Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Angreifen der Bankgelder habe, so müssen wir doch, um hier reinen Tisch zu machen, zur Deckung des Defizits die verfallenen Dividendenreserven in Anspruch nehmen. Dagegen wäre es ein schwerer Fehler, künftig die Dividende nach einer Anzahl von Jahren für verfallen zu erklären, denn diese Dividenden bilden eine Reserve, auf die die Bank nicht verzichten kann. Ich schlage daher vor: 1. Eine Erhöhung des Schekels auf Jf> 2 pro Jah*. 2. Die Einführung erhöhter Beiträge seitens der wohlhabendem Gesinnungsgenossen. Hierzu soll ein Komitee eingesetzt werden, das sieh um die Eintreibung dieser Beiträge bemüht. 3. Die Liquidierung der bisherigen Schulden des E. A. C. aus dem Fonds der verfallenen Dividenden. Boris Goldberg: Ich kann auf die Frage, die Herr Dr. Heymann hier aufgeworfen hat, gleich antworten. Wenn es in Rußland die gleichen politischen Verhältnisse gäbe wie anderswo, dann wäre es auch möglich, auf die Vorschläge Dr. Heymanns einzugehen. Was die Besteuerung einzelner Personen anbetrifft, so darf man nicht übersehen, daß außer dem Budget des E. A. C. auch die Budgets der Landeskomitees bestritten werden müssen. Deswegen bin ich der Ansicht, daß die Besteuerung der Einzelpersonen für die Spesen der Landesorganisationen reserviert bleiben muß. Wenn dies nicht geschieht, so werden die Landeskomitees aus Mangel an den nötigen Mitteln vollständig zerfallen. Davis Trietsch: Ich bin im Prinzip für die Besteuerung der Institutionen und schlage vor, beim Nationalfonds anstatt einer Steuer von 10°|o die Zinsenerträgnisse des Kapitals und des Landbesitzes für die Zwecke der Bewegung zu verwenden. Bezüglich der verfallenen Dividenden der Bank bin ich der Ansicht, daß man sie gleichfalls für die Zwecke der Bewegung verwenden kann. Damit nicht der Reservefonds der Bank vollständig erschöpft wird, könnte man ja zunächst die Hälfte der Dividenden in Anspruch nehmen. Im Zusammenhang mit der Finanzfrage möchte ich nochmals auf die Palästinaausstellung zu sprechen kommen. Man kann mit einem Kapital von 20000 Mark bereits eine sehr schöne Ausstellung arrangieren, die sehr wohl auch einen guten finanziellen Erfolg bringen kann. Ferner möchte ich einen bereits wiederholt von mir angeregten Vorschlag bezüglich der lebenslänglichen Ablösung des Schekels durch eine einmalige Zahlung vorbringen. Ich habe ausgerechnet, daß die Ablösung schon bei einem Minimalbetrage von 20 Mark rentabel ist. Es ist hier die Möglichkeit gegeben, große Summen hereinzubekommen. Wir können im Laufe der Jahre einen Millionenfonds zustande bringen. Es wäre auch zu erwägen, ob die Ordnung unserer Finanzen nicht in Verbindung mit der praktischen Palästinaarbeit gebracht werden kann. Wir besitzen hochrentable Kulturen in Palästina, die man für diesen Zweck ausnutzen sollte. Man sollte diese Frage wenigstens genau untersuchen. Dr. Friede mann: Wir müssen zunächst ausrechnen, wieviel G-eld wir brauchen und wieviel die Summen ausmachen, die wir durch eine Besteuerung hereinbekommen. Bei einer Besteuerung des Nationalfonds erhalten wir jährlich 30 000 Mark, bei der Bank 13—15 000 Mark. Es kämen also bei einer 10°/oigen Besteuerung iiisgesamt etwa 45 000 Mark heraus. Das ist ein ganz unzulänglicher Erfolg, der es absolut nicht rechtfertigt, daß wir hier mit einer Sache beginnen, von der man nicht weiß, wo sie auf hört. Wir werden, wenn einmal der Anfang gemacht ist, die Prozente erhöhen und auf diese Weise die Fonds nach und nach vollständig zugrunderichten. Um aber die nun einmal vorhandene Schuld tilgen zu können, beantrage ich, die nach vier Jahren verfallenen Dividenden für die Zwecke der Bewegung zu verwenden. Vor einer Besteuerung des Nationalfonds, dessen Mittel zusammengehalten werden müssen, und dessen Arbeiten in Palästina nur dann vorwärtsgehen werden, wenn die Mittel sehr groß sind, warne ich ernstlich. Direktor Hirsch stellt ziffernmäßig richtig, daß die nicht abgehobenen Dividenden pro 1902 und 1904 nur 1800 £ für jedes Jahr betragen und daß immer mehr von den alten Dividenden abgehoben werden. Dr. Katzenelsohn: Ich stehe liier in einer zweifachen Eigenschaft vor Ihnen, erstens als Direktor der Kolonialbank, als der ich mich gegen jede Besteuerung aussprechen muß, und zweitens als einfacher Zionist, dem die Ordnung der Finanzen sehr am Herzen liegt. Das, was Herr Wolffsohn heute vormittag über unsere Finanzlage ausgeführt hat, geht mir 8ehr zu Herzen, und ich sehe ein, daß es so nicht weitergehen kann. Was nun den Antrag auf Besteuerung der Institutionen betrifft, so beträchte ich das als . ein Unglück. Ich bin übrigens überzeugt, daß der Antrag nicht durchgehen wird. Selbst die Anhänger der Besteuerung geben zu, daß es ein sehr bedenklicher Schritt ist. Es ist dies, wie wir in Rußland sagen, eine Expropriation. Bevor wir an diese Expropriation gehen, müssen wir uns überlegen, ob wir nicht auf andere Weise helfen können. Unsere Einrichtung des Schekels war eine der großartigsten Ideen für die erste Zeit; inzwischen haben sich aber die Verhältnisse gänzlich verändert. Wir haben jetzt ein Budget von mehr als JC 150000 jährlich, und dafür reicht dnr Schekel nicht aus. Nun hat es Herr WolfFsohn am Haager Kongreß durchgesetzt, daß ein Parteifonds gegründet wurde. Die Idee an sich war ausgezeichnet. Nur wurde sie nicht richtig durchgeführt und außerdem zu einer Zeit, wo man nicht einig war und daher für den Parteifonds auch nicht gearbeitet hat. Ich bin dafür, den Schekel so zu lassen, wie er gegenwärtig ist; außerdem aber sollen wir zur Erhaltung und Finanzierung der Bewegung einen Zentralfonds bilden. Wenn Sie mit Liebe und Opferfreudigkeit daran gehen und in diesen Fonds auch die Sammlung für gewisse kleinere Zwecke, wie z. B. die Nationalbibliotliek usw.. einschließen, so hin ich überzeugt, daß wir etwas zustande bringen. Man muß in der ganzen Bewegung davon durchdrungen sein, daß auch die Abgaben für die Organisation wichtig sind. Es muß nach dieser Richtung bin ein ernster Versuch gemacht werden. Wenn Sie nach einem Jahre kommen werden und kein Resultat erzielt ist, dann erst haben wir das moralische Recht, die Institutionen zu besteuern. Wir sind doch bisher noch immer durchgekommen, ohne diese Gelder in Angriff zu nehmen. Warum sollen wir auf einmal die Hoffnung aufgeben? Und nun zur Frage der Besteuerungselbst. Man sagt schon so wie so, daß wir keine Bank sind. Weim man aber hören wird, daß vom Gewinn ein Teil für Parteizwecke verwendet wird, bedenken Sie, welche Schwierigkeiten sich dann orgeben können: die Aktionäre könnten uns zur Rechenschaft ziehen. Die Besteuerung des Natioualfonds würde, wie ich fürchte, dessen Popularität untergraben. Und was dessen Zinsen betrifft, so sind für mich Zinsen und Kapital dasselbe. Sie haben von Herrn Hirsch interessante Ziffern bekommen. Wir haben aus den Jajiren 1902 und 1904 im ganzen nur noch 3600 Pfd. uubehobene Dividende. Es werden aber noch immer Coupons 1 und 2 einkassiert AVas beweist das? Es beweist, daß unsere Aktionäre eine Reihe von Jahren brauchen, um die Dividende einzukassieren, aber nach und nach tun sie es auch. Die Frage ist, wollen wir, daß unsere Bank Aktionäre hat oder nicht. In letzterm Falle können wir sogar festsetzen, daß die Dividenden schon nach einem Jahre verfallen. Die verfallenen Dividenden hat aber die Bank selbst nötig. Ich kann mir denken, mit schwerem Herzen, daß die Bank ein Opfer bringen muß, aber machen Sie nicht die Bank zu einer ständigen Einnahmequelle. Diejenigen, die das Geld gegeben haben, gaben es nicht für die Partei. Es wäre aber auch ein Unglück, nicht nur für die Bank, sondern für die Bewegung, die sich durch diese Maßnahmen zu einer Art Chaluka entwickeln würde. Es würde sich dann niemand bemühen, Schekel zu sammeln. Bestenfalls würden wir eine JCA werden, die immer nur von denjenigen Mitteln lebt, die ihr einmal übergeben worden sind. Nur daß wir nicht die großen Mittel der JCA haben. Dr. Herzl würde sich im Grabe umdrehen, wenn er hörte, daß wir davon zehren, was die Institutionen haben. S. Gronemann: Ich schließe mich den Ausführungen des Dr. Katzenelsohn an. Eine Bewegung, die sich aus den laufenden Mitteln nicht erhalten kann, ist entweder nicht lebensfähig, oder die Organisation ist schlecht. Der Felder liegt darin, daß wir besondere Fonds immer wieder gründen. Ich habe kürzlich einen Artikel darüber veröffentlicht und darin einen Vorschlag gemacht, der dahin geht, daß alle Gelder durch die Hände des Actions- Comites gehen, welches daraus zunächst seine Ausgaben zu decken hat. Der Überschuß soll den betreffenden Fonds zugeführt werden. Wenn dies durch einige Jahre geschieht, dann werden wir dauernd saniert. Denn das A.-C. wäre dadurch in der Lage, Agitatoren auszusenden, die das vielfach wieder hereinbringen würden. Dieser Modus hätte folgende Vorteile: 1. wären wir bei unsern Bewilligungen sehr vorsichtig, weil wir uns sagen würden, es geschieht auf Kosten der Fonds, die uns lieb sind; 2. würden wir uns bemühen, die Ausgaben durch den Schekel zu decken. Das würde in wenigen Jahren zu einer Gesundung führen. Es mag ja eine ziemlich komplizierte Sache sein, heute, nachdem der Nationalfonds als juristische Person existiert, die Sache durchzuführen. Seine Popularität aber würde m. E. nicht darunter leiden. Wir brauchten uns nur hierüber mit den großen Landsmannschaften in Verbindung zu setzen und zu einigen. Keßler: Eine Erhöhung des Schekels ist für viele Länder unannehmbar, und ich bin auch aus prinzipiellen Gründen dagegen.