Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Man muß einen andern Modus zu finden suchen. Die Bewegung leistet zweifellos der Bank gewisse Dienste, z. B. jetzt, beim Umtausch der Divideiidentalons. Wie wäre es nun, wenn man von der Bank für die Bewegung hierfür eine gewisse Entschädigimg in Anspruch nimmt. Die jetzige Dividende der Bank* ist leider sehr gering, und selbst wenn wir die Bank besteuern, so ergibt dies höchstens 12 000 Mk. im Jahre. Eine Belastung des N. F. mit 10'Vo halte ich für sehr schädlich. Vergessen Sie nicht, daß der N. F. schon heute zugunsten der Bewegung gewisse größere Ausgaben hat, z. B. für die Erhaltung des Palästinaamtes. Wenn also eine Besteuerung durchgeführt werden sollte, so müßte dies auf Kosten seiner sonstigen Ausgaben geschehen. Wenn wir den Nationalfonds besteuern, so müssen es doch nicht gleich 10% sein; man kann es mit 3 bis 5°,o versuchen. Bei der Bank ist es etwas anderes, denn sie ist eine geschäftliehe Institution. Insgesamt würde man dadurch etwa 25 U00 Mk. hereinbekommen. Gegen eine Verwendung der Dividenden für Zwecke der Bewegung muß ich mich ■aussprechen, ebenso gegen eine Verwendung der Zinsen des N. F. Wenn wir die Zinsen verwenden, so wäre der Eindruck in der Öffentlichkeit noch viel schlimmer. Ich betone nochmals, daß l>ei der ganzen Besteuerung im Verhältnis zu unserm großen Budget sehr wenig herauskommt. Was nun den Schekel anbetrifft, so müssen wir versuchen, die Anschauungen darüber in den Massen zu ändern. Wir haben wohl starke Sympathien in der jüdischen Masse erweckt, aber diese manifestieren sich nicht in der Einrichtung des Schekels. Darum scheint mir, daß wir jetzt ohne Gefahr den Schekel erhöhen können. Die Hauptfrage ist nur, ob man diesen erhöhten Schekel hereinbekommt. Der Antrag Trietseh in bezug auf die lebenslängliche Schekelablösung würde für Wohltätigkeitsinstitutionen passen, ab^r nicht für uns. Durch einen Zentralfonds, wie ihn Dr. Katzenelsohn vorgeschlagen hat, wäre es wohl möglich, Mittel aufzubringen; ich glaube aber, daß wir hier darüber keinen Beschluß fassen können, sowie wir auch kein Recht haben, hier eine Besteuerung der Institutionen zu beschließen. Was wir momentan zur Deckung des Defizits tun sollen, weiß ich nicht, jedenfalls müssen wir die Sache vor den Kongreß bringen, und der Kongreß wird uns die Mittel geben müssen. Professor Warburg: Ich möchte kurz resümieren, die erste Frage ist in den verschiedenen Anträgen ob der Schekel erhöht werden solle; ob auf das Zwei- oder Dreifache, ist eine andere Frage. Prinzipiell ist die Erhöhung als möglich erklärt worden. Die zweite Frage ist, wie er eingezogen werden soll. Daß dies alle zwei Jahre gescnieht, halte ich für verkehrt. Wohl aber ist möglich, daß der Schekel von denjenigen für beide Jahre erhoben wird, die ihr Wahlrecht sonst verlieren würden. Was nun die Beiträge, Selbstbesteuerung oder Zentralfonds betrifft, so sind diese im wesentlichen« dasselbe. Das letztere ist insofern praktischer, als bei dem Zentralfonds die Subventionierung möglich ist. Aber da läge die Schwierigkeit darin, daß dem E. A. C. eine Machtvollkommenheit eingeräumt würde, welche das Budgetrecht des Kongresses einschränkt. Die Behebung der Zinsen wird allgemein als gefährlich bezeichnet, denn die Zinsen werden steigen, und es wäre ein falscher We*, diese dauernd der Leitung zuzuführen. Etwas anderes ist es, sie zu einer einmaligen Deckung des Defizits in Anspruch zu nehmen. Bezüglich der Besteuerung der Institutionen bin auch ich der Ansicht, daß eine solche möglich ist; ob in der Höhe von 3, 4, oder 5 °/o ist eine andere Frage. Ich glaube nicht, daß die Spender dadurch abgeschreckt werden. Wir geben sehr oft, ohne uns darum zu kümmern, ob einige Prozent mehr oder weniger für Ausgaben der Organisation verwendet werden. Bei der Institution der Chaluka wissen wir nicht, ob nicht 75% für die Organisation daraufgehen. Bezüglich der Bank glaube ich, daß wir wohl das Recht haben, eine Besteuerung einzuführen. Dieser Ansicht ist auch Herr Kann, und wir haben darum folgenden Antrag eingebracht: Das Actions- Comit6 beschließt, daß die Governors beim Jewish Colonial Trust den Antrag stellen sollen, daß die Statuten dahin geändert werden sollen, daß der Aufsichtsrat und das Direktorium 10°/o des Reingewinnes nach Abzug der Reserven für die Zwecke der Bewegung erhalten. Die Idee des Herrn Gronemann ist grandios, hat aber wohl kaum Aussicht, je durchgeführt zu werden. Wir müssen als E. A. C. auf unserm Standpunkt beharren, daß der Antrag auf Besteuerung unserer Haupt-Institutionen allein Ordnung schaffen kann. Ich stimme mit Herrn Podlischewski darin überein, daß die Besteuerung erzieherisch großartig wirken wird. Wenn wir den Leuten sagen: Wir müssen die Instrumente, die uns.am liebsten sind, in Anspruch nehmen; wenn ihr den Schekel nicht leistet, dann wird das Resultat sein, daß wir es nötig haben werden, unsere Institutionen in Anspruch zu nehmen. > Rosoff: Ich möchte vor allem, daß das Budget gesichert werde, und stelle darum folgenden Antrag: Das Budget muß durch folgende Mittel gesichert werden: 1. Spezielle Steuer für Organisationszwecke (die Höhe wird vom Kongreß bestimmt). 2. Schekeleinnahme. 3. Zinsen vom Nationalfonds. 4. sollen 200 wohlhabende Zionisten für Beträge von nicht weniger als JC 1000, welche in Banken für ein Jahr voraus deponiert werden, Garantie leisten. Falls die Einnahmen nicht ausreichen, soll das Defizit unter diesen Garantoren verteilt werden. Falls kein Defizit vorhanden ist, so werden die Depots den Garantoren zurückgezahlt. Daraufhin soll unsere Bank dem E. A. C. Vorschüsse laut Budget gewähren. Dr. Katzenelsohn: Dr. Tschlenow hat mit Recht gesagt, daß die Bewegung der Bank große Dienste geleistet habe. Das kann ich aber nur für den Beginn gelten lassen. Was später für die Bank geschehen ist, ist wirklich nicht viel. Herr Fischer hat gestern einen Brief von Dr. Marmorek verlesen, in dem gesagt wird, daß die Bank weder Fisch noch Fleisch sei. Trotzdem besteht der Wunsch, sie aufzuessen. (Heiterkeit.) Es wurde gesagt, daß man dem Aufsichtsrat und den Governors wie bei andern Banken eine Tantieme gewähren soll, die sie der Bewegung zurückgeben. Wir haben aber einen Paragraphen, der nur die Reisespesen Vergütung gestattet, und müßten demnach vorher eine Statutenänderung vornehmen, die von zwei Generalversammlungen bestätigt wird. Was eine Statutenänderung bedeutet, das wissen wir leider zur Genüge. Es ist aber noch ein tieferer Grund, der dagegen spricht. Tantiemen werden gegeben, nachdem man bereits eine Dividende verteilt hat. Aber ich glaube nicht, daß es ein Institut gibt, das dem Aufsichtsrat Prozente aus allen Einnahmen gewährt. Solche sind nur möglich von Nettoerträgen. Ich habe den Antrag zur Bildung eines Zentralfonds gestellt. Ich schlage vor, eine Kommission zu ernennen, die sowohl diesen wie alle andern Vorschläge prüft. Herr Wolffsohn übernimmt wieder den Vorsitz. Der Sekretär verliest nunmehr alie zum Punkte Finanzfrage eingegangenen Anträge. Präsident Wolffsohn: Ich möchte zum Antrag Prof. Warburg (s. o.) ein Amendement stellen, wodurch ich in der Lage sein werde, für den Antrag zu stimmen. Ich stelle den ZusaUantrag, daß bis zur Änderung der Statuten die Bank 10°/o ihres Einkommens an die Bewegung abgibt. Die Bank wird schon Mittel und Wege finden, um unserer Forderung in einer legalen Form zu entsprechen. Wir beschließen natürlich nur, von den Institutionen zu fordern. Die Rechtsgültigkeit erfolgt erst auf Grund der Beschlüsse der Institutionen selbst. Eine Statutenänderung der Bank ist gar nicht notwendig. Damit aber die Sache formal erledigt wird, könnte der Antrag lauten, daß das A. C. den Aufsichtsrat ersucht, den Antrag bei der Bank einzubringen und bis dahin 10°/o von der Bank zu verlangen. Zu dem Antrag des Engeren Actions- Comites möchte ich noch bemerken, daß es nicht richtig ist, wie hier behauptet wurde, daß die Besteuerung höchstens 40 000 Mark einbringen würde. Dieser Betrag wird mindestens von der Besteuerung der Bank und des J. N. F. einkommen, aber auch die andern Sammlungen werden zirka 20 000 Mark bringen. Berichtigen muß ich noch die Ausführungen des Herrn Dr. Tschle iow, daß der N. F. schon jetzt zu den Kosten der Bewegung durch das Palästina-Amt beitrage. Im Gegenteil, das Palästina-Amt bekommt kaum die Arbeiten von dem N. F. vergütet, die es für ihn leistet. Direktor Hirsch: Ich bitte zwischen einer Änderung des Memorandums und einer solchen der Statuten, zu unterscheiden. Für die letztere ist der Beschluß zweier Generalversammlungen genügend. Nach unserm Memorandum kann aber der Aufsichtsrat schon jetzt alle möglichen Geschenke machen. In der Abstimmung wurden nunmehr folgende Anträge angenommen: 1. Antrag Warburg Wolffsohn: J)as Actions-Comite beschließt, daß die Governors beim Jewish Colonial Trust den Antrag stellen sollen, Bestimmungen zu treffen, wonach der Aufsichtsrat und das Direktorium 10"/o des Reingewinnes nach Abzug der Reserven für die Zwecke der Bewegung erhalten. Inzwischen soll die Bank, bis diese Bestimmungen getroffen sind, 10°/« des Reingewinnes nach einer näher festzusetzenden Norm für dieselben Zwecke zur Verfügung stellen.