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Die Welt · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1274 DIE^ELT No. 48 „Das Actions-Comite beschließt, die der Organisation unterstellten Institutionen und Fonds zu einer Abgabe von 10(,/u ihres Netto-Einkommens als Entschädigung für die von der Organisation geleisteten Dienste zu verpflichten. Sammlungen für Institutionen und Fonds, welche der Organisation nicht direkt miterstellt sind, sollen innerhalb der Zionistischen Organisation nur zulässig sein, sofern diese Institutionen und Fonds gleichfalls eine Abgabe von 10% ihrer durch diese Sammlungen erzielten Netto-Einnahmen entrichten." Die Jahreskonferenz hat ein Budget von 173 000 Jt bewilligt. Hierauf kommen 40000 JL Rückvergütungen, so daß noch 133000 Jt aufzubringen wären. Diese müssen wir unbedingt beschaffen. An Schekolim sind bisher 89 000«^ eingegangen, und sind aber nur ca. 32 000 Jt verblieben, weil wir über 6000 Jt an die Föderationen zurückvergüten mußten. Es fehlen somit nicht weniger als 100 000 «J?. " Daß wir auf dein Wege des Schekels dieses Geld hereinbekommen, erseheint fast ausgeschlossen. Es werden jetzt überhaupt Schekel nur dann gesammelt, wenn die Notwendigkeit vorliegt, einen Delegierten zum Kongreß zu schicken. Selbst die Föderationen, die als solche nur dann zu existieren berechtigt sind, wenn sie 3000 Schekel abgeführt haben, haben diese Anzahl, nicht entfernt aufgebracht. Ich spreche nicht für mich, sondern für die andern, die die Leitung übernehmen werden. Man mag noch so schöne Artikel darüber schreiben, der Zionismus sei keine Geschäftssache, sondern eine geistige Bewegung, aber auch der Geist will bei uns essen und Nahrung haben. (Heiterkeit.) Meine Ansicht ist: Wenn die Organisation zugrunde geht, — die Idee wird weiterleben, — dann sind unsere Institutionen auch zu nichts nütze. Ich weiß kein anderes Mittel: Wir müssen unsere Institutionen besteuern. Bereits vor zehn Jahren hätten wir bei der Gründung der Bank festsetzen müssen, daß alle Institutionen verpflichtet sind, 10°/ü ihrer Einnahmen der Organisation zu geben. Niemand hatte damals ein Wort dagegen gesprochen. Denn damals war allen klar, daß nur die Bewegung die Institutionen schaffen und erhalten kann Heute muß man diese Selbstverständlichkeit erst beweisen. Ich will Ihnen nur ein Beispiel anführen: Der Bezalel entsendet Frau Pewsner nach Afrika. Es gelingt ihr, 2000 Pfd. aufzubringen, aber wie? Indem unsere dortige Organisation sich ganz in den Dienst des Bezalel stellt und für Monate hinaus für alles andere lahmgelegt wird. Haben wir da nicht das Recht, zu verlangen, daß der Organisation* für ihre Dienste 10'Vo von den Sammlungen gewährt werdenV Ganz das gleiche ist es bei der Siedlun^sgenossenschaft, dem hygienischen Institut usw. Ist es da nicht angemessen, daß diejenigen Institutionen, die uns unterstehen, uns unsere Arbeit zum Teil wenigstens entgelten? Herr Podlischewski hat in seiner temperamentvollen Art davon gesprochen, daß er* mit 20, 40 und auch 50°,o der Besteuerung der Institutionen einverstanden wäre. Dies wird aber nicht nötig sein, wenn wir uns bemühen, daß alle Sammlungen durch unsere Hand gehen und die 10° »ige Besteuerung durchgeführt wird. Wenn Sie das aber nicht tan, dann werden Sie später an die Bank und dann auch an den Nationalfonds herantreten müssen, aber dann in ganz anderer Weise. Malen Sie sich einmal das Bild aus. Es wird eine neue Leitung gewählt, die auf dem demokratischen Standpunkt steht, daß auch die Mitglieder der Leitung besoldet werden sollen. Das Resultat wird sein, daß Sie zunächst dasjenige Institut hernehmen, das sich am wenigsten wehren kann: die Bank, bei der Sie Anleihen machen werden. Un so werden Sie immer tiefer in Schulden hineingeraten. Es wurde eingewendet, daß, sobald die Besteuerung durchgeführt wird, wir überhaupt keine Schekel mehr erhalten werden. Dagegen gibt es aber ein Mittel in dem Vorschlag des neuen Organisationsstatuts, wonach man nur auf Grund von 400 Seh ekeln einen Delegierten zum Kongreß entsenden kann. Selbst wenn wir in diesem Jahre so viel Schekel wie im vorigen Kongreßjahre hei einbringen, werden wir auch nur die Schulden und die Kongreßkosten gedeckt haben. Die neue Leitung wird kein Geld haben. Und sie wird doch die 10% ige Besteuerung einführen müssen. Ich bitte Sie also, nehmen Sie den Antrag des E. A. C. an. Wir hätten bereits am Kongreß den Antrag durchgesetzt, wenn die Herren aus Rußland damals nur einige Worte dafür gesprochen hätten. Jetzt müssen wir für die Durchsetzung dieser Forderung alle zusammen eintreten. Tun Sie das nicht, dann werden Sie gezwungen sein, nur Herren in die Leitung zu wählen, die ein großes Vermögen besitzen und die Ihnen womöglich vorher ihre Bilanz vorlegen müssen. (Heiterkeit.) Das wäre aber nicht nur undemokratisch, es wäre ein Unglück. Die Herren aus Berlin erklären ja wiederholt, daß die Schulden getilgt werden müssen, bevor sie eine Wahl in der neuen Leitung, annehmen werden. Sie müssen also zu einem Entschlüsse kommen. Sie sind jetzt genau informiert, und ich bitte Sie, entweder unsern Antrag anzunehmen oder Vorschläge zu machen,, die uns auf anderm Wege die nötigen Mittel beschaffen. Herr Podlischewski gibt nähere Aufklärung betreffs seiner Bemerkung, daß man nicht davor zurückschrecken dürfe, die Institutionen auch mit mehr als 10n/o zu versteuern. Er glaubt, daß eine größere Besteuerung als 10°,'o nicht nötig sein werde,, sondern daß man im Gegenteil, um die Institutionen gar nicht in Anspruch zu nehmen, alles aufbieten werde, um durch den Schekel die Ausgaben zu decken. (Schluß der Vormittagssitzung 1 J/a Uhr.) Donnerstag-Nachmittag-Sitzung. Prof. Dr. Warburg eröffnete die Sitzung um 4. Uhr. Dr. Spitzer: Ich muß Ihnen zunächst berichten, daß man mich in unserm Verein in Esseg beauftragt hat, mich gegen eine Besteuerung unserer Institutionen auszusprechen. Bezüglich des Nationalfpnds stehen' wir auf dem Standpunkte, daß er bestimmten Zwecken gewidmet ist, und es nicht angeht, diese Bestimmung abzuändern. Hauptsächlich sind wir gegen die Besteuerung aus dem Grunde, weil wir der Ansicht sind, daß dadurch die Einhebung des Schekels gänzlich aufhören würde. Bei uns bedeutet die Zahlung des Schekels nicht bloß die Erlangung des Wahlrechts zum Kongreß; denn bei uns gilt der Schekel als selbstverständliche Pflicht, die wir der Organisation gegenüber zu erfüllen haben, und der Schekel wird gern und mit Opferfreudigkeit gegeben. Dabei würde es meiner Ansicht nach wenig schaden, wenn man die bisherige Einheit des Schekels verdreifacht oder verfünffacht. Ich gehe sogar noch weiter und werde beantragen, daß die wohlhabenden Zionisten in einem noch weit höhern Maße herangezogen werden sollen; aber der Schekel als Institution muß aufrecht erhalten bleiben, weil er die Grundlage der Organisation bildet. Nichtsdestoweniger bin ich auf Grund der Mitteilungen des Präsidenten Wolffsolm bereit, für eine Heranziehung der Institutionen zu stimmen, aber nur für ein Provisorium, um das jetzige Defizit zu beseitigen. Es soll damit kein Präjudiz geschaffen werden. Dr. Heymann: Als man vor zwei Jahren einen Antrag auf die Besteuerung der Institutionen eingebracht hat, habe ich dafür gestimmt, inzwischen bin ich nach reiflichem Nachdenken zur Überzeugung gekommen, daß die zehnprozentige Besteuerung der Institutionen für uns absolut nicht akzeptabel ist. Es würde nichts ausmachen, 100/o des Reinerträgnisses der Bank und des Nationalfonds für die Zwecke der Bewegung zu verwenden, wenn dies im Statut vorher eingefügt worden wäre. Nachdem dies nicht der Fall ist, so müssen wir unser schweres prinzipielles Bedenken gegen eine solche Sache äußern. Die Sache würde nicht bei 10% stehen bleiben, denn Herr Podlischewsky hat von 20, 40 und mehr Prozent gesprochen. Wenn das einreißen sollte, so werden unsere Institutionen vollständig weggeschwemmt. Das Actions-Comite" kann sich sodann als Liquidationskomitee konstituieren. Ich will aber nicht nur das Negative sondern auch das Positive hier vorbringen; in den Vorschlägen des Herrn Dr. Spitzer und des Herrn Kremenetzki sehe ich die einzige Rettung aus der gegenwärtigen schwierigen finanziellen Situation, und zwar in der Erhöhung des Schekels und der Selbstbesteuerung. In Deutschland haben wir den letztern Modus mit glänzendem Erfolg durchgeführt. Wir haben innerhalb eines Jahres unsere Einnahmen versechsfacht. Ich bin überzeugt, daß man aus Deutschland dieselbe Zahl Schekolim wird abführen können, auch wenn derselbe erhöht wird. Die Besteuerung wird aus Deutschland allein mindestens 8000 Mk. bringen und was man in Deutschland macht, wird auch anderswo gehen. Die große Frage ist nur, wie sich die Dinge ja Amerika und vor allem in Rußland stellen. Wenn in diesen beiden Ländern die Maßregel ohne Wirkung bleibt, dann wird an dem jetzigen Zustand nur wenig geändert. Vielleicht können uns die Herren aus Rußland irgendetwas Bestimmtes in Aussicht stellen, dann können wir sicherlich von einer Besteuerung der Institutionen vorläufig absehen. KommenSie mir nicht mit dem demokratischen Prinzip,es ist überall so, daß die Reichen mehr zahlen müssen als die Armen. Wir müssen von dem unglückseligen Schekelprinzip loskommen, aber ich bin auf das entschiedenste dagegen, daß wir unsere mühselig aufgespeicherten Kapitalien angreifen. Was nun das bestehende Defizit betrifft, so muß es. selbstverständlich radikal beseitigt werden. Die künftige geue Leitung kann die Geschäfte mit diesem Defizit nicht übernehmen. So schwere Bedenken ich gegen

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