Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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No. 48 DIEE^ELT 1281 unterstützen. Betreffs des Arbeitsplanes >der von der hebräischen Organisation ins Leben gerufenen Verlagsgesellschaft „H a t e c h i j a h" faßte die Konferenz keine bestimmten Beschlüsse, da die Gründer des Verlags zuerst das in Aussicht genommene Gründungskapital im Betrage von einer halben Million Mark durch Subskription aufbringen möchten, ehe sie an die Festsetzung eines genau umschriebenen Arbeitsprogramms herantreten. Es wurde jedoch für den Verlag „Hatechijah" unter den Konferenzteilnehmern und Gästen , eine rege Propaganda entfaltet, die dem Unternehmen namhafte Zeichnungen brachte. So hat der bekannte Millionär Leo Bro dsk i für 20000 Mk., Baron David Qünzburg für 10 000 Mk. und der Kiewer Großindustrielle Heilperin für den gleichen Betrag Anteilscheine des Verlags gezeichnet. Im Dezember soll eine ausgedehnte Agitation für den Verlag in Petersburg und Warschau eingeleitet werden, wo man ungefähr für 100 000 Mk. Aktien abzusetzen hofft. * * * Im Anschluß an die Konferenz fand eine große Volksversammlung in Kiew statt, die von dem Verein „Chowewe Sephat Ebner" zu Ehren der Delegierten veranstaltet wurde. Der riesige Saal war überfüllt, und unter der großen Volksmenge herrschte eine außerordentlich gehobene Stimmung, die in den stürmischen Kundgebungen beim Erscheinen Bialiks und Sokolows auf der Tribüne ihren gewaltigsten Ausdruck fand. Ch. N. Bialik hielt einen anderthalbstündigen wissenschaftlichen Vortrag in hebräischer Sprache über die Geschichte und den Entwicklungsgang der. hebräischen Sprache und Literatur. Er ging von der Bibel aus, verbreitete sich über die biblische Epik, besprach die lyrischen Dichtungen der Propheten und des Psalters, die Philosophie der Bücher Hiob und Koheleth und ging dann zum Talmud, zur Mischnah, Agada, den halachischen Midraschini und der hebrä'schen Poesie des Mittelalters über. Er behandelte die Sprache, den Geist und den allgemeinen Charakter und Kuiturwert aller dieser Schriften. Er gelangte zu dem Schlüsse, daß es durchaus ungerechtfertigt sei, wenn einzelne unter uns über die Armut unserer Literatur klagen, sich von dem Urquell unseres alten Schrifttums entfernen, neue Wege suchen und fremden Einflüssen zustreben. Unsere alte, äußerst vielseitige Literatur könne uns noch sehr viel geben, wir müssen sie nur bearbeiten, weiter ausbilden und eifrig pflegen. Nach Bialik, dessen Ausführungen wahre Beifallsstürme entfesselten, sprach Sokolow über die alte und neue Haskala. Er wies auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen diesen beiden Geistesströmungen hin, den er als den Unterschied zwischen öffentlicher Tätigkeit und der Arbeit einzelner Leute definierte. Die Organisation für hebräische Sprache und Kultur sei die Vollendung der alten Haskala. Diese sei individualistisch gewesen, 'die, neue hebrä;sche Renaissancebewegung aber sozial und national. Dies schließt die Entwicklung bedeutender Individualitäten nicht aus; im Gegenteil, auf dem breiten Boden der volkstümlichen Bewegung können erst wahrhaft hervorragende Persönlichkeiten erstehen. Im weitern Verlauf seiner Rede hob Sokolow die hohe Bedeutung des vorhergehenden Referats von Bialik hervor. Bisher — sagte Sokolow — war uns Bialik nur als Dichter bekannt, nun haben wir ihn auch als hervorragenden Gelehrten und Literaturhistoriker kennen gelernt. Wenn die moderne hebräische Renaissancebewegung uns nichts anderes gegeben hätte als die phänomenale Erscheinung eines Bialik, der noch lange nicht auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung angelangt sei, so wäre auch dies schon genug. Zum Schlüsse seiner Rede gab Sokolow den Empfindungen Ausdruck, die diese große begeisterte hebräische Massenversammlung in einem Orte wie Kiew, wo die Juden in mittelalterlicher Weise drangsaliert und mit Füßen getreten werden, in ihm wachgerufen hätten. Unbeschreiblich ist der überwältigende Eindruck, den die glänzende oratorische Leistung Sokolows auf die große Versammlung übte. Nach Schluß seiner Rede brach ein brausender Beifallssturm los. Hunderte von Personen drängten zur Tribüne, umringten Sokolow, küßten ihm die Hand und bereiteten ihm endlose Ovationen. Die Versammlung wurde um Mitternacht unter den Klängen der Hatikwah geschlossen. Zum Chanuka-Feste sollte kein Verein, der eine Makkabäerfeier veranstaltet, unterlassen, die Sammelschrift „Palästina44 zum Verkauf aufzulegen. Da der Preis der Nummer bei Bezug einer größern Anzahl von Exemplaren entsprechend ermäßigt wird, so bietet sich Gelegenheit, durch Verkauf der Sammelschrift einen Teil der Kosten der Veranstaltung zu decken. Wir sind gerne bereit, den zionistischen Vereinen, die die Veranstaltung von Makkabäerfeiern planen, die Sammelschrift in Kommission gegen spätere Verrechnung zu überlassen. Der Preis der Sammelschrift „Palästina" beträgt für Deutschland und Österreich-Ungarn 85 Pfennig 1 Kr., für alle übrigen Länder 1 Mark. Exemplare auf Kunstdruckpapier 2 Mark. Wir berechnen den zionistischen Vereinen, Vertrauensmännern und Kolporteuren in Deutschland in allen übrigen in Deutschland in allen übrigen u. Österreich-Ungarn Ländern * u. Österreich-Ungarn Ländern 10 Exemplare mit J6 8.— Jt 9.— 50 Exemplare mit Jl 35.— J6 40.— 25 „ „ „ 18.75 „ 21.25 100 „ „ „ 65.— „ 75.— Unsere Freunde, die gewillt sind, sich an dieser im Interesse der Palästina-Arbeit unternommenen Aktion zu beteiligen, bitten wir, sich unverzüglich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir haben einen sehr wirksamen PROSPEKT \ herstellen lassen, den wir den ziön. Vereinen und Vertrauensmännern in beliebiger Anzahl kostenlos zur Verfügung steUen- Verlag „DIE WELT*.