomor" wird unter ständiger Aufsichteines von Sr. Ehrw. Rabb. Dr. B. Wolf, Köln angestellten und inspizierten, streng religiösen Aufsichtsbeamten hergestellt, hat außerdem den Vorzug, fleischig und milchig verwendbar zu sein. Junger Kaufmann, 25 Jahre, sucht gleichaltrigen Reisegefährten für im Februar/März a. f. zu unternehmende Palästinareise. Korrespondenz unter D. P. 1910 an die Exp. d. Bl. erb. Statt jeder besondern Anzeige. Heute nachmittagSVs Uhr ist unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager, Onkel und Bruder, Herr Jacob Dalberg;, Rentner, im 83. Lebensjahre sanft verschieden. Kassel, Köln, den 24. Nov. 1910. Namens der trauernden Hinterbliebenen: ' Rosa Bodenheimer, ) „, Selma Bloch, j geb. Dalberg, Ref. Jul. Dalberg, Dr. M. I. Bodenheimer, Dr. med. Wilh. Bloch und sämtliche Enkel.