Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 48 —:— -DIE1 zweitens keine Sprachschwierigkeiten, denn alle verstehen Deutsch, drittens keine Saisonschwierigkeiten. Sie werden auch in Kopenhagen den Weg zur Weltpresse finden, das beweisen die bisher dort stattgefundenen Kongresse. Auf jeden Fall können wir Sie versichern, daß Sie bei uns die herzlichsten Sympathien finden werden. N.'Sokolow: Es ist nötig, den Kongreß rechtzeitig vorzubereiten. Schon jetzt muß angefangen werden. Wenn die Vorschläge des Herrn Dr. Hantke ernstlich durchgeführt werden sollen, dann muß man ungesäumt an die Arbeit gehen. Auch für die Eeferate muß bald gesorgt werden. Dr. Tschlenow ist von Dr. Friedemann mißverstanden worden. Gestatten' Sie, daß ich ihn'ergänze. Es ist in der letzten Zeit eine Bewegung in die Erscheinung getreten, die nicht übersehen werden darf. Sie betrifft die national-kulturelle Frage. Es genügt nicht, wenn man sagt, wir wollen eine nationale Kultur schaffen, es handelt sich darum, was geschehen soll. Im Baseler Programm ist ja bereits die Stärkung und Förderung des jüdischen Selbstgefühls und Volksbewußtseins vorgesehen. Wie wollen Sie dies bewirken, wenn Sie nicht die Arbeit für die nationale Kultur aufnehmen? Ich bitte Sie auch folgendes zu bedenken. In einer politischen Bewegung muß man manchmal die eine Richtung, manchmal die andere Richtung in den Vordergrund rücken. Wenn z. B. zeitweilig die Bedingungen für die Kolonisation ungünstig sind, dann muß mehr Gewicht auf jene Momente gelegt werden, für die bessere Bediugungen vorhanden sind. Dadurch wird gewissermaßen das Gleichgewicht in der Bewegung aufrecht erhalten, die sonst zurückgehen würde. Ich kann Ihnen nur sagen, daß unter den jüdischen Massen eine kolossale Begeisterung für national-kulturelle Arbeit herrscht. Ich bin in bezug auf Massenbegeisterung vielleicht blasierter als andere, und doch muß ich feststellen, daß zurzeit in den großen Zentren Rußlands ein Enthusiasmus für die nationale Kultnr, die hebräische Sprache, nationale Erziehung usw. herrscht, der geradezu imposant ist. Es ist eine neue Bewegung entstanden, die von uns hervorgerufen worden ist. Es war vielleicht ein Fehler, daß dies nicht innerhalb des Zionismus geschehen ist, aber die neue Organisation bestellt und diese will durchaus dem Zionismus keine Konkurrenz machen. Sie können das auch aus dem Beschluß ersehen, daß ihre Hauptversammlung nicht Kongreß, sondern Knessiah heißen soll. Eine dauernde Fühlungnahme ist durch eine Personalunion in beiden Organisationen gegeben. Ich glaube, man soll das wichtigste aus der Knessiah herausnehmen und auf den Kongreß bringen. Gewissermaßen eine Berichterstattung über die jüdisch-kulturellen Bestrebungen. Es wird etwas Neues und Großes aus diesem Zusammenwirken hervorgehen. Präsident Wolf f so Im: Es ist hier wiederholt von Pessimismus gesprochen worden. Ich bin an diese Tonart bereits gewöhnt, ich höre sie seit langem und hörte sie schon nach dem II. Kongreß. Aber kann jemand in der Tat behaupten, daß ein Rückgang in der Opferwilligkeit unserer Gesinnungsgenossen eingetreten ist? Ich kann demgegenüber nur darauf hinweisen, daß wir noch niemals so viel, wie in den letzten paar Jahren gesammelt haben, und daß die Einnahmen für die verschiedenen Institutionen von Jahr zu Jahr steigen. Und was unsere Tätigkeit in Palästina betrifft, so stelle ich fest, daß auch hier nie vorher so viel geleistet wurde als in der letzten Zeit. Es wurden ins Leben gerufen: die Siedlungsgenossenschaft, die Versuchsstation, das hebräische Gymnasium, die Arbeitergenossenschaft, die Arbeiterneime usw. Ist da wirklich ein Grund zu Pessimismus vorhanden? Die politische Richtung, sagt man, sei in den Hintergrund getreten. Aber das wollten Sie ja selbst. Herr Sokolow berichtet uns über die Begeisterung in Rußland. Also selbst in Rußland, wo die Bedingungen schwierig sind, werden neue Schöpfungen ins Leben gerufen. Ich weiß nicht, warum Sie plötzlich in Pessimismus verfallen wollen, als ob die ersten Kongresse alles geschaffen hätten und jetzt nichts mehr geschehe. Herr Dr. Hantke hat einen guten Vorschlag gemacht, den Kongreß mit einer Palästina-Ausstellung zu verbinden. Wir können auch den Vorschlag des Herrn Sokolow annehmen, wenn ich mir auch bezüglich des letztem über die Form nicht klar bin. Denn ich muß sagen, so sehr ich die neue Bewegung begrüße, so muß ich doch befürchten, daß durch die neue Organisation unsere Arbeiten von den Kräften, die sich dort betätigen, alimählich vernachlässigt werden. Trotzdem bin ich dafür, den Antrag Sokolow mit jenem von Hantke zu vereinigen. Allerdings bezüglich eines Demonstrationskongresses dürfen Sie sich keiner Täuschung hingeben. Wir müssen uns zunächst fragen, ob für eine gute Ausstellung nicht die Vorbereitungszeit schon zu knapp ist. Man müßte schon heute über einen Kredit dafür verfügen. Ich muß offen gestehen, daß ich nicht gern 'nach Basel gELT 1273 gehen würde. Ich habe die Empfindung, daß darin ein Rückschritt liegt. Im Haag und in Hamburg hat der Kongreß in den betreffenden Ländern einen tiefen Eindruck gemacht, und der Zionismus ist da stärker als vorher. Deshalb wäre mir angenehmer gewesen, wenn wir nach Wien gingen. Aber nach den Schwierigkeiten, die wir daselbst kennen gelernt haben, müssen wir von Wien absehen. Es ist sehr liebenswürdig von Herrn Fränkel, daß er uns nach Kopenhagen eingeladen hat, und er würde sicherlich alles tun, um die Sache zu fördern, aber eine große Judengemeinde kann er in Kopenhagen doch nicht schaffen. Ich war früher für Berlin. Die Befürchtung, daß wir als eine deutsche Bewegung verschrien würden, ist grundlos. Ich kann Ihnen versichern, unser Kongreß wird nicht deutsch aussehen. Berlin hat aber vor allem den Vorzug, daß dorthin die Leitung kommt. Wenn wir hier viele Gegner haben, so haben wir doch eine ganze Reihe von angesehenen Männern, die zum Kongreß kommen werden. Wir haben hier den Hilfsverein und andere Organisationen, die uns sympathisch gegenüberstehen. Entscheiden Sie sich also für Basel oder Berlin. Wenn Sie sich für Basel entscheiden, dann müssen wir auf den Charakter einer Demonstration verzichten. Wollen Sie hingegen demonstrativ wirken, dann ziehen Sie Berlin vor. Für die Arbeit ist Basel am ehesten geeignet. Bevor wir vor sechs Jahren nach dem Haag gingen, hatten wir in Basel manche Schwierigkeit. Aber es ist nunmehr zu erwarten, daß wir dort nach sechs Jahren mit der alten Liebenswürdigkeit aufgenommen werden. Dr. Bodenheim er: Ich würde beantragen, die Wahl des Zeitpunktes und des Ortes für den nächsten Kongreß dem E. A.C. zu überlassen. Es herrscht noch keine Klarheit darüber, ob wir einen Demonstration- oder Arbeitskongreß haben werden. Im erstem Fall wäre ein jüdisches Zentrum und vor allem Berlin vorzuziehen, im andern Fall müßten wir einen kleinern Ort wählen. Kopenhagen ist ein neuer Ort, von dem wir noch nicht wissen, ob er sich bewähren wird. Dr. Hantke: Ich stelle den formellen Antrag, den X. Kongreß als Jubiläumskongreß auszugestalten und in einem jüdischen Zentrum abzuhalten. Jean Fischer: Wenn hier Kopenhagen ernstlich in Frage kommen sollte, so glaube ich, daß man sich doch eher für Antwerpen entscheiden sollte. Wenn man im Prinzip dafür ist, eine kleine Stadt als Kongreßort zu wählen, so kann man nichts Besseres tun, als Basel zu bestimmen. Hermann Struck spricht sich für Amsterdam als Kongreßort aus. Nach einer längern Geschäftsordnungsdebatte wird der Antrag Boris Goldberg, den X. Zionistenkongreß im August 19U in Basel abzuhalten, angenommen. Dr. Hantke zieht seinen Antrag zurück. Davis Trietsch: Ich möchte zur Frage der Palästiuaausstellung, die ich bereits vor Jahren angeregt habe, einige Worte sprechen. Wir sollten hier einen Beschluß fassen, daß das E. A. C. die nötigen Vorbereitungen für diese Ausstellung zu treffen habe. Die Ausstellung könnte dann auch in andern Orten veranstaltet werden, und ich glaube, daß sie sich rentieren würde. Dr. Tschlenow: Das, was Herr Trietsch verlangt, ist nicht dasselbe, was ich vorschlage. Ich möchte, daß es nicht eine Palästinaaussteliung ist, sondern, daß sie einen allgemeinen national-kulturellen Charakter trage. Prof. Warburg: Ich möchte nicht, daß man hier Beschlüsse faßt, die nicht durchführbar sind. Als Faktoren für die Ausstellung kämen vorläufig nur in Frage der Bezalel und der Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina. Ob das viel Eindruck machen wird, ist zweifelhaft. Davis Trietsch wünscht nochmals, daß hier ein Beschluß gefaßt wird; denn wenn ein Beschluß vorliegt, so wird auch die Ausstellung gemacht. Ein dahingehender Antrag wird abgelehnt. Es wird auf Antrag des Herrn Dr. Tschlenow folgender Beschluß gefaßt: „Anläßlich des Kongresses soll eine Ausstellung stattfinden, die die kolonisatorische Tätigkeit in Palästina und die national-kulturelle Tätigkeit in Palästina wie in den andern Ländern veranschaulichen soll." Schluß der Sitzung 10 Uhr nachts. Donnerstag den 24. November 1910» Vormittag-Sitzung: Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung um 11 Uhr. Zur Verhandlung gelangt der Punkt Finanzfrage. Präsident Wolffsohn: Im Namen des Engeren Actions- Comites stelle ich folgenden Antrag: