Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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2. Antrag Friedemann: Das Actions-Comite ersucht den Aufsichtsrat der Bank, Bestimmungen zu treffen, wonach die vierjährigen Rückstände in Dividenden der Bank für verfallen verklärt werden. 3. Antrag Katzenelsohn: Unter Beibehaltung des Schekels als obligatorischer Leistung zur Erlangung des Kongreßwahlrechts wird ein Zentralfonds zur Befriedigung der Bedürfnisse der Organisation gebildet. Zur Ausarbeitung der Details wird eine fünfgliedrige Kommission in Berlin gebildet, welche die im A. C. gemachten Anregungen in Erwägung ziehen soll. In die Finanzkommission werden gewählt die Herren: 1. Dr. Adolf Friedemann, 2. Bertrand Hamburg, 3. Dr. Arthur Hantke, 4. Dr. Hans Gideon Heymann, 5. Dr. Walter Münk. Dieser Kornmission werden ferner folgende Anträge zur Prüfung tiberwiesen: 1. der Antrag des Engern Actions-Comites (s. o.); 2. der Antrag Rosoff (s. o.); 3. der Antrag Heymann, der wie folgt lautet: Ich beantrage: 1. die Erhöhung des Schekels auf Mk. 2; 2. die Einführung erhöhter fester Jahresbeiträge seitens der wohlhabendem Gesinnungsgenossen; 3. die Liquidierung der per 1. Juli 1911 aufgelaufenen Schuld des E. A. C. beim J. C. T. aus den Dividendenrückständen des J. C. T. Alle übrigen Anträge wurden abgelehnt. Als nächster Gegenstand gelangt nun der Punkt Ehrengericht zur Verhandlung. Die von der Jahreskonferenz eingesetzte Kommission hat den Entwurf einer Ehrengerichtsverfassung nebst Personalvorschiägen dem A. C. unterbreitet, und das A. C. hat zu Anfang seiner Tagung eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Bodenheimer, Dr. Friedemann und Dr. Spitzer, zur Prüfung des vorgelegten Entwurfs eingesetzt. Dr. Friede mann berichtet nunmehr über die Verhandlungen dieser Kommission. Präsident Wolffsohn: Aus dem Bericht des Herrn Dr. Friedemann entnehmen wir, daß die Kommission nicht zu einem definitiven Resultat gekommen ist, und da Herr Dr. Bodenheimer leider gezwungen war, heute abzureisen, sind eigentlich wir nicht in der Lage, über diesen Punkt Beschlüsse zu fassen. Dr. Hantke: * Ich beantrage, die Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung des A. C. zu vertagen. (Angenommen.) In der Angelegenheit Dr. Katzenelsohn—Markus Kahan bestätigt das Actions-Comite das vom E. A. C. eingesetzte Ehrengericht .und empfiehlt demselben, die Vernehmung des Herrn Kahan durch das beim Palästinaamte bestehende Schiedsgericht vornehmen zu lassen. Herr Wolffsohn teilt den Inhalt eines Schreibens des Herrn York-Steiner an das Actions-Comite mit, in dem er erklärt, daß er sich dem vom A.-C. einzusetzenden Ehrengericht in seinem Konflikte mit einigen Herren in Wien aus bestimmten, in dem Schreiben angegebenen Gründen nicht unterwerfen werde. Trietsch: Ich beantrage, eine Kommission in Berlin einzusetzen, die sich mit den Vorbereitungen zur Palästina^Ausstellung beschäftigt und einen Garantiefonds schafft. In diese Kommission sollen Dr. Hantke, Dr. Heymann und ich entsandt werden. Die Sache ist dringend, und ich fürchte, daß im Drange der Geschäfte die Ausstellung vernachlässigt wird. Dr. Pinkus: Ich schlage vor, auch Mitglieder aus der Schweiz in die Kommission zu wählen. Präsident Wolffsohn: Wir müssen zuerst im E. A. C. darüber beraten; Sie können ruhig sein, wir werden die Sache nicht vernachlässigen. Dr. Tschlenow schlägt vor, die nächste Sitzung des A.-C. erst nach den Pessach-Feiertagen abzuhalten. Präsident Wolffsohn: Das wäre erst im Mai. Ich beantrage, entsprechend dem Beschluß der Jahreskonferenz, daß die nächste Sitzung im März stattfindet. (Angenommen.) Die Tagesordnung ist nunmehr erschöpft. Ich schreite zum Schlüsse unserer Beratungen. Podlischewsky: Ich möchte im Namen der Versammlung unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß es uns vergönnt war, den Präsidenten Herrn Wolffsohn wieder gesund in unserer Mitte zu haben. Gleichzeitig danke ich ihm im Namen aller, daß er zur Sitzung nach Berlin gekommen ist, und gebe der Hoffnung Ausdruck, daß er auch weiterhin bei voller Gesundheit uns erhalten bleibe. (Beifall und Händeklatschen.) Präskent Wolffsohn: Ich danke Herrn Podlischewsky iui seine freundlichen Worte und danke auch Ihnen allen, meine Herren, daß Sie zur Sitzung gekommen sind. Ich hoffe, daß wir uns in vier Monaten bei der nächsten Sitzung des Großen Actions-Comite? in voller Gesundheit wiedersehen werden. Mögen alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen! Ich schließe die Sitzung. (Schluß der Sitzung 10 Uhr.) Präsident David Wolffsohn über die Lage im Zionismus Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt" hatte in seiner Nr. 45 ein Interview seines Berliner Korrespondenten mit Herrn Wolffsohn über die Lage im Zionismus veröffentlicht. Herr Wolffsohn sah sich durch diese Veröffentlichung veranlaßt, an die Redaktion des genannten Blattes folgende Zuschrift zu richten: Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 45 Ihrer geschätzten Zeitung veröffentlichen Sie ein Interview mit mir über die gegenwärtige Lage im Zionismus. Da es meines Erachtens im Interesse der Bewegung gelegen ist, daß die Einigkeit in unsern Reihen nicht durch unrichtige Meldungen gestört wird, sehe ich mich genötigt, zu dem veröffentlichen Interview einige Bemerkungen zu machen. Der erste Teil mag im wesentlichen meine Äußerungen richtig wiedergeben. Betreffs meiner Erwiderung auf die Frage der Verlegung des Zionistischen Zentralbureaus nach Berlin sind allerdings einige Irrtümer unterlaufen. So habe ich nicht gesagt, daß dieselben, welche früher die Verlegung nach Berlin verlangt haben, nunmehr gegen Berlin sind, sondern daß jetzt, nachdem ich für die Verlegung nach Berlin eintrete, sich manche Stimmen dagegen erheben. Unrichtig ist, daß ich gesagt hätte, daß gerade die Herren, die um die Verlegung der letzten A.-C.-Sitzung von Cöln nach Berlin gebeten haben, auch nach Berlin nicht gekommen sind; ich sprach vielmehr davon, daß man auch früher schon immer verlangt hätte, die Sitzungen des A.-C. sollten in Berlin stattfinden, und daß viele der Herren, die immer am lebhaftesten darauf bestanden hatten, auch diesmal nicht zur Sitzung gekommen sind. Vollständig aus der Luft gegriffen ist aber der folgende, von Ihnen veröffentliche Satz: „Ich werde jetzt vorschlagen, die Leitung nach Berlin zu verlegen. Obgleich ich die Befürchtung hege, daß unsere Sache darunter leiden würde, da ich in Berlin nicht die hinreichenden autoritativen Persönlichkeiten sehe, die sich der großen und verantwortungsvollen Aufgabe widmen könnten." Hier werden mir Ansichten unterschoben, die zu den meinen in direktem Widerspruch stehen. Ich bin im Gegenteil davon überzeugt, daß in Berlin die geeigneten Männer vorhanden sind. Dieser meiner Meinung habe ich auch auf dem Frankfurter Delegiertentag klar und deutlich Ausdruck gegeben. Indem ich Ihnen für die Veröffentlichung dieser Zeilen im voraus bestens danke, bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener gez.: David Wolffsohn.