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Die Welt · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Der Zwist in der Alliance Israelite Universelle Die Berliner „Jüdische Rundschau" hatte im Leitartikel ihrer Nummer vom 11. November den zurzeit bestehenden Zwist zwischen der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. J. U. und der Pariser Zentrale behandelt, wobei unser Bruderblatt die Bestrebungen zur völligen Loslösung der deutschen Allianceabteilung von der Gesamtorganisation der Alliance verurteilte und im Zusammenhange damit dem derzeitigen ehrenamtlichen Geschäftsführer der D.K.G., Herrn Dr. Apfel, vorwarf, das unredigierte Originalprotokoll einer streng vertraulichen Kommissionssitzung der Alliance dem Berliner Vertreter des Hamburger „Israelitischen Familienblattesu übergeben und so „als Beamter der Alliance einen Kampf gegen die Alliance geführt zu haben". Herr Dr. Apfel verschickte daraufhin an mehrere jüdische Blätter eine 7 Spalten lange Erwiderung, in der die „Jüdische Rundschau" heftig angegriffen und illoyaler, persönlicher Kampfesweise beschuldigt wurde. Die „Jüdische Rundschau" ersucht uns nun in dieser Sache um Abdruck folgender Erklärung: Herr Dr. Apfel veröffentlicht in den letzt wöchigen Nummern mehrerer jüdischer Blätter einen sieben Spalten langen Angriff gegen die „Jüdische Rundschau", mit dem wir uns nicht etwa wegen der uns gleichgültigen Persönlichkeit des Herrn Dr. Apfel, sondern wegen der gegen uns erhobenen Beschuldigungen beschäftigen müssen. Herr Dr. Apfel hat es mit seiner von ihm selbst gerühmten Loyalität für vereinbar gehalten, sein Schreiben der „Jüdischen Rundschau" nicht zuzustellen, offenbar um zu verhindern, daß wir sofort antworteten, und daß unsere Antwort zur gleichen Zeit an die für Herrn Dr. Apfel maßgebenden Stellen gelangen konnte. Wir sind daher der Mühe überhoben, die langatmige Darstellung wiederzugeben und im einzelnen zu widerlegen. 'Zur Kernfrage der Angelegenheit, die Herr Dr. Apfel trotz der Länge seiner Erwiderung ständig umgeht, haben wir folgendes zu erklären: 1. Herr Dr. Apfel behauptet, wir hätten ihn als Verfasser der in der „Nationalzeitung" erschienenen Angriffe gegen die Pariser Zentrale der A. J. U. bezeichnet. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß wir Herrn Dr. Apfel der Verfasserschaft des Artikels in der „Nationalzeitung" nie beschuldigt haben. Denn wir wissen, wer der Verfasser dieses Artikels ist. 2. Herr Dr. Apfel versucht aber, auch die intellektuelle Urheberschaft des Artikels über die Sitzung der Siebenerkommission der A. J. U., der in Nr. 43 des „Hainburger Israelitischen Familienblattes" erschienen ist, abzuleugnen. Die dahin zielenden Behauptungen sind unwahr. Wir behaupten vielmehr nach wie vor, daß Herr Dr. Apfel das Protokoll jener Sitzung der Siebenerkommission durchaus widerrechtlich und in voller Erkenntnis der Tragweite seiner Handlung einem Berliner Journalisten übergeben hat, der daraus einen Leitartikel für das „Hamburger Israelitische Familienblatt" machen sollte. Und zwar handelt es sich um das unredigierte Originalprotokoll der betreffenden Sitzung und nicht um eines der vervielfältigten redigierten Exemplare, die an die Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft versandt wurden, wie Dr. Apfel jetzt nebenbei glauben machen möchte. Wir fordern Herrn Dr. Apfel öffentlich auf, uns wegen dieses Vorwurfs zu verklagen, und können es nunmehr unsern Lesern überlassen, die Persönlichkeit und die Wahrheitsliebe des Herrn Dr. Apfel, mit dem wir uns nicht weiter zu beschäftigen wünschen, zu beurteilen. Redaktion der „Jüdischen Rjundschau". Die Gemeindewahlen in Berlin Berlin, den 29. November 1910. Schneller als in frühern Jahren ist es den Zählern gelungen, das Resultat der Wahlen der Jüdischen Gemeinde festzustellen. Triumphierend melden die Mosseschen Blätter, daß es den Liberal-Reforrnern gelungen sei, „siegreich aus dem Kampfe hervorzugehen". Abgesehen von Moritz Manheimer, der auf allen Listen an, erster Stelle stand und 9000 Stimmen erhalten habe, „bewegte sich die für die Liberalen abgegebene Stimmenzahl zwischen 5200 und 6000, während auf die andern Kandidaten nur etwa 3300 Stimmen entfielen." So das „Berliner Tageblatt" des Hauptinteressierten Herrn Rudolf Mosse, nebst seinen Ablegern. Daß die Liberalen dank der merkwürdigen, sonst keineswegs als liberal geltenden Mittel, vor allem der Liberalität der Geldmittel, den Sieg davon tragen würden, darüber war von vornherein bei allen, die in den Wahlkampf traten, kein Zweifel. Die Reformliberalen verdanken ihren angeblichen Sieg vor allem außer den angewendeten Geld- und wirtschaftlichen Mitteln der von ihnen bewußt herbeigeführten Verwechslung ihres Sonntagsliberalismus mit dem politischen Liberalismus des deutschen Bürgertums, eine Namensidentität, die im umgekehrten Verhältnis zu den Tatsachen steht. Dann aber sehen die Zahlen denn doch noch etwas anders aus, als die vom „Berliner Tageblatt" gegebenen. Gemeinsamer Kandidat: Moritz Manheimer 9092. Liberale: Louis Sachs 6030,Ernil Pincus 5981, . . . 5978, Direktor Georg Minden 5903,... 5615,. .5521, WiliibaldLoewenthal5520, 5483,... 5481,... 5481, Prof. S. Kalischer 5471, Stadtrat Dr. Max Weigert 5463, Rentier Emil Cohn 5420, Dr. Hermann Rosenberg 5345,... 5297. Die gewählten Liberalen, deren Namen in dieser Liste nicht ausgefüllt werden konnten, sind die folgenden: Kaufmann Benas Levy, Moritz Rosenow, Justizrat Dr. Hermann Veit- Simon, Maurermeister S. Weile, Kaufmann Oskar Tietz, Siegfried Sachs, Hugo Blankenburg, Oberlehrer Prof. Blaschke und Oberlehrer Prof. Dr. Moritz Türk. Diese beiden letztgenannten waren es, die der Gemeinde den Zionismus des Rabbiners Dr. Emil Cohn derartig in empfehlende Erinnerung brachten, daß die Gemeindeverwaltung zu seiner durch nichts gerechtfertigten Entlassung schritt. Jüdische Wahlvereinigung (Zionisten und Konservative): Rentier Hermann Aron 3695, Dozent Dr. Eduard Baneth 3221, Handelsrichter Hugo Heilmann 3823, Bankier Gideon Hey mann 3695, Spezialarzt Dr. Eugen Israel 3684, Kaufmann Salli Kirsch st ein 3735, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee 3667, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Leopold Landau 3850, Rechtsanwalt Dr. Eduard Leszynsky 3164, Prof. Dr. Carl Lewin 3250, Chemiker Dr. Max Lewinski 3667, Magistratsrat Dr. Adolf Neu mann 3790, Stadtverordneter Max Salinger 3764, Kaufmann Bernhard Salz 3704, Stadtverordneter Rechtsanwalt Jacob Schachtel 3633, Bankier Siegbert Seckelsohn 3212, Buchdrucker Max Silberberg 3636. Während also die Notiz in den Mosseschen Blättern den Eindruck hervorrufen soll, daß die Liberalen doppelt soviel Stimmen auf sich vereinigt haben, als die Jüdische Wahlvereinigung, hat in Wirklichkeit selbst der Liberale, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt hat, noch immer nicht die doppelte Zahl der Stimmen erreicht, die sogar der schwächste der zionistischen Kandidaten bekommen hat. Am meisten aber muß es beachtet werden, daß Dr. Klee, der am allerschärfsten in seiner Eigenschaft „als Führer der Zionisten" von den Liberalen bekämpft wurde, eben als solcher die stattliche Zahl von 3667 Stimmen auf sich vereinigt hat, eine Zahl, deren Wert man erst zu würdigen weiß, wenn man in Erwägung zieht, daß selbst bei der „Sonntagsgottesdienstwahl" vom Jahre 1901 die zionistischen Kandidaten kaum 300 Stimmen bekommen haben. Der Zionismus ist auf dem Marsche, und niemand, der Klee die Stimme gegeben hat, konnte im Zweifel sein, daß er damit als Zionist stimmte. Hatten doch die Reformliberalen durch große Anzeigen in den führenden liberalen Tageszeitungen, durch entsprechende redaktionelle Notizen und endlich durch Sandwichplakate deutlich darauf hingewiesen, daß Klee als Zionist nicht gewählt werden dürfte, und daß auch ein großer Teil der andern Kandidaten der Wahlvereinigung und alle hervortretenden Redner Zionisten wären. Schließlich hatten sie überall an passenden und unpassenden Stellen den folgenden Klebezettel anbringen lassen: Heute Repräsentanten=Wahlen Keinen Stimmzettel verwenden, auf dem der Name des Zionistenführers Dr. Klee sich befindet. Es ist also kein Zweifel, daß es sich bei diesen Wahlen um einen grandiosen zionistischen Erfolg handelt, der diesmal als Stimmungserfolg gerechnet sein will, nä'chstesmal aber als Stimmerfolg in die Erscheinung treten wird. Bei den Wahlen 1913 werden die Berliner Zionisten ihren Agitationseifolg auch als Wahl- und Stimmsieg feiern können. Ham-mabbit. Rumänien Wir erhalten folgende Zuschrift: „Ich habe mich an autoritativster Stelle über den von Ihnen gemeldeten Fall einer versuchten Proselytenniacherei an einem jüdischen Mädchen in Bukarest informiert und höre, daß er nicht die deutsch-evangelische Gemeinde betrifft, deren Schulen etwa zur Hälfte von jüdischen Kindern besucht werden und diesen auch jüdischen Religionsunterricht erteilen, sondern die englische Judenmission, welche ein Institut unter dem Namen „Anglo-German College" unterhält. Mit Zionsgruß! Dr. H. G. Heymarin, Berlin.

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